Ausgabe 
12.1.1913
 
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Stift, ist kein Geschenk des neuen Jahres, sondern eines, das uns der starke Heiland geben muß und auch will, wenn wir ihn bitten, und dann sind wir für Zeit und Ewigkeit glücklich.

Kommst du auch mit demUnd dann? fragte Erichs Vater. Er schob dem Freund einen Stuhl hin und erzählte, wie es ihm eben ergangen.

Es sieht so ernst in der Welt aus, da bekommt man so allerlei Gedanken, schloß er, als müsse er sich entschuldigen.

Ja, es sieht ernst aus, erwiderte der andere.Aber es ist gut, daß wir allem ins Auge schauen. Für einen Streiter Christi kann dasUnd dann? nur eine Stufe zum Siege bedeuten, für ein Weltkind aber eine Stufe abwärts! Alter Freund, du kämpfst vergeblich gegen die Fesseln deiner alten Natur, deines Charakters oder wie du es nennen willst. Gib dich Christo gefangen, sonst kannst du nicht frei werden; aber Er macht frei von allem, was uns bindet; Er gibt Siegeskraft, glaube es! Dann mag das neue Jahr bringen, was es will, es findet dich nicht unklar, zagend, sondern freudig gewiß!

Der Freund antwortete nicht. Er richtete die Augen in die Ferne, aber in diesem Blick lag etwas, das erwarten läßt, Erich wird doch noch eine befriedigende Antwort auf seinUnd dann? bekommen.

Wie sich ein Schutzmann bekehrte.

K. San gehörte niemals zu den angenehm veranlagten Naturen. Er war mächtig von sich selbst durchdrungen, sehr eigensinnig und auch an den Trunk gebunden. Ob im Dienst oder außer Dienst, ein Tag, an dem er nicht tüchtig getrunken hatte, erschien ihm verloren. K. San gereichte der Schutzmannschaft in keiner Weise zur Ehre, und auch sein Heim war überaus traurig. Seine Frau hatte ein furchtbares Leben und wußte kaum, wie sie es an seiner Seite aushalten sollte. Ein gläubiger Polizeiunterinspektor lud ihn immer wieder in die Schutzmanns-Bibelstunden ein, betete auch ein volles Jahr lang täglich für seine Be kehrung; aber es schien hoffnungslos. K. San kam immer tiefer in die Sünde hinein; hatte man

einmal einen Hoffnungsschimmer, so erlosch er bald wieder. i

Freitag, den 1. März vorigen Jahres, war ein großer Festtag für die Arbeiterschaft in Osaka; alle Arbeit ruhte, der Dienst der Polizei war um so verschärfter, da die Ordnung aufrechterhalten werden mußte. K. San hatte im Lauf des Dienstes Veranlassung, miteinem Fabrikbesitzer zu verhandeln, und dieser lud ihn ein, einen kleinen Trunk zu nehmen. Das Ende vom Liede war, daß der eigentlich im Dienst befindliche Beamte nach 5 Stunden singend und schreiend durch die Straßen taumelte und seinen kontrollierenden Wachtmeister mit un⸗ verschämten Reden anfuhr, so daß er auf Wache und vor den gläubigen Unterinspektor gebracht werden mußte. Dieser hieß ihn in sicherem Ge⸗ wahrsam sich noch einmal ausschlafen.

Das schreckliche Ereignis war schnell stadtbe⸗ kannt, und weinend kam Frau S., das Baby auf auf den Rücken gebunden, um sich nach ihrem üblen Gatten umzusehen, der trotz ihrer Tränen aber in völliger Bewußtlosigkeit weiterschnarchte. Trostlos kehrte sie heim und fiel dort auf ihre Knie, um Gott um Hilfe an⸗ zuflehen. Sie bekannte Ihm ihre eigenen Sünden, ihre innerliche Stumpfheit und Glaubenslosigkeit, und es war etwa 10 Uhr abends, als sie Gott bat, ihr ihre Sünden zu vergeben. Genau um dieselbe Stunde schlug ihr Mann im Arrestlokal die Augen auf, sehr erstaunt, wie er dorthin gekommen. Als er die Wahrheit erfahren, warf auch er sich auf die Knie und schrie zu Gott um Gnade. So beteten Mann u. Frau im gleichen Augenblicke, ohne es von einander zu ahnen. K. San schüttete sein ganzes Herz aus, bekannte alle seine Sünden als verloren und schuldig vor Gott, und während er so auf seinen Knien lag, strömte plötzlich das Licht der Gnade und Vergebung in sein zerschlagenes Herz. Er erhob sich und ging heim. Aber an⸗ statt der Vorwürfe, auf die er gefaßt war, emp⸗ fingen ihn die Worte aus dem Munde seiner Frau:Ich bin der Grund deines Elends, weil ich Gott nicht treuer folgte, gerietest du so tief hinein, daß du heut diese öffentliche Schande er leben mußtest. Vergib mir!

Nein, antwortete der erschütterte Gatte,ich habe dir das Leben zur Hölle gemacht, aber ich habe von ganzem Herzen Buße getan, und Gott hat mir vergeben! Nun sind wir erst in Wahr⸗ heit eins und wollen Hand in Hand dem Herrn nachfolgen!

So fingen die beiden ihr neues Glaubensleben an. Am andern Tage in einer Missionshalle trat K. San vor und ließ mit sich sprechen, er bekam mehr Licht und Klarheit und die volle Gewißheit, daß Gott ihn aufgenommen und erlöst hätte. Gleich nachher meldete er sich bei seinem