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Nr. 74

Neue Tageszeitung, Sametag, ven 2 «. März 1914 .

Das ist Tierquälerei.

Nachmittags ging und fuhr ich teils, mit meinen Freun- den Freifrau v. N. nnd Tochter nach dem Aussätzigen-Asyl. Die armen Kranken sahen nichtfo abschreckend aus. wie ich mir vorgestellt. Die Schliminsten sahen wir vielleicht nicht. Aber sebr traurig ist ihre Existenz doch. Sie können sich gar nicht beschäftigen, Heilungen kommen dort nie vor, und sind sie nicht sehr empfänglich für das Christentum. Es wer­den Andachten gehalten, zu denen sie aber, neuerdings, von Muhainedancm aufgebebt, nicht kommen. Auf den Straßen siebt nian nicht mehr viele. Sic haben auch ein Städtisches Asyl, in dem sie unterkoininen können. Nun begaben wir un? auf den Weg zur Judenmaucr. Ein Professor unserer Gesellschaft begleitete uns. Es war eine schwierige Sache, sie zu finden. Es ging den Berg hinab, den anderen hinauf; durch Kasten und Käßlein, um viele Ecken und Winkel, an Kaktusbccken, Schmutz, Mauern vorbei, endlich kamen wir an. Nach demHaram" mußte man fragen. Da standen die Inden niit langen Locken und Samt-Kaftanen, mit Pelz verbränft nnd großen flachen Pelzmützen auf dem Kopf. Ihre blassen Gesichter, großen Nasen, den ernsten fast un­glücklichen Ausdruck, standen sie nach der Mauer gewandt, dienernd und murmelnd. Zuletzt lvendcten sic sich von der Mauer ab und stießen, wie eine wilde, grollende Verwün­schung aus. Sie sollen von Europa aus bezahlt sein, diese Siften aufrecht zu erhalten. Sic sollen ein schönes Leben führen können. Das hindert nicht, daß ihr Ausdruck kein glücklicher ist. Jedenfalls hätte es mir gefehlt, hätte ich dies Bindeglied zwischen Einst und Jetzt nicht gesehen. Dann schlossen wir uns einem fleinen fremden Trupp mit Dra- gaman an und gingen zur Synagoge. Das war wieder eine lange Wanderung durch das Judenviertel. Dort sah ich einen Knaben, auch mit langen Haaren, der wie ein Alter die Zeremonien mitniachte mit tiefem Ernst. Auch er hatte solch ein blasses Gesichtchcn. Wir sahen die Juden sich die Hände waschend, durch die Synagoge gehen, sie sich ab- trockncnd. Das Symbol der Unschuld, hier und dort, es wirkte dramatisch. Wir kehrten znm Abendessen heim, und kroch ich nachher in mein Nest. Den nächsten Morgen schuütte man lein Bündel in aller Ruhe von neuem. Gern gäre ich noch zun: syrischen Waisenbause gegangen, aber es wäre zu kurz geworden. Gern hätte ich noch Schicks Tempel- modell und das von Gordan für das echte heftige Grab er­klärte, gesehen. Die Tage in Jerusalem lagen schon hinter uns. Sie waren zu schnell vergangen, zu kurz bemessen ge­wesen. Man müßte noch einmal hin abere s kann sich der Menfchnichts nehnien, es werde ihm denn gegeben von oben." Jerusalem, dessen in: Laufe der Zeit verschüttete Martersttaßen 13 Meter tiefer liegen, du'bist schmutzig, aber doch schön, du bist eng und voller drängender Menschen nnd Tiere. Suchen diese das Jerusalem da droben? Das ttdische, das besonders vom Oelberg oder Bethanien aus so schön hochgebaut liegt und durch seine eigenartigen Mauern den Eindruck eines abge­schlossenen Ganzen macht, soll uns an das himmlische er­innern, die goldene Stadt, mit offenen goldenen Toren, wie Helle glänzest du!

Aber auch die irdische Stadt sähe ich gern wieder, län­ger, gründlicher. Sie hat es mir ini Ganzen angetan, wenn auch die Einzelheiten gar zu irdisch sind. Ich käme gern mit denen, die mit mir dort waren, in der himmlischen einst an, um nie mehr fort zu müssen.Denn die Schwachheit um und an, wäre schon ganz abgetan." (Fortsetzung folgt).

§cr khallottcnblilgtt töiiminijinflfiiiiiori) M kericht.

S. & H. Stolp i. P., 28. März.

Unter großem Andrangc des Publikunis verhandelte die hiesige Strafkammer gegen den Privatdetektiv Paul Schwarz und den Oberkellner Hinze, die beschuldigt werden, anläßlich des Selbstmordes des Gymnasiasten Tiemann in Charlotten­burg die bekannte Detektivkomödie in Szene gefetzt zu haben, um die vernieintliche Täterin Elisabeth Heinrich, die nach ihrer Meinung Mitwifferin bei der Ermordung des jun­gen Menschen gewesen sein mußte, zu einen: Geständnis zu bringen. Die Angelegenheit hat bereit? im Januar die Straflammer beschäftigt, mußte ober vertagt werden, da Schwarz erkrankte. Er macht auch beute einen leidenden Eindruck. Bei seiner Vernehmung gibt er an, daß er von dem Kaufmann Wolf, einem Schwager des jungen Tiemann, den Auftrag erhalten habe, Ermittelungen anzustellon. Ein festes Honorar war nicht vereinbart. Er bat insgesamt 2809 M erhalten. Der Angeklagte schilderte ausführlich, wie er die Bekanntschaft der Heinrich durch deren Vater machte und sich schließlich mit ihr verlobte. Bei einem nächtlichen Zusam­mensein in: Hotel habe sic ihm dann das Geständnis gemacht, daß ihr früherer Liebhaber Schulz den jungen Mensck»en um­gebracht habe. Der Angeklagte behauptet, daß er sich nic- :nals Bcamteneigenichaft bcigelegt, sondern sich immer als Privatdetektiv vorgestcllt habe. Auch der Angeflagte Hinze behauptet, er habe nichts Sttafbares begangen, sondern ledig­lich an der Aufdeckung eines Mordes Mitarbeiten wollen. In der Beweisaufnahme erklärt ein Detektiv Jordan, der auch als Sachverständiger vereidigt wird, daß cs in Berlin viele Detektive gebe, die ein dunkles Vorleben haben. Ein Honorar von 2800 ,4t sei nicht zu hoch.

Zeuge Kriminalkommissar Kremser hat die ersten Ermittelungen geleitet und glaubt bei dem jungen Tiemann Selbstmord festgcstellt zu haben. Dessen als Zeugen ver­nommene Brüder glauben noch jetzt, daß an ihrem Bruder ein Verbrechen verübt worden sei. Zu einem Selbstmord lag kein Grundvor, er hätte denn in einen: Moment von Geistes­gestörtheit ausgefllhrt werden müssen. Die Familie hat für die Aufdeckung der Tat zirka 5000 M ausgeben wollen. Dem einen Bruder hat Schwarz erzählt, daß er mit dem Berliner Polizeipräsidiun: in Verbindung stehe und oft zu Ermitte­lungen herangezogen werde. Er habe jetzt eine große Sache vor, auf Grund deren er vom Präsidium als Kriminalkom­missar angestellt zu werden hoffe. Die Zeugin Elisabeth Heinrich wird vom Vorsitzenden eindringlich ermahnt, die Wahrheit zu sagen. Sie schildert, wie sie sich mit Schwarz verlobt habe. Um den vermeintlichen reichen Bräuttgam nicht zu verlieren, habe sie auf Drängen von Schwarz das Märchen von der Erwürgung des jungen Tiemann erfun­den. In Wirklichkeit habe der junge Tieinann sie wcgze- schickt, um eine Nachnahme cinzulösen, und als sie wieder­kam, hing er an der Türklinke.

Vorsitzender: Haben Sie den Widerruf nicht erst erlasten, nachdem Ihnen jemand in die Zelle hineingerufcn hatte: Schwarz ist Detektiv und nicht Möbclhändler?

Zeugin: Davon weiß ich nichts, das sttmmt nicht.

Vorsitzender: Sie sollen nach dem Tode des jun­gen Tiemann noch an einen Mitschüler telephoniert haben: der junge Herr schlaff schon.

Zeugin: Davon weiß ich nichts. Als ihre Kollegin zurückkchrte, habe diese den Offiziersburfchen benachrichtigt, der den Toten abschnitt.

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Vorsitzender: Hatten Sie in Berlin cimüH^ tigam?

Zeugin: Nein, ich war nur cinnial mit ein jv.ot Freundinnen und einigen Herren, die wir in: Tiergarten Betroffen hatten, in einem Cafe zusammen.

Vorsitzender: Sie sollen gekündigt haben, n -,1 Sie nicht die Schlüssel zur Wohnung bckaimm?

Zeugin: Nein, ein Mädchen hat mich zur Kündigung verleitet.

Vorsitzender: AIS Sic bei Schwarz im Zinuncr waren, waS geschah da?

Zeugin: Er wollte mich nicht herauslasten, alz ich nach Hanse wollt«.

Vorsitzender: Warum haben Sie nicht geschriea?

Zeugin: Ich dachte. Schwarz werde mich heiraten.

Vorsitzender: Hat Hinze vor der Tür gestanden?

Zeugin: Nein.

Die Zeugin Wilkc erklärt, daß die Heinrich ihr von dem Telephongespräch mit einem Mitschüler des jung.-,, Tiemann Mitteilung gemacht habe.

Die weitere Beweisaufnahme bietet nun unwesentlich: Momente.

Der Staatsanwalt läßt m seinem Plädoyer lio Anklage wegen Betruges fallen und beantragte wegen der übrigen Vergehen gegen Schwarz ein Jahr sechs Monate, gegen Hinze drei Wochen Gefängnis.

Urteil:

Der Angeklagte Schwarz wird zu 6 Monaten Ge­fängnis verurteilt. Von den übrigen Antlagepimkten wird er frcigesprochen. Der Angeklagte H, n z e wird freige. sprachen. Auf Antrag seines Verteidigers wird Schwarz sofort aus der Haft entlassen.

Eine unnütze Quälerei bedeutet das Waschen mit Wasch, breit und Bürste. Welch bcdcuteiwe Erleichterung veischasst dagegen der Gebrauch des betanntca selbsttätigen Waschmittel» Perfil! Der sonst mit Recht so gefürchtete Waschtag wird hier­bei im Hause fast gar nicht gemerkt. In der Hülste der Zeit ist das Waschen vollbracht: blendend weiß, zart und duftig, wie nie zuvor, verläßt die Wäsche den Waschkcssel, eine Augenweide für jede Hausffau! Wer deshalb mit Perfil noch keinen Ver­such gemacht hat, sollte damit nicht länger zögern. Perfil muh jedoch ohne irgendeine Zutat von Seife, Seife,ipulvcr usw. ver­wendet werden.

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