N 7«
Stilf <\
3nm Muyeileu.
Noman von M. Prigge-Brook.
57 (Forffetziingl.
"2ch sehe, ich muß ernsthaft mit Ihnen fprechen, so
fon.ineii wir nicht weiter", sagte er streng. „Sie sind schwer Fi\u:f, miädige Frau, schwerer, als Sie ahnen. Deshalb hat Ihre Schwägerin Sie mir anvcrtraut, und ich will vcr- siu en, sic dem Leben und Ihren Pflichten wiedcrzngewin- ne '. Erschweren Sie mir die Aufgabe nicht, fügen Sie stch nv!ig meinen Anordnungen, und ich glaube. Ihnen ver- i't hcn ju können, daß Sie Fortschritte machen."
„,^ch will nicht", erwiderte die unglückliche Frau verstört.
Zöllner stand auf. Seine Stimme klang jetzt wieder viel schärfer.
„Es gibt Patienten, die nian gegen ihren Willen gesund macht. Vergessen Sie nicht, Sie sind in meiner Macht." Er grüßte und verließ das Zimmer, in dem eine Verzweifelte 'nrückblieb.
's, ach einer Stunde, wahrend der sie die beiden Zimmer in Ordnung brachte, näherte Frau Schurr sich der Kranken.
„Es ist Badezeit, gnädige Frau."
Sie half der Willenlosen, sich notdürftig ankleiden und verließ mit ihr das Zimmer, welches sie dann mit dem Schlüssel verschloß.
Mary folgte mechanisch. Am Ende des weiten Korri- dors lagen die Badezinimer. Die Schurr ließ ihre Pflege- befohlene eintreten und folgte ihr in den sailbercn, freund- lichen Raum, in dem schon das bereitete Bad ans sie ioartcte. Mary sah die Frau hilftos an.
„Wollen wir ansangen?" erinunterte sie.
„Gehen Sie bitte so lange hinaus", antwortete die junge Freu geniert.
„Wo denken Sie hin. gnädige Frau? Sie dürfen nicht allein bleiben. Ta? gäbe eine schöne Geschichte, wenn daS der Herr Doktor erfährt. Er ist imstande, mich fort zu jage»."
„Aber weshalb, um des Himmels willen, weshalb," rief Mary geonalt. Tie fcstverschlossencn Türen, — auch hier hatte die Frau mit dem Schlüssel geöfstiet und wieder verschlossen, so daß sie sich wie eine Gefangene vorkam. Das kleine vergitterte Fenster — sie begriff nichts niehr.
„Sagen Sie mir um Gotteswillcn, wo bin ich denn eigentlich?" fragte sie.
„Wo Sie sind? Wissen Sie das denn nicht? In der Landesirrenanstalt beim Tokwr Zöllner. Die kennt doch jedes Kind."
„Rosemariei" schrie Mary auf. „Wie konntest Du das
mir antun?"
Unaufhaltsam flössen ihre Tränen die bleichen Wange« herab. Zugleich erwachte ein Teil ihrer alten Energie, die so lange geschlafen. Ohne sich an die Anwesenheft der Frau zu kehre», nahm sie ihr Bad, kleidete sich an und verließ an deren Seite das kleine Zinimer, in dein ihr Erkenntnis geworden.
In deni ihren angelangt, legte sie sich nicht wieder in? Deit, obschon Frau Schurr böse wurde und mit dem Doktor drohte. Sic entnahin ihrem Koffer Tinte und Papier und schrieb mit fliegender Hand einen Brief.
Er war an ihren Doktor, und beschwor ihn mit herzlichen Worten, sie an? der Irrenanstalt abzuholen. „Rosemarie hat mich in ein Irrenhaus gesteckt. Bleibe ich drin, Voerde ich auch verrückt. Die Eindrücke sind so schauerlich, daß ich weder essen, noch schlafen kann. Zu hoffen habe ich nichts, z» fürchten alles. Ich kann nur bitten, Gott erhalte mir meinen Verstand. Darum kommen Sic, lieber Herr Doktor, komnien Sie bald!" schlossen die Zeilen. Als sic geschrieben, konvertierte sie den Brief, nahm Sieglack und Petschaft und bat um ein Licht.
Neue Tageszcirnng. Samstag. den 28. Mär, »91s.
„Bemühen sich die gnädige Fra» nicht erst", antwortete die Alte grämlich. „Das Siegel reißt er Ihnen doch wieder ab. Hier konimt kein Brief herauf und geht keiner aus dem Hause, den Doktor Zöllner nicht gelesen hat, damit die An- gehörigen sich nicht erschrecken."
„Hilf, Himmel", dachte Mary und verhüllte ihr Gesicht.
Dumpfe Verzweiflung überkam sie. So unglücklich hatte sie sich selbst nicht an des Mannes Todestag gcfüb.'k, als hier, wo ne erkannte, daß sie wehrlos und verlaisen war. Eine leise Hoffnung wachte in ihrem Herzen auf. Rosemarie hafte versprochen, nach acht Tagen herüber z» kommen, um nach ihr zu sehen.
Wenn sie sie hörte und sah, wie sie sic »mtergebrnckit? Aber Rosemarie wußte es ja. Sie selber hatte sie Zöllner überliefert, damit .. .
Weiter kam sie in ihren Gedanken nicht. Ihr armer, geschwächter Kopf wagte sich nicht in das Labyrinth der Vermutungen. Instinktiv fühlte sie, die Schwägerin hatte sie nie geliebt. Seit Heinz' Tode war sie ihr nn Wege. Wenn sie sie fortgcgeben batte, um sie los zu sein? Die Vorstellung bohrte sich in ihr Gehirn, löschte olle anderen Gedanken aus und verursachte ihr Onalcn. die sic bisher nie gekannt.
Der Tag schlich hin. lim Mittag wurde das Esse» gebracht, schmackhaft bereitet und gut serviert.
Mit Abscheu wies Man, die Speise zurück. Die In- schrift des Services erregte ihr flüchtiges Interesse, Groß und aufdringlich in blauer Schrift zierten die Buchstaben I. A. G. die weißen Teller.
„Heißt Irren-Anstalt Gohlis", sagte die Schnrr stolz. „Aber essen Sie, gnädige Frau: ich bitte, essen Sie. Wenn der Doktor kommt und hört, daß Sic eigensinnig sind, gibt es Strafe. Er kann gräßlich sein."
Mary hörte nichts mehr. I. A. G.: Die Buchstaben standen in gräßlicher Deutlichkeit vor ihren: mumm Blick. Sie war in der Irrenanstalt mid Stoseinarie hatte sic bin- gebracht. Verzweifelt sann sic über ihre Lage nach. Wo fand sich ei» Weg aus diesem Haus des Schreckens, Sie würde wahnünnig, wenn man sie hier behieft.
Die Nachmittagsstunden dehnten sich unendlich Zum Glück verfiel die Frau in eine solche Schwäche, daß sie den Lauf der Zeit darüber vergaß. Sie schlummerte und war ini Schlafe glücklich Der große und der kleine Heinz »m- gaben sie. Gegen 7 llhr wurde sie aufgeweckt. Doktor Zöllner stand vor ihr.
„Nun, hoben Sie sich's klar gemacht, daß Sie wohl daran tun, sich zu fügen?" fragte er sie
Sein Anblick erregte Mary. Zu widerfvrechen wagte sie nicht. Stumm sah sie vor sich nieder. Er schien befriedigt. Ein Wink berief Frau Schurr ins Nebenzimmer. Von dort vernahm Mary rasche Fragen und kurz gefaßte Antworten.
Zwei Minuten waren vergangen, Zöllner kehrte zurück. Sein harter Scbritt tat Mary weh, seine scharfe Stimme klang um einen Grad schärfer, als er sich zu ihr wandte und unvermittelt fragte:
„Warum haben Sie nichts gegessen?"
„Ich konnte nicht", antwortete sic schüchtern. „Zu Haus aß ich auch fast nichts: ich habe keinen Appetit."
„Danach habe ich Sie nicht geftagt. Sie sollen essen, ob mit oder ohne Appetit, gilt mir gleich. Haben Sie auch das Abendbrot abgelehnt?"
Die junge Frau nickte traurig. „Ich kann nicht!" stammelte sie gekränkt.
„So werden Sie jetzt können. Schurr!" Er gab der Frau einen Wink, worauf sie das unberührte Essen herbei- holte und vor Frau Sebald hinstellte. „Esten Sie jetzt, gnädige Frau!"
Stolz, Empörung und Weh im Herzen, weigerte die Kranke sich stumm. Sic sollte ihren Meister finden.
Ter Doktor zwang sie mit Gewalt und ironischen Wor
ten. bis sie ihm den Willen tat »nd einige Bisse» genoß Es wiirde ihr physisch übel: denn tatsächlich war ihr Mage» durch das Fasten geschwächt. Zum Glück sah Zöllner seinen Irrtum ein. Er hieß sic aufbercn. (Fvriseliuna algis
Kirchliche Anzeigen.
Eonngeliscbe Gemeinde Sonntag Fudica, 29. März.
Gottesdienst in der Stadtkirche.
Bormiltags 9 ' , Uhr: Jim Psaircr Dicht
Vormittags II Uhr: Versammlung der Cxmr ' o rt' :
tnng.
Nachm. 2 Uhr: fällt ans.
Goliesdienst in der Burgkirchc.
Aachmittags ha:h ll Uhr: J>m Psaircr 3 »6 mann.
Am Palmsonntag wird abends da, hl. Abendmahl ge feiert.
Gottesdienst in Fauorbr.ch.
Vormittags 10 Uhr: Herr Psarrer Zatzmann
Nachm. 1 Uhr: Fugendgottesdicnst.
Kathvliiche (Ufinrii>>
Passionssonntag, 29. März.
Gelegenheit zu deichten Samstag nachmittag oon 1 Uhz Sonntag früh von ?,0 Uhr an.
’A7 Uhr: Frühmesse.
8 Uhr: Militärgottesdicnst (Singmesse und Predigt).
3510 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachm. 2% Uhr: Segensa »dacht Dienstag Abens halb 8 Uhr ist Beichtgelegenhcit. Donnerstag nachm, van 5 Uhr an ist Beichtgclcgcnheit. Freitag ist mn halb 7 Uhr ein Hochamt mit Predigt za! Feier de» Titnlarsestcs de? Vereiiis der christlichen Mutter mit gemeinschaftlicher Osterkommunion der Mitglieder dieses Vereins. Freitag Abend halb 8 Uhr ist Muttergottesandachi mit Segen.
Feierabend Friedbrrg.
Jeden Sonntag abends von 8—tzLIlt Uhr Versammlung. Sonntag, den 29. März: Vortrag über den Apostel Paulus.
„Feierabend" im Siadtt-il Fauerbach.
Jeden Sonntag: Spiel- und Leseabend
Vereinigte Eladtiheater Frantsurt a. M. Opernhaus.
Sonntag, den 29. März, nachm, halb 1 Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „Die Fledermaus". — Abend» 7 Uhr. „Don Carlos". 22 . Vorstellung im Sonntag-Abann. Er. Pr.
Montag, den 39. März, nachm. 4 Uhr: „Parfifal". Außer Abonn. Große Preise.
Dienetag, den 81. März, abends halb 8 Uhr: „Der Corre- xidor". 22. Vorstellung im Dicnetag Abonn. Gew. Pr.
Mittwoch, den 1. April, abends halb 8 Uhr: Vorstellung bei kleinen Preisen: „Poleablut". Außer Abon».
Schauspielhaus.
Sonntag, den 29. März, nachm, halb 4 Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „Alt-Heidelberg". Außer Abonn. — Abends 7 Uhr: „Die Tangoprinzessin". Außer Abonn. Gew. Preise.
Montag, den 30. März, abend» 8 Uhr: „Wie einst im Mai". 22. Vorstellung im Montag-Abonn. Gew. Pr.
Dienstag, den 31. März, abends 8 Uhr: „Emilia Ealotti". 22. Vorstellung im Dienstag-Abon». Gew. Pr.
Mittwoch, den 1. April, abends 8 Uhr: „Kampf". 20. Vorstellung im Mittwoch-Abonn. Gew. Pr.
Spielplan des Stadlthcifters in Gießen.
Sonnwg, den 29. März, nachm, halb 4 Uhr: „Wie einst i» Mai". — Abends halb 8 llhr: „Wahrheit". Gew. Pr.
MoMag. den 30. März, abends 8 Uhr: „Iägerblut". Volkspreste.
Frankfurt a. M-, Rossmarkt 1
■ ■ m
in
fackenkleidern, Kostumes, Mänteln, Blusen Kostüm rocken Golfjacken Sportröcken


