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Kummer 70

Dienstag, orn Ä4. War; 1014.

O'cue erscheint zeden Werktag. Regelmäßige BeilagenDer Sauer aus Kelsen",die Spinnkube". Se?ugeprers: Bet den PostanstaUen oiecteliayrlkch Mk.

tret den Agenten monatlich 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anreigen: Grundzeile 20 Pfg., lokale 15 Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Po'tnrchnahme erhoben _____Erfüllungsort Friedberg. Kchriflleitnng und Werlag .Friedberg (Hessen). Hanauerstrahe 12. Fernsprecher 48. ^stscheck.Lonto Nr. 485S. Amt Frankfurt a. SW.

Ileberftcht.

In der Streitsache zwischen dem Mannheimer Rechts­anwalt von Harder und dem bayerischen Landtagsabgeord- iretcn Abrcsch aus Neustadt, in der es sich um mehrere Mil­lionen Mark handelt, ist gestern der Landtagsabgcordnete Vbrcsch verhaftet worden.

In München verlautet bestimmt, daß der Abt von Maria Laach Ildefons Herwegen, vom Papst den Kardinals- l,ut erhalten werde. An gut unterrichteter Stelle war eine Bestätigung nicht zu erlangen.

Tie Teilnehmer an der Demonstration vor dem deutschen Konsulat in Warschau sind wegen Beleidigung dcS

-ertreters einer fremden Macht und Friedensstörung unter Anklage gestellt. Tie Strafe für diese Delikte schwankt zwischen 1 Vis und 3 Jahren Festung.

Nach dem endgültigen amtlichen Wahlergebnis der spanischen Senatswahlcn sind gewählt: 98 Konservative, 40 liberale, 9 Demokraten, 3 Republikaner, 3 Reformportei, I Unabhängige, 6 Regionalistcn, 3 Karlistcn, ein Jntegrist, ' Katholik und 1 Agrarier.

Infolge Meinungsverschiedenheiten über die Ein- .aeänkung des japanijcl>cn Flottenpcogramms und die Ab-

nnng des Budgets hat das spanische Kabinett den Bc- . infi gefasst, zurückzulrctcn. Dee Reichstag wird durch Er» \ a(j des Mikado bis zum 25. Dezember vertagt.

In Buffalo (Amerika) griffen etwa 700 Streikende einen Bahnzug, der Arbeiter an die Arbeitsstelle beförderte, alt Steinen und Gcwchrseucr an. Detektive erwiderten das Feuer, wobei ein Arbeiter getötet und viele verwundet norden sind.

Arbeitsmarlrl «. soziale Fürsorge.

Das Rejchsorbeitsblatt, hcrauSgcgeben vom kaiserlichen lstatistischen Amt, enthält in seiner Nr. 2 vom Februar in- teressante Vergleiche des Arbcitsmarktes 1912, 1913 und 1914 iibcr die bezahlten Löhne, über Streiks »nd deren Erfolge, l-czw. Mißerfolge iibcr die Kosten und Leistungen der Ar- 1 ldeitervcrsichernng in Deutschland für das Jahr 1912 und eine »vergleichende llebersicht über dieselbe von 1885 bis 1912. Ter plrbcitsmarkt Hai sich für die Arbeitnehmer insofern verschlech­tert, als die Zahl der Arbeitslosen Ende des Jahres 1913, ',8 Prozent betrug gegenüber 3 Prozent im Jahre 1912. Die '..rbeitslosigkcit ist also im letztverslosscncn Jahre uni 1,8 örozent gegenüber dem vergangenen Jahre gestiegen. Für den Monat Januar 1911, macht sich insofern eine kleine 'Besserung bemerkbar, als die Zahl der Arbeitslosen aus 4,7 ^Prozent zurllckgcgangcn ist, sie ist aber immer noch um 1,5 'Prozent höher, wie in dem gleichen Monat des Jahres 1913. Sehr interessant sind die Zusammenstellungen der Arbeits- Nachweise über die Zahl der offenen Stellen bei den einzelnen PernsSgrnppen und die Zahl der Bewerber nach Geschlechtern getrennt.

Tic Zahlen dee Arbeitsangebote lauten z. B. für die E Landwirtschaft auf 100 offene Stellen für 1913 (1912 | >n Klammern) Juli 110 (92), August 101 (93), September (89), Oktober 105 (91), November 144 (130), Dezember

| 177 (ir-t). Januar 181 (148). Da» Angebot weiblicher Kräste 8 ist regelmäßig unter 50 auf 100 offene Stellen fcstgestellt »vordem In der Industrie und im Handel aber be­trägt das Angebot in allen Fällen weit über 150 ja über 200 »nd 274)1

Aus dieser Statistik geht hervor, daß aus allen Gebieten I des- gewerblichen Lebens ein Ncbcrangebot an Arbeitskräften vorhanden war. Eine Ausnahme bildete nur die L a n d - iv i r t s ch a s t. Hier macht sich rin M a n g e l d e r A r - beitskräfte, besonders bei dem weiblichen Teil, insofern bemerkbar, daß für 100 offene Stellen nur etwa 42 Be- tverbcrinnen vorhanden waren. Wenn der Zudrang männ­licher landwirtschaftlicher Arbeitnehmer in den Monatm Li ovcmbcr, Dezember und Januar auch ein ziem- l ich starker war, so resultiert das daraus, daß viele männliche Arbeiter in den Winter monatcn in der L a n d w i r t - ^ fchast Beschäftigung suchen, »in dann in den besseren ? Monaten, die überall eine Steigerung an Arbeitsgc- st kcgcnheit bringen, der Landwirtschaft den Rücken ; u k c h r e n. Diesem Grunde entspricht das Mindcrangebot .in männlichen Arbeitskräften bei der Landwirtschaft in den ! arbeitsreiche» Monaten Juli, August, September und Ok» bober.

Diel zur Milderung der Arbeitslosigkeit tragen die

7. ältlichen Arbeitsä,ntcr bei. Tic Zahl der durch dieselben besetzten Stellen ist von 374 313 im Jahre 1910 auf 1 051861 t in Jahre 1912 gestiegen. Daß die Arbeitslosigkeit aber nicht feile Dinienstonen angenoimnen hat, wie von den Sozial- dwmokralen immer wieder behauptet wird, erhellt daraus, dah 'ie deutsche überseeische Auswanderung im Monat iniiar 1914 gegenüber dem gleichen Monat des vorigen --ahrck- von 9,1 auf 873 Auswanderer zurückgcgangen

Trotz der herrschenden Arbeitslosigkeit brachte das letzte Jahr 2127 Streiks, an denen 572 796 Arbeiter beteiligt waren. Von diesen Streiks brachten 328 den Arbeitern einen vollen, 932 einen teilweise» und 867 keinen Erfolg. Die Zahl der Aussperrungen betrug 338. Betroffen wur­den davon 82 566 Arbeiter. Diese Aussperrungen brachten den Arbeitgebern in 37 Fällen einen vollen, in 286 Fällen einen tcilweisen und in 15 Fällen keinen Erfolg. Es zeigt sich also, daß sowohl die von Arbeitgebern vorgenommenen Aussperrungen, wie die von den Arbeitern inszenierten Streiks, vielfach einen zweifelhaften Erfolg brachten. Im Allgemeinen schnitten die Arbeitgeber besser ab, wie di» Ar­beitnehmer, eine Erscheinung, die sich auch in Frankreich be- inerkbar machte, indem dort von 100 Streikenden 1908 noch 20,33 einen vollen, 47,05 einen teilweise», 32,62 keinen und im Jahre 1912 6,78 einen vollen, 26.68 einen teilweise» und 66,54 keinen Erfolg hatten. Es zeigt sich hier also das­selbe Bild, das für Arbeitgeber und Arbeitnchiner, beson­ders für Letztere die Mahnung in sich schließen dürfte. Streiks und Aussperrungen nicht willkürlich vom Zaune zu brechen.

Von besonderem Interesse ist auch die Ziisammenstel- lung der L e i st n g e n unserer sozialen V e r - s i ch c r u n g. Wenn nian dabei liest, daß 1912 Entschä­digungen geleistet wurden in 6 522 203 ErkrankungS- fällen, in 1014 122 llnglückssüllcn, daß in 1065 700 Fällen . Invalidenrente, in 27338 Krankcnrente und in 105 480 Füllen Altersrenten ausbczahlt wurde, so bekommt man erst einen richtigen Begriff vor der Großzügigkeit unseres sozialen Versicherungsiintcrnchiuens, insbesondere, wenn man bedenkt daß seit 1912 nun auch noch Witwen- und Waisenrenten, Witwengelder usw. hinzugekoiumcn sind.

Welche unendlichen S u in men dabei in Betracht kom- nien, zeigt die Statistik ebenfalls. An K r a n k e n n n t e r - st ü tz u n g e n wurden iin Jahre 1912 <18851912 in Klam­mern) 424 697 200 Jl (5 175 8-19 000) ansbezahlt: an II n - s a l l u n t e r st ii tz » n g c n 170 302 600 Jl (2 309 647 800); an Invaliden und Hinterbliebenen 205 191 800 M (2 477 490 300 M 16911912).

Ilm diese Auszahlungen bewältigen zu können,mrbe im Jahre 1912 die Summe von 1 106 689 900 <M erhoben (18851912: 13,7 Milliarden!) Tie Arbeitgeber zahlten davon 1912 die Sumnie von etwa 480 Millionen, die Arbeiter 446 Millionen, der Staat 55 Millionen, an Zinsen wurden über 125 Millionen erbracht. Tic entsprechenden Zahlen für die Jahre 1885 bis 1912 betragen 6,1 Milliarden für Ar­beitgeber 5,4 Milliarden, Zinsen 1,3 Milliarden, Staat 748 Millionen Die Summe aller Ausgaben betrügt 10,8 Milliarden, dos Vermögen 2,8 Milliarden.

Die Leistungen unserer deutschen sozialen Fürsorge, be- scnders in der Krankensürsorgc, sind so gewaltige, wie sie kein Staat der Welt auch nur annähernd halbwegs besitzt. In 2463 Ortskrankenkassen sind 9 753 731, in 595 Land- krankcukassen 2 660065, in 5537 Betriebs- und Fabrikkran- kcnkassen 3 476 020 und in 892 FnnungSk'ankenkassen 384 169 Versicherungspslichtige versichert.

Was die Zahl der Landkrankenkassen anbetrifft, geht an? der Statistik hervor, daß Bayern und da wieder ganz beson­ders die Pfalz mit i'ur 3 Landkrankenkassen hinsichtlich der Errichtung solcher schlecht weggekommcn ist. Vergleicht man die Zahl und die Zahlen der Landkrankenkassen mit denen der Fabrik- und Jnnungskrankenkassen, so muß man zur lleberzeuguug kommen, daß die Liebe de : bayerischen Ver­waltung zur Landwirtsck>aft vielfach nur eine theoretische ist, die sofort versagt, wenn es gilt, sollst praktische Arbeit zu llstaffen, die geeignet ist, der Landwirtschast und deren eigen­artigen Verhältnissen gerecht zu werden. Diese Behand­lung muß in den Landwirten die Ucberzeiignng stärken, daß sic sich zur Vertretung ihrer Interessen immer mehr r nd nichr und fester zulammenschließen müssen. Nur, wenn die Landwirte bezüglich ihrer Jnlercssenvertretnng sich die Gleichberechtigung niit den übrigen ErwcrbSständcn errun­gen haben und die staatliche Devoriiiniidung auf allen Gcbie- len abfchütteln, dürfte die Entwickelung der Landwirtschift in der Zukunft eine besser und gesündere werden.

Der drohende Körmkrieg in Rußland.

Tie Lage in der irischen Provinz Ulster gestaltet sich tag­täglich kritischer. Tie Unionisten sind vorzüglich organisiert. Ter Regierung sind Hände und Füße gebunden. Läßt sie Waffengewalt anwcnden, so würde dies einen Enirüstnngs- sinrni in Alt-England Hervorrufen, von dem das liberale Ministerium hinausgefcgt werden könnte. Außerdem ist es noch mehr wie fraglich, ob die Regierung überhaupt in der Lage ist. gegen die ulstcrfchen Unionisten Gewalt anznwcn- den. denn 75 Prozent der Offiziere weigern sich, gegen sie zu marschieren. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses wurde die ganze Tagesordnung mit der Ulstcrsrago ausgc- füllt. Ter Ministerpräsident bemühte sich, die Truppenzu- sammenfchicbnng in Ulster als ganz harmlos hinzustcllcn. Nur das staatliche Eigentum falle geschützt werdcn-

(Zwischcnrus in der Opposition: Vor wem?) Darüber bin- ans wolle man nicht gehen.

Die Debatte dauerte fast zwei Stniidcn. Während der ganzen Zeit war das Hans gedrängt voll und es herrsch'.,' große Erregung. Es kam zn mehreren Unterbrechungen besonders während der Rede AsguithS. Ramsay Macdonald erklärte, wenn Gcncraliiiajor Gongh nicht bereit sei, leine Pflicht z» tun, so sollte er auch nicht in der Armee bleiben.

Wie weiter gemeldet wird, bat der Brigadegoncra! Gongh seine Demission, die er letzten Freitag eingere:cht hatte, znrückgezoge». Er hat sich bereit erklärt, das Ka:n- inando der Kavallericbrigade in Cunnaah z.i übernehm n.

Man erklärt neuerdings, daß im Militärlager von Al- dershot große Anfregiing darüber herrscht, daß 75 Prozent der Offiziere ihren festen Willen knndgegcben- haben, gegen die Ulftcrlcute nicht vorzugchen, selbst wenn das Kriegs- niinistcriiin! einen strengen Befehl hierzu ergehen lassen sollte.

Tic Uiiionistenpartcj hat die Absicht, eine Sauiniliing für diejenigen Offiziere zu veranstalten, die vom Kriegs- ministerium gezwungen würden, wegen ihrer Haltung in de» Ulsterfragc ihre Demission zu geben

Dentlcher !!eichstag.

Ter Reichstag erledigte am Montag eine umfcaigreu Tagesordnung. Ohne Erörterung wurde erledigt: das Ge setz über die Verlegung der deutsch-russischen Landcsgrcuz: in erster und zweiter Lesung, das Gesetz über die Folgen bei Verhinderung Wechsel- und sck>eckeechtlichcr Haiidlungen im Auslände in dritter Lesung, das Etatsnotgeseb in zweiter Lesung. Bei diesem wurde ein Antrag Beck natl.) und Erz- bcrgcr Zcntr.) angenommen, wonach einer Reihe von Be­amten die neuen Bezüge schon ani 1. Avril ausbezahlt leer­

en sollen. Es folgt die zweite Lesung des Nachtragsei, !S br den Grundstücksliintausch des KricgsininisteriumS em Bankdircktor v. Winterfeld betraf. Die Bndgetkom iifsion verlangte in Resolutionen Prüfung des Regreß stuches des Reiches, etatsrcchtliche Behandlung van Tausch eschäften und Vorlegung eines Reichswirtschastsgesetze--. irster Redner war

Abg. Stückle» Soz.). der der Militärbehörde absichtliche lcrlchiing des Rudgetrechts und Hintergehung des Reichs- rgcs vorwars, so daß

Präsident Dr. Kacmps darum bitten mußte, sich zu inßiqem Diese Mahnung wiederholte der Präsident als [ebner von bedenklichen Umwegen des Ehefs de? Militär- rbinetts, sich eine luxuriöse Wohnung zu schaffen, sprach, »tfckilolsener Widerstand des Reichsiages und ein Mini- erverantwortlichkeitSgesctz wurden vom Redner gefordert.

Auch die Abgeordneten Schisser Oiall.) und Gvthe-1 ortschr.) verlangten Wahrung des Budaetrechts des Reichs- igcs und ein Reichswirtschaftsgcsetz.

ReichSschatzsekretär Kühn betonte, des; das Sistatzaml anschgcsckiäfle ohne Zustinnnnng des Reichstages für >u- isssge erachte. Es liege kein Grund vor, der Regierung dal

vertrauen zu entziehen.

Ans die Ausführungen de? Abg. z.ove (fortschr.). oa-z . r -v-,,-,'N-asi-6ästen unhaltbar sei. er­

widerte . .

Schatzsekrctär Kühn, daß die Finan-verwaltung grund­sätzlich das Recht in Anspruch nchnic, ohne Genehmigung des Reichstages Tauschgeschäfte nbznschlicßen. vorausgesetzt daß cs reine Tauschgeschäfte seien.

Nunmehr nahm der Krieg?,ninister v. Falke,ih-wn da? Wort, uni die Notwendigkeit eines neuen Hauses für de- Militö-kabinctt daizutn» Die ganze Anaelcaevbeit sei nm >