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leisten Mitteilungen der „Franksurtec Zeitung" über die hes-
fischen Genossenschaften, der Staatskommissär »löge darauf sehen, daß durch solche Notizen nicht wieder eine neue Beunruhigung geschasfen werde. Die Erklärungen des Staats- kommissärs seien ihm nicht ganz klar. Er sei doch zur Sanie- i„mi des Genossenschaftswesens eingesetzt Worden und sei es unklar, warum er nicht eingeladen werde. Die Regierung kitte er, dafür zu sorgen, daß allch den einzelnen Mitgliedern Mittel zur Verfügung gestellt werden.
Abg. Hanck (Bbd.) wendet sich zunächst gegen den Abg. Vach, der mit seinen Drohungen bei ihm an die falsche kl^resle komme. I», übrigen solle man bei der inneren Kolo- niuition nicht so optimistisch sein. , ,
Abg. Korell-Jngelheim (Freis.) stellt fest, daß Landtag wie Regierung den ernsten Willen haben, wieder Ruhe in das Genossenschaftswesen einkehren zu lassen. Einen Abbau der Zölle könne er nicht mitmack>en. Zu der Zollfrage sei seine Porte! s. Zt. in einer Gärung begriffen. Es sei nicht richtig, deh sich ans amerikanischen Reben kein Oualitätswein ziehen liehe. Der Redner geht dann auf den Fall Jung ein und legt dessen Entwickelung dar.
Abg. Leun (Bbd.) möchte gegenüber den Beschwerden des Abg. Wiegand, bclr. der von den Bürgermeistern gefor- derten Bescheinigungen feststellcn, dah es noch viel schwerer sei, die bei Erkrankung von Waisen geforderten Bescheinigungen imd Bestätigungen auszustellen. _
Mg. Korcll-Angenrod (Bbd.) stellt fest, daß aus der sehr ausführlichen Rede des Abg. Korell-Jngelheim hervorgche, das', da? freisinnige Programm bezüglich Banernschutz usw. vollständig mit dem der Baucrnbündlcr Lbereinstimme, nur habe es ein anderes Mäntelchen an: daß der Bauernbund auch ein Rückgrat habe, das habe die Rede des Abg. Brauer --cgenüber der Regierung bewiesen. Der Abg. Busold müsse nehr gehört haben, als gesprochen wurde. Redner hat nur "'ihanptct. daß die Lebenshaltung der Arbeiter sich sehr Per- -sisiert habe. Er führt noch aus, daß seine Parte', auch ferner an der bewährten Wirtschaftspolitik festhalten werde, den gleichmäßigen Schuh aller nationalen Arbeit, den gleichmäßigen Schutz von Industrie, Kandel, Landwirtschaft und Gewerbe. An einem Abbau der Zölle, wie die Linke es wolle könne man kein Keil finden. Dir glauben, daß die Verhältnisse ans absehbare Zeit sich nicht ändern werden, unser Grundsatz bleibt also bestehen. Gleich dem Freisinn geben auch wir allein in den Wahlkampf, aber unter dem Pro- gramm: Treu nnsercni Gott, treu der Verfassung, treu der nationalen Wirtschaftspolitik und gleichmäßigem Schutze rller Erwcrbsstände.
Abg. Busold (soz.f wendet sich in scharfer Weise gegen die gestrige Kritik des Abg. Nebel.
Staatsrat Süsscrt sieht sich auf Grund der Ausführungen des Abg. Korell-Jngelheim veranlaßt, nochmals auf die Grundsätze einzugehcn, welche auf seinen Vorschlag hin, die Regierung vcranlaßtcn, das Auftreten der Lehrer in sozialdemokratischen Versammlungen zu verbieten. Es steht fest, daß die Vorsteher des Bildungsausschusses auch die Führer der sozialdemokratischen Partei seien, die von den Herren veröffentlichten 10 Gebote seien recht charakteristisch für die Parteilosigkeit des Bildungsausschusses. '
Pin skandalöser Zwischenfall.
Als Redner den Kriegervereinsgeist in Schuh nimmt, macht der sozialdemokratische Abg. Dr. Fulda den Zwischenruf: „Feldwebelgeisr." Staatsrat Süssert erwidert unter Hallo des Hauses: „Sie haben es ja nur zum Gefteiten gebracht. Hierauf ruft Dr. Fulda: „Sic sind ja nur ein trauriger Sommerlentnant geworden." Staatsrat Süffcrt: Ihre Worte reichen niir nicht an die Stiefelspitzen", worauf ’>r. Fulda unter lebhaften Zwischenrufen der sozioldemokra- : scheu Abgeordneten antwortet: „Sie unverschämter Staats- t!" Es entsteht hierbei ein lebhafter Tumult im ganzen iss. Pr. Fulda wird zur Ordnung gerufen und erst Präsident Köhler erklärt, bei weiteren derartigen Szenen ■ Sitzung schließen zu müssen, kann Staatsr.rt Dr.
fort seine Rede mit den Worten schließen, daß er auch uerhin seine von der Mehrzahl des Hauses wie des ganzen Vclkes gebilligte Stellungnahme weiterhin einnehme.
Abg. Bahr (Bbd.) erklärt sich im Namen seiner Freunde über üe Ausführungen des Vorredners einverstanden. Redner verteidigt dann energisch die von der Regierung gestrichene i 53 000 <M. für die Landwirtschastskammer und unterstützt Mo Ausführungen des Abg. Brauer zu dieser Frage.
H eranf gibt Abg. Dr. Osann im Namen der national- liberal n Fraktion eine Erklärung ab, in der das jetzt zum wieder' alten Male vorgekommcne Verhalten de? Abg. Dr. Fulda gegenüber einem Regierungsvertrcter entschieden gerügt v^'d.
Al v. Brentano (Zentr.) schließt sich diesen Ausfüh- i ungen vollinhaltlich an und erklärt dieses Verhalten für eines P rlamentes unwürdig, wenn nunmehr schärfere Bestimm» - en über die landständische Geschäftsordnung ein- trcten l> "ten, habe sich dies der Urheber selbst zuzuschreiben.
Abo Braner (Bbd.) unterstützt diese Aussührungcn des Vorrcdn- s und weist daraufhin, daß der Bauernbund s. Zt. sch.ärferc Bestimmungen angeregt habe. Man sei ihm aber nicht-yese'at.
Abg. ftnrcll (Freis.) mißbilligt die Aenßerungen Dr. Fulda's ebenfalls, mit der Einschränkung, daß derselbe durch den Reg! rungsvertrcter gereizt worden sei.
Abg. Ulrich (soz.) nimmt seinen Fraktionsgenossen Dr. Fulda in Schutz. Ter Negierungsvertreter sei ungehörig vorgegaw'en. (Redner wird zur Ordnung gerufen.) Dr. Fulda sei, wie Staatsrat Süffcrt wissen müsse, mit der Oua- lifikation zum Unteroffizier abgegangen und nicht Offizier geworden, weil er Jude sei.
Sium Schluß leat StaatSrak Dr. Süifert nochmals den
Seit, 2,
ganzen Sachverhalt klar und stellt fest, daß er und nicht Dr,
Fulda der zuerst Beleidigte war. i
Dann wird die sehr erregte Sitzung geschlossen.
Nächste Sitzung Nachmittags 3sch Uhr.
»et weiter, daß die Regierung auch sofort mit dem Bou »im,,, weitverzweigten Straßennetzes beginnen wird.
Parteinachrichlen.
Die internationale ZMahrts-Konferenr.
Berlin, 18. März.
Die Verhandlungen der Schiffahrtskonferenz wurden heute nur in Kommissionen geführt. Die Hauptkoinmission, die sich aus acht Mitgliedern zusammensctzte, und der Ballin, Hcincckcn, Booth, Brown angehörten, beschäftigte sich besonders mit der Quotcnfcage. Inzwischen tagten andere Abteilungen der Konferenz, die sich über die übrigen, die Konferenz beschäftigenden Fragen auscinandcrsetzten.
Die Konferenz wird niorgen wieder zu einer Gesamtsitzung zusammentrctcn, doch scheint eine Einigung aller sich so widrstrebenden Interessen noch in weiter Ferne zu liegen. Besonders das Projekt der russischen Regierung, von Libau aus mit Hilfe der dänischen Schiffe eine eigene Auswande- rcrlinie zu bilden, lastet als schwerer Druck auf der Konferenz. Die russische Regierung wäre in der Lage, mit dem größten Erfolge gegen den Pool zu arbeiten. Es besteht nämlich auf russischer Seite die Absicht, in dem Moment, wo die russische Linie über einen genügenden Schiftspark verfügt, für russische Auswanderer einfach die Grenze zu sperren und ihne keine Auslandspässe zu verabfolgen, sodaß sie gezwungen wären, den Weg über Libau zu nehmen. Da ein großer Teil des Auswanderungsgeschäftes sämtlicher Linien auf der russischen Auswanderung beruht, so kann es nicht für alle Beteiligten angenehm sein, sich an Abmachungen zu binden, die vielleicht schon in den nächsten Wochen durch die Neugestaltung des russischen Auswanderergeschäftes ein ganz anderes Gesicht erhalten.
Aus dem Kreise Gießen.
Die „Neue Tageszeitung" brachte kürzlich eine Notiz über Versammlungen, welche der freisinnige Professor UrftaM t'on Gießen auf dem Lande hält und zwar zu dem Zwecke, Wähler für seine Partei zu gewinnen. Die Vorträge ge! schehen zwar über ein ziemlich harmloses Thema z. B.: „Per Bauer und sein Land, in alter und neuer Zeit." — 2er Grund für diese liebenswürdigen Belehrungen ist aber leicht zu finden und die hessische liberale Wochenschrift vom 1ä. März gibt denselben unumwunden zu, indem sie über eine kürzlich in Bellersheim stattgefnndene Dersomnilung am Schlüsse schreibt, die Bauern sähen jetzt immer mehr ein, daß der Freisinn ihre Interessen besser vertritt als der Groß- grundbesitz- und Fideikommißfreundlich« Bund der Land- wirte. Nun, wenn Herr Professor Ilrstadt glaubt, schon die Bauern soweit überzeugt zu haben, dann wird wohl Herr Dr. Werner das nächste Mal gar nicht mehr im Kreise Gießen kandidieren und Herr Urstadt wird einstimmig in den Reichstag gewählt. Oder gilt's ihm vielleicht mehr um ein Landtagsmandätchen, das könnte auch sein, denn der Frei- sinn hat den Nationalilberalcn für die Landtagswahlen eines der Gießener Mandate zugesagt und jedenfalls wird Herr Grünewald sein Mandat noch weiter behalten wollen und dann Herr Urstadt anderswo Unterkunft suchen müssen. Wir werden zur gegebenen Zeit einhcizen.
Kund der Kandnnrte.
Versammlungen Freitag, den 20. März, abends 8 Uhr, zu
Tagesüdersicht.
Deutsches Ueich.
:: Die transatlantische Schissahrtskonserenz. Die Schiff- sahrtskonserenz setzte gestern ihre Verhandlungen in den Kom- missionssitzungcn fort. Auch gestern war es nicht möglich, die divergierenden Interessen der verschiedenen Gesellschaften zu versöhnen. Es ergaben sich eine ganze Reihe neuer Punkte, in denen die Anschauungen weit auseinander gingen. Beim Beginn der Nachmittagssitzungen sah es bereits so aus, als ob die Verhandlung bereits gestern zu einem plötzlichen Abbruch führen wurde. Den Vertretern der kontinentalen Linien gelang es jedoch, wie Hirsch's Telegraphenbüro von unterrichteter Seite erfährt, die englischen Reeder zu »eranlasfen, von einem Abbruch der Verhandlungen abzusehen und nochmal» das Ziel in Eonderberatungeu der einzelnen Gruppen zu suchen. Auch der Achtmänner-Ausschutz wird heute nochmals zusammentre- ten. Eventuell soll bi» Samstag getagt werden, da jeder der Linien die kolossale Verantwortung fühlt, die ihr erwachsen würde, wenn durch die Schuld ihrer Vertreter die Konferenz in die Brüche gehen sollte.
:: Vier Anarchisten verhaftet. Bei einer polizeilichen Revision der Schlafhäuser in Michalkewitz wurden die Galizier Pakuszewskq, Pesu, Rovak und Sterewicz verhaftet. Zn ihren Schränken fand man große Mengen Sprengstoffe vor und auch eine sclbstocrfertigte Bombe. Wie die Untersuchung ergab, baben die Verhafteten schon lange Zeit in Oberschlesien anarchistische Propaganda betrieben. Sie wurden nach Veuthen ins Gefängnis gebracht.
Oesterreich.
:: Eemeinderatswahlen. Wie oft schon wurde der Untergang der christlich-sozialen Herrschaft in Wien von ihren gute» Freunden prophezeit. Daß es damit noch gute Weile hot, zeigt der gestrige Ausfall der Eemeinderatswahlen im dritten Wahlkörper. Es wurden in allen 21 Bezirken Christlichsoziale gewählt, sa daß die Sozialdemokraten das Mandat im 16. Bezirk, das sie bei einer Ersatzwahl den Ehristlichsozialen abnah- men, heute an diese wieder verloren. — Wie schon bei den Wahlen im vierten Wahlkörper, so zeigte sich auch hier deutlich ein Abflauen der sozialdemokratischen Bewegung.
Frankreich.
:: Da» Entlassungsgcsuch Monis. Marineminister Monis bat gestern das erwartete Entlassungsgesuch eingercicht, das vom Ministerrat genehmigt wurde. Es heißt, daß der Senator des Departements Bauches du Rhone zum Nachfolger Monis ernannt werden soll. — Wie die „Liberte" erfährt, ist der Entschluß Monts keineswegs fteiwillig erfolgt, denn er war der Ansicht, daß er trotz seiner Vorladung vor die Untersuchungs- lommission wegen der Rochettcasfäre sein Portefeuille beibe- halten köunc. Seine Ministerlollegen, die gestern zu einer Sitzung zusammentamen, waren jedoch anderer Meinung und ließen dies dem Marineminister wissen, der darauf kurz vor Beendigung der Sitzung sein Rüiktrittsgcsuch cinreichte.
Türkei.
:: Limnn v. Sanders Rüstungspläne. Aus Berlin meldet die „Kölnische Zeitung": Der „Temps" will erfahren habe», daß General Lima» von Sanders besondere militärische Vorbereitungen gegen Rußland in Armenien empfohlen habe. Es ist nicht bekannt, worauf die Angaben des „Temps" sich slützen könnten, es ist auch nicht anzunehmen, daß, wenn wirklich eine militärische Beratung in der Türkei stattgesunden hätte, von türkischer Seite der Berichterstatter des „Temps" darüber »ntcrrichter worden wäre. Der Umstand, daß der „Temps" diese unbeglaubigten Angaben vor dem Abschluß der türkisch-französischen Anleihe verbreitet, legt die Frage nah«, ob in dieser Angelegenheit neue Schwierigkeiten bereitet werden sollen.
:: Rekrutenanshebung in Albanien. Wie der Korrespondent der „Wiener Reuen Fr. Presse" IN Durazzo seinem Blatte meldet, wird die albanische Regierung in drei Monaten mit der Rckrutenaushebung beginnen. Man glaubt, daß die Aushebung aui keinerlei Schwierigkeiten stoben wird. E» vcrlau-
- Okarben. -
bei Karl Böcher.
Redner: Landtagsabgeordneter Dr. v. H e l m o I t. Samstag, den 21. März, abends Yß Uhr, in
- Hochtoeisel. -
Redner: Hirsche!»Friedberg
Bereinigte Landwirte
Nersammlung
Freitag, de» 20. März, abends 8 Uhr, in - OberRosbach. -
Redner: Ad. Hensel-Dortelweil.
Landwirte!
Gebt den fortgesetzten Machenschaften der Milchgrobhändler, den Milchpreis zu drücken,
nicht nach, sondern haltet fest an Euren Preisen. Die Preisdrücker können nur dann Erfolg haben, wenn Einzelne nachgeben. Halten
alle Landwirte
fest, dann werden die Preisdrücker keinen Erfolg haben.
Jut KmlrrillMiimIil.
Achtung'.
Jeder Arbeitgeber hat für 1—10 bei ihm beschäftigten Versicherten eine Stimme, für jede weitere angefangenc Zehn eine weitere Stimme. Beispielsweise für 12 Personen - 2 Stimmen, für 32 = 4 Stimmen, bis zu, Höchstzahl von 30 Stimmen. Dabei ist zu beachten, daß für jede Stimme ein Stimmzettel in einem gesonderten Umschlag abgegeben werden muß. Hat also ein Arbeitgeber fünf Stimmen, so muß er je einen Summ- zettel in füns Umschläge stecken und diese fünf Umschläge abgeben. Würde er einen Umschlag abgeben, in dem fünf gleiche Sttmmzettel enthalten sind, so würde nur eine Sttmme gezählt werden, würde der Umschlag mehrere Stimmzettel verschiedener Art enthalten, so sind sie überhaupt ungültig. Das ist wohl zu Beachten!
Kund der fanbniirtf. Pfrriniiitf fantaiirtf.
Jtyirküöfrlammlung )\\ Jjinuin
in der „Concordi a" (am Paradeplatz) am Sonntog, dcv 22. März, nachmittags 3 Uhr. _
Tagesordnung: „Protest gegen die zwaugswen Heranziehung der landwirtschaftlichen Haussöhne zur Krankenkasse."
Redner: Redakteur H i r I ch e l - Friedberg.
Die Landwirte, die mit der geplanten Maßnahme n>w einverstanden find, werden gebeten, recht zahlreich 1" c ~ scheinen.


