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Frettay, den 80. Miir; 1014

SieUrne ?««»«»»>tL«s" eftcheint ie6en Werktag. Regelmäßige BeilagenPer jöaner au» Hessen",Nie Kpinnssabe". Semgoprei»: Bei den Postansratlen vierietiahrtich Ml. I^s bei den Agenten monatlich so Big. Hinzu tritt Postgebühr oder Irägertohn. Zinieigen: Grund,eile 20 Psg., lokale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Po inachnahme eriioben Eftüllungsoft Friedberg. ScheiNieitnn« »n«> Seela, Fnedberg (Hessen), hanauerstrahe 12. Ferwprecher 48. Pastlcheck-Coiit» Ne. 485». Amt Franksurt o. Dt.

Deberstchl.

Stuf ZecheGlück auf Segen", wurden zwei Berg- teufe von Herinbrechenden Kohienmasien verschüttet. Der eine war sofort tot, der andere wurde nach acht Stunden de- freit. Sein Zustand ist derart, daß er kaum mit dein Leben davonkommen dürfte.

Der Wagen des Prinzen Earol von Rumänien, der in sebr schnellem Tempo fuhr, überfuhr zu Berlin in der Nauenerstraße einen Mann, der schwer verlebt liegen blieb. Ter Prinz lieh den Verunglückten nach dem städtischen Krankenhaus bringen, wo dieser besinungslos darnieder- iegt.

Fm schwedischen Staatörat ist die Ehe des Prinzen Wilhelm von Schweden mit der Großfürstin Maria Paw lvwna für gelöst erklärt worden.

Das erste Berhör der Statt Eoillanx wird nicht vor Montag oder Dienstag stattsinden. Es sind außerordentliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, uni die neugierige Menge fern zu halten. Die erste Galerie, in der fich da? Zimmer des Untersuchungsrichters befindet, wird von Muni- zipolgarden abgesperrt.

Das englische Nnterhans lehnte in später Nachtstunde das von Bonar Law gegen die Regierung beantragte Tadels- Votum mit Nb gegen 252 Stimmen ab.

Ein englischer Offizier, der zur Ausbildung als Mili­tärflieger der Militärstiegerschule von llpavon zugeteilt war, stürzte gestern während eines Uebungssliiges aus dem Flug- lelde von Salisbury ab und war aus der Stelle tot.

Einem eingegangenen Radiotelegramm zufolge sind t on 10 000 Atsrachaner Fischern, die einen Tag vor dem großen Zyklon ins Meer ausliefen, wie durch ein Wunder 800 t an ihnen glücklich gelandet. Das Schicksal der übrigen 9200 Atsrnchaner Fischer ist unbekannt. Die Zahl der ans der Sttkchnpewsker Landzunge Ertrunkenen ist aus 3200 frst- gestellt.

Eine offiziöse Note belogt, daß der italienische König gestern die Demission de» Kabinett» Giolitti angenommen und den SIbgeordneten Salandra mit der Neubildung de» Kabinett» betraut hat.

Die Wahlkampagne ans der französischen Insel Reunion hat schwere Unruhe» zur Folge gehabt. Es kam

ernstem Blutvergießen, indem zahlreiche Personen ge- tötet und verwundet wurden. Die beiden Kammern der Landwirtschaft und des Handels haben die französische Re- aerung telegraphisch um Entsendung von Truppen gebeten. Damit soll die Ruhe wieder bergestellt werden.

fjrrrldiiift brr Zorinldeiniikralie in den Orts- kranhrnhaflrn.

Die Klagen über die Mißwirtschaft der Sozialdemokra­tie in den Ortskrankenkassen nehmen kein Ende. Welchen llinsang der Terrorismus der Geschäftsführer sozialdemo­kratisch geleiteter Kassen gegen Angestellte nehmen kann, die nicht Gesinnungsgenossen sind, zeigt das Urteil des Oberver- sichernngsamtes in der Streitsache des Kassenassistenten Ruhig gegen die Ortskrankenkasse in Erfurt, nachdehn di» Kündigung des R. durch den Vorstand zum 1. Oktober 1911 für unzulässig erklärt wurde, und die Kasse zur Zahlung des Gehalts in Höhe von 4110 Mark an R. sowie der Kosten ver- urteilt wurde. Ruhig hatte von dem Augenblick an, als dem Vorstand und Gesckiästssührer der Kasse bekannt wurde, daß Ruhig Mitglied des Reichsverbandes gegen die Sozialdemo­kratie geworden war, keine ruhige Stunde mehr. Von dem Vorstande und Geschäftsführer wurde gegen Ruhig ein völ­liger Dernichtungskampf eingeleitet. Er wurde in der so­zialdemokratischen Presie auss heftigste angerissen, weit zu­rückliegende, kleinliche Vergehungen wurden hervorgezogen. Er wurde beschuldigt, gegen die Vorschriften der Kasse ge­handelt zu haben, durch gewinnsüchtige Bevorzugung von einzelnen Kasienmitgliedern. Alle diese Beschuldigungen erwiesen sich aber als hinfällig. Das Gericht faßte schließlich seine Untersuchungen wie folgt zusammen:

Bei der Beurteilung der gesamten Lage der Verhält­nisse ist das Gericht zu der Ueberzeugung gelangt, daß weder in den einzelnen Anschuldigungspnnlten, noch in ihrer Ge­samtheit, nach so langer Zeit ein ausreichend wichtiger Grund tut Sinne des § 354 der Reichsversicherungsordnung zur Entlastung des Ruhig vorlag."

Waren sonach die dem Kassenbeamten zur Last gelegten Verfehlungen aus ein Mindestmaß zusammengeschmolzen, so ergibt sich andererseits aus dem Urteil, daß die Ortskronken- lasse selbst in höchst mangelhafter Weise verwaltet wurde.

Das Urteil sagt folgendes:

Ein Blick in das Protokollbuch läßt ohne weiteres er- kennen, daß die Geschäftsführung einer so großen Kasse, wie die der Gemeinsamen Ortskrankenkaste, auch nicht ln, ent- ferntesten bescheidenen Ansprüchen genügte. Ter Geschäfts- s.'l rer mag im Laufe der Jahre sich eine genügende Fähigkeit

und Gewandtheit angeeignet haben, die Leitung der Kaste ist ihm über den Kopf gewachsen, und es muß als überaus ungenügend bezeichnet werden, daß es an einer schriftlich niedergelegten Dienst- und Geschäftsordnung fehlte."

Der Fall, wie er sich in'Ersurt abspielt, ist charakteristisch für die ganze Frage der Herrschaft der Sozialdemokratie in den Krankenkassen.

Bei den bevorstehenden Krankenkassenwahlen im Kreis Friedberg muß alles aufgeboten werden, um eine sozialdemo­kratische Herrschaft zu verhindern.

Gkhkimat Lichr und dik -eiitlchk Mustm.

Von einem Mitgliede des Verbandes sächsischer Jndn- strieller wird derDeutschen Tageszeitung" geschrieben:

Aus der letzten Generalversammlung des Verbandes sächsisckzer Industrieller erklärte Zeitungsnachrichten ziisolge Geheimrat Rießer, der Präsident des Hansabundes, daß die- ser letztere dafür eintrete, daß Deutschland einfreie? Land mit freien Anschauungen und Einrichtungen im Sinne des modernen Stnatswesens werde." Durch diese Worte wäre stürmischer Beifall der Versammelten entfesselt worden.

Man kann es Herrn Geheimrat Rießer sicherlich nicht s übel nehmen, wenn er sich in diesem Sinne geäußert hat, dcnn es ist sein Beruf und sein Ziel, die deutsche Industrie niit dem Geiste desBerliner Tageblattes" zu durchtränken, bedauerlich ist nur, daß seine Ausführungen vor dieser Ver­sammlung einen solchen Beifall finden konnten. Unser deut­sches Reich hat das freieste Wahlrecht wohl in der ganzen Welt, der Erfolg davon ist, daß Industrie und Handel so gut wie nichts im parlamentarischen Leben und mithin in der Gesetzgebung zu sagen haben, denn alle unsere großen Han­dels- und Industrie-Zentren sind im Reichstag fast aus­nahmslos durch sozialistische Parteibudiker und ähnliche Sachverständige des Handels und der Industrie vertreten. Gerade Herr I)r. Rießer und seine Zuhörerschaft haften doch daran denken müssen, daß beispielsweise infolge dieses Wahl­rechts ein Mann wie Herr De. Stresemann, den sie so hoch schätzen, irgend einem sozialistischen Agitator Mi Reichstage Platz machen mußte.

Vermutlich ist Herrn Geheimrat Rießer dieses Wahl- rccht aber noch nichtfrei" genug.

Unsere Einrichtungen sind ferner derartigfrei", daß Arbeitswillige und nicht rot organisierte Arbeiter schikaniert und geprügelt werden können, ohne daß in den meisten Fällen eine entsprechende Bestrafung herbeigeführt werden kann.

Wir erfreuen uns einer Pressefreiheit, die schon vielfach an Pressefrechheit grenzt. Auch sonst liegt doch tatsächlich auch nicht der geringste Grund vor, über Mangel anFrei­heit" in unserem Vaterlande zu klagen. Die deutsche In­dustrie drückt der Schuh jedenfalls wo anders. Das rapide Anschwellen der sozialdemokratischen Bewegung bedeutet eine unendlich viel größere Gefahr in jeder Beziehung für die deutschen Industriellen, als der angebliche Mangel an söge- nanntenfreien" Einrichtungen. Hier sollte der Hebel ein­gesetzt werden und hier sollte die deutsche Industrie zusam­menstehen wie ein Mann, nänilich in dem Kampfe gegen diese gefährliche Bewegung, damit wäre den Industriellen in Wirklichkeit mehr gedient, als mit dem Verzapfen demokra­tischer Phrasen

Dasdricycrilche" Dentjchland.

Wer im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen Wersen." UnKr guten Freunde im Westen und Osten lieben es, Deutsch­land als das Karnickel hinzustellen, das ansängt, und so mackst ncan uns denn auch getreulicherweise den Vorwurf, daß wir bei dem großen Wettrüsten die Ersten gewesen wären, obwohl es eine nicht abzuleugnende Tatsache ist, daß der Plan der französischen Heeresvermehrung längst schon feststand, als man in Deutschland sich anschickte, hieraus eine Antwort zu geben, und wenn jetzt Rußland erst daran geht, seine Armee weiter zu verstärken, so muß daran erinnert werden, daß gerade diese Macht es gewesen ist, die durch ihre sortwähreu- den sogenannten Probemobilmachungen Tausende und Slber- tausende über den Friedensstand hinaus monatelang unter den Waffen gehalten hat, und wie erinnerlich, hat man ja auch deutscherseits die große Heeresvorlage mit den Ereig­nissen im Osten begründet. Jetzt stellt man es an der Newa natürlich so dar, als wenn die deutsche Heeresverniebrung die Veranlassung zu den jetzigen großen Forderungen für die Armee gegeben habe und die Artikel der Hetzpresse dienen dazu, die Duma bewilligungsfreundlicher zu machen. Man hat auch damit Erfolg gehabt und in geheimer Sitzung sind die Kredite bewilligt worden. Nach außen hin tut man so, als ob niemand friedliebender sei als Rußland, dessen Zar ja die erste Friedenskonferenz im Haag angeregt habe, und gar lieblich klingt mit einem Male wieder die Friedensschal- mei, in Wirklichkeit aber wissen wir in Deutschland zur Ge- nüge, woran wir sind. Sehr ausfällig ist es auch. A letzt mit einem Male wieder in belai!ck>eu Blättern die Returch-

tiing ausgesprochen wird, daß Deutschland im Falle eine« Krieges- in Belgien einfallen könnte, da? nicht in der Lage sei, einer derartigen Invasion irgend welchen nachhaltiger Widerstand entgegen zu setzen. Ja man säbelte sogar davon, daß das 8. preußische Armeekorps in der Rheinprovinz an­geblich zu Manöverzwecken nahezu aus Kriegsstand gebracht worden sein und daß auf dem Truppenübungsplätze Elsec born eine Kavalleriedivision znsamniengezogen w°rden sollt Das ist natürlich alles plumper Schwindel, aber derartige Ausstreuungen finden gleichwohl stets ihr Publikum. Wahr- lcheinlich sind die Meldungen gar nicht einmal in den Redaktionen der belgischen Blätter fabriziert worden, sondern ihre Quelle dürste man wohl in Paris zu suchen haben, wo ja augenblicklich gleichfalls Heeresfragen an -der Tagesord- nung sind, man will eben Glauben ncachen, daß Frankreich auch an der belgischen Grenze sich vorsehen müsse, weil die deuffchen Generalslabspläne auf das neutrale Belgien keiner­lei Rücksicht nehmen. Jnimer wieder muß Deutschland als Schreckgespenst herhalten, wenn eS gilt, Heeressorderungen dnrchzudrücken. Wir werden uns damit abzusinden wissen, aber andererseits angesichts der allenthalben herrschenden Stimmung gegenüber Deutschland uns entsprechend ein- richten.

Denllcher Deichsln^.

_ Zn der Donnerstagssitzung gedachte Präsident Dr. kt L m ps zunächst der Geburt des Erbprinzen von Draunschweig und erbat und erhielt die Ermächtigung, die Glückwünsche des Reichsiages auszudrücken. Auf der Tagesordnung stand der Etat für Ostaftika.

Abg. Erzberger (Ztr.) wies die Angriffe zurück, die man an ihn wegen seiner Haltung gegen die Plantagebcsitzer in der Presie gerichtet hatte und betonte, daß er lediglich amt­liches Material über die Behandlung der Schwarzen auf den Plantagen benützt habe. Des weiteren fragte er, ob der Gruß- erlatz des früheren Gouverneurs v. Wrochem noch in Kraft sei.

Staatssekretär Dr. Sols verneinte dies und betonte, daß den Echulfragen volle Ausmerksamkeit zuteil werde. Sklaven- raub und -Handel seien mit Erfolg unterdrückt worden. Schwie­rig sei es. die richtige Arbeitsform für ganz Afrika zu jindcn. Die Abschaffung der Sklaverei zum Jahre 1920 halte der Gau- »erneut int Gegensätze zum Reichstage nicht für durchführbar. Hoffentlich lasse sich ein Ausgleich finden.

Abg. Keinath (Sltal.) sah in der langanjikabahn ein Kampfmittel sür die wirtschaftliche Eroberung Zentralasrikns, während Abg. Bruckhofs (sortschr.) vermehrte Fürsorge sür die Lehrer in den Kolonien wünschte. Der Etat wurde schließ­lich genehmigt und die Resolutionen der Budgetkommission betr. Erlaß von Arbeiterschutzbestimmungen und Herausgabe einer Uebersicht der Besitz- und Pachtverhältnisse wurden an­genommen.

Es folgt der Etat für Südwestasrika

Im Mittelpunkte der Erörterung stand die Diamanten- ftage.

Abg. Hoch (Soz.) verlangte eine öffentliche Ausschrei­bung der Diamantenförderung und die Ausnahme von Fach leuten, besonders eines Vertreters der Diamantenarbeiter in die Regie. Des Redners Slnschuldigung, die jetzigen Leiter der Kolonialverwaltung haben betrügerische Manipulationen ge­duldet, wies Staatssekretär Dr. Sols energisch zurück und dezeichnete sie unter großer Unruhe der Sozialdemolratcn als Verleumdung. Der Abg. Hoch habe trotz seiner (des Redners) entgegengesetzten Erklärungen in der Kommission derartige Ve- hauptungen ausgestellt. Ehe der Abg. Hoch behaupte, daß er (Redner) mit dem Aussichtsrat der Regie in betrügerischer Weise unter einer Decke stecke, sollte er einmal das Geschäft kennen lernen. Die Regierung habe mit den Förderern einen schweren Kamps gekämpft, der aber zur Versöhnung geführt habe. Daher sollte der Frieden nicht von neuem gestört werden.

Abg. E r z b e r g - r (Ztr.) bat. den alten Streit ruhe, zu lassen und verlangte die Heranziehung der Konzessionsge- sellschasten.

Staatssekretär Dr. Sols nahm noch einmal das Wort und erklärte, daß er nach Einsicht in das Stenogramm der Rede des Abg. Hoch das Wort Verleumdung nicht aufrechter- halten könne, da die Rede lediglich hypothetische Form hatte.

Freitag Fortsetzung.

Ans dem hefl. Fandtng.

Zweite Kammer.

Tarmstadt, 19. Mörz.

Die II. Kammer wird um 9,20 Uhr von Präsident Köhler eröffnet. . . - .

Die Beratung über Ministerium des Innern wird fort-

Abg.Frnchel (Bbd.) dankt der Regierung für die-Errich- tung einer Gestütsstation in Langen. Die Behauptung des Abg. Hartmann. daß jetzt in Hessen 8000 Bauern weniger seien, sei nicht richtig. Eine Gefahr bedeuteten die Waren­häuser und Ramschbazare. Tie kleinen Geschäftsleute t:ür- den durch sie »weisellos oescbädiat. Sebr bedauere er die