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DirnstaA, den 10. War; 1014
7. JalsVflnngi
Dt» „Urne Cages^rturip" eucheinl ,eden Werllag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer an» jlirssrn", „Die Hpinnftubc". Deingapreis: Lei den Poftanstalten o,erleliahrl,ch Ml. 1,05 bei den Agenten monatlich 50 Psg. SSinui tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anreizen: Erundzeile 20 Psg., lokale 15 Psg„ Anzeigen von auswärts werden durch Potnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedberg. Schriftleitnnn und Drrlag Friedberg (Hessen), Hanauerltrage 12. Femiprccher 48. Postscheck-Lonto Nr. 4859, Amt Franlsurt o. M.
Red erficht.
— Wie dem „Elsässer" von maßgebender Seite mitgeteilt wird, soll die Wiedcrbclcgung dcr Garnison Andern am 1. Oktober dieses Jahres erfolgen. In Aussicht ist das zurzeit in Straßburg garnisonicrende Jnsanlericregiincni Nr. >32 genommen, während die Wer nach Straßbnrg verlegt werden sollen.
— Tie Revision im Prozeß gegen den Grasen Miel- zl'Ntki, die von dcr Staatsanwaltschaft eingelegt worbet, war, ist jetzt zurückgezugrn worden. Tamit hat das jrcisprechende Urteil gegen den Grasen Gesetzeskraft erlangt,
— Ter norwegische Poitonmpscr „Bogdoe" ans Christin nia stieß gestern ans dcr Fahrt von Kiel nach Norwegen unweit Skagen mit dem dänischen Postdampscr „Dänin" zu- jammen. Der „Bogdoe" sank innerhalb 5 Minuten. Tie aus 15 Mann bestehende Besatzung und ein Passagier konnten gerettet werde». Ein Man» wnrdc bei dem Ausnmnic». ftoß zermalmt. Ter untcrgcgangenc Dampfer, ein ganz
> neues Schiff, führte die dcutsckrc Post für Norwegen an Bord. Es soll sich dabei eine große Summe Geldes befunden haben.
— Da§ Flicgernngliiik aus dem Flugfrlde von Aspern,
bei dem dcr Oberleutnant Elsncr tödlich verunglückt ist, hat cin zweites Opsrr gesvrdert. Ter Unteroffizier und Zugführer des 7. Infanterie-Regiments, Seena, dcr mit Oberleutnant Elsner obgestürzt war, ist seinen Verletzungen erlegen. Das Unglück ereignete sich infolge starken Sturmes, der eine Geschlvindigkcit von 15 Seknndenmctern erreichte. Der Flieger verlor die Herrschaft über seinen Apparat und stürzte ans einer Höhe von 250 Meter ab.
— Die türkischen Delegierte» sind sich gestern nachmittag I ilber den Text des türkisch-serbischen Fricdrnsvertrages endgültig einig geworden. Die offizielle Unterzeichnung wird jedenfalls heute erfolgen. Serbien erhält im Vertrage er- l'eblichc Zugeständnisse.
— In Cetinje gehen Gerüchte von einem österreichisch, montenegriuischen Zwischcnsnll an der bosnisch »ivntenrgri- nische» Grenz«, aus de», strittige» Gebiete von Sjenskos. Tort soll cs zwischen einen, österreichischen Detack>c,„ent und montenegrinische,i Grenzposten zu einem Feucrgesecht ge- kommen sein. Eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht liegt zur Stunde noch nicht vor.
— Die Sümpfe bei Tampice beginne» wieder. Eine kleine Drnppenkolonnc Huertas wurde schon von den Revo- lntionäre» znrückgewicsen.
— Ein Radiotclegramn, aus Dampieo meldet, daß 5000 Aufständische die Föderalen bei Atamira geschlagen haben. Tie Föderalen haben sich auf Tanipieo zurückgezogen. Ein englischer »nd ein deutscher Kreuzer sowie zwei amerikanische Kriegsschisse sind in aller Eile »ach Dampieo abge
gangen.
— Wie verlautet, haben venezolanische Soldaten die kolun,bische Grenze überschritten. Die Regierung des letzteren Staates hat ihren bevollmächtigte» Vertreter in Ear- raea? beauftragt, eine formelle Protestnote zu überreichen, in der die Gefangennahme und Bestrafung der Schuldigen gefordert wird. In dcr Rote wird weiter bekannt gegeben, daß Solu»,bien alle erforderlichen Maßnahmen treffen werde.
04» demokratischer Leitfaden.
In acht gewaltigen Aussätzen, kaum einer unter vier Spalten, lang, hat die „Frankfurter Zeitung" in de» letzten Wochen den preußisch-deutsche» „Militärstaat" moralisch vernichtet und sich angeschickt, an seiner Stelle den dentsch- franksurtischcn „Bürgerstaat" aufzurichten. Zunächst wurde dcni heutigen Heere, dann dcr „Vormacht Preußen" dcr Krieg erklärt. Jiiimcrhin wirken, so schreiben die von George Eleinow-Bcrlin herausgegebcucn liberal gerichteten „Grenzbotcn" diese Auslassungen »och staatsmännisch gegenüber einer weiteren Gedankenreihe, i» der allen Ernstes die Elbe als der Grcnzstrich zwischen dem „west-süddeutsche» Bürgerstaat" und dem „prcl>bisch-noidöstlichcn Militärstaat" bezeichnet wird. In Zaber» hat „der Geist des ostclbischcn Koloniallandes revoltiert gegen den Geist des Mutterlandes und sucht ihn zu unterwerfen". Soweit sind wir nun also gekommen I Deutschland Lurch den Elbstrich in ein Helles und cin dunkles Land gctciltl Ter Herr, dcr hier die Feder geführt hat, sck>ei»I nur nachts im Schlafwagen ostelbischcs Land passiert z» haben, weil er in dcr Furcht lebte, daß gleich hinter der Elbe die Barbarei beginnt. Er meint, das Kolonialland östlich dcr Elbe sei schlecht er- cbcrt worden. Zum zweitenmal, wie vor achthundert Jah- >cn, müsse das „Mutterland" jetzt seine Pioniere, aber jetzt friedliche Eroberer, Bauern, Kausleutc und Kapital, »ach dem Osten schicken. Bon dcr riesigen Kulturlcistung, die im deutschen Osten durch de» preußischen Staat und zwar gegen den hartnäckigsten Widerstand der „Demokratie", für 'Deutschland geleistet worden ist, hat er keine Ahnung. Mit
einer ähnlichen Ignoranz und Ueberhebung ist über das Deutschland diesseits der Elbe seit langem nicht geschrieben worden.
Einen Gipfel an nationaler Taktlosigkeit bilde» aber die Betrachtungen über Deutschlands Stellung in Europa. Wir bekommen die sch»,eick>clhafte Note, daß wir überall in der Welt, bei sämtlick>cn Groß -und Kleinstaaten, auch bei unseren Bundesgenossen, unbeliebt sind, lind das von Rechts wegen, denn dcr Grund ist fast überall „der preußische Militarismus und seine Begleiterscheinungen". So grund- lich wie hier sind wir in unserer Hassenswürdigkcit der Welt noch niemals vorgcführt worden. Auch nicht von »nsercn bittersten Feinden, etwa Herrn Marse in dcr National Review oder Herrn Wessclitzky in der Nowoje Wrcmja. Ist denn etwa die „Frankfurter Zeitung" in den Konzern der deutschfeindlichen Auslandsblätter auf genommen worden? Immerhin, am Schlüsse wird doch cingeränwt, daß „das Reich in seiner Idee ganz vortrefflich" ist. Rur der preußische Korporal hat die Sache verdorben.
Wenn man solche, unsere Auslandsstellung diskredifte- renden Betrachtungen liest, wild man daran erinnert, wie bitter es die Ausländsdeutschen beklagen, daß es gerade deutsche Zeitungen sind, die da? Material zur Bekämpfung Deutschlands im Anstande liefern. Wenn etwas dazu beige- trogcn hat, »ns »»beliebt zu machen, so sind cs diese Schreibereien, die zudem nicht einmal immer aus deutschen Federn stammen. Das bleibt eines der trübsten Kapitel unserer Publizistik. Kehren wir zu den: Leitfaden zurück. Wir sind am Schluß und erblicken nun den Demokratismus in all seinem Glanz: Alles, was nicht auf Parlanientsherrschaft hinarbeitet, hat Mangel an echtem Staatssinn-, die Debatte über Zabern mag man schließen, die Auseinandersetzung mit dem Militärstaat muß — nach Ansicht dcr „Frankfurter Zeitung" — fortgesetzt und durchgcsiihrt werden: zunächst Rcick>sgesetz ilber die uiilitärisck>cn Dienstvorschriften, dann Einschränkung dcr Militärgerichtsbarkeit, Autonomie für Elsaß-Lothringen, kurz cin vollständiges Koufliktspro- gramm. Es ist gut, daß man wieder einmal deutlich sicht, wohin die „Geldsacks-Demokratie" will. Es ist ei» Pro- gramm dcr Ausweichung und schrittweisen Beseitigung im- lerer verfassungsmäßigen Zustände.
Deutschland und Rußland.
Die deutsch-russischen Beziehungen find in der letzten Zeit mehrfach Gegenstand eingehender Betrachtung«» gewesen, nach, dem die pessimistischen Darlegungen des Petersburger Korrespondenten der „Kölnischen Zeitung" allenthalben das größte Aufsehen heroorgeiufen habe». Gewiß Herste dieser Bericht kei. nerlei osstziösen Charakter Mid ebensowenig hat wohl im Ernst jemand daran gedacht, daß die Situationsschstdermig dazu dienen solle, neue Heeressorderungen in Deutschland zu motivieren, gleichwohl bleibt er aber dach ein charakteristisches Stimmungsbild, wenn auch jetzt russischorserts versucht wird, den nachhaltigen Eindruck jener Mitteilungen abzuschwächen. Zugegeben, daß der Korrespondent vielleicht etwas zu schwarz gemalt hat, so weiß doch niemand voraus, was vielleicht in einigen Fahren hin wird, und daß Rußland rüstet, insbesondere an seiner West, grenze, kann nicht bestritten werden. Aeußcrlich freilich werden die Dinge so geschildert, als wenn alles cmss beste bestellt wäre und so verbreitet man denn jetzt eine Meldung, wonach der Zar an Kaiser Wilhelm ein Handschreiben gesandt habe; der schriftliche eBrkehr beider Monarchen sei uiiunterbrochea sehr rege und äußerst sre Midscha st sicher Natur gleichzeitig wird offiziös versichert, daß s sich bei der angeblichen Probemobilisation keineswegs um eine allgemeine Probemobilmachung handle, sondern baß sich die diesjährigen militärischen Ilebun- gen durch nichts von denjenigen früherer Jahre unterscheide,-, würben. Man wird wißen, was man von diesen Abwiegelungs. versuchen zu haste» hat, auscheiuend hat wohl aber die Haltung, welche die deutsche Presse und die öffentliche Meinung bei UNS nagesichts des erwähnten Artikels eingenomme» haben, an der Newa einen recht nachhaltigen Eindruck gemacht. Alan sieht wieder einmal, daß die deutsche Nation nicht mit sich spassen läßt und gar nicht daran denkt, Rußland nachzulaarsen. Die Erneuerung der Handelsverträge stehen demnächst vor der Tür, und es wäre das unklugste was Rußland begehen könnte, wenn es den Bogen allzu straff spannen würde. Dl« russische Ausfuhr ist MM allergrößten Teil auf Dentfchland angewiesen, und dies muh Rußland bei der Festsetzung seiner Forderungen berücksichtigen. Gewiß können auch wir unsererseits Rußland nich: entbehren; aber es fragt sich doch gar sehr, ob Rußland ohne UNS auskommen könnt«, und dementsprechend ist Deutschland IN dcr Lage, seine Forderungen zu stellen. Wir haben also keineswegs notwendig, vor unserem östlichen Nachbar zu Kreuze zu kriechen und das weih man wohl am letzten Ende in Rußland selber. Aus diesem Grunde hat man sich wohl auch dort beeilt, den jüngsten sensationellen Bericht ins Bereich der Fabel zu vcr. rvcisen, west man davon rmgiinsstge wirtfchajtliehe Felgen be, fürchtet. Jedenfalls werden wir deutscherseits uns durch derartige Abfchwächungsversuche nicht in den Schlaf einlullen lassen, weil wir zu gut wissen, woraus hinaus die Treibereien der Panslawisten wollen, wobei untcstucüt bleiben soll, was bierbei
ruf französische Verhetzung zurückzuführen ist. Möglich freilich daß man augenblicklich im Reiche Väterchens jetzt recht deutst> jeindlich tut, weil man den französischen Anleihemarit dringender als je notwendig hat, um die Heereskredite zu ermöglich-». I,ödesten [timml es zu dein ganzen Bilde, wenn jetzt gemeldet wird, daß für den Posten des Warschauer Generalgouverneurs kein anderer als der Generalstrbschef Schnnarki aiiserfehen sei, indem ausdrücklich hinzugestigt wird, man habe zwar bester nach WarschaiU nur tüchstge Administraturen geschickt, diesmal Fi aber in Erwägung gezogen worden, daß der neue Generalgou- vernour auch ein tüchtiger Militär fei. Das besagt genug.
Prntlcher Reichstag.
Der Reichstag erledigte am Montag zunächst eimgk Wahlprüsungcn. Bei der Wahl des Abg. Frommer lkons.) deren Gültigkeit die Kommission vorschlng, widersprach der Abg. Pr. Rrnmaun-Hofer (Fortschr.) der Gültigkeit »nd verlangte Beweiserhebungen.
Abg. Schmidt-Meißen (Soz.) schloß sich dein an »nd meinte, die vorliegende Wahl sei eine typisch ostelbisck'c.
Das Haus jedoch entschied sich für die Gültigkeit. Dabei wurde ei» Antrag angenommen, der die Anweisiiug au die zuständigen Behörden forderte, Vorkehrungen zu treffen, die eine parteiische Handhabung des Haiisrcck'iS seitens des ' c- sibcrs des Wahllokals ausschließen. Die Wablen dcr Abgeordneten v. Hcydebrand (kons.), Rother lkons.) inib Merlin (Rp.) wurden für gültig erklärt, bei den Wahlen v. Wiulec- scld (kons) und Glowatzki (Pole) Beweiserhebuugcii beschlossen.
Nunmehr setzte das Haus die allgemeine Erörterung des Kolonialetats fort.
Abg. v. Böhlcndorft (kons.) stellte die Eiiiigkeit der bürgerlichen Parteien in der Frage des Bahubaues fest null gab seiner Freude über die unverkennbaren Fortschritte deil Kolonien Ansdriick. Seine Freunde seien stets energisch für eine kräftige Kolonralpolrtik cingctrcten, deren Zweck die Hebung der deutschen Stenerkrast und die Schaffung guter Lebensbedingiingen für die Arbeiter sei. Der Verwaltung sei dafür zu danken, daß sic für Ruhe und Friede» in de:, Schutzgebieten gesorgt habe. Eine Abgrenzung des Tätig- keitsgebietes der Missionen sei wünschenswert. Eine Hebung der Kolonien, die zugleich eine Hebung der Eingeborenen bedeute, könne nur durch Ausbau der Verkehrswege erfolgen (Beifall rechts.)
Abg. v. Mornwski (Pole) verlangte Abschasfnng der Hanssklnverei.
Nunmehr ergriff Staatssekretär Pr. Sols das Wort. Tic Kolonien müßten in tropische und Sicdelnngskolonicn geschieden werden. Mit gewisse» Einschränkungen seien die' letzteren geeignet, den Bcvölkerungsüberschnß anfznnehmen. Ein Pessimist solle nicht in die Kolonie» gehen. Neue Bahnen seien notwendig. Die Taiiganyiknbahn sei ei» Werk der Herren p. Lindeqrnst und v. Rechenbcrg; er (Redner) habe lediglich die Fertigstellung dcr Bahn um 14 Monate bc- schleimigt. Kein Land habe die Handelsbeziehungen znm Mutterlnnde so gesteigert wie die deutschen Kolo-rien zu Deutschland. Am Plantagenbau müsse er im Interesse der Eingeborene» scsthaltc». Die Regierung suche ihren Stolz darin, den wirtschaftlich Schwachen in de» Kolonien z» helfen. Ein Bevölkerungsrückgang müsse entschiede» bestritten werden. Tie Tätigkeit der Missionen als Kulturbringcr fei an- zuerkenneii; kolonisieren bedeute missioniere» im Sinne der Erziehung der Eingeborene» zii höherer Knltiir. Der Alka» holniißbranch »iid Branntweinhandel werde »ach wie vor bc- kämpst. Es würde mehr erreicht werde», wenn Frankreich nicht im Wege wäre. In Südwcst- rnid Ostafrika sei den Eingeborenen der Alkohol überhaupt verboten. Wenn di« Neger trotzdem sich betrinken, dann nur mit ihren eigenen hciinische» Getränkeil. Immerhin geschehe das nur bei gelegentlichen Festlichkeiten, wo sie allerdings mehr zu sich nchinen, als die Aesthctik wünschenswert erscheinen lasse. Zu», Schlüsse bat der Staatssekretär darum, die Debatten ilber die Eingeborenen- mid Arbeiterfragen versöhnender zn führen. Er habe nicht nnr sür die Eiugeboreuen, sondern auch sür die deutschen Landsleute z» sorgen und hoffe, daß das Hans ihm im nächsten Jahre mit Ruhe zuhören werde, wenn er alles Gute Vorträge, was Deutschland den Deutsche» in den Kolonien zu danken habe. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Henke (Soz.) lehnte jeden Bohnbau ab, der »nk de» Kapitalisten nü^e.
Dienstag: Fortsetzung.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Das Preußische Al-geordnet«,,Haus setzte am Montag di« Beratung des Etats der Handels- und Eeweibeverwaltung Lei dem lonfervatioe» Anstag Dr. Roesicke—Di Hahn fort, Le» cin« Denkschrift fordert über die Entwicklung dev BLifeichandels und die Anlage deutscher Kapitalien im Ausland«.
Aba. Dr. Roelicke (kons.) Lcaründete den Aickrag. Er


