Ausgabe 
26.1.1914
 
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Uloniay. den Januar 1914.

7 Jahrgang

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Kaisers Geburtstag.

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Alljährlich am Äatfersiieburtotaiie erinnere ich mich des 80ien Geburtstages des allen Kaisers am 22. März 1877. Wenige Jahre nach dem großen Kampfe als dessen Preis ein geeintes Vaterland den deutschen Stämmen ward. Der Wurm hatte noch nicht so an der Wurzel der deuschen Eiche gebohrt und Arm und Reich jubelte in Treue dem Mehrer des Reichs und Schirmherm deutscher Kraft und Stärke zu. Kanonenschüsse von der Höhe gegenüber dem Städtchen verkündeten im frühen Morgen, daß heute der Ehrentag des Kaisers fei. Später begab sich die Jugend im Sonntagskleid in die Schule, wo eine Feier mit Ansprache der Lehrer staltiand. Dann läuteten die Glocken und vor dem Schulhause traten die Kinder, jede Klasse mit einer schwarz-weig-roten Fahne versehen, zum Kirchgang an. Zn der Kirche standen die Peteranen und der Kriegervereüt unter ihrer Fahne um den Altar geschart u. die Banke der geschmückten Kirche mit ihren hohen Gewölben und gotischen Spiybogensensletn, waren bis auf den besten Platz besetzt.

Rach Verlesung des Evangeliums erscholl von der Gemeinde gesungen in mächtigen Akkorden:

Vater kröne du mit Segen Unsem König und sein Haus ühr durch ihn aus allen Wegen errlich deinen Ratschluß aus;

Deiner Kirche sei er Schutz Deinen Feinden biet er Trutz durch das Gotteshaus. Dann betrat ein junger Psarrer die Kanzel. Er war nicht Pfarrer der Gemeinde, aber ein Kind der Stadt, das eben in seinem Elternhause zu Besuch weilte. Und weil er selbst als Feldprediger den großen Kamps um Deutschlands Einheit niitgeinächt und bei Sedan, wo Freund und Feind in der Hitze des Kampfes gar oft hart aneinander ja durcheinander geraden war, einen Schutz in den Arm bekommen hatte, hatten ihm seine Amtsbrüber für den heutigen Festgottesdienst die Predigt übertragen. Mit kraft­vollen Worten wandte er sich zuerst an die alten Soldaten, ihnen den Dank des deutschen Volkes lussprechend. Dann sprach er zu der Gemeinde oon den großen Opfern des deutschen Volkes und von der Größe und Stärke des neu geeinten deut­schen Reiches, das aus festen Grund gebaut und von mächtigen Pjeilern gestützt dem Sturme der Zahrhun-

dene trotzen könne. Zum Schluß wandte er sich an die Jugend. Er führte ihr die Heldengestalt des alten Kaisers vor Augen und ermahnte sie, es den Vätern

nachzutun, zu snrgen, daß das schwer Erkompstt unversehrt erhalten, gestützt und geschüt, bleibe. Ern Sohn, der das von den Vätern ererbte nicht in deutscher Treue wahrt, jo schloß er seine Mahn llitg. rjt nicht wert, daß er aus deutschem Erd hoben wandelt und daß ihn Gottes Sonne be scheint.

Elt Jahre später wurde der große Kaiser zu seinen Vätern versammelt. Seinem Heldenjohne konnte das deutsche Volk keine Kaisers Geburrs tagsseier bereiten, denn nach nur wenigen Mo naten wurde auch er von einer tückischen Krank heit, mit der er schon lange kämpfte, dahin ge rasst. Sein Leiden hat dem deutschen Volke (, recht gezeigt, daß nicht alles Elend, wie heute viele in ihrer sozialen Verblendung glauben, durch Gesetze aus der Well geschasst werden kann und daß herbes Elend selbst die nicht verschont, die auf den höchsten Höhen des menschlichen Lebens wandeln.

Mit dem Gelöbnis:Den Atmen und Be­drängten ein Helfer und dem deutschen Rechte ein treuer Wächter zu sein" ergriff dann Kaiser Wilhelm II. die Zügel der Regierung. Wer heute nach einer 2l>jährigen Regierungszeit ein gerechtes Urteil über Deutschlands Kaiser fällen will, der muß sagen, daß er während dieser Zeit der 'JUelt ein FriedenssUrst war, stets zu Taten bereit die. dem deutschen Lande zum Wähle und seinem Volke zum heil und Segen gereichen. An oer Spitze aller Völker der Welt steht heute las deutsche Reich in bezug aus seine soziale Gesetz­gebung da und dabei hat es nicht versäumt sein Heer, dem der Schutz des Reiches obliegt zu stärken und zu vervollkommnen, so daß es jedem Feind und Reiber schon durch den Geist des Ofji- zierkorps und Mannschaften beseelt in beredter Sprache zu verstehen gibt:Rühr's nicht an, es find Regeln dran".

Für sein unermüdliches Wirken aus allen Ge­bieten des Staatslebens soll heute unserem Kaiser mit den herzlichsten Glück- und Segenswünschen zugleich der Dank der deutschen Ration zum Aus­druck gebracht werden. Mögen unter seinem Schutze Landwirtschaft und Industrie, Handel und Verkehr, Kunst und Wifienschastauch sernerhin blühen und gedeihen und noch lange Jahre des Frieden» unserem Vaterland beschieden sein. Das walte Gott.

^lcbcrslcht.

Ein schwerer Automobilunsall ereignete sich gestern ncchmittag in der Hauptstraße in Lichtrnberg. Tas Auto- utcbil des Kaufmanns Frrtfche aus der Linienstraße 66 über- tritt »o sich infolge eines Achsenbruches. Von den sieben In- sitzen deS Gefährts mußten drei in lebensgefährlichem Zu- stnnde ins Krankenhaus gebraritt werden, während die an- txren vier mit leichteren Hautabschürfungen davonkamen.

Die Zrntrumssraktion des preußischen Abgeordneten- hrruse» beantragt, die StaotSregi-rung zu ersuchen, _ bald möglichst einen Gesehentwu.s vorzulegen, durch den für dir Stadtverordnctrnwahlr» in Preußen und für die Wahlen der ttieineitideverordneten der preußischen Landgrmeindeu die geheime Wahl eingrsührt wird.

Ter zum Tode verurtrilte Giftmörder Hops hat gegen das Urteil noch keine Revision eingelegt. Die Frist ist am Samstag abgelaufen.

Der Expreßzug CalaisParis ist gestern bei der Station Marwuisr, unweit ChalonS, mit einem Güterzuge zusammeugestoßen. Ter Lokomotivführer stürzte aus drr Maschine und wurde sofort getötet. Ein Reisender wurde verletzt. Ter Materialschaden ist bedeutend.

Eine furchtbare Vombenexplosion fand gestern morgen int Treibhaus deS Botanischen Gartens in Glasgow statt. X,iS Gebäude wurde teilweise zerstört und viele seltsame Pflanzen vernichtet. Man vermutet ein Akt der Susfta-

fletten. . ... . . .

Die türkische Regierung tri,ft nmtangrerche KnegS- Vorbereitungen, die auf eine ernsthafte Aktion der Türkei sristießen lassen. Tas Kriegsministerium hat nunmehr auch den Reserveossizieren der türkischen Armee, die sich in Süd- Derrtsristand, besonders in München, zu Ctudienzwecken curf. halten, die EinberuftrngSordre zustellen lassen.

Die Reise drS Ministerpräsidenten Pasirsch «ari, Petersburg wird in Belgrad vielfach in Zusammenhang ge- bracht rnnt dem dort erwarteten Eintressen des griechischeir Ministerpräsidenten VerrizeloS, der dre Bildung eines neuert Serbien, Montenegro, Griechenland uird Rumörrien um- fassendcn Dalkanbuirdes anstreben soll.

Tie serbische Regierung Kat bri sranzösischrn Grwrhr-

sabrikrn 100080 Grwrhre brstrllt, die bereits unterwegs sind, und in der nächsten Woche in Belgrad eintrefsen sollen.

Ein folgenschwerer Erdrutsch hat sich gestern in der Treö PacoSminc in CurrruaS ereignet. 5 Minenarbriter wurden versihüttet und konnten später, nachdem die Ber­gungsarbeiten mehrere Stunden gedauert hatten, nur als Leichen geborgen werden.

Telegramem aus Kap Haiti besagen, daß die ganze Provinz Gonaivrs zu den Rrvolulionürrn übrrgrgangen ist, die infolge dessen namhafte Berstärknngen erhalten haben. Der Führer der Revolutionären ist der ehemalige Gonverireur und Kriegsminister Carnor.

Englands Floltrnpolitik.

Am TonerSiag hat, wie genreldet, der Kabineftsrat stattgefunden, in dem die Entscheidung über das nerre Floitenbudget fallen sollte. Rach der einen Lesart soll die Angelegenheit noch nicht endgültig geregelt worden sein, an­dererseits verlautet, daß eine Berständigung erzielt worden wäre. Das letztere mag das rickstigere sein, wahrscheinlich handelt es sich bei der erst erwähnten auS offiziöser Quelle stammenden Meldung nur darum, daß noch einige unterge­ordnete Punkte der Lösung harren, während in der Haupt­sache eine Eiingting erfolgt ist. Jedenfalls können die Diffe­renzen entgegen den ursprünglick>»m Nachrichten keine lo weitgehende gewesen sein, denn man sah nach Schluß des Ministerrate« ostentativ Lord Churchill mit dem Schatziekre- tär George zusammen ganz gemütlich nach dem Admiralilaic gebäude gehen, wo sie nochmals eingehend konferierten. Es heißt denn auch, daß ein Ausweg gefunden sei. der auf der einen Seite dem Plane Churchills gerecht werde, anderer­seits aber auch den Standpunkt Lloyd Georges rntgegenzu- kommen suche nnd für diesen keine Niederlage bedeute. Zu einem Bruche soll es daher nicht gekommen sein, nachdem Churchill in längerer Rede seinen Standpunkt für die Er- gänzung des gegenwärtigen FlottenprogrammS dargelegt hatte, wobei er sich einer gewitzen Mäßigkeit beileißigte und schließlich die Zustimmung aller seiner Ministerkollegen fand. Zn einer längeren Debatte soll e§ nur über die Festlegt,ng und Jnpretation der Formel der 60% lieber-

legenheit der englischen Flotte gegenüber den fremden See- slreiikräste» gekommen sein. Schließlich fei eine Be, stau- digung dahin erzielt worden, in das Flottenhudget ein Minimum von liO Millionen Pfund einzuftell-',,, was man i den Kreisen der Admiralität für eine ausreichende Bas, hält. Ein derartiger Ausgang ließ sich mit ziemlicher G wißheii vorauSsehen, da wohl niemand geglaubt hat, d England lediglich mit Rücksicht ans die Finanzen sei, Flotteiipolilit ansgeben würde. Tie Ausbringung der Kost magock, so schtvieeig sei», England bcdars zu seiner Gros, mariststellnng einer starken Flotte. Aus jede Verstärkung einer anderen Kriegoslolte antwortet England sofort mit ent­sprechender Vermehrung, uni unter allen Umständen sein Ilebergewickst zur See zu wahren. Mag ja nicht alsis be­willigt worden sein, was Herr Churchill gefordert hat, es wird doch immer noch genug sein, und man wird ja bald mat­teres darüber hören.

30eit*!djn' Reichstag.

199. Sitzung vom U. Januar, vormittag» 10 Uhr.

Di« Tische de» Bunvesral, find leer Zur Beratung stehen Anträge über

Sie Befugnisse See bewostneien Macht. V.

Der volt-parieitiche Antrag ist «in vollständiger Gesetz, entwarf. Danach soll die bewafsuete Macht zur Unterdrückung innerer Unruhen nur aus Ersuchen der zuständigen Ziuilbe- Hörde verwandt werden. Unberührt bleibt da» Recht der be- ioefsneten Macht, die Ausübung ihrer dienstliche»>,gleit gegen Angriffe und Störungen su schügcn. Der Warsenge­brauch ist, abgesehen »an Notwehr in diesen Fällen gestartet.

Ein Antrag der Elsässer und Palen ersucht den Reichs, tanzler um einen Sesetzentrvurf. der dir Befugnisse der bcu-asf- neten Mach! einheitlich für das Reich regelt >

Dir Sozialdemokraten ersuchen den Reichskanzler um «inen Gesetzentwurf. der unter Aushebung der Militärge. richtsbarteit all« MUitärpersonrn der bürgerlichen Sttasgr- richlsbarteit unterstellt.

Ein nationallibctalc: Antrag nimmt davon Kenntnis, daß die Nachprüfung der Dlenstvorschrtst über den Wässerige- brauch angeordnet ist und ersucht den Reichstan-tee. da» Ergeb-