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Dienstag, den Li». Januar INI i
7 . Jahrgang
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_Krlüllungr-r, Stiebtn«. »»nNlr.tm,, «n& tUrlag Friedberg (fieHtn). Hananerltraß« 12. Femlprechcr 48. P«Itschk«.L„t» Sir. 48JS. Urat Rrantfurl o. SW.
— Die Brsprechnng brr ZabkrnJntrrplllation im Rrichstagr ist fiir de,, nächsten Donnerstag in Aussicht genommen.
— Bei einer Uebuug der Maschinrngev-rhrabtrilung des 29. Rrgimciitsf Tri») gingen dir Pferde mit drin Aoschinengeivrhr durch. Drei Soldaten stürzten und wurden übrrsahrru. Sie erhielten so erhebliche Verletzungen, daß sie inS Lazarett gebracht werden mußten. Das Maschincnge- vehr hat gleichfalls Schade» erlitten.
— Ter aus den, DrrpsuS-Prozeß bekannt gewordene General Piequart ist gestern gestorben. Vor einigen Tage» war der General bei einer Besichtigung der Truppen vom Pferde gefallen und hatte sich eine schwere Verletzung zugezogen. Piequart war 59 Jahre alt.
— Heute findet aus der deutschen Botschaft zu Pari« das Tiner statt, das zu Ehren des Präsidenten Poinearüs veranstaltet wird. Bei dieser Gelegenheit wird der Präsident der französischen Republik zum ersten Male die Räume der deutschen Botschaft betreten.
— In der Zuckerfabrik der englisch.ungarischen Zucker- Industrie Aktien Gesellschaft in Eservrnka hat eine Krssrl- explosion stattgefunden. Zehn Arbeiter wurden schwer verletzt. Drei davon liegen im Sterben.
— Eine Brrsammlung von etwa 259 Rechtsanwälten in Genu» beschloß, von heute ab an allen Zivil- und Straf- rechtsverhandlungen fernznblciben zum Protest gegen die Verschleppung der Prozesse infolge der ungenügenden Zahl von Richtern und Gerichtslokalen.
— Wie die „Libertü" meldet, ist der türkische Oberst, leutnant des Generalstabs Rurp anstelle des Generals Lima,, von Sanders zum Kommandeur des 1. türkischen Armee- lorpc- ernannt worden. Der Kriegsminister Envrr Pascha bat den Grvhkordon des Mcdschidijc-Ordens erhalten.
— Einer Meldung aus Derna zufolge wurde Rcgib Bev, einer der noch am Kriege gcgcn die Araber teilnehmenden türkischen Offiziere, von Eingeborenen in der von Kasr-Cam- bnt erschossen.
— Aus Mexiko wird gemldet, daß der deutsche Gesandte v. Hintze gestern in Dcrakruz mit dem Vertreter des Präsidenten Wilson, John Lind, eine Besprechung über die Lage in Mexiko hatte. Es wird hinzugcsügt, daß Deutschland und die Vereinigten Staaten eine parallellaufende Politik gegenüber Mexiko vereinbart hätten oder vereinbaren würden.
— Ein eingeborener Inspektor der Geheimpolizei wurde in Bnmbav auf einem Straßenbahnwagen von einem Eingeborenen erschossen. Der Mörder, der sofort verhaftet werden konnte, weigert sich, irgend etwa? über seine Person anzugeben. Man glaubt jedoch, daß man es mit einem gefährlich' » Anarchisten ZII tun hat.
DenLjchlattd und England.
Vor einige» Tagen tauchten, wie gemeldet, in Parla- »icnlskrcisrn neben Gerüchten von einer angeblichen Kanz- lerkrisi-s auch Meldungen auf, die von Unstimmiakeiten im Auswärtigen Anile zu berichten wußten, und seltsamerweise sollten diese ihre» Grund in den schwebenden Verhandlungen mit England haben, obwohl gleichzeitig versichert wurde, daß diese dem Abschlüsse sehr nahe seien. Eine etwas seltsame Motivierung, denn eine Verständigung niit England kann jedem deutschen StaatSmanne nur recht sein, und man »>eiß ja auch, daß man bei uns im Auswärtigen Anitc alles tut. um Z» diesem Ziele zugelangen . Hierbei finden unsere leitenden Stellen eine tatkräftige Unterstützung durch den Potsckx'fter Lichnowsky, den man auf englischem Boden bald hier, bald dort auslauchen sicht, überall bemüht, für Deutschland zu werben. Bemerkenswert ist dabei, daß aber >uch der deutsche Botschafter vielfach der Umworrbene ist. und gerade die englischen Handelskrcise sind es. die es sich ai gelegen sein lassen, mit dem Vertreter Deutschlands in nähere Berührung zu kommen. Das ist echt kaufmännisch, indem man sich sagt, daß ein: wirtschaftliche Verständigung liit Deutschland auch den, englisck>en Handel nur zum Vorteile gereichen kann, und aus diesem Grunde haben ja mehrfach Deputationen der englischen Geschäftswelt zu offiziellen Besuchen in Deutschland geweilt. Diesmal hatte die Handelskammer von Bradford den Fürsten LichnowSky zu einem Bankett cingeladcn, bei dem sclbswerständlich der Botschafter auch das Wort ergriff. Er betonte dabei, daß er mehr und .»ehr zur Uebcrzeugung gelange, daß es keinem stärkere» Anhänger guter und freundschastlichcr Beziehungen zu ollen Nachbarländern gäbe, als die englische Handclswclt. Ter -norme Wert dcS englisch-deutschen Handels bilde ein wertestes Bindeglied zwischen beiden Ländern, und die sort- 'chreitende Entwickelung beider Rationc niachc die Fort- laner ungestörter freinidschastlicher Beziehungen notwendig. Weiter kam der Botschafter auch auf die beiderseitige Rivalität kurz z» sprechen, indem er bemerkte, daS Wachstum der 'rutschen Industrie uud des deulschcn Handels sei kein Hindernis für kreuudlichc Beziehunae» beider Länder und di-
deutjche Industrie habe keine solche Konkiirreuz uud Eifersucht erregt, daß die Beziehungen unter der Handelsrive lität leiden müßten. DaS ist eine alte Wahrheit, iii,d es wäre wünschenswert, wenn mail sie auch in England endlich erfaßte, soweit Deutschland in Frage kommt. Ans gntem Wege scheinen wir ja zu sein, aber Störungen j»id ii>ä>t ausgeschlossen, »nd die politischen Trcib'rcien gewisser Gtz der der Triplc-Enteiitc sind emsig bemüht, ein gutes Ber- hältnis zwischen Deutschland und England z» hintertreibeu. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Engländer seind- seligen Einslüstcrungen gegenüber Deutschland ihr Ohr vcr- schlössen und sich zu der lleberzeugnng aufschwingc» würden, daß von Deutschland nicht nur keine Gefahr drohe, soiidern daß eine engere Anlehnung der englischen Politik an die deutsche nur von Vorteil für das britiiche Reich sei» köiinie.
pik ßrlrgcTorrrinc und Dir Lmiinye in Mkrn.
Wir lesen in der „Pa-olc". dem Blatte des Deutschen Kriegcrbiiiidcs, folgende Erklärung:
Tie Vorgänge in Zaber» haben kein dcnisches Herz un- berührt gelassen: mit höchster Spannung wurden sie von denen verfolgt, die einst des Königs Rock als Elireiitlcid trugen. Nu» ist ein Abschluß erreicht: an dieser Stelle haben die Hergänge die den Tatsache» ciiisprccheiide Tarsielliing bereits gesunden.
Tie politischen und swatsrechilichci, Seilen der Zaber- ner Vorkoinmnisse zu besprechen, ist nicht Sache der Kriegrr» vereiue. Die Kanieraden des Preußischen Landes-Kricger» verbandcs erwarten jedoch mit Recht, daß nunmehr auch ihr Vorstand da? Wort ergreift in dieser das Ansehen »nd In- icresse der Armee so nahe berührenden Aneglegenbeit. Jeder Angriff ans die Ehre der Armee ruft an ihrer Seite die alten Soldaten in die Schranken.
Tie Armee ist der. feste Grimd, auf den, der Staat beruht: mit ihr haben unsere Herrscher Preußens Größe begründet, die Siege der Kriegsmacht aller deutschen Lande haben das Reich geschafsen. Das feste Gefüge der Armee ist die Grundlage für Ruhe und Sicherheit des Bürgers im Innern und fiir den Frieden nach aiißen. Tie Arme« ist daher die vornehmste Einrichtung !m Staate, ihr Anseheii muß aufrecht erbalien werden, wenn der Staat bestehen soll. Wird ihre Ehre böswillig oder leichtfertig angetasiet, so erheischt die Pflicht, mit den Mitteln einzuschreitcn, die dnrch die Befehl: des obersten Kriegsherrn vorgcschricben sind.
Tie Arniee beruht auf Disziplin und Gehorsgm, Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere haben die Befehle ihrer Vorgesetzten au»zusührcn und nicht darüber zu klügeln, ob der Befehl richtig odei falsch ist. Die Verantwortung trifft den, der den Befehl gegeben hat, T - hat von jeher in der preußischen Armee al, ehernes Gesetz gegolten, zum Geile des States und seiner Bürger,
Tie Armee bcrubl ferner ans Kameradschaft: aus der Kameradschaft der Soldaten untereinander, auf der Kaine- radfchnst und dein Vertraue» der Vorgesehteu zu den Unler- gebenen und der Untcrgebeiicn zu ibren Führern. An diesem herzlichen Vertrauensverhältnis haben zum Glück unseres Vaterlandes alle Verhetzungen der Sozialdemokratie nichts z» ändern vermocht, Reich an glänzenden Beispielen sind die schweren Känipse in Südwestasrika, i» denen Offiziere für ihre Soldaten, wie diele sör die Führer freudig ihr Leben einsctztcn und den letzte» Bissen Ivic den letzten Tropfen mit cinander teilten.
Und I'cscr» wir nicht selbst de» Beweis für die Unlösbarkeit des Bandes, das Soldaten jeden Ranges bis an das Lebensende umschließt? Würden Millionen sich zusoninien- scixiren zu de» deutschen Kriegervereinen, wenn nicht die Liebe z» ihrer Dienstzeit, dcr Stolz auf ihr Soldalenverhalt- nis »nd dcr Entschluß sie zusaniinentührte, die Treue zu hal- tcn bis ziim letzten Atemzuge?
An dem Granitfelsen de:- kaineradschaftlichen Vertrauens zwischen Vorgesetzte» und Untergebenen werden alle Angriffe eins »userc Arniee zu Sel>a-!de» werden.
Endlich »ud vornehmlich bcrubtc untere Armee ans der Treue »icd dem Gehorsam zu ibreni oberste» Kriegsherrn, Jcdcr alte Soldat weiß, daß in der Armee nur ein Wille gelten dort, der Wille des Kaijers. Ohne dieire, vocnehniste Gebot kann die Armee nicht das fein, was sic zuni Heile de? Volkes sein muß, das scharfe Schwert in der Hand dessen, der über Krieg »nd Frieden z» entscheiden bat, i» der Hand Seiner Majestät des Kaisers und So. ä.
Unbedingte Königstreue hat von j- her unjere Armee be- seelt »nd soll sie fiir immer erfülle». Die alten Soldaten in den Kriegcrvereine» wissen, daß der All,,höchste Kriegsherr und die Armee zufninnieugehören, und daß die Heercs- gcwalt in der Hand des Kaisers bleib ,> inuß. Ter Parteien Haß und Gunst darf nicht bei ibr Einkehr halte». Tic in de» deutschen Herzen tief wurzelnde Königstreuc und inonoc- chische Gesinnung bürgen dafür, daß dies gelte für alle Zeiten I
Ter Vorsluud des Preußischen Landes-Kriegerverbaudes Weib. das, die? Bekenntnis -,nr »rinec leine» Kameraden a»s
dem Herzen gesprochen ist. den» der alte Prenßcngeist an« der Väter Zeilen ist in uns Allen lebendig.
Mit unseren Kameraden im Heere bekrästiaen wir diel
in dem Ruse:
„ES lebe der Kaiser!*
Wie alten Saldi,te» süge» hinzu:
„ES lebe des Kaisers Armee!*
Der Verstcnid des Preußische» Lnudrs KrirgrNirrdanb«:.
von L i n d e q u i st,
Generaloberst, Generaladjutant Seiner Majestät des IToifuf und Königs,
Präsident.
Dentlcher keichstay.
194. Sitzung voni 19. Januar, 2 Ubr Am Biindesratstischr: I>r. Delbrück.
Die allgenieinc Aussprache über den
Etat für das Reichsamt des Inner»
wird fortgesetzt. Vor Eintritt in die Tagesordnung vemeikt Abg. Basirrmnnn (natl.): Am Samstag ist beschlossen worben, die Aussprache in einen soziolpolitisckzen und wirt- schastspolitischen Teil zu trennen. Ans dieser Trennlms sind aber die Redner nicht eingerichtet. Der Beschluß is, praktisch nicht durchführbar. Daher beantrage ich, den Be- schluß wieder auszuhcbcn.
Abg. Gröbrr tZentr.): Dem kan» ich nur znstinnnen. Abg. Schridemann (Soz,): Es ist mißlich, wenn die Debgttc fortwährend durchcinaudergcht, wen» »»8 ein Redner von dcr Maul- und Klauenseuche, über die Reblaus zuin Berliner Polizeipräsidenten sührt. lHciterkcit.) 916er diesmal wollen wir noch bei dcr alten Methode bleiben.
Der Antrag Bassermann wird angenommen, die Erörterung erstreckt sich nun wieder über alle Fragen.
Abg. Ilr, Mayrr-Kausbeuren (Zentr,): Tie beutscku VolkSloirtschaft steht vor einer Depression der Konjunktur Allgemein aber glaubt nian, daß diese Depression nicht fehl tief gehen und nicht lange anhalten wird. Sie ist tntcr- national, zeigt sich in Thina, Argenttiiten und Indien. Brr- frfjärfenb wirkt mit dcr Rückgang der Goldausbeute in Transvaal. Die Dauer dieser weltwirtschaftliche» Ikrise is: schwer zu bestimmen: jedoch sind Anzeickicn vorhanden, das die aufgehäiiften Vorräte zieuiltch schnell outgebrancht mit damit die lleberproduktion beseitigt wird. Aiich die Geldknappheit ist ja jetzt schon ziemlich vorüber. Aber man dark nicht übersehen, daß von der Erholung des Geldmarktes bis zur Erholung de8 Kapitalmarktes beute ein viel weiterer Weg ist als bet früheren Depressionen, DaS hängt innig z»- samnien mit den gewgltigcn Rüstiingen in allen Landern, In, Gegensatz z» srühcrer Zeit gebt mit der Depression an! dem Geldmarkt eine tiefe Depression de« Anleihemarktes Hand in Hand, Die Getnndiing des Kapitalmarktes ist er- tchlocrt durch die große Anzahl von Stadtanleibe», Der Städtetag tollte sich mit der Einschränkung d-escr Ankeiben bcsgssen. Die niisländilctien Anleihen sollten de», deutsche, Markte ganz tcrngebnlten Iverdcn, damit die Liquidität d-> deutsche» Volkswirtschaft erhallen bleibt. Besonders b merkenswert ist die Vermehrung unseres ViehstandeS, D - niit wird die Behauptung widerlegt, daß die hoben Zölle zur Verminderung des Diebbestanbes tühren Aiich da? ist »»- richtig, daß die Zollvolitik z» hoben Fleischpreisen führe Leider muß aiisgelvrochen werde», daß die Preispolitik nuferer Rohstofsverbände eine Exportsteigerung bc-iimt. De Deutsche Stahlwerkeverband hat die außerordentlich stark Differenzierung der Inland- «nd Anslandprette beibebal ten. Ter preußische Fiskus hat es nicht verstanden, bei ihm seine starke Stellung als Besteller auszunützen und so der dkiilscbeii Volkswirtschatt hohe Suimnen z» ersparen. Bei Ernencrung dcr Zölle müßte» Mittel »nd Wege gefunden Ineide», daß dir Schutzzölle auch der Fertigindustrie zuqiiie kommen. Wie siebt »-> Staat z» diesen großen Verbänden' Ta sie eine gewisse Monopolstettung besitzen, miiß der Staat ein gewisses Antsicbtrrecht tür sich in Anspruch nehmen. Ohne ein genügendes Slutiichtsrrcht des Staates müssen dtetc- Priratucoiiopole schließlich zu schlimmen Komplikationen mit dem Anslnide führen. Handelspolitisch sind die zoll- politltchen Maßnalinien Anierikas von Interesse Es ist eine Titferenzieriing geschaffen, die eine unfreundliche Hol tnng gegen Deutschland dorfteile», und die wir »ns nicht gefallen lasse» dürfen. Aehnliche Klagen werden auch übrr Fiankrcich erbeben. Wir liossc», daß lins die im vorigen Jobre zugetagle VrobNkttonSstattstlk bald zugedt. tVefkall.)
Abg, KIrinath knall,): Hinsichtlich des dentschen Aiißen- Handels kann nian sagen, baß dieser ganz an die Seite Eng- lands getreten ist, Weu» auch letzterer stärker ist als de- deutsch)«, so ist dieser doch, ganz erheblich gestiegen. Ein Sir- kcn dcr allgcnieincii Konjunktur muh leider testgesteNt wer- den. Aber nujere Bolk-.-wirtsch-ajt hat dann eine überrnlch-iid gieße Widerstandskraft gezeigt — ein Beweis kür die lundbeit unserer Volkswirlschiask, A»k dem Geldmarkt ist eine Gesundung nicht zn verkennen. Die ,>» iiebmende Sst-li-bttzei» V« Vopiergeldcs wird zur Erle-chi-


