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rocrbe. Außerdem erachten dl« Angeklagten «ln« Verletzung des Spionageg-efetzes nicht für notwendig, weil fl« nicht an- nahmeck, datz di« Mitteib/.ngen, die sie ihrem früheren Kameraden Brandt machten, irgendwie Mt Kenntnis einer dritten Macht gelangen würden,
Di« Verhandlungen wurden unter Ausschluß der Oeffenb- lichkeit geführt.
In der Beweisaufnahme stellte der Oberintendantursekretär Pfeiffer entschieden in Abrede, dem Brandt jemals Nachrichten aus dem Kriogsministermm übermittelt zu haben, Brandt habe für ihn einigemal« geringfügige Zechen von 1—2 Mark b.zahlt und als er einmal davon sprach, daß er infolge mißlicher Familienverhältniffe ein« Unterstutzungskoffe in Anspruch nehmen nrüsi«, ihm zu Weihnachten 1988 hundett Matt für feine Kinder geschickt, Brandt habe ihm auf seine Frage ausdrücklich gesagt, er wolle von ihm keinen Gegendienst, auch keine Nachrichten, denn der Ehrenschild der Firma Krupp muff: rein bheiben. Der Gedanke, daß Brandt iregndwelche geheime Zweck« verfolgen könne, fei ihm nicht gttommen, auch nicht, als solche Einladungen, dt, übrigen» auf offenen Post karten erfolgten, häufiger wurden. Brandt habe das Geschenk von 100 Mark int übrigen damit motiviert, daß er selbst „eine Bombengratifikation erhalten habe", an der sein Freund nnd ehemaliger Kamerad Pfeiffer auch Teil haben soll«. Pseifser behauptet entschieden, er habe den Eindruck gehabt, als wenn Brande auf arlillettstifchem Gebiet viel mehl beschlagen sei als cr selber und schon aus diesem Grund« habe er dem Brandt nichts erzählt, was mit dienstlichen Dingen zusammenhing, und auch keinerlei solch« Andeutungen gemacht, E, sei gänzlich ausgeschlosien, daß cr di« sog, „einzige unterirdische Quelle des Kriegsministeriums gewesen sei. Auch Etatsauszüge habe er dem Brandt niemals geliefert.
Der zweite Angeklagte Zeugleutnant Hog« erzählt zunächst, wie er mit Brandt bekannt wurde. Aus seinen Gesprächen mit ihm habe er entnommen, dah Brandt eine ausgedehnte Kenntnis von verschiedenen die Landesverteidigung betreffenden Fragen besitze, und das habe ihn verleitet, aus seiner Reserve herauszugehen und seinerseits dem Brandt einige Mitteilungen zu machen, allerdings nur aus Freundschaft, denn erhalten Hab« er toftir garnichts. Das Darlehen von 1000 Mark, das ihm Brandt einmal gegeben Hab«, habe er demselben baldigst wieder znrückbizahlt, Aus den Gesprächen habe er entnommen, daß Brandt elgenltich mehr wisse als er selber. Der Zeuge jagt, er sei der Meinung gewesen, daß hinsichtlich der Mattne e, für Krupp gar kein« Geheimnisse gebe.
Im ähnlichen Sinne spricht sich der Angeklagte Schmidt
aus.
Die Verhandlung dauert sott.
Zu der Verhandlung gegen den Zeirgleuinant Tilran und Genossen vor dem Oberkriegsgettcht am Samstag ist auch die Frau des früheren Kruppschen Bürovorstehers Brandt geladen und erschienen,
T i l i a n bekundet, datz «r sich »ach wiederholten Zusam- menlünsten mit Brandt Hab« verleiten lasten, diesem Mittei. lungen über die Preise der Konkurrenz zu machen, Bargeld Hab« er, entgegen der Versicherung des Brandt, von diesem niemals erhalten. Landesverrat sei in seinen Mitteilungen nicht zu erblicken »nd das Reich habe von denselben keinen Schaden gehabt,
Zeuzleutnant Schleuder glbt zu, Brandt ab und zu einige Mitteilungen, die aber nichts Neues bettoffen hätten, gemacht zu haben; Brandt habe ihm in 3 bi; 1 Monaten Be. träge von Ist oder 28 Matt gegeben,
Frau Brandt erklärt, ihr Mann habe Pfeiffer ab und zu cingeladen, ihm auch wohl einmal Karten für ein Theater gegeben und ihm für seine Kinder zu Weihnachten aus ihren Vorschlag Geld gegeben; Bestechungen seien aber nie vorgekommen, Die Zeugin ettlätt es für ausgeschlosien, daß ihr Mann beeinflußt worden sei, für die Zeugin erklärt günstig auszu. sage», eit seine« Anfall leide ihr Mann a» Gedächtnis, schwäch«.
Polizeirat Koch gibt AuffWuß über die Maßnahmen, die zur Ueb-rwachung des Berliner Büros der Firma Krupp getroffen wurden, sowie Über die Veranlastnng hierzu.
Di« Verhandaug geht am Montag weiter.
(TntfiüSunnrn aus der fjonipbuflnf.
€. u. §. «erden (Aller), 15. Ja*. Ti« wetteren Verhandlungen in dem großen Honigproz ß, der die erste Slraskammer des hiesigen Landgerichts feit Man-
poiin Oheim EsilerS vor den gelben Teufeln warnte, die alle Fremden wie Sünde Haffen, schsitteltte der Kleine zweifelnd den Kopf.
Lein Vater wäre doch zu ihnen gegangen, wenn er nur gekonnt hätte, lind wen» er, der Knabe, erst groß wäre, würde er cs tun,
Jahre vergingen. Aus dem kleinen Jobst wurde ein großer, der die Toinfchnle nnd sogar ein Universitätsjahr ltinicr sich hatte. Dann trat er in ein befreundetes Geschäft in Hamburg ein, erlernte die Handlung und kehrte 2-tjährig -ns Pslugeisen zurück.
Seine einzige Schivester heiratet den regierenden Bür- zermeistcr der Stadt. Die Hochzeit wurde mit großen. Ge- prange gefeiert, da die Harts wie die Sebalds zu den Patri- >iern gehörten.
Noch imnier waren die Hochzintsglocken nicht verhallt, als schon die Toteng'ocken sie ablösten. Der Würger Tod zog in die Stadt, ihm voraus seine Helferin, die Cholera, Wer fliehen konnte, floh, Ter Magistrat schloß die Tore und ließ niemanden ein noch ans. Die Seuche verbreitete sich. Unter den Opfern, die sie forderte, befand sich Jobst Sebalds der von Flucht nichts halte wissen wollen. Er stellte in, Gegenteil seine Kraft in den Dienst der Vaterstadt, pflegte die Kranken, begrub die Toten, bis er selbst erkrankte. Seine Fra,, folgte ihm nach wenigen Tagen, der Sohn blieb allein iuliicl
lFoilsetzung folgt).
Reue Tageszeitung. Montag, oen in. Januar iui«
tag beschäftigt, brachte ein« Erörterung der Handrlsgebräi-che im Bettehr mit Honig, wobei ein« Reihe interessanten Tatsachen sestgestellt wurde, aus die wir noch z-urückkommen.
Zunächst fei heivorgchoben, daß angesichts der Aufklärung, welche der Prozeh erbracht Hai, der Verteidiger des Anzeklaz- ten Redakteur Kuchenmüllei von der „Imker,zeitiu.g",• Rechtsanwalt Rof«irfeld (Berlin), sich veranlaßt sah, namens feines Mandanten zu Gunsten des als Nebenkläger austretenden Di- rettors der staatlichen Nahrungsmittelanstalt Geh, Rezttrnngs- rats Dr. Juckenack folgende Erklärung zu Protokoll zu geben: „Ich erkläre hiermit, daß ich gegen Prof, Dr. uckenack niemals Len Vorwurf oder Verdacht Hab« ausfprschen wollen, daß er seitens des Direttors Winkel,nanu Geschenk« oder Vorteil« irgendwelcher Att erhalten Hai, noch durch Geschenke oder sonst In einer Weise dahin beeinflußt wurde, im Interest« des Herrn Winkelniann Gutachten zu Gunsten des Herrn Winkelmam, in bewußter Weise abzugeben, Di« Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer hat auch ergebe», daß niemals eine folche Beetn- flustung Prof, Juckenacks in irgendeiner West« stattgefunden hat. Ich habe auch niemals in Zeitungen oder Druckschriften «inen meiner obigen Erklärung entgegensteheuden Standpunkt vertreten und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Soweit Prof, Iuckenack aus meinen Vertcidigungsschristsätzen, Brief- schrciben ufto. den Vorwurf der Bestechung oder Parteilichkeit eiitnomme» hat, sprich- ich Herrn Iuckenack gegenüber mein Bedauern aus. Ich verpfichtc mich weiterhin, diese Erklärung in der .Zmperzeitung" ohne jeden weiteren Zusatz zu veröffentlichen."
Zrof, Iuckenack erklärt, Laß er zunächst die Zustimmung stilles Chefs des Polizeipräsidenten v, Iagow zu dem Vergleich, den er übrigens selbst anregen wollte, einhole» müsse.
Der Gerichtshof beschließt, dem Polizeipräsidenten eine be- glaubigtt Abschrift zu schicken u-nd anzufragen, ob er Li« Erlaubnis zu dem Vergleich gebe,
Zeuge Krimiiialkommlstar Forst (Hamburg): Ich habe an vielen Houigfäffchungsprozesten mitgearbeitet. Im Falle Dichmann, auch einem Fäffcherprozrß, schien mir der Ango- klagie Redakteur Kuchenmüller di« Rolle des Begünftigemrr zu spielen. Wen ich ihn damals in Hamburg gehabt hätte, würde ich keine Bedenken getragen haben, ihn «inzusteckcn. Wir haben zunächst geglaubt, daß Kuchenmüller die Interessen der Imker wahrt; nach meiner Meinung hat er aber nur die Interessen der Fälscher vertreten.
Einige Arbeiter, die im Streit von Winkclmann geschieden sind, machen Mitteilungen über angebliche llnsaubrrkeiten im Bettieb« der Firma. So seien in den Zementboitichen, die d >, Kunsthonig enthielten, tote Natten gefunden worden, Winkelmann: Es läßt sich nicht vermeinen, daß Tiere in di« Bottiche fallen. Dann aber wird der Honig um die Tiere herum vernichtet. Ebenso macht man es bei einer Wurst, die angenagt ist. Man schneidet die angenagte Stelle einfach sort. Geh, Rat Dr, Iuckenack beftättgt, daß Liese Präzis nicht zu beanstanden sei,
Importeur Dittmann gibt als Zeug« Auslunft über ausländische Honigpreise, Er bestätigt die Behauptung des Neben- Itägers Winkel,nann, daß die niedrigste Notierung für Havan- nahonig 18 Mark pro Zcnttier betrug, Fälschungen in Uebor- reste seien so gut wie ausgeschlesstn, da sic nicht rentabel sein würden. Der Zeuge kaust dirett in Havanna und Domingo, die dortigen Honig« seien echte Naturhoiilge,
Von einem Zeugen wird betont, daß Kuchenmüller zweifellos Verdienst« um die Imkerei sich erworben habe,
Oberjnsttzfttreiär Zimmermonn (FrciLurg) erklärt, sich oft gewundert zu haben, daß Kuchenmüller solche Opfer bringe, Lehrer Knocke (Hannover), der Geschäftsführer des Bie- nenwirtfachftlichcn Zcntralvereins, erklärt, daß d!« Honigge- winnung im Betrieb des NebcnNögers im allgemeinen der Methode üt Imker entspricht, E; komme allerdings vor, daß Honiggroßhandlungen Waren zum Verkauf bringen, die mit Sand, toten Bienen, Chitinhäutti, »sw .verunreinigt fei. Ein« Erwärmung des Zuckers auf 78 Grad hält der Sachverständige für unangebracht, weil dadurch der Zucker in Caramel übergeführt werde und der Honig nach Caramel schmecke.
Sachverständiger Zimmerman» (Freiburg) meint, daß d«r ausländische Honig, bei dem fede Kontrolle fehlt, nur als Schmelz- oder Prrßhcnig angefvroch«,, werden darf. Solche Ware ist und bleibt minderwertig i:r& darf nicht als Naturhonig in den Verkehr gebracht werden.
Die Schlußoerhondlung wurde auf Montag, den 18, d M, vertag,-.
Ans Äeiinat
* Ober Secmcii, 1!>, Jan, Als abends der 2t,Ycfuuu- beiter Hofmaim, von hier, nm Geleise entlang ging, um die Sigiiallaternc anznbringen, tan, plötzlich der Schneepflug angebraust, dein Hosniai», durch den zu beide» Seiten auf- geschichteten Schnee nicht auswrichen konnte. Nur dein wach, fanicn Auge des Maschinenfübrers ist es zu verdanken, daß Hpfman dem sicheren ochde entging,
* Frankfurt n. 31!., ID. Jan. Großes Aussehen erregt in der ganzen Gegend von Alzenau die erfolgte Verhaftung des in guten Verhäliuissc» lebende» Spengler»,eisters Peter Tboma von Alzenau. Tboma stellt im Verdacht, mit einer Diebesbande, die umfangreiche Brillantdiebst.ähle in Frankfurt a. M, auSgcführt bat. in Verbindung z» stehen. Auch soll bereits verschiedenes belastendes Material gefunden worden sein. Ueber den Diebstahl selbst berichteten wir bereits schon am Samstag.
Aus Siarkcnburn.
* Offenbach a. M., 18. Jan, Im hi jigei, Krankenhaus« ist der 23 Jahre alte Ra,Vierer Karl Koch gestorben, den am Donnerstag beide Beine überfahren wurden, fodaß eines der. selben ampnticrt werden muhte,
* Kelsterbach, 13. Ja». Di« Staaisan waltschaft Darmftadt «Näht zu dem Leichenfund in Kelsterbach vom 18 , d, M, «in erneutes Aiisschreiben, noch welchem die Leiche fchon einige Wochen im Waste: gelegen hat, sodaß sie unkenntlich ist, da sie sehr -"tliellt ist Sic war 1.85 Meier aroß, korvulent, etwa 28—38
und war bekleidet mit grouwollenem Costiimrock, weiße Sttcke-
reiblufe, sch,varzen fast neuen Ledcifiiefeln mit hohen Absätzen, schwarzwollenen Strümpfen, blauem Halsbändchen mit goldener Vorstecknadel und blauen, Stein, sowie langer Blusennadel, i» den Ohren hatte sie: Ohrschräubchen mit runden weiß:,, unechten Perlen. Die bett, Person dürste dem Kellnerinnen- oder einem ähnlichen Beruf« angehört haben. Die Reite der Kleidungsstücke liegen bei der Gr, Bürgermeisterei in Kktsterbach. die Schmucksachen und das Halsbindche» bei der Staatsanwaltschaft in Darmsiabi zur Einsicht bereit. Die Siaatsauwait- ktjaft nimmt Mitteilung, w lche zur Sache irgend etwas von Bedeutung und Auftlärung über die Person oder die Todes- ursachc Mitteilen können, entgegen,
* Aus bcm Nodgau, 19. Jan. In einigen Gemeinden des Rodgaucs lritt die Tiphterie immer häufiger ans ,-nd hat auch schon mehrere Opfer gefordert.
* Heppenheim, 19 . Ion, Als im Oktober v, I, die Stiftung des Oberlandesgerichtsralcs H ß. eines geborene» Heo- penheimers, der seiner Vaterstadt zu Schulzwecken etwa 45 WO Matt vermacht hatte, «ine neue Nechnsrin crhi.lt, welche anstelle des Bürgermeisters die Verwaltung übernehmen lallte, stellt« sich alsbald ein namhafter Fehlbetrag heraus und als es im September an die Revision ging, bei welcher ein Soch-ver- ständigcr den Staatsonwalt unterstützen sollte, war der Bürgermeister Kohl aus Heppenheim, den man allgemein fiir einen gutsituierten Mann hielt, der erst im Jahr« 191 1 mit grrtz.r Mehrheit gewählt worden war, oerichwunden. Man kam nun rasch dahinter, daß er viele Verpflichtungen hatte und war K, rasch „ach London gereist, um sich von einem vermögenden Heg- penheimer den Fehtbetrag in b.r Heß-Stiftung zu beschaffe» Dies gelang ihm aber „ich! und kam er daher nach einigen Togen wieder zurück, wohnte einig« Tage bei einem gute,- Be- kane.ten, der Polizeibeamter ist und wurde dann eines Tages von der Polizei festgenommen, als er angeblich beabsichtig;», sich frlbst zu stellen. Es stellt« sich dann heraus, daß er zunächst etwa zirla Alk, 2888 aus der Heß tiftung genommen hatte, um den schon einige Jahre in der von ihm verwalteten Weile, Stiftung cuiwendelettn Betrag von Mt. 2886 zu decken, El hat dann w-iter bis zu Mk, 25 888 nach und nach aus der Heß- Stiftung entnommen und für sich verwende!. Weiter hat ei eine» für «ine BerficherungsentjchSdigung gelegentlich eine, Brandes für die Gemeinde eingenommen« Summ» von Mott 488 für sich verbraucht. Es stellte sich dann heraus, daß K zwar selbst f-hr solid gelebt, aber durch Aufwendungen für ei nen erwachsenen Sohn, fowi« für Bürgschafirn für Verwandtt usw, große Verlu-st« erlitten halte, K. ist vor der Strafkani. wer in Darmstadt in vollem Umfange geständig, was ihn! mildernd angerechnet wird, dagegen muß der grctze Vertrauens, nnßbruch, den er als Bear-Iler begangen hat, straferhöhend in Betracht gezogen werden und wird er zu 3 Jahren Gelang»,« verurteilt, wovon ihm 2 Monate und 2 Wochen Untersuchungshaft angerechnet werden.
zriirs bericht
vom >7. Januar 1914 der
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