Ausgabe 
8.11.1914
 
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haben Ihnen jetzt öffentlich den Krieg zn erklären, in dem es kein Erbarmen mehr gibt. In Zeiten, wo schon schlichte Bürger und Bürgerinnen, wie es jüngst am Kriegs-Buß- und Bettag geschehen, statt einer Münze auf dem Kollektenteller den goldenen Trauring niederlegen, in diesen Groß­zeiten der Umwertung aller Werte sei bis anfs Blut mit allem versucherischen Widergcist in der eigenen Brust gekämpft, damit die ewigen Güter, die in jedem Menschenherzen ruhen, wieder als reale Mächte sich in unserem ganzen öffentlichen und privaten Leben durchsetzen können.

lind endlich Krieg auch dem unseligen und undeutschen Pessimismus (Schwarzseherei), der gerade so manchen Daheimbleibenden gern über­rumpeln möchte! Gewiß! Wo der Atheisnrns und Materialismus schon gebrochen wurde, ist für ihn von selbst kein Raum mehr vorhanden. Aber auch umgekehrt kann Gottesglanben und lebenskräftiger Idealismus (höheres Streben) da erst wahrhaft gedeihen, wo diesem heimtückischsten und hinterhältigsten Unterwühler jeder gesunden Scelenkraft der Garaus gemacht wurde. Pessi­mismus und Heldentum schließen einander aus wie Wasser und Feuer. Denn Pessimismus ist letzten Endes nichts weiter als bis zur Selbstver­nichtung führender Egoismus (Selbstsucht), wäh­rend Heldentum bis zur äußersten Aufopferung bereite Selbstbehauptung ist. Und Helden wie Heldinnen braucht unser deutsches Volk jetzt, wie im Felde, so erst recht zu Hause! Auf denn, ihr daheim ! Auch euch winkt nun ein heiliger Krieg und ebenbürtiger Sieg!

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Lmacht initi liciiiujffiiiiiirii.

in junger Mann, in Norddeutschlaud ge- .«J boren, schlug frühe die Bahnen der Sünde und Gottlosigkeit ein, ja, er übertraf alle seine gottlosen Genossen. Er schien nur dazu ausgewachsen zu sein, umalle Unreinigkeit mit Gier auszuüben" (vergl. Eph. 4, 19), sein frecher Mut scheute vor keiner Bosheit zurück. Er war noch jung, aber in jeder Art der Sünde erfahren. Plötzlich erwachte sein Gewissen. Der Gedanke an die Gerechtigkeit Gottes erfaßte ihn eines Tages mit erschütternder Gewalt. Es wurde ihm zur Gewißheit, daß er mit allen seinen Sün­den vor dem Richterstnhl Christi erscheinen müsse und daß er dem Verderben der Hölle nicht ent­fliehen werde. Dieser Gedanke erschreckte ihn so, daß er seine Sündengenossen verließ und sich der Verzweiflung hingab. Er überdachte alle Mittel, wie er seiner Sündenschuld ledig werden könnte, und da er gehört hatte, daß manche in ein Kloster gingen

und sich kasteiten, so faßte er Hoffnung, dies niöchte für ihn ein Weg sein, der ewigen Strafe zn entrinnen. Jedoch sagte er sich, im Blick ans die himmelhohen Berge seiner Sündenschuld, daß, wenn er solche Gunst von Gott erlangen könnte, so müsse er in ein Kloster gehen, wo er mehr büßen und leiden könnte als irgend jemand vor ihm. Er forschte deshalb nach einem Kloster mit den strengsten Regeln und erfuhr von einem sol­chen in Sizilien, welches den Mönchen des Ordens von La Trappe gehört.

Soweit Menschen im stände sind, mit ihrem Leben sich als büßende Sünder darzustellen, ge­schieht es dort. Tie Mönche stehen vor 2 Uhr morgens auf, dann haben sie Gottesdienst bis 7 Uhr und gehen dann zur Feldarbeit hinaus; ohne Rücksicht ans Hitze, Kälte oder Regen tragen sie Tag und Nacht ihre dicken, wollenen Kleider, genießen nur Wasser und Brot, haben kein Bett, dürfen nicht miteinander sprechen, ausgenommen an einer Stunde des Sonntages. Diesem harten Leben fügen aber die Einzelnen noch so viele Kasteiungen hinzu, als ihr Gewissen fordert und wie furchtbar vermag das Gewissen bei einem Menschen zn reden, der begonnen hat, seine Sünde im Licht der Ewigkeit zu sehen. Aber welche Bnßübungen und Leiden sich ein Mensch auch auferlegen mag, es ist unmöglich, irgend etwas zu tun oder zu leiden, was dem schuldigen Gewissen des Menschen Ruhe geben könnte.

Als der junge Deutsche von diesem Kloster vernommen, machte er sich zu Fuß auf die Reise, um sich nach Sizilien durchzubettcln. Viele Ent­behrungen und Schwierigkeiten schienen ihm den Weg zu sperren. Er aber blieb beharrlich; mehrere Monate vergingen, bis er das alte Kloster mit seinen grauen Mauern und finstern Türmen er­reichte. Endlich stand er an einem kleinen Tor des Klosters von La Trappe und zog die Schelle. Das Pförtchen wurde langsam von einem alten Mönche geöffnet. Der graue Alte fragte nach dem Begehren des Fremden.Ich wünsche, er­rettet zu werden!" erwiderte ehrlich der Deutsche.

Der alte Mönch führte den Ankömmling in ein kleines Gemach nahe am Tore, wo sie allein waren.Nun sagen Sie mir alles; ich möchte gern Ihre Geschichte hören!" Der junge Deutsche schilderte sein schuldbeladenes, verlorenes Leben und schloß mit den Worten:Ich bin ein größerer Sünder als irgend jemand, von dem ich je gehört, und glaube nicht, daß ich noch errettet werden kann. Jedoch wenn es nur eine schwache Hoff­nung gibt, dem ewigen Gericht zn entrinnen, so bin ich bereit zn tun, was getan werden kann. Ich weiß, daß ich mein ganzes Leben in den här­testen Bußübungen zu verbringen habe. Sagen Sie Mir nur, was ich tun muß; ich will alles