Erscheint wöchentlich einmal.
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Redakteur: Stadtmissionar Helrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber - Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig und die Prediger der Pilgermission. Druck von Otto Meyer, Gießen.
Nr. 45. Sonntag, den 8. November 1914. 7. Jahrg.
Iler DlkifmittiiKneg
»scrc Gatte», Väter und Brüder zogen hinaus i» de» heilige» Krieg, t»» das Vaterland »ach drei Fronte» gegen alte Feinde und verräterische „Freunde" 51 t schützen. Ihre Aufgabe ist klar gestellt, ihr Ziel haarscharf gerichtet, ihr Geist nur von einem Gedaitken beseelt : Sieg oder Untergang in Ehren ! So furchtbar die Blutarbeit ist, die ihrer harrt, sie haben es in gewisser Beziehung noch besser als wir daheim: sie haben es mit sichtbaren, greifbaren Feinden zu tun, tmd sic gehorchen einer einheitlichen, zielbewußten Leitung, die alles andere um sie herum und in Ihnen selber schier vergessen läßt. Vor- ivärts! Das ist jetzt einzig für sie die Loslnig und das Feldgeschrci.
Aber auch für lins Daheimbleibende gilt jetzt ein „Vorivärts!" und gibt es einen Trei- frontenkrieg, voil dessen Sieg alles für den bleibenden Bestand des Volksganzen abhängt: Krieg zum ersten dem Atheismus,' (modernes Heidentum) nicht dein irgcndivo draußen bei andereil Menschen, sondern dem in lins selber, in jedem Einzelnen von uns! Unser „Ich" ist der große Feind, dem. ivir die Herrschaft kündigen müssen. Denn er hat keinerlei Recht in uns, so viel cr's auch behauptet.
Nicht alle in deutschen Gauen ivcrdcn aiis aufrichtigster Seele beteuern können, daß keine der geheimsten Wurzeln ihres Gottvertralicns, ihrer heiligsten christlichen Überzeugung ange- kränkclt ist. Aber in den Zeiten, die nun über uns hereingebrochen sind, ist nichts mehr getan mit feinem geistlichem Vorbehalt und wesenlosen religiös-philosophischen Theorien! Das ist Spie-
drr Ilnliriiiililfilifiiiifii.
lcrci! Kraft, aus der neue Kraft sich gebiert, hat jetzt nur der alte „massive" Bibel-Glaube aus der Väter Zeit. Was soll wirken können, wirkt jetzt nur von Person zu Person, von den: eigenen innersten Ich zu den: ewigen Ich des persönlichen Gottes! Die Zeit zun: Spekulieren ist vorbei; jetzt sollen ivir handeln können aufgrund' eines festgeivurzelteu Gottesglaubens gleich dem Luthers, der da sang:
Nehmen sie uns den Leib,
Gut, Ehr', Kind und Weib,
Laß' fahren dahin,
Sie habcu's kein' Gewinn,
Das Reich muß uns doch bleiben!
Darum Krieg bis aufs Messer allem etwa vorhandenen geheimen und verborgenen Atheismus in schwankender Menschenseele, denn in den Stunden, wo cs sich um Sein oder Nichtsein handelt, hat alles oder garnichts einzig noch Sinn!
lind Krieg sogleich auch dem Materialismus des praktischen Lebens! (Richtung, die nur an das Irdische denkt nach Matth. 6 , 31). Nur zu viele haben vielleicht bis zur Stunde selber noch keine Ahnung, in welch ungeheurem Maße sie während der 44 Friedensjahre, die dem Deutschen Reiche geschenkt waren, sich in ihrer ganzen Lebensführung verwöhnt, verweichlicht, ja zum Teil verirrt, wenn nicht gar vergiftet haben! Manche Genüsse, die sie bisher für selbstverständlich nnd unentbehrlich hielten, werden sie jetzt, wenn sie sittlich handeln wollen, von sich weisen müssen. Jenen schamlosen Verrenkungen einer Blöde, die schon in den letzten Zeiten des Friedens das Auge jedes wahrhaft Anständigen beleidigten, wir


