Ausgabe 
11.10.1914
 
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fficrst: Warum? und'dann: Wozu?

Warum hat Gott diese Züchtigungen über uns kommen lassen? Ist es nötig, diese Frage zu beantworten?

Wie sah es aus in unserm Botte! Wie viele hatten Gott abgesetzt, bei hoch und niedrig, bei vornehm und gering.

Was für Sünden gehen im Schwange in unserm Volke! Und zwar nicht nur heimlich und im verborgenen, sondern frech und dreist am Hellen Tage! Wie scharf redet Gottes Wort von den Sünden widernatürlicher Unzucht; wer sie treibt, der sott ausgerottet werden, und heute gibt es eine starke Strömung in unserm Volk, daß die Paragraphen, wodurch diese Sünden unter Strafe gestellt werden, abgeschasst und auf­gehoben werden sollen.

Was für ein geheimer Mordgeist spricht aus den schrecklichen Maßnahmen, die getroffen werden, um Kindersegen zu verhüten. Wie schreit das Blut ungeborner Kinder gen Himmel wider unser deutsches Volk!

Wie hat eine negative und liberale Theologie die Herzen verödet und die Gtinicker beraubt! Und Vertreter dieser Theologie, die den eingebornen Sohn Gottes Seiner Gottheit entkleiden, befinden sich in hohen Stellungen und werden mit Ehren überhäuft. Wenn sich bekennlnistreue Gemeinde- glicdcr zusammenschließen, um besondere Gottes­dienste von bibelgläubigen Pfarrern halten zu lassen, weil es ihnen ihr Gewissen verbietet, die Predigten lieberaler Pfarrer zu besuchen, dann werden diese ans der Gewissensnot entstandenen Gottesdienste vom Oberkirchenrat verboten!

O wie ist unser Volk, wie ist unsere Kirche umgegangen mit den Segnungen, die Gott uns in den Tagen der Reformation gegeben!

Haben mir, wenn wir an alles das denken, nicht eine Züchtigung reichlich verdient? Wie lange hat Gotl Geduld gehabt! Wie lange hat Er zugesehen und sich all den Hohn und Spott gefallen lassen, um unser Volk zrir Umkehr zu bewegen! Gairz neue Wege ist Er gegangen, ünr an die Herzen des Volkes heranzukominen. Er hat die Evangelisation gegeben. Er hat die Zelt­mission gerufen. In außerordentlicher Weise hat Er sich bemüht um unser Volk. Und was war die Antwort?

Abfall, Hohn, Spott, freche Gottlosigkeit, zü­gellose Unsittlichkeit.

Konnte Gott da anders handeln, als Er ge­tan hat? Mußte Gott da nicht endlich den Stab Wehe nehmen, um uns zu züchtigen? Ja, wir haben's verdient, daß Gott rurs diese Heimsuchung geschickt hat. Ja, mir haben diesen Krieg selbst verschuldet mit unseren Sünden.

O^ daß unser Volk das erkennen möchte! Daß ein Aufwachen durch die Reiheil unseres Volkes gehen möchte: wir haben gesündigt! Daß dieser Krieg, diese Züchtigung von der Hand Gottes uns in die Buße führen möchte!

Dann würden wir auch seheil, ivozu uns Gotl diese Züchtiguilg geschickt hat.

Wozu dieser Krieg?

Wenn ein Vater sem Kiild züchtigt, dann tut er das nicht aus Zorn und Willkür, sondern aus Hiebe. Uild so ist es auch Liebe, die das Herz unseres Vaters im Himmel erfüllt, ivenil Er diese Züchtigung über uns verhäilgt hat.

Er möchte uns heileil, helfen, zurechtbringen. Er möchte uns zur Erkenntnis bringen, daß lins nichts und niemand helfen kann als Jesus allein. Wie vergessen ist diese Wahrheit:Es ist in

keinem andern Heil, ist auch kein andrer Name liilter dem Himmel den Menschen gegeben, darin sie sollen selig werden," als der Name Jesus Christus!

Diese Erkenntnis ivill Gott wecken. Dazll ivill Er llnser Volk führen, daß sie Jesliin suchen sollen, mit Ihm in Gemeinschaft treten sollen, weil nur in Ihm Lebeil liild Seligkeit 511 finden ist.

Etwas sieht man davon in unseren Tagen: Wenn bis vor kurzem die Glocke» läuteten, wie wenige waren es, die ihrem Rufe folgten! Wie verödet standen lil iveiteir Gegenden unseres Vaterlandes die Kirchen! Und wenn Evangeli- sationsversammlungen verailstaltet wllrdeil und Tallsende voll Einladungen verbreitet wurden, ivie wenige ivaren es, die daraufhin kamen. Aber nun, ivo Gott die Kriegsglocke zu läuten ange­fangen hat, nun strömen die Menschen in die Kirchen, nun kommen auch solche in die Versamm­lungen, die früher nie gekommen sind.

Ja. Gott hat angefangen, etivas Neues zu schaffen in unserem Volk. Gott hat Großes ge­tan lil den wenigen Wochen seit dem Beginn des Krieges. Aber Er ivill noch mehr tun. Er ivill ein neues Blatt aufschlagen in der Geschichte unseres Volkes und in der Ausbreitung Seines Reiches unter uns. Er hat nicht Gedanken des Leides, sondern der Liebe und des Friedens mit uns.

O daß unser Volk auf die Stimnie Gottes hören möchte, die durch diesen Krieg mit uns redet!

Als einst Jona in Ninive das Gericht ver­kündigte ilnd sagte:Es sind noch 40 Tage, dann wird Ninive untergehen,* da beugte sich der König von Ninive und tat Buße mit seinem ganzen Volk. Und Gott erbarmte sich über Ninive. Es gab keinen Untergang, es gab eine Erweckung.

So ivill mich Gott nicht unseres Volkes Untergang, Er ivill Erweckung I Das sagt uns