Erscheint wöchentlich einmal.
Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich. Utrlaa der Buchhandlung der Pilgermission Siesten.
Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen, Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig und die Prediger der Pilgermission. Druck von Otto Meyer, Gießen.
Nr. 41. Sonntag, den 11. Oktober 1914. 7. Jahrg.
Was will »ns Gott tage» burdi iiirfcn Krieg?
Jeremia 30, ll : „Mit dir will Jch's nicht ein Ende machen; züchtigen aber will Ich dich mit Maßen, daß du dich nicht unschuldig haltest."
jjj||ie§ Wort war die Losung au dem Tage, als Japan sein Ultimatum au Deutschland stellte und bedingungslose Uebergabe von Kiaulschau verlangte. Natürlich konnte Deutschlaitd daratlf iticht eingehen unb so erstand uns eilt neuer ^einb im fernen Osten. Feinde rings- llnt, zu Wasser nitd zu Lande! Nun muß es auch das blödeste Auge seheit, daß wir verloren sind, ivenit Gott uns nicht hilft.
Dahin ivill's Gott bringen. Das sollen wir erkeniren, daß wir solcher Uebermacht gegenüber iticht siegen können in eigener Kraft. Da muß eine andere Kraft wirksam werde». Da muß Gott ans den Plan treten.
„Mit dir will ich's nicht ein Ende machen," sagt der HErr. „süchtigen aber will Ich dich mit Maßen, daß bn dich nicht unschuldig haltest."
Man schreibt in den Blättern viel darüber, wer Schuld an diesem Kriege trägt. „Der Zar ist schuld," sagen die einen, „der Zar, der unser», Kaiser sein feierliches Wort gegeben hat, nichts gegen nits zti unternehmen, — und der gleichzeitig seine Truppen vorrücken ließ."
„Frankreich ist schtild," sagen andere. „Bon langer Hand hat Frankreich den Krieg vorbereitet. Und als der Präsident Poincarö mit dem Zaren die friedlichen Tischreden ivechselte, da hat er in aller Stille mit dem Zaren den Plan zum tleberfalle gefaßt."
„England trägt die Hauptschuld," sagen wie der andere. „Mit seiner Einkreisungspolitik, mit
seinem Neid aus Deutschlaitds Fortschritte hat es diesen Krieg gewollt. Es hat immer eine hinterlistige Politik verfolgt. England ist nie ju trauen gewesen." So schreiben die Blätter, tknd gewiß haben sie^allc ein gewisses Recht, so zu schreiben. In der Tat hat der Zar, wie sein Depeschcn- wechsel mit unserm Kaiser beweist, ein falsches Spiel gespielt. In der Tat ist in Frankreich inimer eine Strömung gewesen, welche Rache für 1870 verlangte. In der Tat hat sich die Politik Englands als hinterlistig und unehrlich erwiesen. — Das alles ist wahr. Und doch treffen all diese Antworten nicht den wahren Grund dieses Krieges. Denn sie bleiben bei den äußeren Vorgängen stehen; aber sie schauen nicht auf die tieferen Zusammenhänge.
Wenn wir die Schuld dieses Krieges beim russischen Zaren suchen oder beim König von England oder beim Präsidenten von Frankreich, dann ist die Gefahr groß, daß wir uns in Verbitterung und Haß hineinreden und hineinschreiben — und des Segens verlustig gehen, den Gott uns zugedacht hat.
Gläubige Christen wissen, daß gar nichts zufällig geschieht, daß nichts von ungefähr kommt, sondern daß Gott hinter allem und über allen, steht.
So ist's auch mit diesem Krieg. Wir haben es in diesem Kriege nicht sowohl mit de» Russen und Franzosen, mit de» Engländern und Belgiern zu tun, sondern mit Gott selbst.
Gott hat Seine Hand in diesem Kriege. Der Krieg ist ein Züchtigungsmitlel in der Hand unseres Gottes. Das müssen wir einmal klar er kennen. — Bei einer Züchtigung aber fragt man


