Ausgabe 
13.9.1914
 
Einzelbild herunterladen

Derngel lebovas lagen sieb um die ber, welche ibn fürchten.

/iljföiii französischer Schriftsteller, Pierre Loli, hat ein Bnch geschrieben:Die letzten

Tage von Peking." Er ist in China ge­wesen, als die europäischen Heere den blutigen Boxeraufstand niederwarfen. Er hat den Feldzug beschrieben upd auch die Schrecken und Greuel erzählt, die die Boxer verübten. Inmitten seiner grausigen Berichte erzählt er auch eine liebliche Begebenheit. Einige Schwestern hatten eine Christenschule für chinesische Mädchen gegründet. Sie waren allein während der Nacht in ihrem Städtchen, einige Tagereisen von Peking entfernt, als sic plötzlich das Mordgeheul von etwa 1000 herannahenden Boxern vernahmen und von den immer stärker tönenden Gongs in Todesangst versetzt wurden. Mit ihren Mädchen flüchteten sie sich in die Kapelle und warfen sich nieder zum Gebet, den Märtprertod erwartend. Unterdessen, nach langem Ausharren im Gebet, wurde das Geschrei und der Lärm schwächer, und als es Tag wurde und sie sich vorsichtig zur Kapelle hinauswagten, waren alle Umgebungen zerstört aber menschenleer. Sie flüchteten sich dann unter großen Mühsalen in das Christenlager von Peking, wo sie gerettet und unbeschädigt ankamen.

Später ist die Abteilung der Boxer, die dieses Städtchen zerstören mußte, von dem Oberbefehls­haber gefragt worden, warum sie nicht in dieses christliche Institut und die Kapelle eingedrungen wären. Sie antivorteten:Deshalb nicht, weil

wir alle Müllern des Instituts mit Soldateil und Kaiionenläufen" besetzt sahen. Da ivärcil ivir zu schwach gewesen, etwas auszurichten." Loti ist ungläubig llild schreibt die wunderbare Be- ivahrung dieser Anstalt einer Sinnestäuschung der Heiden zu. Aber der Glaube lveiß es besser; er lxeiß, lvie Gott die Scinigen erhören kailn.

M

öottvertrauen.

Bor hundert Jahren, ilach den Schlachten bei Jena und Auerslädt, war die K ö n i g i n Luise auf der Flucht vor dem französischen Heer, an dessen Spitze der Gewalthaber Napoleon stand, voir immer neuem Schreckeil verfolgt und von Ort zu Ort zu Ort gejagt. Da nahm sie in der tiefsten Bekümmernis ihr Tagebuch und schrieb das Goethesche Lied darein:

Wer nie fein Brot mit Tränen,

wer nie die kummervollen Nächte

an seinem Bette iveiilend saß,

der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.

Ihr wareil währeild des Schreibens die Träilcn in die Augen gekommen. Trost hatten aber die

Verse der Gcbellgten ilicht gegeben. Dailll setzte sie sich an das Klavier, das man in ihr Zimmer gestellt hatte, lind sang mit leiser Stimme: Be­fiehl du deine Wege. Und als sie von diesem Gesang aufstand, ivar ihr Auge klar, ihre Seele heiter. Gott hatte ihr Kraft gegeben, noch größerem Uilglück gefaßt entgegeilzugehen.

(ft urrforgt die Stinrn.

f it L. in Württemberg, schreibt ein Prediger, hatte ich eine Witwe in meiner Gemeinde. Die Frau hatte sechs lincrzogeile Kinder, lind ivar sehr, sehr arm, denn sie halte nichts, als lvas sie im Tagelohn bei den Leuten als Wäscherin verdiente. Der Winter kam mit seinen Bedürfnissen heran, die Kinder sollten warme Kleider haben, auch war kein Holz im Haus, und die Zeit, die Miete zu bezahlen, stand unerbittlich vor der Türe.

Die Not steigerte sich mit jedem Tage, und bereits hatten die Kinder schon mehrere Tage lang nichts d§. in Salzwasser gekochte Kartoffeln zur Nahrung gehabt, und nun fehlte auch das. Die Witive kannte ihren Gott und klagte nur diesem, sonst niemand ihr Elend.

Als nun nichts mehr im Hause ivar und die Kinder ohne Abendessen 511 Bett gehen mußten, ivarf sich die Mutter auf ihre Kniec und rang gleich einem Jakob mit Gott um Hilfe in ihrer Trübsal. Nach langem Gebet war es ihr, als sollte sie aufhören, es ivar, als ob eine Stimme ihr sagte:Sei ruhig, dein Gebet ist erhört."

Sie legte sich hungrig lvie ihre Kinder zu Bett und schlief ein.

fl ber Nacht fiel der erste Schnee, und am Morgen war es ziemlich kalt. Da die Kinder um 8 Ilhr in der Schule sein sollten, mußte sic bei­zeiten aufstehcn, um alles in Ordnung zu bringen. Wie sie zur Haustüre hinaus wollte (denn sie wohnte ebener Erde), wollte diese nicht aufgchen, sie drückt und stößt, bis sie endlich nachgibt, und nun entdeckte sie, daß etivas vor der Türe steht. Bei näherer Untersuchung, denn es war noch dunkel, fand sie einen großen Korb voll mit Kar­toffeln, eine Schüssel mit Mehl »nd ein halbes Pfund Butter, das jemand in der Nacht hingc- stellt hatte.

Sie nahm diese Hilfe als vom HErrn ge­sandt an, trug den Korb in ihre Wohnung und dankte mit ihren Kindern dem Versorger der Witwen und Waisen von ganzem Herzen.

Nach einigen Wochen war sie bei Frau von L. zur Wäsche und erzählte da am Waschzuber ihre wunderbare Gebetserhörung imb äußerte, sie möchte nllr wissen, iver ihr den Korb mit Kar-