Ausgabe 
30.8.1914
 
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Al? der Kaiser Konstantin es wagte, im Zeichen des Kreuzes seinen Kampf zu führen, indem er zum sichtbaren Zeichen auf die Helme, Schilde und Standarten das Kreuzeszeichen setzen ließ, wurde seiner Stirn der Siegeslorbeer. Es gehört wohl der größte Mut dazu, sein ganzes Vertrauen auf Gott zu setzen und den Namen des Herrn anzurufen und ju bekennen auch in der Oeffentlichkeit. Aber solch ein Mut wird reichlich belohnt. Wage es, zu glauben, zu beten, zu bekennen, und der Sieg ist dein.

Ich weiß, an iven ich glaube,

Ich weiß, was feste steht.

Wenn alles hier im Staube Zu Rauch und Asch' verweht:

Das ist das Licht der Höhe,

Mein Heiland Jesus Christ;

Der Fels, auf dem ich stehe,

Ter diamanten ist.

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Kaiser Wilhelm und Bismarck überPietist und Orthodox

Karriere nicht denken." Und wiederum fragt der Prinz:Was verstehen Sie unter orthodox?" Darauf Bismarck:Beispielsiveise jemanden, der erstlich daran glaubt, daß Jesus Gottes Sohn und für uns gestorben ist als ein Opfer zur Vergebung unserer Sünde. Ich kann es nicht präziser fassen; aber es ist das Wesentliche I der Glaubensverschiedenheit." Hocherrütend antwortete Prinz Wilhelm:Wer ist denn so

v o n G o t t v e r l a s s e n, daß er das nicht glaubte?" Bismarck entgegnete:Wenn diese Aeußerung

öffentlich bekannt würde, so würden Ew. König­liche Hoheit selbst zu den Pietisten gezählt werden." Wenn man uns mit Recht nichts weiter nachsagen kann, als daß wir es mit dem Auswirken unseres Glaubenslebens in der Tat und Wahr­heit ehrlich meinen, dann können wir mit gutem Gewissen diese Vorwürfe als Ehrennamen tragen und wir treten in eine Reihe von Menschen mit ein, deren Genieinschaft wir uns wirklich nicht zu schämen brauchen.

Willst du auch zu denen gehören?

P. Strauß-Leipzig.

▼4j*gu den immer wiederkehrenden Schlagwürtern, mit denen man die Christen bekämpft und in den Augen der Welt herabzusetzen sucht, gehören auch die Vorwürfe:Pietist (Frömmler) und Orthodox (Starrgläubige)" man versteht noch heute darunter Menschen, die es mit ihrem Christentum zu ernst nehmen, wie man meint. Daß diesestarrgläubigen Frömmler" aber die­jenigen Menschen waren, die zu allererst in der Geschichte die herrlichen Liebeswerke der inneren und äußeren Mission in der Kraft ihres Glanbens schufen, das vergißt man nur zu leicht.

Es war kurz »ach der Gründung der ersten Diakonissenhäuser, als der damalige Prinz Wil­helm von Preußen, der spätere K aiser Wilhelm I., ein denkwürdiges Gespräch mit Bismarck über Pietismus und Orthodoxie hatte. Fürst Bismarck berichtet darüber in seinenGedanken und Er­innerungen" : Ter Prinz bezeichnete den General von Gerlach als einen Pietisten. Daraus fragte Bismarck:Was denken Ew. König!. Hoheit sich

unter einem Pietisten." Prinz Wilhelm antwortete: Einen Atenschen, der in der Religion heuchelt, um Karriere zu machen." Darauf Bismarck: Was liegt Gerlach daran, was kann der werden? Im heutigen Sprachgebrauch versteht man, Eiv. Hoheit, unter einem Pietisten etwas andres, näm­lich einen Atenschen, der orthodox d. i. wahr­haftig an die christliche Offenbarung glaubt und aus seinem Glauben kein Ge­he itiuiiä macht; und deren gibt es viele, die mit dem Staate gar nichts zu tun haben und an

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Ber Treldenker und das Wort Bottes.

ls an einem Sonntag abend ein junger Mann einem Vergnügungslokal zuwan- derte, wurde er plötzlich von jemand an­gehalten, der ihm ein Blatt Papier einhändigte. Der Jüngling nahm das Blatt an und las beim Schein der nächsten Laterne die Worte:Wenn eure Sünden blutrot sind, weiß wie Schnee sollen sie werden." (Jes. l, 18). Spöttisches Lächeln flog über sein Gesicht, als er dies las, und das Papier wegwerfend, eilte er weiter.

Wenn eure Sünden blutrot sind, weiß ivie Schnee sollen sie werden." Das hat für mich keinerlei Bedeutung, sagte er zu sich; denn ich bin Freidenker und glaube an nichts dergleichen.

Wenn eure Sünden blutrot sind, weiß ivie Schnee sollen sie werden." Verlaß mich, Gedanke! Warum kann ich dich nicht loswerden?Wenn eure Sünden blutrot sind, weiß wie Schnee sollen sie werden." Sünden? Gewissen? Unsinn; ich erkenne weder eine Zukunft, noch einen Gott an, bin daher auch nicht verantwortlich:Wenn auch eure Sünden blutrot sind, weiß ivie Schnee sollen sie werden." Ungläubig bin ich! ries er aus, mit dem Fuße stampfend, glaube weder an die Bibel, noch an den Gott der Bibel und an nichts jenseits des stillen und dunklen Grabes. Nur ein kurzes, und zwar fröhliches Leben kenne ich hier . . .Wenn eure Sünden blutrot sind, weiß wie Schnee sollen sie werden." Fliehe mich!Wenn eure Sünden blutrot sind, weiß