Ausgabe 
28.6.1914
 
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entdeckt, daß sein Opfer sich unglücklich nnd be­schwert fühlt, so sucht er es zur Verzweiflung zu bringen, indem er ihm Gott als ein rachgieriges Wesen, als einen unerbittlichen Richter vorstellt. Wohl ist es wahr, das; Gott heilig und gerecht ist; aber es ist ebenso wahr, daß Er die Liebe ist und diese verderbte Welt geliebt hat. daß Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab, um für lins zu sterben. Jesus Christus wlirde um unserer Übertretungen willen gerichtet, um unserer Sündeil willen zerschlagen, und als Gott Jhil aus den Toten auferweckte, da war wahrlich fein Gedanke an Rache in Seinem Herzen. Nachdem die Ge­rechtigkeit Gottes jetzt völlig befriedigt ist, kommt die Gnade und sagt mit freundlicher Stimme: Dem aber, der nicht ivirkt, sondern an T eil glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet." (Rom. 4, 5.) Gott sei Tank! Sic können hellte noch Errettluig finden, jetzt, in diesem Zuge, bevor wir die nächste Station erreichen. Erinilern Sie sich nicht, ivas der Apostel Paulus denr Kerkermeister von Phi- lippi zurief, als dieser zitternd vor ihnl niederste! lind fragte, ivas er hm müsse, um errettet zu werden?Glaube an den HErrn Jesum," sagte er,und du ivirst errettet iverden, dll lind dein Haus."

Gibt es denn nichts mehr für iilich z ll t im ?*

Rein, mein Freund, Sic haben nichts zll tun I Gott blickt hiil aus das Blut Seines Sohnes als den Lösepreis, der bereits bezahlt ist. Das Einzige, was sie zll tun haben, besteht darin, als ein verloreiler Sünder zu Jesu zu kommen, Ihn anzunehmen, an Jhil zu glaliben, und Seincil Tod als an Ihrer Statt geschehen zl> be­trachten. Was Sie bedürfen, sind nicht Werke; was Sie nötig haben, ist Christus. Er allein kanil Sie befriedigen."

Meiil Leser! Gehörst du auch zu der Zahl dieser scheinbar Glücklichen, die unter der Maske einer ällßeren Fröhlichkeit ein leeres, un­befriedigtes Herz uild ein beschwertes Gewisseil verbergeil? Lausche denn, ivie jener junge Alaun, auf die freundlich mahnende Stinliue des guten Hirten, der dem Verlorenen und Verirrten nachgeht, um es heimzutragen ins Vaterhaus. Wende dich z»i Dem, der dich von dem ewigen Verder­ben zu erretten nnd dich für Jeit und Ewigkeit glücklich zu machen vermag, zll Ihm, der so dringend einladet:Kommet her zu mir, alle

ihr Alühseligeil und Beladenen, und ich ivcrde euch Ruhe geben!"

wenn öott dir einen 6öhen zerbricht, sollst du die Stücke nicht wieder zufammenfeben.

fifliifrl bic 3rit nue!

or etwa dreißig Jahren, so wird berichtet, reiste ein reicher Kaufmann von Ncuyork nach deiil Süden der Bei einigten Staaten und verheiratete sich mit einem jungen Mädchen. Sie zogeil liach Ncuyork uild warfen sich in den Wirbelsturm des üvpigrn Wcltlebens. Tie junge Frau war in ihren Mädchenjahrcn darauf bedacht gewesen, deil Armeil lind Eleildcn Gutes zll tun; auch ivar ihre Frönimigkeit und ihr Glaube auf- richtig llnd treu gewesen. Da ihr Mann der Religioil kühl gegenüberstand lind sie ihn für sehr klug hielt, so ging sie auf seine Lebensanschau- ungeu ein, lind Bibel nnb Gesailgbuch mitrbcn in den Ruhestand versetzt. Teil Vergnügungen der Welt gehörte eiilzig ihr Herz. Fast Abend für Abend war sie in Gesellschaft, int Theater, im Konzert oder auf dem Ball. Wie sie sich kleidete nnb schmückte, der Mode entsprecheild, das ivar dabei immer eine sehr wichtige Frage.

Vor etlichen Jahren inachte sie ohne ihren Mann eine Reise. Unterwegs geschah ein Eisen- bahiilliiglück, llild sie er litt eine tödliche innere Ver­letzung. Sie wurde ins ilächste Stationsgebäude getragen, wohin so schnell ivie möglich der Arzt des benachbarten Dorfes gerlifen wurde. Von der Begegnung iilit der Frau erzählt dieser Arzt: Es ist eine der schmerzlichsten Erfahrungen meines Lebens geivescil. Ich mußte ihr sageil, daß sie ilur noch eine Stllnde zll leben habe. Sie litt feine Schmerzen. Daß sie so schiver verletzt ivar, konnte nlir daraus erkannt werden, daß sie nicht »lehr imstande ivar, sich zu bewegen. Kein Wunder, daß sie es mir nicht glauben ivollte, daß es sehr ernst mit ihr stand."

Ich mliß nach Hause," sagte sie cntschicdeil, ilach Ncuyork."

Frau L., das ist unmöglich. Weilil man Sie beivcgt, so ivird Ihr Leben nur noch mehr abgekürzt."

Sie lag auf dem Fußboden, die Bremser rollten ihre Mäntel zusammen, um ihr ein Kissen daraus zu machen.

Ich soll nur noch eine Stunde zu leben haben, sagten Sie mir?"

Es ist meine schiilerzliche Pflicht, Jhneil diese ernste Eröffnluig zll lilachcn."

Sie sellfzte schwer.So muß ich enden! Was ist »lir übriggeblieben von der Welt! Es ist nicht viel, Herr Doktor!" sagte sie mit bitterem Lächelil.

Die Männer verließen das Zimmer, und ich schloß die Türe zl>, damit sie nicht gestört iverdeil möchte. Eine ^eitlang ivar sie still; dann sprach sic in heftigster Erregung:Was hätte

ich doch Gutes tun können! Jetzt ist es zu spät. Nur iloch eine Stunde!"