Ja, das ist ein köstliches Wissen, wenn man weiß: Der HErr Jesus ist arm geworden um meinetwillen, auf daß ich durch Seine Armut reich würde! Das ist keine Einbildung, das ist ein Tatsache. Ein Kind Gottes kann sagen: Einst war ich arm, nun bin ich reich; einst war ich tot, nun bin ich lebendig; einst war ich verloren, nun bin ich gefunden; einst war ich blind, nun bin ich sehend. Diese köstlichen Veränderungen bewirkt die Gnade.
Wunderbar: damit wir reich und glücklich
und selig werden könnten, gab der HErr Jesus alles auf, was Er hatte; Er entäußerte sich und nahm Kncchtsgcstalt an — um unsertwillen. O wer das weiß, „der betet an und der ermißt, daß Gottes Lieb unendlich ist." Welche Gnade, daß der Sohn Gottes sich opferte, um uns ewiges Leben 31t erwerben I Sollte da nicht unser Leben ein Loben und Preisen Seiner Gnade sein?
Pastor Modersohn.
Ein Gespräch auf der Eisenbahn.
Eisenbahnzug stand zur Abfahrt bereit. Kaum hatte ich Platz genommen, als ein junger Mann mit einem Satze in den Wagen sprang und sich mir gegenüber niederließ. ^ Als der Zug sich dann langsam in Beivcgnng setzte, begann mein Gegenüber in so lautem Tone 31t scherzen und zu lachen, daß die Aufmerksamkeit aller Mitreisenden erregt wurde. Endlich rief er mit einem derben Flüche, aller Branntwein in der ganzen Stadt könne ihn nicht warm machen.
Mehrere Fahrgäste warfen dem Flucher einen mißbilligenden Blick zu, und nur wenige lachten über seine anmaßenden Worte.
Einen Augenblick später sah er mir voll ins Gesicht und begann seine rohen Scherze von neuem. Da er sich wundern mochte, daß ich nicht einmal mit einem leisen Lächeln auf dieselben antivortcte, richtete er eine Frage an mich.
Einige Sekunden herrschte eine allgemeine Stille in dem Wagen ; man hörte nur das dumpfe Geräusch der über die Schienen rollenden Räder. Aller Augen waren auf uns gerichtet. Ich sann einen Augenblick nach und sagte dann, indem ich meine Hand auf sein Knie legte:
„Mein Herr! Ein gewöhnlicher Beobachter wird Sie für einen leichtmütigen, glücklichen jungen Mann halten, der besonders heute Abend gut aufgelegt zu sein scheint. Aber da Sie eine Frage an mich gerichtet haben, so erlauben Sie
mir die Gegenfrage: Ist alle diese.Heiterkeit nicht erzwungen? Sind Sic nicht gerade in diesem Augenblick unglücklich? Fühlen Sie nicht gerade jetzt eine große Leere in Ihrem Herzen?"
„Sie scheinen ja mancherlei von mir zu wissen, mein Herr," erwiderte der Gefragte leichthin ; „aber meinen Sie nicht, daß Sie sich sehr täuschen könnten?"
„Nein, mein Herr; denn dieses Buch hier," dabei zog ich meine Bibel aus der Tasche, „das Wort Gottes, erklärt, daß das Auge nicht satt wird des Sehens und das Ohr nicht voll des Hörens, und das Teil des Menschen unter der Sonne nur „Eitelkeit und ein Haschen nach Wind" ist. Gott weiß, daß dies wahr ist von Ihnen; und auch sie wissen es."
„Sie scheinen ein religiöser Mann zu sein," entgegnete er. „Ich war das auch einst: ich besuchte die Kirche fleißig und war sogar Lehrer in einer Sonntagsschule. Aber ich bin durch das Verhalten mancher, die mit mir dieselben Wege gingen, so bitter enttäuscht wordcu und habe einen solchen Abscheu vor ihrer Heuchelei bekommen, daß ich mich von aller Religion ab- geivandt habe uiid heute gar keinem religiösen Bekenntnis inehr angehöre."
„Glailbeii Sie denn, das alles das, was Sie soeben gesagt haben, eine genügende Entschuldigung ist vor dem weißeii Throne, auf welcbem einmal der Sohn Gottes als Richter erscheinen wird? Sind Sie liicht von Ihnen ersonileii, um Ihr jchuldiges Gewisseii zu beruhigen? War das Verhalten jener Leute ivirklich der Grund, weshalb Sie zurückgegangeii sind? Lag es nicht vielmehr daran, daß Sie die Welt und die Süiidc liebten und in ihreii Wegen 31t wandeln wünschten? Es würde niich gar liicht wundern, wenii Ihr Herz selbst in diesem Augenblick nach etwas Höherem verlaiigte, als nach den eitlen Dingeil dieses Lebeiis, obgleich Sie seine Leere unausge- setzt mit den Träbern der Erde auszufülleii suchen. Uiid, mein Freund, der Gott aller Gnade verlangt darnach, Sie zu erretten, und der HErr Jesus ruft Ihnen 31t: „Komm her zu mir, ich
will dir Ruhe geben!"
Mein Gegenüber ivar während meiner letzten Worte sehr ernst geworden. Er sah eine Weile stillschiveigend vor sich hin rmd sagte dann mit gepreßter Stimme: „Sie haben recht; ich bin
wirklich ein schlechter Mensch. Ich kann icur niit Schrecken an Gott, an den Tod uiid an das kommende Gericht denken'; ich zittere bei dem Gedanken, daß ich vielleicht in der nächsten Miiiute abgerufen iverden könnte, um daun an den Ort meiner ewigen Bestimmung zu geheii."
„Wenn der Teiifel eine arme Seele zur Sünde verführt hat," erividerte ich, „uub nun


