Ausgabe 
3.5.1914
 
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Hinaus sind sie. Bald darauf kommen an­dere Dorfleute, Männer, Frauen und Kinder herein.

Wir haben noch ine so etwas gehört," sagen sie,wartet, wir werden noch andere schicken, die die Geschichte auch hören müssen."

So sitzen die beiden Missionarinnen und er­zählen, und immer wieder kommen neue Menschen und bitten:Erzähle es noch einmal."

Als das achte Mal beendet ist, müssen sie aufstehen und nach ihren Eseln sehen, um nach der Bahnstation zurückzukehren.

Kann eins von euch lefctt ?"

Ö ja da ist ja der Dorfoberste der Scheck), er nimmt mit Feuden das Evangelium, das sie ihm zum Abschied geben, und verspricht, den andern alles vorzulesen.

Das ist nun über zehn Jahre her.

Was aus dem Dorf geworden ist? Niemand weiß es, als Gott allein. Niemand hatte Zeit und Kraft, sich wieder nach diesem verlassenen Winkel am Ufer des Nil umzusehen. Es ist ja so viel zu tun und so wenig der Arbeiter und so wenig der Beter daheim!

Aber das eine ist seitdem den beiden Missio­narinnen größer und herrlicher denn je geworden, daß sie es erlebt haben:Gott macht uns nie

einen Strich durch die Rechnung, wenn Er uns nicht viel Köstlicheres dafür geben will." Nur still sein und nach oben lauschen und nicht durch den eigenen Unmut Gottes wunderbaren Plan verderben!

6edanken bes Friedens.

Denn ich weiß wohl, wg8 ich für öedanken über euch halle, spricht der Herr: öedanken de 5 strieden8 und nicht de5 5eidens, daß ich euch gelle das Lnde, de5 ihr wartet. Jer. 29, 11 .

Siebenzig Jahre in Babel! Das war eine laüge Zeit für Israel. Da ist's verzeihlich, wenn die Frommen, welche nicht ftumpf oder von heid­nischen: Wesen angesteckt waren, seufzten: Herr, warum? Warnin solange? Und doch hatte der Herr seinem Bolke durch dies Wort ein Licht für dunkle Zeit geschenkt und versprochen, ihnen das Ende zu geben, des sie warteten. Wenn wir Gottes Gedanken und Wege nicht verstehen, so kann es uns schon ein Trost sein, daß es einen gibt, der sagt: Ich weiß wohl. Doppellrost ist's, daß er lins sagt: Ich habe Friedensgedanken. Leiden und Züchtigungen sind seine Mittel, uns zu üben in geduldigem Warten und dann geben sie eine fried-

same Frucht der Gerechtigkeit. Wie lange hat Siemeon gewartet auf das Ende, im Frieden heim­zufahren, und wie herrlich ist sein Warten ge­krönt worden! Daß wir nur immer wartend und wachend erfunden würden!

keilte, dir nie schuld Imlirti.

an findet oft Leute, die es zu nichts bringen, trotzdem die besten Vorbedingungen für allerlei Erfolge vorhanden sind. Fragt inan sie, warum das so ist, so sind sie selbst nie Schuld daran.

Haben sie eine gute Stellung, so halten sie es dort nicht lange aus. Selbstverständlich sind die Verhältnisse schuld daran, oder die Kollegen sind zanksüchtig, falsch und eingebildet, oder der Chef nutzt sie zu sehr aus. Wagt man vorsichtig zu fragen, ob es vielleicht an ihrem Fleiß, an ihrer Verträglichkeit, an ihrer Ausdauer liegen könnte, so weisen sie das kräftig zurück. Selbst ivenn sie sich grobe Vergehen zu schulden kommen ließen, so sind doch andere Leute Schuld daran. Diese haben sie schlecht beeinflußt, verführt und dergleichen mehr. Daß kein. Mensch sie schlecht beeinflussen noch verführen kann, wenn sie nicht darauf eingehen, kommt ihnen nicht in den Sinn. Schließlich gehören sie zu denen, die ewig stellen­los sind und werden sich selbst und ihren Mit­menschen immer inehr eine Last. Wenn sie Un­frieden in der Familie haben, so liegt das selbst­verständlich an Vater und Mutter und den Ge­schwistern. Selbsterkennntnis ist der erste Schritt zur Besserung, da es aber an der Selbsterkennt­nis fehlt, lind sie dieselbe gar nicht aufkommen lassen wollen, so kommen sie nie zu diesem ersten Schritt und gehen, wenn nicht äußerlich, so doch innerlich, immer weiter bergab. Wie machen diese Leute es, ivenn sie sich einem christlichen Verein oder sonstigem christlichen Kreise anschließen ? Das ihnen entgegengebrachte Vertrauen, die Liebe und Freundschaft inacht keinen (Stnbriicf auf sie. Im Gegenteil müßte der ganze Verein sich freuen, daß sie sich ihmwidmen ivollen". Daß der Verein längst ohne sie bestand und nur ihr Wohl im Auge hat, ja, daß sie ihn brauchen, kommt ihnen nicht in den Sinn. Dabei sind sie sehr empfindlich, ivenn ihnen einmal iiicht so viel Ehre und Aufmerksamkeit zu teil^vird, wenn sie glauben beaiispriichen 311 können. Sie sind schnell bereit nicht mehr zu kommen" oder ihrenAustritt er­klären". Bleiben sie fort, so erwarten sie aber, daß ihnen tüchtig nachgegangen wird. Sie, die untätig im Schmollwinkel sitzen, oder ihre Zeit in schlechter Gesellschaft, vielleicht in einem Sünden-