Kein blos äußerliches Bekenntnis kann sie erkaufen ; keine Kirche, kein Priester, keine kirchlichen Gesetze, keine sektiererischen Unterschiede. — Es sind nur die geheiligten Herzen. „Der den Willen Gottes tut," der, welcher den Sinn Jesu wiederspiegelt, Seinen Geist einsaugt, — den täglichen Wandel nach Seinem Worte ordnet, und Seine Ehre zu dem großen Ziel Seines Daseins macht; der, ivelcher zu Gott, mit Gott und für Gott lebt; der demütige, niedriggesinnte, Ehristus ähnliche, himmelanstrebende Christ; — er ist es, der mit Recht diese wunderbare Erbschaft der Liebe sein eigen nennen kann! Wenn es ein würdiges Verlangen ist, von den Guten und Ausgezeichneten dieser Erde geliebt zu werden, — ivas muß es sein, allezeit ein liebendes Auge von dem Trone auf un§ herabstrahlen zu wissen, im Vergleich 311 welchem die Anhänglichkeit irdischer Brüder, Schwestern, Verivandten und Freunde — Alle zusammengefaßt — wie das Licht der Sterne vor der ausgehenden Sonne erblassen >nuß! Wenn wir uns oft schämen, Ihn Bruder zu nennen, so schämt Er Sich doch nicht, utt§ Brüder zu nennen. Er sieht auf uns arme Erdenwürmer herab und sagt: „der ist mein Bruder!" „Ich will," sagt Er an einer andern Stelle, meinen neuen Namen auf sie schreiben." Gerade wie wir ituferc Namen auf ein Buch schreiben, um zu bezeichnen, daß es uns gehört, — so ivill Jesus Seinen eigenen Namen auf uns, die ivun- dcrbaren Bände Seiner Gnade schreiben, damit sie von Fürstentümern nnd Obrigkeiten gelesen und erwogen werden mögen. •
Haben wir diese Liebe Gottes erkannt und geglaubt'? Ach, wie armselig ist die Vergeltung geivesen! Wer unterzeichnet nicht die Worte Eines, dessen Name in allen Gemeinen ist, — deine Liebe ist wie ein Regenguß geivesen; die Erwiderung mar nur ein Tautropfen und dieser Tautropfen von Sünden besteckt.
Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir weiden zu ihn> konuuen und Wohnung bei ihm machen.
Grdliulik» »brr bkknlmi.
in Jahr hat nicht so viele Stunden, als eine Stunde Gedanken. Gedanken kommen in Schwärme», wie die Bienen. So ivenig man in, Herbst die fallenden Blätter zählen kann, so wenig die Gedanken; ivie die Glieder einer Kette, so hängt sich ein Gedanke an den cmdern.
Was ist der Mensch doch für ein unruhiges Geschöpf: seine Gedankeit tanzen auf und nieder wie die Mückeit an einem Somnterabend. Wie die Räder eiiter llhr, so beivegt sich sein Geist
mit der eitlfliehenden Zeit. Darum ist es auch
unt das Denken eine so ivichtige Sache. Kleine Bürden machen zusammen große Lasten, und viele letchte Gedanken geben zuletzt eine große Sündenschuld. Eilt Sandkörnlein ist leicht geung, aber Salomo sagt, daß ein Haufeit Sand schwer sei. Wo so viele Kinder sind, lut die Altitter wohl, weitit sie gilt aaspaßt. Wir sollten ivohl inerken auf unsere Gedankeit, denn wenn sie 311 unfern Feinden werden, sind sie uns zu zahlreich uitd ziehen uns ins Verderben. Alan kann uns wegen unserer Gedankeit vor kein irdisches Gericht bringen, aber wir können sicher darauf rechiteit, daß wir vor dent letzten Gericht Rechenschaft dafür geben müsseit. Böse Gedanken siitd das Mark der Sünde, das Alalz, atls dem die Sünde gebraut ivird, das Nest, in das ein jeder Vogel sein Ei legt. So geiviß das Feuer das niedrige Holz ebenso verzehrt als starke Stämme, so geiviß wird Gott sündliche Gedankeit ebenso bestrafen als sündliche Werke.
Gott keitiiet tinsere Gedanke». Er hat ein Fensterchen in dem geheimsten Raum titiserer Seele, ein Fenster, das keine Laden hat. Wie ivir die Bienen iu einem gläsernen Bienenhaus beobachten, so sieht uns das Auge Gottes, der Mensch hat vor Gott nur eilte Außenseite. Da möchten nun einige einivendeit, daß sie sich der bösen Gedanken iticht erivehren können. Das »tag ivohl sein, aber die Frage ist, ob sie dieselben hassen oder nicht. Wir könne» den Vögelit nicht vermehren, über unser» Kopf 311 fliegen, wohl aber, daß sie iit unfern Haaren Nester bauen. Wir müssen den sündigen Gedankeit iticht die Tür öffnen, sie mögen sich ivohl erhebeit, aber nicht regieren. Wie die Schnecke ihren Schlei», zurückläßt, so tun es auch sündige Gedanken. Es ist schrecklich, wenn eine verderbte Einbildungskraft den Schlüssel geiviitnt zu tmserer Seele und so imnter wieder leicht hineinkommt, wir mögen wollen oder nicht, tind siebeit andere Geister mit- bringt, die schlimmer siitd, als sie selbst. Unb was daraus alles folgt, weiß niemand. Wer mit schlechten Gedanken durchtränkt ist, der lodert m offene Sünde auf, iveitit immer sich eine Gelegenheit bietet. Das zeigt uns, wie nötig es ist, über unsere Gedanken täglich zu ivacheit. Gute Gedankeit siitd gesegitete Gäste, die herzlich begrüßt, gilt gespeist ttitd emsig besucht werden sollen. Wie die Rosenblätter, so geben sie eilten süßen Geruch, weitit sie in dent Gefäß unseres Gedächtnisses bewahrt iverdeit. Heilige Gedankeit erzeugen heilige Worte und heilige Handlungen und sind hoffnungsvolle Anzeichen eines erneuten Herzens. Der beste Weg, aus eineiit Scheffel die Sprett fernzuhalten, ist, ihn mit Wcizeit gu füllen, und um eitle Gedanken fernzuhalten, ist es weise,


