«Hebaftcur: Stad »Missionar Herrmann-Gtekcu Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. und die Prediger der Pilgermtssion. Vcrlat der Bu-tihandiung d 'r Pilgermisston. Druck von Otto Meyer in Kiesten. Ludwigstr. so.
Nr. 6. Sonntag, den 8. Februar 1914. 7. Jahrg.
Wachstum.
„Schauet die Lilien auf den, Felde, ivie sie wachsen." Matth. 6, 28.
in Stück Anschauungsunterricht von den Lippen Jesu llnd um so bedeutungsvoller, als Er nicht nur das Bild, fonbern aud) bic Lilien geschaffen hat. Es ist, ivie wenn ein Erfinder den Bau seiner Maschine beschreibt. Der die Lilien schuf, hat mich geschaffen, beide nach demselbeit großen Gedailken. Beide, Meiisch und Blume, hat er hineingepftailzt in die Tiefe der Vorsehung. Der Mensch aber ist träge uitd versteht sein eigen Leben nicht, darum weist Christus auf eine gleichartige Erscheinuilg hin, an der wir lernen sollen, ein freies, natürliches Leben zu führen, ein Leben, das Gott ohne unser Sorgen für uns entfalten ivill, wie er die Blumen entfaltet. Christi Wort ist kein bloß allgemeiner Hinweis auf die Natur. Wenn er uns die Lilien anschalien heißt, so ist es nicht inir, uiil ihre Schönheit zu bewundern; ihr schlanker Wuchs, ihre Anmut in Stengel nnb Blattwelk mag wohl das Auge entzücken, ivas aber die Jüilgec anschauen sollen, ist „wie sie wachsen" — wie ohne Sorgen nnb Mühen die Lilie in ihre Lieblichkeit hineinwächst, wie ohile ihr Arbeiten nnb Spinnen dies ivciße Gewand sich ivcbt, ein Gewaild vom himm- lischen Webstuhl, das Gott ihr anzieht, weit schöner als Salomoilis Seide. Die Lilie weiß nichts von Anstrengung, sie wächst und „sorget nicht." „Das schauet an", sagt der Herr in wunderbarer Amveildlliig, „so müßt allch ihr wachsen, ihr vielbekümmerten, sorgenvollen Men
schenkinder! Solltet ihr lim euer Leben euch mühen, solltet ihr sorgen lind sagen: Was iver- den ivir offen ? Was werden wir trinken '? Womit werden wir uils kleiden? So Gott der Herr das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfeil wird, sollte er das nicht vielmehr euch tun? O ihr Kleingläubigen!"
Solcher Naturunterricht war etwas ganz neues für die Jünger, aber allch Kleiilgläubige habeil dieses christliche Geheimnis der Gelassenheit gelerilt. Abgesehen vom Liliengleichnis lehrt schon die tägliche Erfahrung, daß Sorgen unb Grämen nicht viel hilft; wir wisseil, daß ivir unsrer Läilge keine Elle zusetzen können, wir begeben uns illltztoseil Mühens und iverden gelasseil.
Das heißt: Gott vertraueil in äußerlicheil Diilgen, so weit kommt inailcher; ivie aber mit jenem andern Sorgen, jenem selber schaffen wolleii auf geistigem Gebiet? Es ist nicht der Leib, für ben wir uns mühen, es ist die Seele. Fürs leibliche Leben haben wir uils von den Lilien unterweisen lassen, wie aber soll das geistliche Leben wachsen? Wie werden ivir besser? Wie ivachsen ivir in der Gnade? Mit welchem Sorgen können wir unsrem geistlichen Wachstlun eine Elle zusetzen und das Maß des vollkommeileil Alters Christi erreichen? llnb weil ivir wisse», ivie iveilig ivir dem Bilde Christi ähnlich sind, so kehrt unser altes Sorgen wieder uild uilser inilcres Leben ivird aufs neue zu einem Kampf zwischen Mühen uild Grämen. Wir habeil schließlich nur lnlser Arbeiteil und Spinnen vom Leiblicheil aufs Geistige übertragen. Aber all unser Riilgen ilach christlicheiil Wachstum ist eiile Kette von Fehlversuchen, llild anstatt in die Schöilheit Seines Bildes hineinzuwachsen, ist unser Sehen ein tägliches Herzeleid in Demütigung uild Reue.
Warum? die Sache ist völlig klar. Wir


