Jüngling, -wie Diel verlangen Sie denn?- fragte weiter der Offizier «Ich muß hundert Gulden verlangen», antwortete der junge Mann, «und ich bin der unglücklichste Mensch von der Grde, wenn Sie mir nicht so viel geben», «hundert Gulden ist freilich viel», versetzte der Offizier: -aber Sie gefallen mir: ich glaube, datz Sie ein braver Soldat werden und Ihre Pflicht tun: ich will daher nicht mit ihnen handeln». Hierauf zählte er ihm hundert öulden vor und fetzte bei: «Morgen reifen wir von hier ab.»
Der junge Mensch war nun ganz entzücht, und bat den Offizier nur um die Grlaubnir, noch einmal nach Haufe gehen zu dürfen, um eine heilige Pflicht zu erfüllen: er versprach, in einer Stunde wieder zurückzukommen Oer Offizier traute feinem ehrlichen Getzcht und lief? ihn gehen: da ihm aber dar genehmen der jungen Männer doch auffallend war. so ging er von ferne heimlich nach, um zu sehen, wo er hingehen werde. Gr sah ihn gerade nach dem Stadtgefängm'r laufen, wo er anklopfte und eingelaffen wurde: der Offizier ging eden- fallr in dar Gefängnis und erfuhr nun, warum der Jüngling sich hatte anwerben lassen: Der Vater der Jünglings fatz nämlich im Gefängnis, weil er einem Herrn hundert Gulden schuldig war, die er nicht bezahlen konnte, va hatte der treue Sohn grotzer Mitleid mit feinem Vater, weil er ihn sehr liebte, und hatte sich nur deshalb anwerben lassen, um mit dem Handgelde von 100 Gulden feinen Vater zu befreien. Sobald er in's Gefängnis trat, redete er mit dem huffeher und gab ihm die 100 Gulden in Verwahrung: dann eilte er zu feinem Vater, fiel ihm um den hals und verkündete ihm feine Freiheit.
ver Offizier war ihm immer heimlich nachgegangen und sah nun, wie der ehrwürdige Greis feinen braven Sohn an'r Herz drückte und mit feinen tränen benetzte, ohne ein Mort zu reden. Da wurde er bei diesem hnblick sehr gerührt, trat in dar Zimmer und sagte zu dem Greir:^ «trösten Sie Jich/ich will^Jhnen einen so braven Sohn^'nicht.'nehmen: er ist wieder frei, und er reuet mich die Summe nicht, die ich ihm gegeben habe, da er sie so gut angewendet hat.»
«Mer den Herrn fürchtet, ehrel feine Gltern und dienet ihnen.» Sir. Z, 8.
Gestern wie heute.
Eine junge Mutter ging lange unter dem Drucke ihrer Sünden einher. Sie war so betrübt, daß es auch ihrem kleinen Jungen ansftel, dem es leid tat, datz seine liebe Mutter immer so
traurig war. Eines Abends, während ihr Sohn noch Schularbeiten machte, saß sie an ihrer Bibel und las Joh. 3, 14—16. „Jetzt habe ich es!" ries sie aus, unb ihr Gesicht heiterte sich aus. Das Wort: „Aus datz alle, die an ihn glauben..." gab ihr den Lichtblick. Froh gingen Mutter und Kind zu Belt. Am anderen Morgen war die alte Traurigkeit aus der Mutter Gesicht. Aus die Frage des Knaben: „Warum?" sagte sie: „Ach, es hat sich alles verändert!" Der Kleine aber holte die Bibel und ries: „Mutter, hier steht es
noch wie gestern abend!" Das hals der zweifelnden Frau zurecht, und anstatt auf ihre Gefühle, schaute sie jetzt aufs Kreuz und glaubte an das geschriebene Wort.
Ei» fiirülidicr llotfdiiitiiitt.
„Wenn ein großer Fürst uns bei Tische vor- sehnitte, so würde das als eine ebenso große Gunst gelten, als das Mahl selber. Außere Güter aus Gottes Hand nehmen und sehen, daß Er unsrer gedenkt und jedesmal unfern Vorrat sendet, dies macht das Gut noch teurer und vermehrt unsre Freude daran."
pTj\Ja§ würden in der Tat die meisten Menschen darum geben, wenn sie sagen könnten: „Die Königin selber schnitt mir vor und sorgte dafür, daß ich gut versehen würde." Aber jeder Gläubige hat den Herrn selber zu seinem Versorger. Er bedeckt unfern Tisch und füllt unfern Becher. Die Vorsehung ist nichts andres, als Gott, der vorsieht. Er mißt unsre Freuden aus, wiegt unsre Schmerzen, bestimmt unsre Arbeiten und wählt unsre Prüfungen. Es ist kein Stückchen auf des Heiligen Teller, das der Herr nicht vorgeschnitten hat, wenn jener nicht so töricht gewesen ist, seine Hand zur Missetat auszustrecken.
Ist es nicht wonnevoll zu wissen, daß uusers Vaters Hand für uns das Brot gebrochen hat, das wir heute gegessen haben; daß des Heilandes eigne Finger den Kelch mischten, und daß jede Segnung direkt von Gottes eignem Tische zu uns kommt? Gewiß, wir sind Gott so teuer, wie das kleine Schäflein in Nathans Parabel dem armen Manne war, von dem uns gesagt wird: „Er nährete es, daß es groß ward bei ihm und bei seinen Kindern zugleich; es aß von. seinem Bissen und trank von seinem Becher und schlief in seinem Schoße." Macht dies nicht unser Essen und Trinken und unsre Wohnung mehr als königlich? Sind wir nicht mehr als zufrieden mit solcher Kost?
Ja, Herr, meine Portion schmeckt nach Liebe; denn Deine Hand.hat sie versüßt. Ein heiliger Wohlgeruch ist in meinen Kleidern und .in meiner Kammer; denn bu hast alles für mich bereitet.


