Ausgabe 
1.2.1914
 
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durch Erziehung ausgebildet) ist also wesentlich zu unterscheiden von der christlichen Demut, die nur Gott geben kann und muß.

Line andre scheinbare Demut istdie selbster­wählte Geistlichkeit und Demut der Engel, des man nie keines gesehen hat", nach Kol. 2, s823. Da sind Leute gekennzeichnet, die sich die Demut selbst fabrizieren, indem sie durch Paragraphen und Regeln in eigner Anstrengung einen demütigen Zustand zu erreichen hoffen, dessen weg nicht so viel Demüti­gung erfordert wie der vorhin gezeichnete weg zur wahren christlichen Demul. Da ist man wie jener wann, dervor Demut" unter den Tisch kroch und immer herausschaute, ob denn nicht endlich jemand seine Demut" sehe und ihn preise.

was ist denn nun wahre christliche Demut? wir finden sie am besten verkörpert und veranschaulicht bei dem, der gesagt hat:Zch bin sanftmütig und von

Herzen demütig." Das Wesen der Demut Zesu lag zunächst vor allem in der Tatsache, daß er seinen willen dem willen des Vaters von Anfang bis zu Ende unterordnete:Zch tue allezeit

den willen meines Vaters"Der Sohn kann nichts von ihm selber tun"Vater, nicht mein Wille, sonders dein Wille geschehe." Zm Verhältnis zu den Menschen offenbarte sich seine Demut im Dienen Dienemut" : Des Menschen Sohn ist nicht ge­

kommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene." Das zeigte er auch besonders bei der Fußwaschung. Das war nicht eine leere Teremonie iwie bei deni Papst und dem bayrischen Könige, welche alle Zahre einmal de» angesehenste» Häuptern die Füße waschen,) sonder» es war ei» Beispiel davon, wie seine Zünger es lernen könnten, gerne der Kleinste zu sein, indem man sich untereinander dient. Betrachten wir ihn erst in seinem Leiden, wie er als ein stilles Lamm die Schläge, den Spott, das Speien ins Angesicht und am Kreuz den Tod eines verfluchten erlitt, so müssen wir sagen, das kann nur einer, der von Herzen demütig ist.

Zn der christlichen Demut liegt göttliche Autorität. Oie wahre Große in der Demut ist zunächst verborgen in der Vollendung tritt sie aber voll Licht und Kraft in die Erscheinung. Der Segen der christlichen Demut ist, mit Thristo erhöht zu werden,; denn welche durch alle Kämpfe und Schwierigkeiten hindurch überwinden,d.nen will ich geben (so sagt Zesus), mit mir zu sitzen auf meinem Stuhl." Sie wer­den Priester Gottes n»d Könige sein und mit ihm herrschen und regieren.

Rappe, Leipzig.

JÜP

Gottes Reichtum in Christo ]e$u-

Wenn die Bettler in den Straßen einen armen, dürftig gekleidete» Mann sehen, so lassen sie ihn in Ruhe; aber wenn sie einen Mann von Rang und Stand sehen, so raffen sie sich auf und belagern ihn mit dringenden Bitten und Forderungen und wollen ihn nicht lassen, bis er ihnen etwas gegeben. So sollten wir es bei unserm geistlichen Betteln machen. Eitel ist die Hülfe des Menschen, und deshalb sollten wir wenig von ihn» bitten; er ist so arm wie wir, und es ist Zeitverschwendung, einen so Dürftigen an- zusprechen. Aber der Herr Zesus ist so reich, daß, wenn alle Bettler im Weltall kämen, Er keinen von ihnen abweisen, sondern die Türen Seiner Kornhäuser und die Riegel Seiner vorratskainmern öffnen und die Welt speisen würde. Er ist der Erbe aller Dinge. Seine Schätze sind bodenlos. Er hat genug für alle die, welche verhungernd an den Hecken und Landstraßen liegen. Der Reichtum von Nationen ist nichts gegen den Reichtum Zesu. Komm also, mein Leser, bitte Großes von deinem HErrn.

4. Der Hege»» der christliche»» Demut.

Er besteht zunächst darin, daß der Große und Erhabene in einemzerschlagenen und gedemütigten Geiste wohnt. Warum denn? Zn einem gedemü- tigten Geiste ist der Thr. n für Gott frei geworden. Das Zch ist entthront, und da kann nun Gott seine Segensfülle offenbaren. Den» wo er wohnt, ist tiefer Friede, Freude, Licht und Leben.

Daraus kommt ei» w.iterer Segen, wo Goit wohnt, ist göttliche Kraft und T ü ch t i gke i t. De- mütige Leute können etwas leisten, wenn Hochmut dumm und untüchtig macht, so macht Demut klug, weise und tüchtig. Paulus sagt:Nicht daß wir

tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken als von uns selber, sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott." Demütige Thristen sind auch nicht zufrieden nüt dem, was sie nun eben gerade haben. Aus dieser notwendige» und geheiligten Ungenügsamkeit heraus entwichelt sich bei ihnen die ganze Lebensenergie, die sie zu immer neuen Fähigkeiten und Aufgaben führt.

Endlich li ot in der Demut die wahre Größe. Da ich gedemütigt ward, da machtest du mich groß."

Kindesliebe.

in preufiifcher Offizier, der felir reich und aus vornehmer Familie war, hielt sich eine Zeit lang zu Ulm in Schwaden auf; er mar ein Werder: fein König hatte ihm befohlen, Sol= Daten zu sammeln.

Da kam ein junger wann, um sich auch anroerben zu lassen. £r war sehr schön ge­wachsen, schien wohlerzogen und brav. Als er vor den Offizier trat, zitterte er an allen 6lie= Dem; Der Offizier fragte ihn Deshalb, vor was er sich Denn fürchte? -Ich fürchte, Daß Sie mich abweifen--, sagte der jüngling, und indem er Dies sagte, rollten Träne über feine Wangen. -Nicht Doch», antwortete Der Offizier, -Sie find mir vielmehr sehr willkommen, warum fürch­teten Sie, fortgeschickt zu werden?» «weil ich ein hohes fjanDgelD forDern muh», sagte Der