“Rehafteur: Stadttritsstonar SjerrmannsStefeen. TOttarbeitcr: Psarrcr Sperber-Cassel. Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. und die Prediger der Piigermiffion. Verlag der «ucbdandlung drrPilgermisfion. Druck van Otto Meyer in Gietzen, Ludwtasrr. s».
Nr. 5._ Sonntag, den 1. Februar 1914. _ 7. Jahrg.
Die christliche Demnl.
1. Die AotweudigKeit der christlichen Demut.
I -^c^ie erste Sünde, die in die Mell gekommen ist, gg|ajj war der Hochmut. Derselbe bestand nicht zu- j^O nächst in einer besonderen Tatsünde, sondern darin, daß der Mensch ohne c8ott etwas sein wollte. Dieses Gift flößte der Teufel dem Men- scheu ein mit den Worten: „Ihr werdet sein wie Gott." Das wird uns auch veranschaulicht in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Hinaus in die Ferne, selbständig sein können, «licht mehr abhängig sein müssen vom Vater, nicht mehr als ei > Untergeordneter unter den Millen des Vaters: Das ist das Ideal des hochmü
tigen natürlichen Menschen, dem es bei Gott zu eng ist. Das ist auch der Inbegriff des Hochmuts und darum die Notwendigkeit der christlichen Demut.
In der eigenen Selbständigkeit wurde aber auch der Mensch von Natur unfähig, das zu werde>i, wozu er bestimmt war. Das zeigt die ganze spätere Entwickelung des Volkes Israel: <£s konn te das
Gesetz nicht richtig erfüllen, und so wird es bleiben bis zunl Ende der Tage. Mangel an Demut oder die Selbständigkeit außer Gott macht untüchtig u-ld in göttlichen Dinge» dumm. Nach dem Fall glaubten die ersten Menschen wohl etwas zu wissen durch den Betrug des Teufels: „Ihr werdet wissen, was gut
und böse ist." Diese armselige Wissenschaft stürzte den Menschen aber in finstre Nacht. Aus dieser Tatsache der Untüchtigkeit, der schrecklichen Dummheit und Beschränktheit in göttl. Dingen ergibt sich die Notwendigkeit der christl. Demut; denn Demut nracht tüchtig und weise.
2. Der Weg »ur christlichen Demut.
Um ein Ziel sicher und bestimmt zu erreichen, ist es wichtig, den rechten weg einzuschlagen. Hier heißt es nicht: „Ts führen viele Wege nach Rom." Der
weg zur christlichen Demut sind die Demütigungen des alltäglichen Lebens. Ohne Demütigung — keine Demut. Jesus silbst mußte diesen weg der Demütigung zwar nicht um seinetwillen gehen, um
demütig zu werden — er war demütig — sondern er bahnte uns den Weg zur christl. Demut durch selbsterlebte Demütigungen. Bezeichnend heißt es von ihm als (2jähr. Knaben: „Tr ging mit seinen Tltern
hinab nach Nazareth und war ihnen unt er tan." Der weg zur Demut ist also ein fortwährendes Hinabgehen im Glaubensgehorsam — untertan sein dem göttl. willen, welcher oft redet durch Menschen, durch Verhältnisse, durch sein Wort, durch seinen Geist ic. Auf diesem Demütigungsweg des beständigen Gehorsams blieb Jesus „bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz" Der Schrei: „Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?" war der Tiefpunkt seiner Demütigung. So hat er „den Gehorsam ge- lernet" und uns gezeigt den Demütigungsweg — den untersten pfab, sehr schmal und dornig. Ts unterliegt keinem Zweifel, daß, wer die christliche Demut besitzen wi I, muß in die Fußtapfen der Demütigungen unsers Heilandes hinein, wir brauchennicht fürDemütigungen zu sorgen, da sorgt Gott für. Der Christ muß bereit sein für diesen untersten weg, der nur allein zur wahren ch:istlichen Demut führt. Auf diesem tiefen Grunde gedeiht die köstliche uird wunderbare Pflanze — die christliche Demut. —
3. Das Wesen der christlichen Demut.
Muß Demut denn christlichen Ursprungs sein? Gibt es nicht ungläubige Menschen — sogar Atheisten, welche eine Bescheidenheit, Sanftmut und Demut zeigen, daß die sogenannten gläubigen Christen (die manchmal sehr rechthaberisch, polternd und taktlos sind) weit in den Schatten gestellt werden? — Dieser Taisache dürfen wir uns um der Wahrheit willen nicht verschließen. Ts gibt Menschen ohne Lebenaus Gott — welche eine angeborene Bescheidenheit, Zurückgezogenheit, also eine (scheinbare) Demut an den Tag legen. Dem gegenüber ist zu betonen, daß das nicht christliche Demut ist, sondern eine natürliche Anlage. Diese natürliche scheinbare Demut ist nicht imstande, sich zu beugen „unter die gewaltige Hand Gottes." Ts ist eine Demut, in welcher der Mensch nicht bereit ist, sich demütigen zu lassen. Darum gilt sie vor Gott nicht als Demut. Tine natürliche Bescheidenheit, Sanftmut und Zurückgezogenheit (oft auch


