dieser schnaubende Saulus wird sich bald bekehren, dann wird unsere Trübsal ein Ende haben. Die Jünger zu Jerusalem haben lange nach Saulus Bekehrung noch nicht glauben wollen, daß er jetzt ein Jünger Jesu sei. Apg. 9, 26. Daß der Herr auf solche wunderbare Weise helfen würde, hatte ivohl kaum jemand geahnt, aber so ivar es eben Gottes Weg. Er machte den Feind zum Freund, den Verfolger zum Verteidiger und den blinden Eiferer zu einem altserwählten Rüstzeug. So hat Gott der Gemeine Frieden bereitet. Hier tritt es an: klarsten zu Tage, daß, ivo j ede menschliche Hilfe abgeschnitten ist, das Volk Gottes erst recht auf die Hilfe seines Gottes warten darf. Aber der Herr ist um sein Volk her. Gemeine Gottes, willst bn auf menschliche Stützen, Hilfe und Schutz verzichten und unter dem Schatten seiner Flügel uslucht haben '? — Und du, lieber Bruder, liebe chwester, woher erivartest du Hilfe? Ist dein Gott wirklich auch derselbe der ersten Gemeine Gottes, dann wirf in seinen! Namen Panier auf und vertraue nicht dem Rohrstab weltlich-irdischer Macht. Und dir, lieber Leser, soll dieser treue und mächtige Gott dein Gott und Herr sein? dann vertraue dich ihni an mit allem, was du bist llnd hast. Wie Er der Gemeine Frieden zu verschaffen ivußte, so weiß er auch deinem friedeleeren Herzen den Frieden zu geben, den die Welt nicht kennt und nicht geben kann. Glaube an ihn; glaube an sein Wort: „Er ivird mir Frieden schaffen,
Frieden wird er mir dennoch schaffen." Er heißt F r i e d e fü rst.
T. F. Härdle.
das Jlfkftrr »»d Dir KM.
„Das Evangelium ist ein vorzügliches Pflaster, aber Christi eigne Hand muß es aufkleben."
ie ivahr ist dies! Das verwundete Herz kann nicht ohne Hilfe sich, die Verheilung zu nutze machen, obgleich sie augenscheinlich das ist, was ihm not tut. Anstatt den Trost zu ergreifen, will die Seele sich nicht trösten lassen. Ebenso ivenig können die liebevollsten Prediger den Balsa-n auflegen; erweckte Geivissen sind meist viel geschickter, die Gründe der Hoffnung von sich abzuweiscn, als wir es sind, sie eindringlich zu machen. Sie halten uns für Schmeichler, wenn wir ihnen fröhliche Botschaft bringen. Es kann sogar geschehen, daß, wenn ein Gnadenivort sie zu treffen und in ihre Seeler haften zu bleiben
scheint, sie dasselbe mit einem grausamen Eifer
und selbstmörderischer Entschlossenheit abreißen, damit es nicht die Heilung bewirke.
Sehr viele Tatsachen beiveisen, daß nach un- sers Autors Behauptung:
„Wenn die Seele schwer geschlagen Blutend liegt und unverbunden,
Eine Hand nur, die durchbohrte,
Legt den Balsam auf die Wunden."
Deshalb, o Herr, liebt meine Seele Dich, ,veil Du nicht nur ein Heil für mich bereitet hast, sondern es mir auch nahe bringst; und zu dieser Stunde legst Du nicht nur Trost für mich hin als Vorrat, sondern Dli erheiterst und erhältst tatsächlich meinen Geist. Du bist beides: Arzt und Arznei, Tröster und Trost, ja, Dil bist alles in allem.
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tu alter Seelsorger kam einst zu einem Kranken, der heftig an der Leber litt und so verdrießlich, mürrisch und zänkisch war, daß er allen seinen Angehörigen das Leben schwer machte. Er ivollte denn auch seinem Pastor alsbald mit einem langen Klageliede kommen. Aber der ivußle schon Bescheid, unterbrach ihn und sagte: „Freund, ivir ivollen zuerst einmal danken." — „Danken," sagte der Kranke, „dankenHerr Pastor? Bei mir ist nichts zu danken." — „Pfui, schämt Euch," entgcgnete der alte Prediger, „hört, ich will für Euch zu Gott reden," faltete die Hände und sprach: „Lieber Vater im Himmel, ich mürrischer Jonas komme vor dein Angesicht und preise deine Barmherzigkeit, die mir so viel Gutes tut in jeder Stunde, mehr, als ich zählen kann. In meinem Zimmer sind keine Fliegen, obgleich es doch August^ Monat ist, und mein Belt ist gerade so, wie ich es haben möchte, während sich doch so viele Kranke, die besser sind als ich, auf elendem Lager quälen müssen, und alles, ivas ich mir wünsche an Speise und Trank, das bringt man mir also- bald. Wie soll ich deine Gnade preisen, daß meine Angehörigen und mein Arzt mich so freundlich pflegen in großer Geduld, daß sie noch nicht weg- gelausen sind im Zorn, obgleich ich doch so unausstehlich bin; und noch ist keine Nacht gewesen, da ich nicht drei oder vier Stunden Schlaf aus deiner Hand empfangen hätte. O mein Gott, wie bist du so gut, daß du mir auch einen Menschen geschickt hast, der mich ohne falsche Zärtlichkeit einmal ordentlich zerzaust und mir offenbar macht, was für eine schändliche Kreatur ich gewesen bin und wie gut du, mein Gott, bist, llnd nun hast du mir trotzdem und alledem das Licht deiner Gnade erhalten, daß ich hoffen und glauben kann, daß am Ende dieses armen Lebens ein neues, seliges Leben anhebt, und daß deine starke Er-


