barmerhand mich halten wird, wenn meine Kräfte brechen. Wie bin ich doch in solcher Hoffnung so reich vor vielen, die ohne ihr Verschulden in Finsternis sitzen, und viel würdiger wären als ich, vas himmlischeKleinod zu empfangen —Hier unterbrach der Kranke seinen Pastor und schrie: „Halten Sie ein, Herr Pastor, ich sinke sonst in die Hölle. Ich will auch mein Leben lang den Mund nicht mehr auftnn, es sei denn, um Gott zu loben und zu danken."
Eine überraschende Entdeckung.
Eines Abends sprach ich in einer Versammlung mit einem Manne, welcher sagte: „Sie brauchen gar nicht mit mir zu reden; mir ist doch nicht helfen." — „Nein," erwiderte ich ihm, „kein Mensch kann Ihnen helfen, aber Jesus kann's." „Nein, nein," war seine Antwort, „ich bin ein gottloser Mensch, niir kann niemand helfen." Da schlug ich Rom. 5, 6 auf und deutete mit dem Finger auf die Stelle. „Da, lesen Sie das!" Er las: „Christus ist auch für Gottlose gestorben." Er schien seinen Augen nicht mehr zu trauen; denn er las es noch einmal und wiederholte: „Christus ist auch für Gottlose gestorben! — Das habe ich noch nie in der Bibel gelesen, noch nie gehört!" Ehe er die Versammlung verließ, erfaßte er meine Hand und sagte noch einmal: „O, ich hatte keine Ahnung davon, daß Jesus mich so lieb hat. Auf Ihn will ich trauen."
Ein geheimnisvolles Passwort.
Baronesse Burdett-Lonits machte einst Einkäufe in einem großen Geschäftshause von Paris. Indem sie von einer Abteilung zur andern geführt wurde von den Ladendienern, ver- nahm sie wiederholt das Wort „Zwei-zehn," welches einer dem andern znrief. Sie wurde von einem Ladentisch znm andern geführt und jedesmal hörte sie die kabalistischen Worte „Zwei-zehn."
Da ihr dies seltsam vorkam, fragte sie beim Fortgehen den Eigentümer des Ladens: „Bitte, sagen Sie mir doch, was bedeuten die Worte Zwei-zehn'? Ich habe bemerkt, daß jeder Kommis sie dem andern zurief, als ich durch Ihren Laden ging."
„O, das hat nichts zu bedeuten," erwiderte er, „das ist nur so ein Paßwort, das sie untereinander wechseln."
Die Baronesse war jedoch durch diese Erklärung nicht zufrieden gestellt; als nun der Laufjunge am Abend ihre Einkäufe nach Hause brachte, sagte sie zu ihm: „Mein Junge, möchtest du fünf Franken verdienen?" Dagegen hatte nun der Junge nichts einzuwenden. „Sag' mir doch,"
sagte die Dame, „ivas bedeutet das Wort Zweizehn, so will ich dir fünf Franken geben."
„Ei, wissen Sie das nicht?" entgegnete er, über ihre Unwissenheit erstaunt; „das bedeutet: „Haltet eure zwei Augen ans ihre zehn Finger."
Das Geheimnis war gelöst: Die Ladcndiener hatten die reichste und wohltätigste Dame von England für eine Ladendiebin gehalten.
Wort halten
Wort halten unter allen Umständen! Präsident Abraham Lincoln erhielt einmal den Besuch eines Herrn, der viel versprach, aber dann nicht gern hielt, was er versprochen hatte. <Lr lud das Böhnchen des Präsidenten ein, sich ihm auf den B.hoß zu setzen, und versprach ihm, wenn er komme, einen Zierrat, den er an der Uhrkette trug. Der Knabe ließ sich locken und ging auf den Bchoß des ihn eingeladenen Herrn. Als sich der Herr wieder entfernen wollte, sprach Lincoln zu ihm: „Nun Bie werden doch das verspreche» Hab ten, das Bie meinem Kinde gegeben haben!"
„Welches versprechen?"
„Bie sagten, Bie wollten ihm jenes Ding an der Uhrkette schenken."
„G das kann ich nicht! >Ls ist nicht nur etwas Kostbares, sondern auch ein Erbstück, das ich in Ehren halten muß."
Doch Lincoln erwiderte ernst: „Bis geben es ihm! Ich will nicht, daß mein Knabe denkt, ich verkehre mit einem Manne, der sein Wort nicht hält."
Der Herr entfärbte sich; das war frisch von der Leber gesprochen. Er löste das Kleinod los, gab es dem Knaben und ging weg mit der Lehre, die er gewiß nicht leicht vergaß und die alle Leser zu ihrem eigenen Nutzen beherzigen sollten.
Christen vor allem sollten nie etwas versprechen, das sie nicht auch wirklich halten wollen und können.
Gr hält, was er verspricht. Zwei Rabbis näherten sich Jerusalem und bemerkten eilten Fuchs auf dem Berge Zion. Und Rabbi Josua iveinte, aber Rabbi Eliezer lachte. „Warum lachst du?" fragte der, der weinte. „Sag dn mir, warum du iveinst?" fragte Eliezer. Ich weine, weil ich erfüllt sehe, was in den Klageliedern geschrieben steht: »Uni des Berges Zion ivillen, daß er so wüst liegt, daß die Füchse darüber laufen.«" „Und aus diesem Grunde lache ich," sagte Rabbi Eliezer, „deitn wenit ich mit meinen eigenen Augen sehe, wie Gott seine Drohungen bis aufs Wort erfüllt hat, so sehe ich darin einen Beweis dafür, daß nicht eine seiner Verheißtingen unerfüllt bleiben wird; denn er ist immer eher bereit, Gnade walten zu lassen als zu strafeit."


