er, befragt, die Erklärung: Wenn ich nach dem es immer so aus, als wenn ein Laden ganz nahe vor meinen Augen aufgerichtet sei und auf diesem Laden habe ein Tlüncher seine verschiedenen Pinsel mit Weiß, Blau, Grün, Gelb und Rot alle bunt durcheinander gespritzt. Einzelne Dinge darauf, wie ich 2* Dinge sehe, konnte ich nicht erkennen und unter⸗ scheiden. war dann gar abscheulich anzusehen.“ Und dieser Ausspruch— 5 Ubließlich durchaus eine merk⸗ — 8 zwölf Jahre vor dem Auftreten des Kaspar Hauser vor⸗ „ von Schopenhauer niedergeschriebene Aeußerung: unte jemand, der vor einer schönen, weiten Aussicht steht, auf einen Augenblick alles Verstandes beraubt werden, so würde ihm von der ganzen Aussicht nichts übrig bleiben, als die Empfindung einer sehr mannigfaltigen Affektion seiner Netzhaut, welche gleich⸗ der rohe Stoff ist, aus welchem vorhin sein Verstand jene An⸗ schauungen schuf.“
1 ener al 1
Bad und Baden in vergangenen Tagen.
Vortrag von Landeskonservator Prof. Dr. Goeßler, Stuttgart, in der Ausstellung für Gesundheitspflege 5 Stuttgart 1914 am 12. Juli.
AJgn der Geschichte des Bads sind zwei Höhepunkte hervor— bduheben: die Zeit der römischen Kaiserthermen und das . Mittelalter mit seinem hochentwickelten, freilich technisch sehr 8 unvollkommenen Badewesen.
Im alten Orient sind Bäder und Waschungen in ö Bei den alten Griechen kommt schon in einem Palast aus bpomerischer Zeit das Hausbad vor. Eine speziell griechische Forderung war dann das Schwitzbad, angeblich den Spar⸗ tanern verdankt. Vor allem aber haben die Griechen Palästra und Gymnasion in steter Verbindung mit dem Bade ins antike Volksleben eingebürgert. Hausbad und öffentliche Badeanstalten, dann auch Heilbäder sind aus dem alten Griechenland in Menge bekannt. Die Römer haben dann unter dem Einfluß Griechenlands das Bad vervollkommnet. 15 Mit der zunehmenden Verbesserung der Wasserversorgung, dem Steigen des Wohlstandes und der Lebensansprüche wurde das Bad zu einem der unentbehrlichsten Hilfsmittel der Gesundheit und des Lebensgenusses. So verschiedenartig auch die einzelnen Bautypen und die Bedürfnisse der Bau- herren waren, so bauen sich doch alle die zahllosen römischen 8 Bäder vom Luxusbad des kaiserzeitlichen Rom bis zum ein— N fachsten Bad römischer Soldaten oder Bauern in der Provinz 1 in gleicher Weise auf dem Bedürfnis auf, ein warmes
Wasserbad, ein kaltes Wasserbad, ein Aufenthalt in warmer
Luft und einen Raum für die Abreibung zu haben. Würt⸗
temberg in der Kaiserzeit weist eine große Anzahl von römischen Bädern auf. Die Stuttgarter Ausstellung für Ge— sundheitspflege zeigt Pläne von solchen, wie auch Modelle.
vor allem des Bades in Weinsberg. Die Römer haben auch das Verdienst, die Zentralheizung erfunden zu haben,
d. h. die Möglichkeit, eine Anzahl Räume und auch die größ-
ten und entferntesten von einer Feuerstelle aus gleichmäßig zu erwärmen. Das ist die sogenannte Hypokaustenheizung. Einige der Thermen in Pompeji und Rom werden im Bilde vorgeführt.
Die Klöster des Mittelalters übernahmen zwar nicht das Bad in dieser entwickelten Form, aber zum Teil wenigstens das antike Heizsystem. Dafür ist ein besonders wertvolles Beispiel das„Kalefaktorium“ in Maulbronn Das deutsche Mittelater kennt vor allem die eine Art des Privaten Bads, das Wannen- oder das Kübelbad, das z. B.
auf der Ritterburg jedem ankommenden Gast von Stand ge⸗ reicht wurde. Das deutsche Bürgertum schloß sich in diesen Badebedürfnissen durchaus an das Rittertum an. Im Mittel- aalter waren bei Bürgern, Handwerkern und Bauern in Stadt und Land Hausbadestüblein eingerichtet. Größer und be— haglicher wurde das im 11. Jahrhundert, von wo ab das
diesen öffentlichen usammen und allmählich
45 nicht mehr der Gesundheit und
HPiorm von religiösen Vorschriften seit urältester Zeit zu Hause.
zan badete auch viel zu lange und das!
häufige Aderlassen und Schröpfen, was der„Bader“ vor- nahm, wurde immer unhygienischer. Dazu hat im 15. Jahr- hundert das kolossale Steigen der Holzpreise den Bädern den ersten Todesstoß versetzt. Der dreißigjährige Krieg hat dann durch Seuchen und Verarmung diesen Untergangsprozeß zum Abschluß gebracht. Mittlerweise war freilich längst ein 5 Ersatz da: die bei uns vom 14. Jahrhundert an entdeckten Mineralbäder. Seit dem 16. Jahrhundert waren diese „Badenfahrten“ so beliebt, daß die Damen vornehmen Stan- des ohne sie gar nicht leben zu können glaubten. Das Baden wurde immer mehr ein Luxus und blieb das bis ins 19. Jahr- hundert. Die neuzeitliche Bewegung begann unter dem Ein- fluß weitsichtiger Philanthropen, wodurch Schwimmen Gegen— stand des Unterrichts wurde. Aus England stammt die neue Bewegung, welche uns als notwendige Ergänzung des Frei— bads, was bei unserem Klima nur ein Teil des Jahres mög— lich ist, die geschlossenen Badeanstalten mit Warmwasser ge— bracht hat. In Deutschland ging die Bewegung aus von Hamburg, wo im Jahre 1855 das erste öffentliche Bad er⸗ öffnet wurde. Stuttgart kann sich in diesem Punkt mit Ehren sehen lassen. Es war ein berechtigter Stolz, mit dem vor kurzem das 25. Jubiläum des Stuttgarter Schwimm⸗ bades gefeiert wurde.
Die Erlebnisse eines Gedankens.
(Schluß.) 5
Die Menschen draußen in allen möglichen Variationen, arm⸗ und reichgekleidete, schlecht⸗ und gutgenährte, Männer, Jünglinge, Frauen, Mädchen, Kinder, wogten laut durcheinander wie Samstags auf dem Wochenmarkt.
Dem Gedanken war dies alles neu und unbekannt. Was sollte dieses ganze Gewühl mit Gold und Geld. Ja, er sah sogar, wie einzelne Betten, die doch sicher zum Ruhen gemacht waren, auf einen langen Tisch hingaben und nachher Geld dafür nahmen. Nein, nein, das war ihm zu rund und er mußte wissen, was dieses Treiben be⸗ deuten solle. Eben wollte er dem Dicken in die steinblauen Augen dringen und ihn fragen, da zwinkerte dieser hastig mit den Lidern und knüpfte, den lästigen Gedanken einfach nicht achtend, ein Gespräch mit seinem Nachbar, dem Schreiber, über einen anderen Schreiber und dessen Eheleben an. Der Gedanke setzte sich an die ziemlich großen, fleischigen Ohrmuscheln des Menschen. Die waren kalt wie ein Eisschrank und schienen verstopft. Schließlich versuchte er noch, sich in eine Falte seines Schädels zu nisten, die waren aber so flach, daß er herunterzufallen drohte. Also gab er seine Vemühungen auf und trat, ohne bemerkt zu werden, einen ehrenvollen Rückzug an nach der Tür, durch die er gekommen war.
Hinter ihm drein kam aber auch schon wieder der Dicke mit seinem gefüllten Kästchen auf seinen kurzen, schaukelnden Beinen und steuerte den Eisentüren zu. Schnell machte sich der Gedanke aus seiner Ecke hinter ihm her ins Gewölbe, wo der Dicke diesmal keinen andern Mauerschrank öffnete und in einem fast noch leeren Fach die Schätze nebeneinander legte. Das tat er ebenso gleichgültig wie vorhin; nicht einmal warf er den Dingern, die er da ins Dunkel einsperrte, einen Abschiedsblick zu. Der Gedanke wollte sich darüber ärgern, fand aber keine Zeit dazu. Vielmehr mußte er sich beeilen, im letzten Moment noch an seinem stumpsen Nasenhügel vorbei in den Schrank zu gelangen, in den er sich eine Zeitlang einspexrren lassen wollte, um vielleicht auf diese Weise hinter das geheimnisvolle Treiben dieses Hauses zu kommen. Als sich leicht knackend die Tür hinter ihm geschlossen hatte, machte er sich's zuerst einmal auf einem breiten, funkelnden Brillanten bequem, der aber sofort laut opponierte. Einige plebejische Uhren tuschelten lustig drauflos und höhnten den Brillantenschmuck, der sich vor Wut nicht mehr zu helfen wußte. Dann hörte man eine ganze Zeit nichts als das Herzklopfen der vielen Uhren in der Runde. Wieder ließ sich der Brillantschmuck vernehmen, diesmal etwas leiser:„Wo hätte ich je gedacht, daß ich einmal in eine solche gewöhnliche Höhle und in eine solche Gesell⸗ schaft käme. Pfui, eine solche Gesellschaft. Und wie es hier riecht.“ Obwohl der Brillant sehr leise gesprochen hatte, hörte es doch eine silberne Uhr in der Nähe, die gab ihn sogleich dem allgemeinen Spott preis, indem sie laut rief:„Wenn's dir hier nicht gefällt, geh' doch wo anders hin. Hier wird kein Unterschied gemacht zwischen Plebejern und Aristokraten. Ueberhaupt, was geht uns das daß deine schöne Durchlaucht auf den Hund und du ins Pfandhau gekommen bist.“ In dem allgemeinen Gelächter schnappte der Ge⸗ danke eben noch das mysteriöse Wort Pfandhaus auf, um es sich fi seinen Bericht zu merken. Zum wenigsten wußte er jetzt auch, w er war. N
Seine Durchlaucht der Brillant alühte vor lauter Aerger. Er wollte noch etwas sagen von Unbildung oder dergleichen. Kaum wurde jedoch seine Stimme hörbar, so übertönte ihn auch schon ein Chronometer, der, nach seinem groben Organ zu schließen, wahr⸗ scheinlich einem Scemann gehörte, mit den Worten:„Halt's Maul, wir sind zur Erholung und zum Schlafen da, nicht zum das, Fuß
Hier herrscht Gleichheit bei den Versilberten, merke dir das, Dur laucht. Für mich hat mein Herr nur vier Mark bekommen. und


