Ausgabe 
1-30 (21.7.1914)
 
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t, Dienstmädchen bei dem Inspektor, dem sie von jeder neuen e ndung ein Exemplar in den Briefkasten steckte, kommt in em Augenblicke hinzu und wirft sich schluchzend über Baumann. Mit den Worten:Nicht flennen, Mädchen, kämpfen.. ver⸗

scheldet Franz in den Armen seiner unglücklichen Braut. Der letzte Akt zeigt uns Hubert, wie er als Arbeitsentlassener in sesne Wohnung kommt und mutig mit seiner Frau die Möglichkeit er Ausweisung aus Berlin bespricht. Seine Mutter will ihm kleines Vermögen, den Notgroschen ihres Alters, geben do lehnt Hubert die Annahme ab. Ein Polizeikommando, darunter 11 Albert, erscheint unter Führung des Inspektors zu einer Haus⸗

Hubert erfährt von ihm seine sofortige Ausweisung und

schon das Zimmer verlassen, als Albert seinen Sohn Robert, den er beim Zeitungsaustragen erwischte, ins Zimmer schleppt. Dieser Schlag wirft Hubert fast nieder. Der Inspektor, der Roberts Ueberlieferung in die Fürsorgeerziehung anordnet, will den Jun⸗ 11 davor bewahren, wenn Hubert die Namen aller Komiteemit⸗

leder angibt. In rasendem Schmerz gepeinigter Mutterliebe ver⸗ Hanna, daß Hubert auf diese Weise den Sohn rette. Aber dieser stammelt die Worte:Du sollst Vater und Mutter ehren dein Leben lang Hanna, Vater und Mutter müssen es sich auch verdienen Hanna, unser Jung soll uns ehren ich will ihrn 2 ins Aug sehen können, wenn er ein Mann geworden. obert wird abgeführt. Hanna wirft sich vor dem Inspektor in die Knie:Erbarmen, mein Kind, mein Kind! Aber Hubert ruft in wildem Trotz:Wirf Dich nicht weg, Hanna, steh auf! Die Kunde von Roberts Ausweisung hat sich inzwischen mit Windes- schnelle verbreitet und die Straße ist schwarz von Menschen, die ihm das Geleit geben wollen. Der Inspektor begibt sich mit seinen Leuten auf die Straße, um die Massen zu zerstreuen. Nur Albert, der schreckensbleich erfahren muß, daß er Huberts Sohn, seinen Neffen, ins Unglück gestürzt, bleibt stumm im Zimmer. Hubert springt ihn in jähem Zorne an:Wehr Dich die Plempe raus, du Hund! Albert aber rührt sich nicht und röchelt nur:Drück zu. Bin nichts Besseres wert! Endlich erwacht auch in ihm, dem ehe⸗ maligen Maurer, das Klassengefühl. Als ihn der Inspektor nachher auf die Straßen schicken will, wirft er ihm Helm, Rock und Plempe vor die Füße:Als freier Maurer will ich hinfort mein freies Brot verdienen! Hubert aber geht unter wilden Hochs der Massen, auf die von den Schutzmännern eine Attacke geritten wird, in die Verbannung. Die Schlußszene des Dramas ist von symbolischer Bedeutung. Die Zeitungen, welche der Inspektor bei seiner Haussuchung auf⸗ sand, beschlagnahmte und einstweilen in den Hausflur stellen ließ, wurden von einem Genossen während der letzten Tumultszenen wieder in Huberts Wohnung gebracht. Er beginnt sofort wieder mit Falzen und Kuvertieren, wobei ihm Peter, die Mutter, Hanna und Toni helfen. Mit den Abschiedsworten ihres verstorbenen Bräutigams tröstet Toni die verzweifelte Hanna:Nicht flennen, Hanna, kämpfen!

In Terbins Tragödie leidet die Klarheit der Handlung etwas unter ihrer Vielheit. Aber das starke dramatische Pathos, das sie durchglüht, die Hoffnungsfreudigkeit und Siegeszuversicht ihrer

leidenden Träger und vor allem der stürmische Rhythmus ihrer Ent⸗ wicklung lassen ihre Schwächen kaum störend zum Bewußtsein kom- men. Wahrscheinlich wird Terbins Werk seines Stoffes wegen einen größeren Erfolg davontragen als das der Genossen Nespital und Starosson. Wir wünschen, daß jeder Arbeiter die beiden Dramen lesen möge, zumal, da sie ja vorläufig nur als Bücher ihren 7 finden können. Denn darüber brauchen wir uns keinen Täuschungen hinzugeben: ihre Aufführung im Theater wird vorerst immer an dem Widerstande der Verwaltungsbehörden scheitern!

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Die Lösung des Aalrätsels.

Ein naturwissenschaftliches Problem, das schon seit un denklichen Zeiten die Menschheit beschäftigt hat, ist das der Fortpflanzung des Aales. Bis zum heutigen Tage hat noch kein menschliches Auge einen Aal in geschlechtsreifem Zustande gesehen und ebensowenig ist es bis jetzt gelungen, irgendwo Aaleier aufzufinden. Immerhin ist das Aalproblem, das

besonders in früheren Zeiten zu den phantastischsten Ver⸗

mutungen Anlaß gegeben hat, in den letzten Jahren seiner endgültigen Lösung wesentlich näher gerückt worden. Das Hauptberdienst daran kommt dem gegenwärtigen Direktor des Carlsberg⸗Laboratoriums in Kopenhagen. Dr. Johs. Schmidt, zu. Einem sehr interessanten Artikel von Prof. Dr. Ehrenbaum in der Umschau entnehmen wir darüber folgende Tatsachen. Daß die Vermehrung unseres Flußaales jedenfalls im

entdeckt hatte, so nahm man bis vor kurzem an, daß das Fort- pflanzungsgeschäft sich in den Tiefen des Ozeans vollzöge, und daß die kleinen Aale bis zur Erreichung der genannten Größe sich in diesen Tiefen aufhielten. g

Da kam um die Mitte der neunziger Jahre die Nachricht, daß zwei italienische Forscher, B. Grassi und S. Calandruccio,

ch die Entwicklung der Glasaale aus einer schon längst bekannten

Form weidenblattähnlicher Meerfische, dem Leptocephalus brevirostris, im Aquarium beobachtet hätten. Die Richtig keit dieser Beobachtung begegnete damals jedoch vielfachen Zweifel und zwar vor allem aus dem Grunde, weil der ge nannte kleine Meerfisch bisher nur im Mittelmeer beobachtet worden war, nicht aber in den nordeuropäischen Meeren oder dem Atlantis. Um so größeres Aufsehen erregte es, als Dr. Schmidt im Jahre 1904 den Leptocephalus und nicht nur diesen, sondern auch alle Zwischenformen zwischen dieser Larvenform und dem fertigen Glasaale im Nordatlantischen Ozean auffand und damit die Resultate der italienischen Forscher bestätigte. Schmidt fand die Tiere nur in Wasser von über tausend Meter Tiefe und zwar nicht in der Tiefe, sondern nahe der Oberfläche schwimmend.

Immerhin war auch damit das Rätsel noch nicht voll ständig gelöst, denn die aufgefundenen Larven waren niemals unter 6 Zentimeter groß, mußten also schon Monate alt sein und konnten sich bereits weit von ihren Geburtsplätzen ent⸗ fernt haben. Schmidt verlegte seine weiteren Forschungen zunächst auf das Mittelmeer, wo es ihm jedoch trotz aller Be⸗ mühungen nicht gelang, kleinere Larven des Leptocephalus brevirostris zu fangen. Daraus ergab sich die Folgerung, daß die im Mittelmeer gefundenen Larven nicht dort, sondern gleichfalls im Atlantischen Ozean entstanden seien, und diese Vermutung ist denn auch durch die jüngsten Forschungsergeb⸗ nisse des genannten Gelehrten zur Gewißheit erhoben worden.

Schmidt hat nämlich im Sommer 1913 durch einen jungen Gelehrten die Gegend zwischen den Azoren und Bermudas, also auf dem Atlantis mitten zwischen Europa und den Ver⸗ einigten Staaten untersuchen lassen und diese auf einem der dänischen Regierung gehörigen Segelschiff ausgesandte Expedition hat tatsächlich an den genannten Stellen Aallarven von 3,5 bis 6 Zentimeter Länge gefunden. Leider erlitt das Expeditionsschiff an den Klippen von St. Thomas Schiffbruch, wobei ein großer Teil der Sammlungen und Aufzeichnungen verloren ging. Glücklicherweise wurde aber doch der wichtigste Teil der Ausbeute, einige hundert Stück Larven des Fluß- aales, gerettet und diese gestatten uns heute, wenn auch zum Teil noch auf Grund von Analogieschlüssen, die Lebens- geschichte des Aales zu konstruieren.

Demnach wandern die der Geschlechtsreife entgegen gehenden Flußaale im Herbst aus unseren Gewässern aus, um sich auf eine lange Reise nach der westlichen Hälfte des Atlantischen Ozeans zu begeben. Der in den Tiefen des Meeres vor sich gehenden Eiablage und Befruchtung folgt jedenfalls der baldige Tod der Elternfische. Die sehr großen Eier schwimmen in den oberen Wasserschichten; aus ihnen schlüpft die weidenblattähnliche Larve aus, die solange wächst, bis sie die Größe von etwa 7 Zentimeter erreicht hat. Sie hört dann auf zu fressen und wandelt sich, immer mehr nach Osten treibend, im Laufe eines Jahres in den Glasaal um, der im Frühjahr vor der Mündung der europäischen Flüsse eintrifft und nun diese aufwärts wandert, um sich zum Fluß- aal zu entwickeln. Damit ist der Kreislauf vollendet. Ist somit das Rätsel, wenigstens theoretisch, gelöst, so bleibt es der praktischen Forschung immer noch vorbehalten, wirkliche Eier und geschlechtsreife Tiere im Meere selbst aufzufinden.

Die Erlebnisse eines Gedaukeus. Von Julius Zerfaß. Es war 2 Nuß ängt ei ärchen au.

Da 182 dlese Geschichte ebensogut ein Märchen genannt werden könnte, darf ich doch wohl auch so anfangen. 5

Aiso es war einmal ein Mann, der hatte so viele quälende Ge⸗ danken, die ihm so schwer zu schaffen machten, daß er sich entschloß,

von Zeit zu Zeit einen dieser ewigfragenden Gedanken auf die Reise

zals kleinere als 7 Zentimeter grohe Aale im Mecre selblz au. Aiden, Er problerle. aug, lun Gefeuen Baren, Vin de 88