bistorischen Vorgang an urkundlichem Material vorhanden ist. Das sollen dann die Schüler lesen, die verschiedenen Darstellungen mit einander vergleichen und dadurch selbst den wirklichen Verlauf der Begebenheit festzustellen suchen. Natürlich müssen sie dann auch die Gründe angeben— mindestens sich selbst—, warum sie der einen oder der anderen Quelle mehr Glauben beimessen. Was sie sich so erwerben, vergessen sie nicht wieder. Noch wichtiger aber ist das eigene Urteil, das sie dadurch gesbinnen.
Es ist geradezu erstaunlich, mit wie richtigem Blick hier versucht wird, den Geschichtsunterricht für wahre Bildung nutzbar zu machen. richt, besonders der Volksunterricht, dienen?
dem gleichen Zwecke
Unser Bildungswesen.
Neulich tagte in Berlin eine Konferenz der im Bildungswesen der deutschen Arbeiterbewegung an leitender Stelle stehenden Ge⸗ nossen; dabei wurde über den Umfang der bisherigen Tätigkeit be⸗ richtet. Ein festgegliedertes System von 331 Ortsbildungsausschüssen und 35 Bezirken greift ineinander, um nachzuholen, was versäumt war, um vor allem wieder in die Tiese wachsen zu lassen, was eine Zeit lang nur in die Breite gewachsen war. Einst hatte der Lese⸗ und Diskutierklub die Aufgabe erfüllt, die Genossen durch Rede und Gegenrede über die sozialistischen Ideen zu belehren, die spärlichere und seltenere periodische Presse ließ mehr Raum und Zeit übrig für ole Beschäftigung mit grundlegenden Büchern und Broschüren der Partei. Besonders die erstern mußten in der Zeit der Massen⸗ organisation durch neue Methoden ersetzt und für das letztere mußte neue Anregung gegeben, neuer Boden urbar gemacht werden. Das ist nun in ganz hervorragendem Maße in den wissenschaft⸗ lichen Vortragskursen geschehen, die seit dem Mannheimer Parteitag systematisch über ganz Deutschland abgehalten wurden und die durch die Wanderlehrer des Zentralbildungsausschusses ein so sicheres Fundament erhielten. 1330 Vortragskurse mit 9755 Vorträgen sind allein in den vier Jahren vom April 1909 bis März 1913 abgehalten worden und 165 5 30 Teilnehmer gingen durch diese Kurse, tranken also aus dem Vorne des Wissens, der ihnen hier geboten wurde. Ueber welche Zweige der wissenschaftlichen Belehrung sich diese Tätigkeit erstreckt, das deutet nachstehende Tabelle an, die nicht einmal vollständig ist. Danach wurden ver⸗ anstaltet:
Kurse Teilnehmer Nationalökonomie 152 17 010 Wirtschaftsgeschichte 73 9 904 Allgemeine Geschichte 136 14 388 Sozfaldemokr. Parteigeschichte 37 6 541 Literatur- und Kunstgeschichte 42 4971 Sozialismus 82 9 182 Sozialdemokr. Parteiprogramm 166 20 625 Politik und Verfassung 66 6 106 Bürgerliche Parteien 69 8 909 Gewerkschaftsbewegung 38 3327 Genossenschaftsbewegung 4 260 Sozialpolitik 67 4358 Rechts⸗ und Gesetzeskunde 30 3 999 Naturwissenschaft 176 41 834 Erziehung 14 1978 Rede⸗ und Stillehre 31 3571 Elementarfücher 118 3 036 Technik 2³ 4092
Wanderlehrer: Otto Rühle, Dr. Duncker, Dr. Konrad Schmidt, Engelbert Graf, Dr. Drucker, Dr. Poensgen⸗Alberty, Julian Borchard, Wilhelm Reimes, Bernhard Rausch, Dr. Paul Lensch, Kurt Biging, Christian Döring.
Ein Vergleich mit den Kursen, welche der Zentralbildungs⸗ ausschuß mit eignen Rednern veranstaltete, deutete darauf hin, daß die obigen Zahlen nicht einmal vollständig sind; er ließ zum Beispiel in drei Jahren 184 Kurse mit 23 264 Teilnehmern stber das sozial⸗ demokratische Parteiprogramm und 82 Kurse mit 9182 Teilnehmern liber andre sozialistische Themata abhalten. Rund 80 000 Mark wurden allein in diese Arbeit gesteckt, die einen gründlichen Angriff auf das Mitläufertum darstellt, das unsern Gegnern so starkes Kopfzerbrechen macht. Ihre Wirkung beschränkt sich nicht auf das
Wann endlich wird der gesamte Unter⸗
Gehörte und Erfragte allein, sondern der erfreuliche starke Buche er- g
umsa im Anschluß an die Kurse zeigt, welch belebende Wirkung
für das Geistesleben der Arbeiterschaft von ihnen ausgeht. Er⸗ gänzend treten zu diesen Kursen 2496 wissenschaftliche Einzel vor⸗
träge mit 210 141 Teilnehmern hinzu, deren Boden hauptsächlich die kleinern Orte sein sollten, die einen ganzen Kursus noch nicht tragen können. Es wird einer Vermehrung dieser Einzelvorträge und größerer Opfer der großen Städte bedürfen, um die wissenschaft⸗ liche Bildungsarbeit noch weiter ins Land hineinzutragen und auch solche Gegenden in unsern Wirkungsbekeich hineinzuziehen, die heute
noch wegen der entstehenden Kosten vor ihrer Teilnahme zurück⸗ schrecken. Mit den Ermäßigungen der Zentrale und einem kleinen
Zuschuß des Vororts im Bezirk werden auch die schwächern Orte sich an die Arbeit heranwagen können.
Neben der großen wissenschaftlichen Vertiefungsarbeit aber gilt es auch, die Feste der Arbeiter zu veredeln, überhaupt ihren künstlerischen Sinn zu pflegen und zu fördern, sie dem flachen Ver⸗ gnügungstaumel abwendig zu machen, der heute leider breite Schich⸗
ten des Volkes beherrscht. Welch erfreulicher Ansatz ist dazu gemacht,
welch großartiges Stück Kulturarbeit ist damit geleistet, daß es den Bildungsausschüssen in zwei Jahren gelang, 1157 870 Proletarier in die Theater, 695 960 zu künstlerischen Veranstaltungen anderer Art zu führen!. in unsere Konzerte, Dichterabende, Rezitationen und Theater⸗Vor⸗ stellungen kommen, sind hinweggeholt vom endlosen Kartenspiel, heraus aus engen, rauchigen Kneipen, zurück zu ihren Frauen und Kindern, die sie dorthin nicht begleiten wollten, hier aber als gern
gesehene Gefährten an dem Gebotenen teilnehmen! Auf allen Ge⸗
bieten mehrte sich der Einfluß und der Erfolg der planmäßigen Ar⸗ beit. nen das Theater, die künstlerisch einwandfreie Jugendschrift den
Kleinen und das belehrende Buch den Eltern; sie klimmt an den
Wänden der Proletarierwohnungen hinauf und setzt künstlerischen Wandschmuck an Stelle der öden Oelbilder und geschmacklosen„Haus⸗ segen“, sie fördert die Bildung großer Zentralbibliotheken als Burgen des Wissens für unsern gemeinsamen Kampf. stehende Lichtbild in den Kreis ihrer Anschauungsmittel gezogen und
gedenkt auch das lebende Bild zu nutzen für die Belehrung und Auf⸗ klärung, genau so, wie der Schulkinematograph seine Rolle zu spielen
beginnt.
Von der Reichskonferenz aus ergeht nun der neue Ruf ins
Land hinaus, sich allenthalben dieser Arbeit anzuschließen. Wo man
Bedenken trägt, wo noch Irrtümer über Lasten und Kosten domi⸗ nieren, da sind die Bezirksausschüsse verpflichtet, helfend und be⸗
lehrend einzugreifen— nirgends aber sollte man sich der Mitarbeit an dieser wichtigen Sache entziehen. Es ist politische und wirtschaft⸗ liche Aufklärungsarbeit in höchster Potenz, die hier geleistet wird; sie kommt allen Zweigen der Arbeiterbewegung zugute. Sie sollte vom Redakteur des Parteiblattes ebenso willige Förderung erfahren, wie vom gewerkschaftlichen Funktionär, Vorsitzenden der Organisation.„Um unsere Sache handelt es sich“— das muß ihre Ueberzeugung sein, wenn der Ruf nach Unter⸗ stützung und Verbreitung der Bildungstätigkeit ergeht. dient der Gegenwart und der Zukunft des Proletarlats.
Warum sterben wir?
Ein Traum der Menschheit ist es von jeher gewesen, da
Leben möglichst zu verlängern, besonders wenn die Ver · längerung mit der gleichzeitigen Erhaltung ewiger Jugend verknüpft wäre. Daß es auch den Fortschritten der sozialen Medizin und Hygiene gelungen ist, das menschliche Durch⸗ schnittsalter bedeutend zu erhöhen, ist eine bekannte Tatsache, und wir können vielleicht damit rechnen, daß in einigen Jahr⸗ zehnten oder Jahrhunderten die große Mehrzahl der Menschen das biblische Alter erreichen wird, was heute nur wenigen vergönnt ist. Aber eine Grenze ist doch gesetzt. Alles was da entsteht, wächst und reift, unterliegt auch den Gesetzen des Verfalls, des Abstieges, des Todes. Nur daß wir bis jetzt noch nicht wissen, warum das so ist und sein muß, warum ein Organismus, den Wir in die besten Lebensbedingungen versetzen, dem wir alle Schädigungen fernhalten, stets mit ausreichender Nahrung bersehen, schließlich doch zugrunde geht, warum er nicht ewig am Leben bleibt.
Immerhin hat die biologische Sen an uns bis 1
Wie viele von denen, die heute freudigen Herzens
Sie bringt den Kindern ihre Märchenwelt, wie den Erwachse⸗
Sie hat das
vom Kassierer wie vom
Denn sie 5
5
5 8
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