Len, Und ebeiiso Kurden für die Beschäftigung der Arbeiterinnen in Ueberstunden besondere Erleichterungen verlangt. Der beste Beweis dafür, datz wir beständig auf der Hut sein müssen, damit nicht die Scharfmacher die Erfolge, die in zähen Kämpfen von der Arbeiterschaft errungen sind, wieder vernichten! Nur ein kräftiges Weiterarbeiten an den gewerkschaftlichen und den Parteiorganisationen gibt uns die Gewähr dafür, daß sie ihre Pläne nicht durchführen können, und gerade für die nächste Zeit stehen uns ja besonders ernste Kämpfe bevor.
Wie stark die Frauen an der Gestaltung der Wirtschaftspolitik und der Sozialpolitik interessiert sind, muß ihnen gerade jetzt in dieser Zeit ständig wachsender ArbeitSnot klar werden. Jede Frau, die nur mit einiger Aufmerksamkeit die Dinge um sich herum betrachtet, muß erkennen, von welcher Seite sie Hilfe und Unterstützung erwarten kann. Die bürgerlichen Parteien haben im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und für die Arbeitslosenversicherung fast durchweg versagt. Die Sozialdemokratie stand allein; sie erfüllte ihre Pflicht, und sie versuchte auch, die größte Not der Arbeitslosen vor Weihnachten zu lindern. Werden die Arbeiterinnen und die Arbeiterfrauen, die noch nicht bei uns sind, aus dieser Tatsache lernen? Wir hoffen es, und was wir dazu tun können, um die vielen Gleichgültigen, die noch abseits stehen, für uns zu gewinnen, soll geschehen. Das Jahr 1914 muß einen großen Zustrom zu den 210 000 weiblichen Gcwerksckiafts. Mitgliedern bringen, und die Zahl der in der Partei organisierten Genossinnen, die bis zmn März des vergangenen Jahres auf 141115 gestiegen war, soll noch um ein beträchtliches anwachsen.
So wollen wir das neue Jahre beginnen, und die Zu- verficht, daß die sozialistischen Ideen auch bei den Frauen sich durchsetzen werden, wird unsere Arbeitskraft stärken, unfern Eifer für die Sache lebendig halten.
Auf mich fiommf es nicht an!
So sagen noch immer sehr viele Frauen, wenn sie aufgefordert werden, der Fraucnorganisation beizutreten. Auch Ihnen können wir die Worte Lassalles zurufen:
. . Woher kommt cs denn aber, dich ihr, die Ihr uiisere Idee» teilt, unsere Ansichten und Bestrebungen mit eurer Sympathie begleitet, das-, ihr noch nicht eingezeichnetc Mitglieder seid? O, ich kenne den altbekannte» Grund dieser Erscheinung wohl! Man klatscht Beisall, man syinpathisicrt, aber man Iaht gewähre» und behält sich vor, an den Früchte» der Beivcgnng tülzunehmen, die andere mit ihren Krusten erarbeitet haben werden! Ich frage aber euch, ist das ein männliches, ist das ein e i » e s A r b e i t e r s w ii r b i g e S B « n e h m c n? Welches ist der Unterschied zwischen einem Arbeiter und einem Schmarotzer, wenn nicht der, dah letzterer von fremder Arbeit leben und da ernten will, wo er nicht selbst gesäet hat? . . . Euch also, die ihr nicht von fremder Arbeit lebe» wollt, und da ernten, wo ihr nicht selbst gesäet, euch, die ihr mich mit eurem Beifall und Akklamation begleitet, euch ermahne ich zur Scham! Unsere» Mitgliedern aber rufe ich folgendes zu: Nicht ans unsere Bevollniächtigte» dllrft ihr euch für die Agitation verlassen, sondern jeder einzelne von euch mutz diese Agitation zu seiner Ausgabe machen."
Won» alle Frauen immer gesagt hüten: „Auf mich komnit es nicht an," wer würde sich um die Frauen kümmern, wer würde in der Gesellschaft nach ihnen fragen?
Spietzeusf.
Am Zimmerplatz, auf dem in den Feiertagen die Arbeit sichte, versammelten sich große und kleine Kinder, uni sich ihre Weihnachtsgeschenke zu zeigen. Sie stellten ihre Sachen auf, blätterten in den unzerreißbaren Bilderbüchern. Einige Jungen schoben ihre Kugeln auf die Kegel los, ließen Blech- tierc umhcrrasseln und Maschine» keuchen; Mädchen warfen Bälle in die Lust und setzten ihre Puppen auf die Balken. Sic zogen sie aus utid an und wieder aus und zupften an ihnen herum, vom Kopf bis zu den Füßen. Die Kinder be- suchten einander, bewunderten und tauschten sich ihre Sachen aus. Und da redete es sich heruin, daß die Schulcr-Kindcc picht? hatten, garnichtS als leere Blätter und gewöhnliche
Werkzeuge, die man zu Hause auch besaß — ohne Weihnacht. Als sich die Kinder darüber einig waren, wie ärmlich das sei und wie lächerlich, standen sie um die Schüler-Kinder herum und die Mädchen kicherten, während die Buben allerlei Bemerkungen niachten. Sic beobachtete», was die wohl mit ihrer traurigen Herrlichkeit begännen. Aber es war noch nicht viel zu sehen. Fritz Schüler kramte weiches Holz aus seiner Wcrk- zeugkiste hervor und kratzte mit seinem Bleistift herum, und seine Schwester zog auch nur Linien auf dem Papier. Und dann sagte Fritz: „Euer Zeug wär' mir viel zu langweilig. An dem Geluinpe ist man nur darauf neugierig, wie man's. wieder kaput kriegt." Die Kinder waren so erstaunt über diese Antwort, daß sic sich davoninachten. Da bekam auch das Mädchen Mut und rief ihnen nach: „Solche Puppen, wie ihr habt, Hab' ich ein Dutzend zu Hause. Aber die dummen Köpf' mag ich nimmer anschaue». Reden können's auch nichts G'schcites und die Strümps' und Hoserl Hab' ich ihnen schon hundertmal gewechselt. Ja!"
„Dös is an Aff!" erwiderte ein Kind, „gehts weiter!" Dann waren die Schüler-Kinder wieder allein.
Der Bub hatte seine Hebungen mit dem Bleistift fertig und machte sich nüt der Säge an das Holz. Es war eine mühselige Arbeit, die er langsam und sorgfältig begann, schließlich konnte er dann in dem vorgczeichneten Strich weitersägen. Dann begann er auszuhöhlen und drückte und formte im Schweiße seines Kindcrgesichts. Es kam ein kleines, zierliches Ding heraus, das neueste Boot hatte ec sich hergestcllt, schmal, lang, wie sie jetzt pfeilschnell durch die Seen schießen. In der kleinen, flachen Oeffnung waren nur zwei Sitzbrctte. Nun schnitzte er vier zierliche Ruder dazu, genau so, wie er sie gesehen hatte, und befesttigte sie mit Stiftchen rechts und links ain Rande des Bootes.
Das Schwesterchen hatte in ihrem Heft den Nikolaus gemalt, mit dem Mantel, den: Sack und der goldgeschmückten Nute, gerade so, wie man ihn zu Hause vorgespielt hatte. Der weiße Bart wallte weit heriinter, aus dem Sack aui Rücken standen die Weißen und roten Perlen der Zählmaschine hervor. Damit war sie schon fertig. Sie hatte noch seine Stiefel mit Schnee bestäubt, da sah sie, was Fritz zusainmen- bastelte. Nun begann sie zwei sitzende Kerle zu zeichnen, bis an die Hüsten nackt und mit struppelig verschwitztem Haar auf ihren Köpfen. Sie fuhr, uni das noch beutlitfjcr zu machen, mit den Fingerspitzen auf den schwarzen Köpfen herum. „Die, wo ich gesehen Hab'," sagte sie, „waren nämlich ganz verbrannt," und sie übernialte die Leiber braun. Dann schnitt sie nach diesen gemalten Gestellen Pappdeckel aus und klebte sie darauf. Als der Bruder das Schiff mit einem Namen versah und die Enden der Ruder bunt machte, setzte die Kleine ibre zwei Leute stark nach hinten geneigt auf die leeren Sitzbretter, so, daß sie die Hände bei den Stiften befestigen konnte. Der Vordermann wurde, wo sein Oberkörper aufhörte, mit einer roten Schwimmhose bekleidet, aus der er seine Beine, die man ja doch nicht sah, unter die Oeffnung des Bootes steckte. Aber der Hintermann, dessen untere Teile nian gar nicht sah, bekam nnr das Viertel einer weit- niaschigen, luftigen Hose.
Bruder und Schwester hatten im Eifer die anderen Kinder vergesse». Plötzlich waren sie von einem Schivarm umringt, die Mädchen schrien vor Vergnügen und die Buben wälzten ein Waschfaß heran und schleppten Wasser, um zu sehen, ob das Boot auch schwimmen könne. Es schwainm. Vom Plätschern der Kinderhände inr Wasser bewegten sich die Rudcrchen, und die zwei Bootsmünner lehnten sich so sicher zurück, als könnten sie jede Wette gewinnen. Tie Kinder standen und sckiauten entzückt zu. Sie hatten ihre Kegel, Kugeln, ihre Soldaten und Bälle stehen lassen. Die Zinnsoldaten lagen aus der Erde und niemand gab ihnen Befehle. Die Schildcrhäuschen waren übcrrannt worden, die Bälle hüpften nicht mehr. Puppen lagen auf dem Gesicht oder streckten ihre Porzcllanbeinc erschreckt in die Höhe. Niemand zog die Maschinen auf und die Tiere niußten reglos liegen bleiben. Denn die Kinder wollten sehen und hören. Jeder wollte nun auch sägen und schnitzen und malen. Sie hatten heiße Köpfe und prügelten sich fast.
„Ich kann alle Augenblicke was anderes machen," sagte


