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diese Hoffnung dahin. Nun sind Angst, Sorge und Unruhe da. Wohlmeinende Menschen kommen, um zu helfen, solche, die kein Mitgefühl haben, vermehren die Last. Mit Spannung erwartet man jeden Tag den Arzt, mit Spannung schaut man nach seinem Gesichte. Zwischen Hoffnung und verzagen wechselt die Stimmung. Draußen geht die lvelt ihren Gang, im Krankenzimmer wird der schwere Kampf gekämpft. The man es sich versieht, ist jedoch die Krisis da, der Höhepunkt der Krankheit ist überschritten, das Fieber nimmt ab, langsam kommt die Genesung. So geht es auch mit dem Kriege. Db wir in diesen Tagen den Höhepunkt schon erreicht oder gar schon überschritten haben, wir wissen es nicht. Uber das wissen wir, daß der Gott, der unserem Volke seither geholfen hat, noch da ist. Er hat schon manches, das dunkel war, wieder hell gemacht. 3hm wollen wir alles befehlen, in der Hoffnung, daß er bald an uns das Adventswort wahr machen Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Voten, die Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König. H. 8.
von dein Christentum einer Zette.
Unter dem Titel ,,Neuapostolische Nundschau, Zeitschrift zur Förderung des Glaubenslebens der neuapostolischsn Gemeinden des In- und Nuslandes" erscheint im Verlage der neuapostolischen Gemeinde zu Leipzig ein Blatt, das als das Grgan der genannten Sekte anzusehen ist. In Nr. 27 vom 5. Juli 1914 findet sich unter der Ueberschrift „pfingstwir- kungen" folgender Bericht:
,,Nus dem Briefe eines lieben Bruders und Vorstehers an seinen Npostel vom 3. Juni 1914, worin er u. a. den großen Segen rühmt, der an Pfingsten aus dem Geisteswirken Jesu Thristi durch den Npostelbrunnen geflossen ist, entnehmen wir folgende Zeilen: - manche Wehen waren
in der Gemeinde die Tage vor dem Feste zu erleiden, doch desto mehr Siegesfreude und Danksagung hernach. Doch zeigte sich auch der Ernst Gottes in der Nuswirkung der Gerechtigkeit. Einer der lieben Brüder, der Kraft des Hingenommenen bei der Nrbeit anläßlich passender Gelegenheit zu erzählen anfängt und den gegenwärtigen pfingstsegen freudig rühmt und bezeugt, wurde dieserhalb sehr verspottet und gehänselt. Da sich darin kein Nushören zeigen wollte, gebrauchte er die Worte: Irret euch nicht, Gott läßt seiner nicht spotten. Nm Nachmittag, als die Nrbeiter sich wieder zur Nrbeitsstätte einfinden, kommt einer der Männer, die es im Spott am tollsten getrieben, mit Schluchzen und Meinen an seinen Nrbeitsplatz zurück und teilt auf teilnahmvolles Befragen seitens des apostolischen Bruders mit, daß seine 20jährigc Tochter des Mittags urplötzlich beim Stiefelreinigen vollständig erblindet sei. Die herbeigerufenen Nerzte hätten das Urteil abgegeben, daß dem Mädchen beim Bücken das Blut in die Sehnerven gedrungen sei, und sie ordneten die sofortige Ueberführung des bedauernswerten Mädchens in das Krankenhaus an. Der schon ältere Mann konnte kaum zur Nuhe gebracht werden und entschuldigte sich wiederholt bei dem Bruder: So hätte er das alles nicht gemeint am Vormittage, er täte das auch nie wieder. Er klagt nun und jammert über sein von ihm selbst als verschuldet erkanntes Familienunglück. Sprüche 3, 33—34."
Dieser Bericht trägt den Stempel der Erfindung, zum mindesten der Verdrehung der Tatsachen an der Stirn. Das geht schon daraus hervor, daß der Drt nicht genannt ist, wo dieser merkwürdige Vorfall sich zugetragen haben soll. Mer aber eine derartige Geschichte erfindet und in Umlauf bringt,
handelt höchst verwerflich. Der Bericht selber aber ist so, daß Man über ihn erschrickt. Ist das noch Ehristentum, ist das die Neligion Jesu Thristi? Die Neuapostolischen erklären allen bestehenden Kirchen den Krieg, suchen deren Glieder durch fortgesetzte Ueberredungsversuche zu sich herllberzuziehen, behaupten, bei ihnen sei das wahre Ehristentum zu finden, und rücken mit dieser Geschichte, die sie verbreiten, weit von Ehristus ab. Der, der diesen Bericht geschrieben hat, scheint nie das Neue Testament gelesen zu haben. Dort steht im Evangelium des Johannes, wie der Heiland einmal an einem Blindgeborenen vorübergeht. Da fragen seine Jünger: ^Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren ist?" Jesus gibt die Nntwort: ,,Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern daß die Merke Gottes offenbar würden an ihm." Damit ist deutlich gesagt, daß man schweres Unglück, das einen anderen Menschen betrifft, nie als eine Folge seiner Sünde ansehen darf, am allerwenigsten will Gott schuldlose Menschen strafen für das, was etwa ihre Ungehörigen gesündigt haben.
Die Neuapostolischen treiben auch in Gießen ihr Wesen, wenn auch ihr „Npostel" nicht hier am Orte wohnt, von glaubwürdiger Seite wird uns versichert, daß in ihren Versammlungen junge Dienstmädchen auftreten und „weissagen". Fortwährend macht diese Sekte Propaganda für ihre Sache. Das Blatt, dem wir den mitgeteilten, aus grobem Holz geschnitzten Bericht entnehmen, wurde einem hiesigen älteren Familienvater, der sich gegen die Sekte ausgesprochen hatte, in das Haus gesandt. Offenbar wollte man ihn „bekehren", der mitgeteilte Nrtikel war blau angestrichen, sicher um ihm die verderblichen Folgen vor Augen zu führen, die über den kommen, der es wagt, gegen die Neuapostolischen etwas zu sagen. Trotzdem hat der Betreffende sich nicht „bekehren" lassen, sondern hat das Blatt seinem Gemeindepfarrer gebracht.
Lin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Ostern fiel im Jahre 1886 sehr spät, nämlich auf den 25. und 26. Npril. Deshalb hatten wir schon vor dem Feste herrliches Wetter. Die Pappeln, die an den Kanälen standen, waren dicht belaubt, die Miesen waren grün und von weidendem Vieh belebt, die Windmühlen drehten im frischen Frühlingswind ihre Flügel. Das ist eine gute Zeit für den wandernden Musikanten. Die Leute, die sich über den Frühling und die schöne Witterung freuen, geben gern, und ich konnte von Woche zu Woche, wenn alle Ausgaben getragen waren und meine Musikanten ihren Lohn hatten, größere Beträge meiner Frau nach Hause schicken.
von meiner ersten Hollandreis« her wußte ich, daß in Amsterdam und in der Umgebung dieser Stadt für die Musikanten der Weizen blühte. Darum nahm ich dort für mich und meine Kapelle feste Wohnung und beschloß, den Sommer Uber die dort vorhandene Gelegenheit zum Geldverdienen auszunützen.
In den Seebädern am holländischen Strande war vorläufig noch nichts zu machen, da Fremde noch nicht angekommen waren. Darum beschränkten wir uns zunächst auf die große Handelsstadt. Wir spielten in allen Stadtteilen. Das war ein Leben, als wir in der Joden-Breestraat, der Hauptstraße des interessanten Judenviertels spielten. Es war gerade Freitagabend nach Sabbatanfang. Lebhaft gestikulierend, schreiend, rufend drängten sich die dunkelhaarigen


