Ausgabe 
13.12.1914
 
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was nicht oft Dorhommt, mal muß ich mit unferm Bberleut- nant dort hin und dort hin, mal ist dieses, mal jenes, es ist eben Krieg und jeder hat andere Aufträge und Befehle, über­haupt wenn man im Zeltlager liegt. Ls ist hier jetzt aber zu machen, daß ich abends sie aufsuche in ihrer Stube. Sie liegen auf dem großen Zuckerboden. Dann spreche ich mein Landwehrgedicht vor und bringe ein hoch auf unfern obersten Kriegsherrn aus."

Erinnerungen eines alten Mannes.

von Generalarzt a. D. Dr. Gtto Kappesser in Darmstadt.

21. Bäcker und Schneider.

Tin lateinischer Spruch sagt: si duo faciunt idem, non est idem, das heißt auf deutsch: wenn zwei auch dar näm­liche tun, ist es doch nicht dasselbige. Das gemahnt mich wohl zuweilen an ein Geschichtchen, das uns Kindern unsere Mutter aus ihrer Heimat erzählt hat. Zum richtigen Ver­ständnis will ich aber noch etwas vorausschicken.

Bei all den reichen Gaben, womit der Himmel die Pfalz gesegnet hat, klagt sie doch über einen Mangel, der sich in dem Beimchen ausdrückt:

hätte die Pfalz mehr Wies' und Holz wär sie noch einmal so stolz.

Das hat wohl schon früh zur Sparsamkeit im verbrauch von Brennstoff geführt und den Anstoß zu gemeinsamen Backöfen gegeben, in welchen der Nachfolger von der ver­bliebenen Wärme des Vorgängers Nutzen ziehen konnte. Mit der Zeit aber sind dieseGemeindebackes" Eigentum der Verwalter geworden, welche dann das Geschäft nach altem Herkommen ausüben.

wenn jetzt bei einem Kunden, was alle drei bis vier Wochen der Fall ist, das Bedürfnis nach Erneuerung des Brotvorrats fühlbar wird, dann kommt am Abend der Bäcker zu ihm in das Haus und stellt aus Nüggen- (Koggen-) oder werkmehl (im Gegensatz zum Weizen- oder Kuchen­mehl) den Teig in den in jedem Haushalt vorhandenen Back­mulden her, die in Zeiten der Wassersnot schon die Arche Noah ersetzen mußten.

Tr bringt dazu den benötigten Dasein*) oder Bauer- teig mit, welcher in solcher Art reihum stets frisch erhallen wird. Am anderen Morgen kommt er dann wieder, um den über Nacht aufgegangenen Teig regelrecht zu kneten, bis man ihn in aus Stroh geflochtenen Backkörben in das Backhaus trägt, um dort Brotlaibe daraus zu formen und zu backen. Das Endergebnis fällt aber um so besser aus, mit je weniger Wasser, also je zäher der Teig bearbeitet wurde. Davon ist wohl das alte Herkommen entstanden, daß der Bäcker mit soviel Teig, als ihm an den beiden Händen hängen bleibt, nach Hause geht. Je kräftiger also die Arbeit, um so besser der Lohn.

Nun wohnten damals zu besagter Zeit zu I. am Markt­platz ein Bäcker und ein Zchneider, die waren Gevatters- leute und dicke Freunde von Jugend auf, wobei freilich dem Bäcker der Vorrang gebührte, wie denn bei seines­gleichen es stets mehr Männer gibt, die gut bei Leibe sind,

*) (Es ist mir seither nicht gelungen, Sinn und Herkunft dieses fremd in der deutschen Sprache stehenden Provinzialismus auszuklären, ebensowenig wie den klusdruckSchabläuten" als Bezeichnung jdes in einzelnen tvrte» üblichen Zusammenläutens als ktnzeige, daß ein Ge­meindemitglied gestorben ist. vielleicht Könnte in letzterem Fall als Fingerzeig dienen, datz ich in jungen fahren hörte, wie die Juden ihre Toten schaben, was wohl schwerlich in dem gebräuchlichen Sinn des Zeitwortes zu verstehen ist. V. verf.

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als bei den Schneidern. 3m letzten Sommer, als wieder der Händler aus dem Nassauischen mit einer Herde junger Schweine durch die Dörfer zog, wobei er seine Anwesen­heit nicht durch die Schelle, sondern durch einen Ausrufer Kundtal, der an jeder Straßenecke ausschrie: ,,Säu fal (feil) Säu fal, 's werd geborgt bis Märtestag!" da hatten auch die beiden sich ein paar Springer zum Einlegen erhandelt, und man freute sich einstweilen im voraus auf die nach Neujahr zu erwartende Metzelsuppe mit gegenseitiger wurst­probe, wie solche ja auf dem Lande neben der Kerb und allenfalls gelegentlich noch einer Kindtaufe zu Hauptfestlich­keiten des Jahres gehört.

Nun hatte der Schneider einmal seinen Freund besucht und mit ihm dessen Schweine bewundert, welche schon einen bemerkbaren Ansatz zu Fettbildung zeigten, was bei den seinigen noch kaum wahrnehmbar war. Ja, und - sagte stolz der Bäcker das alles ist mit Händewasser allein fertig gebracht! Das hat dem Schneider richtig eingeleuch- tet, und da doch Neinlichkeit in jedem Geschäft gut ist, so hat er von da an, so oft er einen Faden vernäht hatte, und bevor er einen Knoten an den neuen machte, allemal erst seine Hände gewaschen, und hat dann das Waschwasser seinen Säuchen in den Trog geschüttet. Die Wirkung aber ließ immer noch auf sich warten, und wie er das gelegentlich seinem Freunde klagte, sagte der nach einigem Besinnen: Ja, Gevattermann, Händewasser von einem Bäcker und Händewasser von einem Schneider, das ist halt zweierlei Sach.

Die Weisheit der alten Lateiner paßt aber auch auf so manchen Vorgang in dem furchtbaren Drama, das jetzt die Welt bewegt. Da ist z. B. die nicht enden wollende Streit­frage über die sogenannte belgische Neutralität, die sich mehr und mehr als eine Komödie darstellt, deren einzelnen Akte sich freilich über Jahre hinziehen, und in welcher, wie man im gemeinen Leben sagt, der Mitspielenden einander über deri Löffel balbierten, das genauer zu erörtern, mpß ich freilich Berufenen überlassen, da ich nichts von der hohen Diplomatie verstehe. Aber einstweilen möchte ich den geehrten Lesern zu raten überlassen, wer von den beteiligten Komödianten mehr als ein Schneider und wer als ein Bäcker sich anstellte.

Lin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

- (Fortsetzung.)

während Lina spann, saß ich über den Papieren und Büchern, die Binder mir ausgehändigt hatte, und machte Pläne für die kommende Keife. 3ch hatte mich entschlossen, nach Holland zu gehen. Dort hatte es mir gut gefallen, und ich wußte, daß man in dem Lande, wo man mit einem Gulden bezahlt, was wir mit einer Mark hezahlen, gute Geschäfte macht.

Sehr häusig auch brachten wir die Abende unten bei meinen Schwiegereltern zu. Dort las ich dasSngelheimer Blättchen", wie man allerwärts in Kheinhesfen den dort sehr verbreitetenKheinhessischen Beobachter" nannte. Auch las ich in Kalendern und anderen Büchern, die mein Schwieger­vater besaß.

Bei meinen Schwiegereltern fehlte es nicht an Unter­haltung, namentlich wenn abends die Nachbarn kamen. Ts waren meist alte Männer und sie gingen in ihren Gesprächen in alte Zeiten zurück, von ihren Litern her wußten sie noch, wie es in derfranzösischen" Zeit zugegangen war, als man auf dem Tichelberg und auf dem höllberg bei Wöllstein die