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Feste der französischen Revolution gefeiert hatte und die jungen Burschen in Spanien und Rußland für Napoleon hatten Kämpfen müssen, Hunderte von RneKdoten erzählte man vom Räuber Schinderhannes, wie er allein in den Wirtshäusern erschienen sei, um unter der Maske eines friedlichen Bürgers die Leute zu fragen, was denn der Schinderhannes eigentlich für ein Mensch sei, und wie er sich dann gefreut habe, wenn die Grtseinwohner, die ihn genau kannten, sagten, er sei ein braver, ehrlicher Bursche, viel auch wurde von 1848 und 1849 erzählt, wie da die Rnaben schon in Freischärlerlracht, nämlich in weißer Hose, dunklem Kittel und breitrandigem Schlapphut, umhergegangen seien, bis die Preußen einrückten und dem Freiheitstraum ein Ende machten.
Im Februar hatte ich nach manchem hin und her meine Rapelle zusammengestellt. Fast alle meine Rollegen von meiner ersten Fahrt im Jahre 1875 hatten sich zu mir gefunden: der Nikolaus Janson von Rockenhausen, der Tobias Wagenschmidt von Imsweiler, der Sebastian Wolf, gleichfalls von Imsweiler und mit mir gleichaltrig, der Wilhelm von Felben von Niederkirchen und endlich Gottfried Reiper. Nur den Jakob Straßer hatte ich nicht angenommen; denn er war, wie ich schon bei seinem Besuche geahnt und dann von zuverlässigen Leuten gehört hatte-, ein richtiger Lump, mit dem nichts anzufangen war, weil er sich dem Schnaps ganz und gar ergeben hatte. Rußer diesen stellte ich noch zwei junge Leute aus dem Rreise Rusel ein, und so waren wir, mich eingerechnet, ein« Rapelle von acht Mann.
Der Tag, da unsere Rusfahrt beginnen sollte, kam näher und näher. Im Jahre 1886 dauerte der Winter sehr lange. Im Februar lag noch überall der Schnee, aber säumen wollten wir nicht länger,' denn wie die Schwalbe zur bestimmten Zeit im herbste weggeht, so geht der Musikant zur bestimmten Zeit im Frühling weg. Rnfang März muß die Rapelle sich in Bewegung gesetzt haben, sonst kommen die Mitbewerber zuvor.
Je näher der Tag unserer Rbreise herankam, umso häufiger sah ich Lina mit verweinten Rügen umhergehen. Ich suchte stets, ihr mit fröhlichen Worten und mit der Russicht auf den Gewinn, den ich im herbste nach Hause zu bringen gedachte, über ihren Schmerz hinwegzuhelfen, verständig und innerlich ruhig, wie sie war, gelang es ihr auch, sich zu beherrschen und sich in das Unvermeidliche zu fügen. Umsichtig besorgte sie alles, was ich zur Reise nötig hatte. Während meiner Rbwesenhcit wollte sie bei meinen Titern bleiben und sie in ihrer Rrbeit unterstützen.
Noch lag der Schnee weithin auf dem Lande, als ich nach Rreuznach ging, wo ich mit meinen Musikanten Zusammentreffen wollte. Bi; vor das Dorf war Lina mit mir gegangen. Schmerzlich bewegt nahmen wir dort voneinander Rbschied, noch einigemale sahen wir uns um, um einander zuzuwinken, dann schritt ich meine Straße, während zu meiner Rechten der steile Tichelberg, ganz mit Lchnee bedeckt, auf mich herniedersah.
In früheren Jahren waren die pfälzischen Musikanten, lvenn sie nach Holland reisten, stets den ganzen weg zu Fuß gegangen, indem sie am Rhein« musizierten. Da es noch sehr früh im Jahre war, der Lchnee alle hänge überdeckte und eine scharfe Luft durch das Rheintal blies, so hatte ich mich entschlossen, bis Emmerich die Eisenbahn zu benützen, wir reisten billig, da in diesen Jahren auf den preußischen Staats- bahnen die vierte Wagenklasse eingeführt worden war. Ts
war allerdings ein unbequemes Reisen; denn Sitzplätze waren in der neu eingeführten Rlasse nicht vorhanden, man fuhr dort „standesgemäß". Rber ein pfälzischer Musikant kommt überall durch und ist nicht verwöhnt, wir verdienten sogar Geld auf der Lisenbahnfahrt, indem wir unterwegs Musik machten, wenn der Zug auf einer Station hielt und unsere Märsche und Tänze erklangen, so strömten die Leute in großer Menge unserem wagen zu. Gerade die Leute, die mit uns in der vierten Rlasse fuhren, Hausierer und Marktleute, waren nicht geizig. Sie spendeten uns lebhaften Beifall, und manches Fünfpfennigstück siel in den Blechteller, den wir herumgehen ließen. Gern wurde uns in den Pausen erlaubt, uns auf den Risten und Raffern unserer Mitreisenden etwas auszuruhen. Die Luft in dem wagen, in dem wir fuhren, war allerdings in der Regel sehr dick, aber ein Musikant kann schon etwas vertragen.
von Emmerich aus setzten wir unsere Reise zu Fuß fort. Roch war es Winter, und das flache Land war weithin mit Lchnee bedeckt. Deshalb war unser Verdienst zunächst auch sehr gering, wir froren, wenn wir im Freien spielten und fanden auch wenig Zuhörer. Mißvergnügt marschierten wir durch das flache Land. Sobald jedoch der März gekommen war, setzte Tauwetter ein. Es war freilich für uns auch keine Rnnehmlichkeit, wenn wir durch den schmelzenden Lchnee gehen mußten, wir bekamen alle den Schnupfen und hatten jeden Rbend in der Herberge damit zu tun, unsere Rleider und Strümpfe zu trocknen.
wie alles in der Welt, so ging auch das Tauwetter vorüber, der wind fegte über das Land, und die Erde wurde wieder trocken, langsam kamen an Baum und Strauch die grünen Spitzen zum Vorschein. Je wärmer die Sonne schien, um so mehr drängten in der Gegend, durch di« wir zogen, sich die Leute auf die Straße, und alle Härten unserer Musik gern zu. Im Rnfang war ich in großer Sorge gewesen, da ich fortwährend von dem mitgenommenen Gelde zusetzen mußte, jetzt aber wuchs mein Mut, als die Geldstücke immer zahlreicher eingingen. Jeden Rbend, wenn ich Rasse machte, fand ich, daß der Verdienst den des vorausgegangenen Tages übertraf. Mit dem Geldeinsammeln hatte ich den Sebastian Wolf betraut, weil ich ihm am meisten Zutrauen schenkte.
wir marschierten über Rijmwegen, Rrnheim, kamen nach Utrecht, wo mich einst die Nachricht erreicht hatte, daß Marie Lippert mir untreu geworden sei, und wandten uns dann nach Rmersfoort. Natürlich blieben wir nicht nur auf dieser Hauptlinie, sondern zogen landein, landaus und besuchten sehr gern die abseits von der Bahn und den Hauptverkehrsstraßen liegenden Dörfer, weil wir gerade dort gute Geschäfte machten. (Fortsetzung folgt.)
Worte zum Nachdenken in der Nriegszeit.
Ruch der Gleichgültige und Träge nimmt seine Zuflucht zu dem, der allein helfen Kann, wenn Rümmer und Schmerz ihn bedrücken. (D, daß uns die Not der Welt zu Gott triebe, die Not derer, die da leben und sterben ohne Gott!
Unser Herz soll immer so stehen, als fingen wir heute an zu glauben, und alle Tage müssen wir so gesinnt sein, als ob wir das Evangelium nie gehört hätten. Man muß alle Tage anheben. Das ist die Rrt und Natur des Glaubens, daß er ohne Rufhören lebe, wackle und zunehme.
Dr. M. Luther.


