Ausgabe 
13.12.1914
 
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Nr. 48.

Gießen, 3. Advent, 13. Dezember 1914.

3. Jahrgang.

Gott mit uns.

Brief an die Hebräer 8. 10. 3d| will ihr (Bott fein nnd sie sollen mein Volk fein.

In großer Zeit ist ein neues Kirchenjahr angebrochen. Line große Zeit fordert große Menschen. Groß sind wir nicht durch uns selbst, wir werden groß durch den allmächtigen Gott, der uns diese Zeit gesendet hat. Er hat so viel Großes an uns getan in den vergangenen Wochen, daß wir ihm gar nicht genug danken können. Gott gab zur Stammeseinheit die Standeseinheit, weckte wieder vaterlandssinn und Gpfer- ckut und Hingabe in deutschen Herzen, so daß jeder Stolz und Freude empfindet, diese Zeit mit erleben, diesem Volke an­gehören zu dürfen. Gottes Sturm braust durch die Lande. Nicht nur die auf den höhen hören ihn, auch die in den Niede­rungen spüren sein Wehen wohl. Und dies Wehen des Gottes­windes grüßt uns im Nnfang eines neuen Kirchenjahres. Ge­wiß, der Sturm bringt Schaden, er fährt in die Kronen der Bäume und vernichtet Werte und bringt Leid in Menschen­herzen, aber er reinigt auch und läutert und macht Neuem Platz. So gespannt, so zitternd haben wir noch kein Kirchen­jahr angetreten, wie dieses, das der Kriegssturm einläutet. Über der Sturm kommt von Gott. Lr will reinigen und. läu­tern in der ganzen Welt. Die Spreu will er scheiden vom Weizen. Und er will reinigen und läutern das einzelne Herz, die Linzelpersönlichkeit. Weg mit aller Lauheit und Gleich­gültigkeit, mit allem Kleinsinn und hangen an Flitter und Tand! Nufwärts die Herzen! Gott gibt Größe den Helden draußen, Gott gibt Geduld und Kraft, Liebe und vertrauen und Trost uns drinnen. Tr will im neuen Jahre uns fein Gesetz in Herz und Sinn schreiben. Tr will unser Gott sein, wir sollen sein Volk sein. So wollen wir ihn arbeiten lassen an unserem Herzen und ihn walten lassen und weben am Webstuhl der Zeit. Tr wirds wohl machen. Mit ihm in das neue Jahr hinein voll Ergebung und Mut, mit ihm hindurch, wir hoffen durch Nacht zum Licht, durch Kampf zum Sieg!

Deutsche Frömmigkeit.

Tin Unteroffizier schreibt aus Frankreich an seinen Pfarrer:habe gestern wieder einen Brief Ihrerseits er­halten und habe auch gleich immer Nbnehmer für beiliegende

Schriftstücke. Venn Sie haben recht, Herr Pfarrer, daß man in dieser ernsten Zeit das Wort Gottes so sehr nötig hat,' das wird man hier von Kameraden gewahr, die sonst nicht viel von Neligion und Kirche wissen wollen. Ich führe in meiner Kolonne den 5. Zug und habe mehrere Berliner da­bei, die lächerliche Mienen aufsetzten, wenn ich die erst von Ihnen erhaltenen Schriften ihnen überreichte, aber ich habe auch zwei Leute in meinem Zuge, die mir treu zur Seite stehen, die auch von ihrem Seelsorger aus der Heimat Briefe erhalten und mit denen zusammen ist es mir leicht gelungen, eine andere Nuffassung der Neligion und ein gern Tntgegen- nehmen der Blätter zu erzielen. Ja, werter Herr Pfarrer, ich kann Ihnen sogar Mitteilen, daß, wenn ich jetzt mit meinen Leuten zu Mittag esse, dann spricht unser Kamerad B. aus Zabakuck, Jerichower Kreis, unser Tischgebet: Komm Herr Jesu, sei unser Gast. Jetzt haben wir hier Ouartier, bringen Munition zur Batterie und fahren zum holen nach Th. und kommen hier wieder her, ich liege mit 60 Pferden und Mann­schaften auf einer Zuckerfabrik. Gott sei gedankt, daß man, wenn wir nicht gerade die Nacht fahren müssen, unter Vach und Fach ist, denn die Nächte sind doch schon empfindlich kühl. Nber Gott weiß, wie lange, denn dicht vor uns tobt noch immer, jetzt kann man nun schon sagen, die 5. Wochenschlacht, lieber 3 Millionen Krieger liegen sich hier gegenüber. Da­durch, daß wir hier Ouartier haben, ist es mir gestern ge­lungen, in die Kirche zu gehen, das erstemal in meinem Kriegsleben, sonst waren wir gewöhnt, gerade an Sonntagen tobte der Kampf am meisten, aber gestern war mal bißchen Ruhe eingetreten. Wir konnten zur Kirche gehen, und wie gerne haben wir es getan, va wollten nicht mal die Wachen des Fuhrparks und Stallwachen zu Hause bleiben. Nach Nbsingen des Liedes: Nch bleib mit Deiner Gnade, legte der Geistliche zu Grunde Psalm 3 : Ich fürchte mich nicht vor viel Tausenden, die sich umher wider mich legen. Ferner sprach er heute am l8. Oktober, dem Gedächtnistage der Leipziger Völkerschlacht, und jetzt liegen wir uns schon seit Wochen gegenüber und keiner weicht, alles verschanzte In­fanterie, l 00 Meter, gegenüber. Und nicht mal Pardon, um verwundete wegzubringen, wer nicht selbst sich zurückschleppen kann in den Schützengräben, muß erbarmungslos liegen blei­ben .... Wenn ich mit meinen Leuten mal zusammen bin,