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und opferfreudig in der Hingabe ihres Lebens für die höch­sten Güter dieser Welt: ihr Haus und ihr Heim stehen nun vereinsam! da: denn wir wissen, sie kehren niemals wieder. Blutet uns nicht das Herz, wenn wir die vielen tränenschweren Gesichter, den großen stummen Jammer sehen? Fühlen wir nicht ein fast übermenschliches Erbarmen, wenn wir hören, wieviele junge Ehen nun plötzlich gelöst worden sind, wie­viele hoffnungsvolle Söhne und wieviele Männer, die dem vaterlande noch von so großem Nutzen sein konnten, nicht wiederkehren, Wir fragen da unwillkürlich: Gibt es denn Trost für all dieses tiefe schwere Iveh?

Man muß selbst schon weit den Leidensweg gegangen sein, um zu versuchen, eine Bntwort auf diese Frage zu geben, es zu unternehmen, das Wort zu finden, das, von Herzen zu Herzen gehend, den Ton trifft, der die Herzens­saite berührt, ohne ihr wehe zu tun. Es ist etwas Großes, Heiliges um den Schmerz, und wir müssen uns hüten, ihn unsanft zu berühren. Wer das Wehe kennt, das in dieser schweren, ja entsetzensvollen Zeit so viele Seelen darnieder- drückt, der möchte versuchen, jedes einzelne dieser trauernden Herzen aufzurichten, ihm zu sagen: wir fühlen mit dir, wir sind in Gedanken bei dir, still und wortlos: denn wir wissen, daß Worte oft wehe tun, wir wollen aber lindern, nicht wehe tun.

Liebe, bekümmerte Seele, es spricht hier zu dir eine Mitschwester, die schon in jungen Jahren den Leidensweg geführt wurde: sie weiß, wie weh es tut, sein Erdenglück dahin zu geben, sie hat es aber auch erfahren, wie herrlich es ist, durch dieses tiefe Weh in Gottes unendliches Erbarmen hineinzuwachsen, sich von ihm führen zu lassen, so daß das Leid seine Bitterkeit verliert. Wir müssen ja durch viel Trüb­sal in das Neich Gottes eingehen, was kann das anders heißen, als daß wir dort unsere ewige Heimat finden und daß Trübsal uns den Weg dahin führt. Wir dürfen nur nicht immer auf die Mühsal des Weges sehen, sondern allein auf das herrliche Endziel, das uns werden soll. Bei Gott sein, frei von Leid und Erdenweh, die herrlichen Verheißungen erfüllt sehen, die uns in der «Offenbarung Johannis 7, 1417 gegeben sind, liebe trauernde Leele, ist das nicht etwas, das uns über da; Leid hinausschauen läßt, so daß wir Gott dafür danken müssen? Und wenn du klagst, daß der, den du so heiß liebtest, in fremder Erde oder aus dem Meeresgründe ruht und du nie wissen wirst, wo das treue Herz zu schlagen aufhörte, sei getrost: Gott weiß es! Der allmächtige, all­barmherzige Gott kennt den Grt im Feindesland, im Meeres­grund, wo seine Kinder ruhen nach heißem Kampf, nach Entbehrung, Not und treuer Hingabe ihres Leibst für das Vaterland. Gott wird sie finden an jenem großen Tage der Bbrechnung, wo er geben wird einem jeglichen nach seinem Tun. Er wird sie holen aus der Meerestiefe und aus der fremden Erde zu seiner ewigen Herrlichkeit, und du wirst sie dereinst dort wiederfinden, wo kein Leid und Geschrei mehr ist, dort, wo alle die vor Gottes Thron sich sammeln werden, die gekommen sind aus großer Trübsal, dort, wo Gott abwischen wird alle Tränen von ihren Bugen. Tröstet dich nicht, liebe Leele, diese herrliche Bussicht?

Buch wir wollen dereinst zu diesen Stätten des Friedens kommen, und unser Lehnen darnach wird nun viel mäch­tiger werden: denn wir wissen unsere Geliebten dort, wo sie uns erwarten. Wenn wir auch im Erdenleben von ihnen getrennt sind, e; gibt ein unsichtbares Band, das uns mit ihnen verbindet, und das uns immer fühlbarer wird, je mehr

wir lernen, das Irdische gering zu achten, und unser Linnen und Denken dem Unvergänglichen zuzuwenden.

8o wollen wir den Tag, der der Erinnerung aller vor­angegangenen verklärten geweiht ist, der uns in dieser ernsten Zeit so besonders zu innerer Einkehr drängt, wohl in tiefer, stiller Trauer begehen: unsere Leelen aber erheben wir Uber Tod und vergehen empor zu dem Vater des Lichts, zu dem ewigen Vaterhause, wo unsere Lieben nun ruhen von heißem Kampf. Baronin B.

Unser Unsterblichkeilsglaube.

Es ist noch eine Buhe vorhanden dem Volke Gottes. In diesen Zeilen, wo der Tod täglich Hunderte von (Opfern aus den Neihen unserer Volksgenossen reißt, ist es wohl kein Punkt der christlichen Glaubenslehre, mit dem sich die Herzen mehr beschäftigen, als die Frage, ob es ein Leben nach dem Tode gibt. Und zwar beschäftigt diese Frage gleicherweise alle, die daheim und draußen sind. Busnahinen selbstverständ­lich zugegeben. Sie geht wie ein Gottesbote herüber und hin­über. Draußen geht sie um einsame Wachtfeuer, legt hier einem die Hand auf die Lchulter, der ihr noch wenig nachge­dacht hat. Dann wirft sie, durch ein Wort, eine Bndeutung, durch eine unruhige Hand im Feldbriefe schüchtern angebracht, einen Feuerbrand in die Leele eines Latten, der bisher nur den Fragen des diesseitigen Lebens seine volle Bufmerksam- keit zugewendet hat.

Wir wollen diesen Gottesboten, der unter so außerge­wöhnlichen Umständen zu uns tritt, nicht vorübergehen lassen, ohne ihm wenigstens achtsames Gehör gegeben zu haben. Wir lassen die Frage mit den Worten des vorange­stellten Gotteswortes in unserer Leele widerklingen: Ist noch eine Nuhe vorhanden dem Volke Gotte;? Können wir diese Frage mit einem Ja beantworten, so wissen wir: (Es gibt auch eine Unsterblichkeit. Da erhebt sich nun die weitere Frage: Gibt es denn ein Volk Gottes, und wo ist dieses zu finden? Was ist sein Name und Brt? Blicken wir auf unsere Zeitverhält­nisse, so scheinen diese zur Beantwortung unserer Frage die denkbar ungünstigste Bussicht zu geben. Wir sehen, wie Eu­ropa in zwei Heerlager gespalten ist, die sich mit allen Mitteln irdischer Gewalt auf das grimmigste befehden. Furchtbar haust der Krieg unter den Völkern unseres Erdteils und teilt nach beiden Leiten Wunden aus, die, so lange das gegenwärtige Geschlecht am Leben sein wird, nicht vernarben werden. Und schlimmer noch, als die äußere Zerrüttung, ist der innere Lchaden, die moralische Zerklüftung, die den Zusammenbruch von all dem anzeigt, was unter dem NamenBufgaben der Kulturmenschheit" vielen als ein unverrückbares, hehres Bild erschienen ist. Der Krieg hat tatsächlich dieses Götterbild zer­schlagen. Der kunstvolle Bau der Kulturmenschheit ist unter den Hieben einer rücksichtslosen, wenn auch mit dem Gewand heuchlerischer Phrase notdürftig ihre Blößen zu decken suchen­den Lelbstsucht aus den Fugen gegangen. Wenn etwas als Ertrag dieses Krieges feststeht, so ist es dieses, ein Mißtrauen aller gegen alle, das eine Friedensarbeit von Jahrzehnten nicht wird beseitigen können.

Hart ist diese Lehre, an der vornehmlich die Völker­familie Europas lange Zeit wird tragen müssen, und schwer ist es, für den Gedanken der Menschheit einen Unterschlupf ausfindig zu machen, in dem er in der Verborgenheit den Eintritt besserer Zeiten abwarten kann. Schwer ist es für die menschliche Betrachtungsweise, der wir bei diesen Er­wägungen da; Wort gelassen haben, ja es ist ihr unmöglich.