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3ft cs gut, die evangelischen Pfarrer mit der Waffe dienen zu lassen?
Ueber die Frage, ob es angezeigt sei, den evangelischen Geistlichen, wie die Rngehörigen der andern Berufe, mit der Waffe dienen zu lassen, oder nicht, ist unter den Theologen schon eine große Meinungsverschiedenheit. Die einen sagend ja, die andern: nein. Ich will hier nicht auf das Für und Wider eingehen. Jedenfalls sind die evangelischen Geistlichen darüber ziemlich einig, daß es viel zu wenig Militärgeistliche gibt, um das religiöse Bedürfnis in genügendem Maße zu befriedigen. Mit dieser Tatsache steht meine Beantwortung der Frage in Zusammenhang. Wenn in unserm Heere evangelische Geistliche mit der Waffe dienen dürfen, so Könnte ohne Kosten sicherlich dem Uebelstand, daß es zu wenig evangelische Militärgeistliche gibt, gesteuert werden. 6 m besten Kann darüber folgende Karte aus dem Kriege unterrichten, die ich dem Leser unterbreite. Sie zeigt, wie sich die Soldaten ohne Militärgeistlichen in einem Falle ausgezeichnet geholfen haben.
§., Freitag, 23. Gkt. 1914.
Lieber Herr Pfarrer! Nachdem unser Bataillon 6 Tage und 6 Nächte im Schützengraben dicht am Feind Wache gehalten hat, sind wir für einige Tage zwecks Buhe um einige Kilometer zurückgezogen worden. Etwas aus diesen Tagen muß ich Ihnen berichten, was Sie besonders erfreuen wird. Denken Sie sich die hiesige, kleine, saubere katholische Dorfkirche! 6 bends 6 V 2 Uhr, dunkel. Nur eine Kerze (sonst war nichts aufzutreiben) erhellt spärlich den Kaum. Die Bänke sind besetzt mit Soldaten in Feldgrau, deutschen Soldaten, Offizieren, Unteroffizieren, Mannschaften, vorne steht ein Vizefeldwebel der Neserve. Er hat zur Rbendandacht eingeladen. Es ist ein Landsmann, oberhessischer Kurhesse, früher Pfarrer, jetzt Kreisschulinspektor, Dr. B. Ich bin ihm besonders zugetan und habe seine Rnregung in meiner Kompagnie bekannt gemacht. Der Gedanke ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Wer davon wußte, ist gekommen. Ein deutsches Kirchenlied erschallt aus deutschen Soldatenkehlen, dann spricht der Vizefeldwebel Worte, die allen ans Herz greifen, im Rnschlusse an die erste Bitte des Vaterunsers. Vas Gebet spricht ein Unteroffizier der Neserve unserer Kompagnie, ein Volksschullehrer. Dann wieder ein Kirchenlied. Eine erhebende Feier! Und am nächsten Tage wiederholt sich die Veranstaltung. Diesmal aber sind so viele erschienen, daß mehrere in den Gängen stehen müssen. Das Schöne wird dadurch erhöht, daß ein Mann unserer Kompagnie, der als Sänger ausgebildet ist, ein Lied vorträgt.
Fürwahr, das ist herrlich. Deutsches Volk, so feiern deine Söhne im Feindesland, sie geben Gott die Ehre. Wie zugänglich jetzt die Menschen für Religion sind!
Der Schreiber ist Offizier-Stellvertreter, Dberhesse, aus dem Kreise Gießen. -
Wenn unsere Theologen, die begehren, aktiv zu dienen, in dieser Weise den Kameraden helfen können, warum soll man es ihnen wehren?
Gr.-Linden. D. Schulte.
Vas kirchliche Leben im Dekanate Gießen während des Jahres fyfZ.
S. Die h eid en Mission.
Das Jahr 1913 bedeutet einen Höhepunkt der äußeren Missionsarbeit für unser Dekanat. Zwei Worte erklären diese Behauptung: völkerkundliche Russtellung der Baseler Mission in Gießen und Nationalspende.
Erstere fand in den Räumen der alten Klinik vom 4 . bis 23. Rpril statt und wurde von etwa 20 000 Besuchern (Schüler und Erwachsene) besichtigt. Sie bot eine Fülle von Rnschauung und Belehrung besonders über die kulturellen Leistungen der Mission. Die sonst mehr in der Stille arbeitende Mission trat bei dieser Gelegenheit in die breite Deffentlichkeit und bestand in Ehren.
In noch größerem Maße trat die Mission an die große Deffentlichkeit gelegentlich des 25 jährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers. Es tauchte der Gedanke auf — und zwar nicht von kirchlicher, sondern kolonialfreundlicher Seite . — dem Kaiser eine Nationalspende zu überreichen, die er zum Besten der in unseren Kolonien arbeitenden Missionen verwenden könne. Der kühne — noch vor wenigen Jahren unmögliche — Gedanke gelang glänzend, und auch unser Dekanat stand nicht zurück. Das beweist der Betrag von 4633,60 Mark, der allein für diesen Zweck dank der treu werbenden Arbeit der Geistlichen in unseren Gemeinden gesammelt wurde. Rber daneben ging, was wichtig ist, die regelmäßige Rrbeit für die Mission fleißig einher, und die Leistungen erlitten infolge der Nationalspende keine Einbuße. Vas vekanatsmissionsfest wurde am 10 . Rugust in RIlendorf an der Lumda unter sehr reger Teilnahme der Gemeinde im schön geschmückten, neuhergestellten Gotteshause gefeiert. Daneben fanden größere Missionsfeste in Beuern, Burkhardsfelden, Oppenrod, Lang-Göns, Reiskirchen statt. Lichtbildervorträge oder Missionsvorträge, besonders während des Winters, wurden gehalten in Rllendorf a. d. Lahn, Großen-Buseck, Gießen, Großen - Linden, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Pohl-Göns, Treis a. d. Lumda, Watzenborn, zum Teil mit großen Kollekten.
Die Kollektenoereine entfalteten ihre stille gesegnete Tätigkeit (möchten doch alle Gemeinden solche einsühren) und in den Frauenoereinen von Rlten-Buseck, Beuern, Gießen, vaubringen, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Treis a. d. Lumda kam die Mission zum Wort, alles in allem: Eine Fülle von Gelegenheiten, wo viel guter Same ausgestreut wurde. Möge der Segen, der in äußeren, kalten Zahlen nicht angegeben werden kann, ihm entsprechen.
Wir geben zum Schlüsse eine Zusammenstellung aller in den Dekanatsgemeinden eingegangenen Missionsgaben einschließlich der Nationalspende und der Epiphaniaskollekte. Rllendorf a. d. Lahn 229 Mk.: Rllendorf a. d. Lumda 435 Mark: Rlten-Buseck 158 Mk.: Beuern 349 Mk.: Gießen 9910 Mk.: Großen-Buseck 540 Mk.: Oppenrod 321 Mk.: Großen-Linden 367 Mk.,' Klein-Linden 478 Mk.: Hausen 76 Mk.,- Garbenteich 72 Mk.: Heuchelheim 213 Mk.: Kirch- berg 790Mk.: Kirch-Göns 84Mk.: Lang-Göns 756Mk.: Leihgestern 311 Mk.: Pohl-Göns 134 Mk.: Reiskirchen 54Mk.: Burkhardsfelden 205Mk.: Rödgen 163Mk.: Rnne- rod 173 Mk.: Lteinbach 193 Mk.: Rlbach 116MK.: Treis an der Lumda 380 Mk.: Watzenborn 235 Mk.: Wieseck 209Mk.: zusammen: 16 969MK., eine Mehrleistung gegen das vorhergehende Jahr von 10 553MK. Die Zahl wird wieder sinken und die Stürme der Gegenwart werden auch an der Missionsarbeit in unseren Gemeinden rütteln. Rber wir dürfen das Werk, das unser Heiland scheidend seinen Jüngern an das Herz legte, nicht Not leiden lassen, sondern mit allen Kräften freudig unterstützen, denn: „wir haben ein festes prophetisches Wort und ihr tut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet an einem dunkeln Grt." (2. Petri. 1.10.)
(Fortsetzung folgt.)


