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auf dem Trieb angewandt werden, so fühlt man den Unter­schied in der Schärfe der Kriegführung zwischen damals und jetzt.

Zum Schluß möchte ich nur noch bemerken, daß die La­zarettbaracken besonders für ansteckende Krankheiten auf dem Seltersberg standen. Die verwundeten waren in der Klinik, der Turnhalle und in Schulsälen untergebracht. Es waren aber lange nicht so viele als diesmal.

Vas Schießen bei der Siegesfeier von Sedan war durch­aus nicht allgemein. Es ist ja möglich, daß einzelne es ver­sucht haben, und daß deshalb die Polizeiverordnung aber doch mehr als Warnung erschienen ist.

Aus den Zpuren altgriechischer Aultur.

Ueiseerinnerungen von Geh. Gberkonsistorialrat E>. W. petersen in varmstadt.

(Fortsetzung.)

wir eilten gleich zur Stadt hinaus, wo auf sonnigem Fclsplateau die lUegareer ihre Gsterfeier hielten. Tin farben­reiches Bild! Ttwa 5000 Menschen waren dort versammelt, ein vrilteil davon Frauen und Mädchen im schönsten Fest­schmuck. vie Megareer sind reine Griechen, worauf sie gegen­über den albanesischen Tleusiniern stolz sind. Daher bei ihnen nichts von albanesischer Tracht, vie ihrige zu be­schreiben, ist freilich schwer. Der Kopf der Frauen ist bedeckt mit einer Haube von durchlöcherten und aufgereihten Gold- und Silbermünzen. Darüber tragen sie entweder einen durch­sichtigen Schleier oder ein Kopftuch. Der Oberkörper ist in eine eng anschließende Taille mit engen Bermeln gefaßt, alles aus Sammet oder Seide, mit Gold gestickt, an den Bermeln in bunten Farben schillernd, vie Brust ist mit einem Busen­gehänge von Gold- oder Silbermünzen bedeckt. Der Kock ist eng anschließend und in viele Falten gelegt, aus dickem dunk­lem Wollenstoff. Unter der Hüfte schlingt sich um ihn eine dunkle Wollenbinde, vom Kopf herunter hängen die dicken natürlichen oder künstlich durch eingeflochtene Wolle ver­stärkten Zöpfe herab und sind mit unter die Hüftenbinde eingebunden, so daß die Enden mit den Kosaschleifen darunter hcrvorgucken. Buch starke Personen sehen in dieser Gewan­dung schlank aus. vie Beine sind bekleidet mit weißen Strümpfen, die Füße mit koketten orientalischen Pantöffel­chen aus Ziegenleder mit farbiger und Goldstickerei.

Ts war ein hübsches Bild, so 40—50 Mädchen oder Frauen in einer Keihe mit übereinander gefaßten Händen tanzen zu sehen, wobei immer ein Teil eine eintönige Melodie singt. Unter den Tänzerinnen gab es wirklich antike Ge­stalten und Profile: dunkle Bugen und geschwungene Bugen- brauen erinnerten an reizende antike Vasenbilder und Terra­kotten. Eigentümlich war auch die Unterscheidung der Frauen, Bräute, Unverlobten durch die verschiedenen Schürzen. So trugen z. 6. die letzteren Schürzen in Gestalt eines Wappen­schildes, rot und weiß und zwar nicht vor dem Schoß, son­dern seitwärts am linken Bein, was sich im Gesamtbild sehr hübsch ausnimmt.

vie Klbanesinnen tanzen sehr schön im Einzeltanz, die Ungarinnen tanzen aber nur im Beigen, wo dann das Ge­samtbild wirkt, vom festlichen Gewühl schweifte der Blick immer wieder auf das köstlich blaue Meer, das nur eine halbe Stunde entfernt liegt. Da drunten lag der alte Uisäa, der ehr­würdige Hafen von Magara, bezeichnet durch die fränkische Burg auf dem beherrschenden Burghügel: dann ins Meer hin­aus laufend die felsige Halbinsel Minoa mit davorgelagerten Inselchen. Kingsum weit und breit die Meeresbläue, die In­

seln Salamis und Begina, die Halbinsel Methana, die Berge des Peleponnes bis gegen den Isthmus, der leider durch das Grenzgebirge der Mogaris, das imposante Geramiagebirge verdeckt war. Ueber dem Ganzen die lachende Sonne Homers. Nachdem wir uns an dem Tanze müde gesehen hatten, kehr­ten wir nach der Stadt zurück und hielten unser picknick von den mitgebrachten Lebensmitteln. Nachmittags kamen mit vampfboot die griechischen Majestäten mit Gefolge. Ihr Er­scheinen erregte allgemein Jubel. Es war ein Vergnügen, die hohen Herrschaften sich so natürlich menschlich unter diesem Naturvolk bewegen zu sehen. Nlle Frauen drängten sich natürlich heran, ihre Königin zu sehen und ihr die Hände zu küssen. Nus dem Hause des Bürgermeisters sahen die Maje­stäten dem Tanze zu, der bei entsetzlichem Sonnenbrand auf dem Marktplatze, der LAork, fortgesetzt wurde, hier könnten die kultivierten Europäer tanzen lernen! Mit welchem Ernste tanzen hier die Geschlechter getrennt! Vie langen Wimpern sind gewöhnlich niedergeschlagen, kein Lachen liegt auf den Gesichtern, aber reine Freude strahlt aus den Bugen. Klipp, klapp, so gingen immer die Hunderte von Pantöffelchen. Bis die Majestäten unter lautem Jubel sich entfernt hatten, wurde zwar der Tanz fortgesetzt, aber nun sah man die jungen Mütter ihre festlich geschmückten Säuglinge herbeiholen. In Griechenland ist man stolz auf seine Kinder. Um 5 Uhr saßen wir wieder im Wagen und erreichten Bthen nach köstlicher Bbendsahrt um 10 Uhr, voll Dankes für einen wirklich schönen Tag. ____(Fortsetzung folgt.)

Lin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Indessen war ich doch nicht mehr so jung, um nur in Glücksgefühlen zu schwelgen. Bis einer, der schon einmal üble Erfahrungen gemacht hatte, dachte ich auch reiflich nach und wollte unter keinen Umständen mehr so unüberlegt mit einem Mädchen ein Verhältnis eingehen, wie einst mit Marie Lip- pert. Ich machte mir klar, daß eine rechte Ehe nur möglich sei auf der Grundlage einer gesicherten bürgerlichen Existenz. Einstweilen verdiente ich noch nicht so viel, um mich verheira­ten und für eine Familie sorgen zu können. Mein Vertrag lief nur so lange, als der Kurbetrieb dauerte, also bis zum 50. September. Für den Winter mußte ich mir eine andere Beschäftigung suchen. Ich wußte auch, daß man mit der Frau gewissermaßen deren Familie mitheiratet, darum be­schloß ich, mich genau nach der Familie der Lina Landau zu erkundigen, hierzu hatte ich Gelegenheit: mit mir in der Leibkompagnie des 118. Kegimentes hatte ein Fllrfelder ge­dient. Wir waren zusammen Kekruten gewesen und waren, da wir drei Jahre lang auf einer Stube gelegen hatten und jeden Tag in enge Beziehung zueinander gekommen waren, mietinander vertraut wie zwei Brüder. Mein Kamerad hatte mich schon öfter eingeladen, ihn zu besuchen. Bn einem Sonn­tagnachmittage, als eine auserlesene Wiener Kapelle anstatt der Kurkapelle konzertierte, folgte ich der Einladung. Mein Kamerad, ein treuer, guter Mensch, war ganz außer sich vor Freude, als ich unverhofft bei ihm erschien, auch von seinen Eltern wurde ich freundlich ausgenommen: der Tag s oand uns dahin, indem wir unaufhörlich Erinnerungen aus unse­rer Militärzeit austauschten. Bl; wir beim Bbendessen saßen, ließ ich so gleichgültig wie möglich die Bemerkung fallen, daß ich vor kurzem in einer befreundeten Familie ein Für­felder Mädchen kennen gelernt habe. Ich tat so, als ob ich den Namen nicht mehr recht wisse, aber meine Gastgeber