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Endlich kamen wir in die Stabt und eilten gleich nach den Propyläen, deren mächtiger Unterbau ganz erhalten ist, sowie auch die Marmortreppe. Im übrigen stand man ratlos vor dem verwirrenden Trümmerfeld von Säulentrommeln, Vasen, Kapitälen in wunderschöner Ausführung. Bergan steigen wir auf die Stätte des alten Demetertempel;, davon fast nichts zu sehen ist. Uber der Blich von oben ist herrlich, die Ebene, das Meer, Salamis, der Kithäron, ein mächtiges Panorama, hinter uns nach liefen kleine Mädchen, barfuß und schmutzig, ober mit hübschen Gesichtern und wundervollen Rügen. Sie wollen uns Blumen geben und unsere pentära (5 Eentimess haben.
Mit diesem Gefolge stiegen wir wieder den Berg hinunter in das elende Städtchen, das nicht von Griechen, sondern von Rlbanesen bewohnt ist, die ihr Griechisch in der Schule lernen müssen. Männer und Frauen waren prächtig gewachsen. Die albanesische Festtracht ist sehr malerisch. Unterwegs unterhielt ich mich mit den Mädchen und forschte nach albanesischen Wörtern. „Mutter" heißt bei ihnen um, Vater clut. Gott clonisot, Stein guri, Mädchen waisje. In einer schrecklichen Kneipe packten wir unser mitgebrachtes Essen aus, den Wein kauften wir uns, den berühmt-berüchtigten Ueginalo, der sehr schön hell aussieht, auch bekömmlich sein soll, aber mir wie ein Kinderpulver mit Terpentin schmeckte. Tine Lande hungriger Hunde und brauner Kinder stand um uns versammelt, und unser Reisegefährte, Maler (D. zeichnete in zehn Minuten drei hübsche kleine Mädchen in ihrer malerischen Rlltagstracht, wobei die Kleinen vor Stolz und Scham erröteten und sich verlegen am Rock zupften. Um 6 Uhr traten wir den Rückweg an. Das Rbendrot legte sich bereits auf die Landschaft. Die Felsnase an der Schlucht von Phyle wurde tief rot, über alle Berge lief die Rbendfärbung, während die Dämmerung sich der Ebene bemächtigte. Die albanesischen Bauern kamen vom Felde und aus Rthen, in ihren Karren ausgestreckt, während Maultiere und Esel, des Feierabends froh, nach Hause liefen, vom Brunnen kamen die Mädchen mit ihren Tonnen und Tonkrügen, und Herr (9. jauchzte mehr als einmal über eine stolze Gestalt, die an uns vorllb-rging. Das Rbendwerden geht in Griechenland schnell vor sich. Rls wir im schnellsten Tempo nach Daphni kamen, war es schon dunkel und 1'/- stunden fuhren wir so im Dunkel dahin. In der Ferne glänzte Rthen mit unzähligen Lichtern, ebenso der Piräus, wir aber sangen bis an die Stabt zweistimmia heimatliche Volkslieder. Rllgemack aing die Lternenwelt auf. Der Wagen stand auf dem Kopf, al; wollte er das am Rordpol Rufgeladene hier wieder ausladen, mäch- tia wandelte der St->rnenriese Grion über den stillen Racht- bimmel. herrlich- Stille und wundersamer Blütenduft um- aaben uns, die Rbendfeier der Natur zog auch in unsere Nerzen ein, erfüllte sie mit Rndacht und stimmte unsern Mund zum Gesänge des schönen Liedes: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren".
Rm griechischen dritten Gstertag des Jahres 1878 fuhr ich mit deutschen Freunden dieselbe Straße auf dem Wege nach Megara. In jener eisenbahnlosen Zeit mußte man, wenn man die Festtänze in den fünf Wagenstunden entfernten Megara sehen wollte, schon um 4 Uhr aus den Federn und um 5 Uhr früh im Wagen sitzen. In der eleusinischen Ebene stand das Getreide zum Schneiden reif. Ledige Esel und Pferde, des Festtags froh, freuten sich an den Erstlingen des Feldes. Es schwirrte einem unwillkürlich durch den Kopf: „Windet zum Kranze die goldenen Rohren!" Eine kurze Rast in Eleusis benutzten wir, um in einer verfallenen Feldkapelle die
Reste des Triptolemostempels aufzusuchen, unter denen 1159 das jetzt im Museum zu Rthen aufbewahrte und geborgene berühmte eleusinische Relief gefunden wurde, das in erhabener Schlichtheit den mythologischen Rnlaß der eleusinischen Mysterien darstellt. Demeter kommt auf der Suche nach ihrer durch Pluto ihr geraubten Tochter Persephone unerkannt nach Eleusis, findet im Hause des dortigen Königs in ihrer mütterlichen Trauer und Verzweiflung freundliche Rufnahme. Das Relief stellt dar, wie Demeter zum Dank für die empfangene Gastfreundschaft dem Sohn des Königs, Triptolemos, das Saatkorn in die Hand legt, während Persephone ihm den Kranz auf die Locken drückt. So ward die Göttin Demeter (Mutter Erde) die Stifterin und Triptolemus der Rpostel des des Rckerbaus, durch den die Menschen erst zu geordnetem Zusammenleben befähigt wurden. Rach halbstündiger Rast setzten wir unsern Weg fort, umfuhren die Rnhöhe mit dem fränkischen Turm und folgten der Straße, die zuerst sich nach dem Meere zu senkt und dann ansteigend in etwa 50 Meter höhe an den Karatabergen entlang läuft, nach der Meerseite durch Mauern gesichert, hernach senkt sich die Straße wieder dem Meere zu in Windungen, die bald diesen, bald jenen Teil des reichgegliederten Uferlandes den Blicken entzog oder wieder hervorzauberte. Ueber die blaue Wasserfläche suchte das Rüge immer wieder die Insel Salamis mit ihren vielgestaltigen Kuppen, deren ungewohnte Rückseite sich hier dem Beschauer darbot. Rls wir die Grenze von Rttika überschritten hatten und auf das Gebiet der alten Megaris kamen, fuhren wir fast ununterbrochen bis zur Stadt im Delwalde. Rach der Landseite sah man noch immer den Bergzug der Kerata und den romantischen Kandilipaß, in dessen Mitte ein einsamer schroffer Fels emporragte, fast in Gestalt eines Kandili, eines Leuchters. Rach fünfstündiger genußreicher Fahrt langten wir in Megara an. Die Stadt Megara liegt zwischen zwei Bergen, ist entsetzlich eng gebaut. Ueberall in den Häusern sind die alten Quadersteine vermauert, au; denen vielleicht die jene beiden Berge krönenden Rkropolen (Burgen) Rlkathoa und Karin gebaut waren.
(Fortsetzung folgt.)
Sin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Man sagt: Glück muß der Mensch haben, und Glück, großes Glück hatte ich jjn diesem Rbend. Ich saß eine geraume Weile in dem Wohnzimmer der Familie Heinz, sprach mit den Rnwcsenden von dem Brande und von anderen Tages- neuigkciten, da ging die Ladenklingel, und eine Stimme, die mein Herz rascher Klopfen machte, sagte: „Guten Rbend, Herr Heinz, ich möchte für morgen zehn Pfund Seife bestellen, und dann geben Sie mir auch noch einen Liter Petroleum!"
„Rch, das ist ja die Lina," rief Frau Heinz, ließ das Messer, mit dem sie Gurken schälte, fallen und riß die Tür auf, die zum Laden führte.
„Guten Rbend, Lina," rief sie dann hinaus, „kommen Sie doch einen Rugenblick zu uns herein!"
Freundlich grüßend trat das Mädchen ein. Lina war genau so gekleidet wie am vorausgegangenen Tage, und mir war cs, als ob mit ihrem Eintritt in das Zimmer dieses sofort an Helligkeit gewonnen habe. Ich wurde vorgestellt, unbefangen reichte mir das Mädchen die Hand und sagte: „Sie haben gestern abend so schön geholfen, die Frau Erlewcin


