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denen, die seinen Lund und Zeugnisse halten. Darum wollen wir in der Kraft des Glaubens aushalten, bis unser Gott sich uns wieder erbarmt mit großer Güte und Barmherzig­keit, bis die Wetterwolke des Krieges nicht mehr über uns steht, bis uns der freundliche Friede wieder geschenkt ist und wir erkennen, daß auch aus dieser schweren Prüfungszeit eine heilsame Frucht für unser Volk hervorgewachsen ist.

_ £) B.

/ 3m Uriegslazarett zu Gießen.

Das waren böse Ltunden, die uns der 25. und 26. fluguft brachten, klm klbend des ersten Tages kamen Gerüchte, die 115er und 116er hätten in der für die deutschen Truppen siegreichen Lchlacht bei Neufchateau schwere Verluste erlitten. Sie seien durch die Hinterlist eine; Priesters, der ihre Rn- wesenheit durch das Läuten der Glocke anzeigte, den Fran­zosen verraten worden und hätten nun einen regelrechten Ueberfall zu bestehen gehabt, in dem die Maschinengewehr­abteilung des Gießener Kegiments und ganze Bataillone ver­nichtet worden seien. Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, daß die ersten verwundeten au; unserem Grle bereits in Gießen angekommen seien und sich teilweise in ganz entsetz­lichem körperlichem Zustande befänden. Tiner sei durch den Leib geschossen, der andere, ein aus einem Ltädtchen des nörd­lichen Gberhessen stammender Bäckerbursche, liege bereits in den letzten Zügen. Der dritte, der Lohn einer Witwe, sei so zugerichtet, daß man eS gar nicht mit Worten beschreiben könne. Tin vierter endlich werde vermißt. Die Folge dieser mit großer Bestimmtheit auftretenden Behauptungen war na­türlich allgemeine Bestürzung. Bedauern mit dem Zustand der Dpfer mischte sich mit der Tntrüstung über den feigen verrat, klber all das konnte die vorliegenden betrübenden Tatsachen nicht ungeschehen machen, und schließlich brach auch die Freude und der Ltolz darüber durch, daß die Hessen ihren alten Waffenruhm in glänzender Weise erneuert und ihre bereits in der Lchlacht bei Gravelatte entfalteten Kampfes- tugenden aufs neue hätten leuchten lassen.

Der Mittwoch ging in banger Ungewißheit dahin, klm klbend machte ich mich auf, um in den von dem Unglück be­troffenen Häusern Tinkehr zu halten. Die Witwe war an dem Tage in Gießen gewesen und hatte dort ihren Lohn nicht ge­funden. Buch darüber, wie das Gerücht von seiner schweren Verwundung zustande gekommen war, hatte sie nichts in Trfahrung bringen können. Ln dem zweiten Hause wurde mir bereits die Franzosenkugel mit dem Kupfermantel ge­zeigt, die dem Lohne die kleine Zehe weggerissen hatte und in dem hohlraume des Stiefels stecken geblieben war. Ln dem dritten Hause, demjenigen des als vermißt gemeldeten, sah es trostlos aus. Die Mutter lag, vom Jammer entkräftet, im Bett, klm Tisch saß, die klrme aufgelegt, mit lang hängen­den blonden Zöpfen das zwölfjährige Lchwesterchen und schlief fest. Der Vater teilte mir tiefbekümmert mit, daß seine heutigen Trkundigungen nach dem verbleib seines Lohnes erfolglos gewesen seien. Da war es gar schwer, Trgst zuzu­sprechen. klber alle Familienglieder waren einig in der kln- sicht, daß es ihnen lieber wäre, die Gewißheit des Todes des Lohnes in Händen zu haben, als ihn in der Ungewißheit des Vermißtseins zu wissen. Line geringe Beruhigung fand der Vater in der Mitteilung, daß er dem Lohne einen Revolver mitgegeben habe mit der Weisung, ihn, wenn er in Gefangen­schaft geraten sollte, gegen sich selbst zu richten.

8o wurde denn am Donnerstag mit schwerem Herzen der Weg nach dem Lazarett angetreten. Uber, o Wunder!

Der (Ort, den sich die bedrückte Phantasie als eine Stätte des Grauens und der Klage vorgestellt hatte, zeigte nicht den geringsten Lchimmer davon. Ueberall an den Betten Gruppen heiter plaudernder und ihre Trlebnisse austauschender Men­schen. Man konnte es sich gar nicht denken, daß die friedlichen, in liebevollem Gespräch mit den verwandten und Freunden versunkenen Menschen wenige Tage vorher wie die Teufel in den Feind hineingerast waren und Tod und verderben um sich gespien hatten. Die einzige Klage, die man von ihnen hörte, war die, daß ihre Verwundung es ihnen unmöglich gemacht hatte, den Lchlachttag bis zum Tnde mitzumachen. Im Nebensaal liegt der am Fuß verletzte in ausgezeichneter Leelenstimmung. In seiner unmittelbaren Nähe sind gute Bekannte aus Nachbardörfern. Bis auf einen haben sie alle Fuß- und Rrmverletzungen. Nur dieser trägt ein Pflaster am hintcrkopf. Ts bedeckt eine Wunde, die er beim Niederlegen in der Feuerlinie erhielt, als er den Kopf nicht tief genug hinter die Deckung senkte. Wahrscheinlich hatte der Helm die Kraft der Kugel so stark abgeschwächt, daß sie dem Kopf keinen weiteren Lchaden mehr zufügen konnte.

von den Lchweroerwundeten ist nichts zu sehen. Niemand weih etwas von ihnen. Jeder war nach seiner Verwundung mit den eigenen Rngelegenheiten so beschäftigt gewesen, daß er unmöglich genaue klngaben über den verbleib von so und sovielen Kampfgenossen machen konnte.

Mit Dank im Herzen und dem Wunsche, daß die dort befindlichen Tapferen bald wieder den Grt ihrer Krankheit geheilt verlassen mögen, scheide ich von ihnen und muß be­kennen, daß wenn sich die Greuel des Krieges niemals in abschreckenderer Gestalt zeigen würden, als ich sie hier gesehen habe, die Kunde von ihnen bald nur noch als ein Märchen ihr Leben fristen dürfte.

Das über Erwarten frohe Bild bekam auch noch auf dem Heimwege einen geradezu erheiternden klbfchluß. Ts wurde von einem gefangenen Franzosen erzählt, der seine Tr­lebnisse auf dem Kriegsschauplätze in folgender derjenigen Täsars kaum nachstehenden knappen Kürze zum besten gab: ,,prussiens nicht gesehen bumm bumm - täterätä Hurra, Hurra, Hurra gefangen." K. G.

Gin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Da war es das erste, daß man den Burschen in das Bad brachte, ihn gründlich abseifen ließ und dann nach seiner Einkleidung seine Zivilkleidung verbrannte. Im Dienste war er recht anstellig, er erheiterte die Kompagnie durch tausend Lchnurren, die er von seinem Landstreicherleben her wußte. Dabei war er so xin halber Zirkuskünstler, er stellte ein Bajonettiergewehr mit dem Kolben aus die breit und kräftig entwickelte Unterlippe und ging damit im Mann­schaftszimmer auf und ab. Rls ich mit ihm auf Fort heilig­kreuz auf Wache war, stellte er den Helm mit der helmspitze auf die Unterlippe und marschierte damit die vielen Treppen hinunter, die vom Glacis in das Innere des Forts führen. Ueberhaupt konnte man ihn auf der Wachtstube gebrauchen, weil er für die langweiligen Ltunden, die man in dem dun­stigen Raume zubrachte, ein heiterer Gesellschafter war. Ruf der Gautorwache gab er sich einmal damit ab, Mäuse, die hinter der Pritsche ihr Wesen trieben und leise hervorkrochen, um Brotkrumen zu suchen, mit der Hand zu fangen. Ich sehe ihn heute noch unbeweglich in dem finsteren Winkel stehen und dann mit rascher Hand auf das kleine Nagetier zu-