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fahren. Tr wollte sogar der Maus den Kopf abbeißen, falls die übrige wachtmannfchaft bereit fei, ihm 50 pfg. zu spendieren, aber ich untersagte ihm als wachthabender diese Rrt des Gelderwerbs, worauf er die Maus in seine Patronentasche steckte. Schmutzig blieb er allerdings, so lange er in der Kompagnie stand. Tr war imstande, mit rostigem Seitengewehr und ungeputzten Knöpfen anzutreten. Manchmal kam es vor, daß ich vor dem Rntreten den schmutzigen Burschen im Mannschaftszimmer noch abbürstete, damit mir der Leutnant nachher nicht sagen sollte: „Gefreiter wiltinger, sehen Sic sich einmal diesen Mann an, der Kerl sieht aus wie ein Stromer!"
Ts war kein anstrengendes Manöver, mit dem mein zweites vienstjahr beschlossen wurde, und die Tsuarliere waren durchweg gut. Tin sonderbares Zusammentreffen war es, daß meine Kompagnie auf zwei Tage nach Stein-Bockenheim kam, wo ich acht Jahre zuvor Knecht gewesen war. Sch kam in das Tsuartier zu einem Taglöhner, der mich freundlich aufnahm. Mein erstes, nachdem ich meine Sachen geputzt hatte, war, daß ich meinen früheren Dienstherrn,, den Wilhelm Hinkel, besuchte.
Sch fand ihn in seinem Hofe, wo er den bei ihm einquartierten Soldaten zusah, wie sie ihre Gewehre reinigten. Breiter war Herr Hinkel noch etwas geworden, aber natürlich auch älter, sein dunkelblonder Bart fing an, sich grau zu färben. Der kräftige Mann war so recht das Bild eines gediegenen Landwirts. Ruch die kurze Pfeife, von der sich in der Pfalz und ihrer Nachbarschaft ein Bauer nur dann trennt, wenn er krank ist, hatte er im Munde.
„Guten Tag, Herr Hinkel, wie geht';?" Mit diesen Worten trat ich auf meinen früheren vienstherrn zu und reichte ihm die Hand.
Sprachlos sah er mich an.
„Herr Hinkel, Sie kennen mich nicht mehr?"
„Nein, ich kenne Sie nicht."
„Sch bin der Nuppertsecker Peter, der vor acht Jahren bei Shnen gedient hat."
Da nahm Herr Hinkel die Pfeife aus dem Munde, ehrliche, aufrichtige Freude zeigte sich auf seinem Gesichte, er legte mir die Hand auf die Schulter und sagte: „Peter, du bist das? Ti, du warst ja früher so dünn wie ein Nähfaden, und jetzt bist du ein Mann, größer und beinahe auch breiter wie ich."
vor lauter Freude brachte Herr Hinkel seine Hand gar nicht von meiner Schulter weg. Dann nahm er mich mit in das Wohnzimmer und rief seine Frau herbei. Beide ruhten nicht, bis ich mich ausquartiert hatte und zu ihnen gekommen war. Sch bekam ein Zimmer in dem oberen Stocke des Hauses allein für mich und wurde bewirtet, als ob ich ein Prinz sei. Mehr als einmal sagte Herr Hinkel: „Peter, das kann ich gar nicht vergessen, daß du mir damals das Leben gerettet hast, als der Karl, der Feiglappen, dich allein im Walde gelassen hat."
Sch fragte, wo der Karl jetzt sei und was er treibe.
„Der wohnt in Tiefenthal und schneidet im Wald Dornen für die Kreuznacher Salinen. Lr hat ein Häufchen Kinder und fürchtet sich vor den Gespenstern noch mehr als früher."
„Und was macht der Tckelsheimer Valentin, der nach dem Karl in Shr Haus gekommen ist?"
„Dem geht es gut, der hat eine vermögende Witfrau geheiratet und wohnt jetzt in Pleitersheim, ich glaube sogar, daß sie ihn dort in den Gemeinderat gewählt haben."
Nun wußte ich, wie sich der Lebenslauf meiner einstigen Mitknechte gestaltet hatte. Der bescheidene und tüchtige der
beiden war in die höhe gekommen, aus dem Prahlhans war nichts rechtes geworden, der fristete sein Dasein als armer Mann.
Daß die Rnmaßenden und Dreisten, die sich zugleich nicht scheuen, den hilflosen zu nahe zu treten, im Leben nicht die besten Trfolge erzielten, davon sollte ich an diesem Tage noch ein weiteres Beispiel erleben. Für meine Kompagnie war um 5 Uhr Gewehrappell angesetzt. Sch ließ meine Korporalschaft an der Kirche anlreten, sah die Gewehre nach und fand, daß sogar mein Unsicherer diesmal geputzt hatte. Dann marschierte ich zum Rppellplatze ab, wo Herr Hinkel, der für militärisches Treiben Snteresse hatte, mit vielen Männern und Burschen aus dem Dorfe schon stand. Unter ihnen gewahrte ich mit raschem Blick meine Peiniger, den Maurer, der mich damals bei der Tanzmusik schwarz gemacht hatte, und einige andere von denen, die es damals immer darauf abgelegt hatten, mich zu foppen. Rls ich mit meiner Korporalschaft in festem Tritte anmarschierte, hörte ich, wie Herr Hinkel zu dem Maurer und dessen Freunden, indem er mit der Pfeifenspitze nach mir hindeutete, sagte: „Da, guckt hin, das ist der Peter aus Ruppertsecken, der bei mir Knecht war und den Shr mir nicht in Ruhe gelassen habt, heute wird sich keiner von euch mehr unterstehen, ihn zu ärgern."
wie die Kuh das neue Scheuertor, so sahen meine Gegner von ehedem mich an. Sie hatten die Schirmmütze tief in das Gesicht gezogen und ließen vor lauter Staunen die Unterlippe herabhängen. Besonders der Maurer bot einen kläglichen Rnblick dar, sein Gesicht war ganz blau, ein verwilderter Bart hing ihm über die Lippen und Kinn herab, die Kleidung war schmutzig und vernachlässigt. Herr Hinkel sagte mir am Übend, daß der Maurer ein Branntweintrinker geworden sei. wie hatte sich da; Blatt gewendet! vor acht Jahren war ich diesen ungezogenen Menschen gut genug, daß sie ihren Mut an mir kühlten, sie verspotteten mich, weil ich ein armer Junge war und einfache Kleider trug. Nun sahen sie mich als rüstigen, jungen Mann, der dem Kaiser diente und über andere schon zu befehlen hatte. Bescheiden traten sie zur Seite, wenn ich mich in diesen beiden Tagen in ihrer Nähe blicken ließ.
(Fortsetzung folgt.)
Meine Mitteilungen.
wohl in keiner Stadt ist der Straßenlärm so groß wie in Gießen und zwar nicht der Lärm, den der Verkehr verursacht, sondern der Lärm, den die Menschen machen, viele unserer jungen Leute scheinen das Bedürfnis zu haben, sich nach Rrt kulturloser Rfrikaner zur Nachtzeit auf den Straßen gehörig auszuschreien, was man hier in Sommernächten hören muß, das kommt anderwärts kaum vor: wildes Brüllen, als ob jemand in der größten Lebensgefahr wäre, ungefüges Singen, das auf jeden, der das noch nicht gehört hat, einen ungemein widerwärtigen Tindruck macht. Rlle diese Schreier denken nicht daran, daß es doch auch hier bei uns alte, kranke, abgearbeitete und sorgenvolle Menschen gibt, die der Nachtruhe dringend bedürfen, und kleine Kinder, die angstvoll au; dem Schlafe fahren, wenn auf der Straße gegen die Türen geschlagen und mit Stöcken an Rolläden und Staketen Lärm gemacht wird.
Nun ist ja seit dem Rusbruch des Krieges der nächtliche Straßenlärm verstummt, aber der Lärm am Tage, besonders in den frühen Morgenstunden, hat nicht nachgelassen. Tine Plage in Gießen ist das gräßliche pfeifen auf den Straßen. Die, die diesen Lärm machen, sind außer Schulknaben zumeist


