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in jeder Beziehung zu sorgen. Unsere Gebete begleiten euch in den Kampf. Ihr steht unter dem Schutze des killmächtigen, einem jeden gilt, was der fromme Dichter sagt: Es Kann mir nichts geschehen, als was er hat ersehen und was mir selig ist. Wir alle rufen: Jesu, hilf siegen, du Fürste des Lebens, Herr unser Gott, laß uns nach dem Streit wieder die Seg- nungen des Friedens zuteil werden, leite uns nach deinem Uat und nimm uns endlich mit Ehren an!
Und wenn die Welt voll Teufel war Und wollt uns gar verschlingen,
So fürchten wir uns nicht so sehr,
Es muß uns doch gelingen.
Umen. h. B.
Lin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Da ich 1.80 Meter groß war, so Kam ich in die Leib- Kompagnie, wie in den hessischen Regimentern die erste Kompagnie genannt wird. Unter den Rekruten fanden sich allerhand Leute zusammen. Don dem Elsässer Sebastian Schierk, der nicht „schriewe", aber auch nicht lesen konnte, habe ich schon im Eingang meiner Rufzeichnungen geredet. Rber wenn er auch Rnalphabet war, so war er doch, wie ich gelegentlich aus seinen Papieren sah, einigemale wegen Körperverletzung vorbestraft. Trotzdem wurde er ein ganz guter Soldat, namentlich war er ein ausgezeichneter Schütze. Die Unteroffiziere meinten auf dem Schießstande, er habe sich diese Fertigkeit beim Wildern in seinen heimatlichen Wäldern angeeignet. Der Hauptmann, der ihn später zu seinem Pferdeburschen machte, meinte, der Sebastian Schierk werfe die Theorie, daß die Intelligenz den guten Soldaten mache, über den Haufen. Neben diesem dummen Rekruten gab' es aber viele, die sehr „hell" waren: Mainzer Buben, die mit allen Hunden gehetzt waren, rheinhessische Bauernsöhne, Wormser Fabrikarbeiter und Niersteiner Winzer, auch einige Norddeutsche, die sofort durch ihre scharf akzentuierte, auch die Endsilben berücksichtigende Sprache auffielen.
Der Dienst war im Rnfang „nichts Genaues", wie es in der Soldatensprache heißt. Der „langsame Schritt" und das „Griffekloppen" sind nun gerade keine erheiternde Beschäftigungen, aber ich war jung und, wie es beim Militär weiter heißt, „keine krummen Knochen hatte ich nicht". Unser haupt- mann, der in militärisch-knapper weise zu reden pflegte, sagte manchmal, wenn er beim Rekrutenexerzieren zugegen war: „Gut das, der Wiltinger!" von meinem Musikantenleben her war ich auch nicht verwöhnt, das Kommißbrot schmeckte mir recht gut, namentlich mit den Zutaten, die die Mutter treulich sandte.
Rls die Rekrutenausbildung zu Ende war und wir zu den „alten" Mannschaften kamen, begann für uns auch der Wachtdienst. Ruch der war in der großen Festung „nichts Genaues". Meinen ersten Posten stand ich im Mainzer Rrrest- hause. von der hauptwache neben dem Dom wurde dieser Posten gestellt. Durch mehrere verschlossene Türen wurde man hindurchgeführt, dann gelangte man in den Hof, auf den hohe Mauern und Fenster, die mit Gitter versehen waren, her- nicdersahen. Rn den Hof schloß sich ein schmaler Gang an, der links von einer hohen Mauer, rechts von dem Gefängnisgebäude begrenzt war. hier, so erzählte man sich auf der Wachtstube, sei die Stelle, an der die Gefangenen ihre ver
suche machten, auszubrechen. Ich paßte dort scharf auf und sah nachts im Schein des Mondlichtes oft hinauf nach den kleinen Fenstern, die sich in beträchtlicher Höhe befanden, mit dem Entschlüsse, wenn einer dort droben seinen Kopf zum Fenster Herausstrecke, sofort das Seitengewehr aufzupflanzen und es dem Rusbrecher warnend entgegenzuhalten. Rber es rührte sich nichts, keiner machte den versuch, eigenmächtig die goldene Freiheit zu gewinnen. Es waren dort ja auch nur Leute untergebracht, die kurze Strafen zu verbüßen hatten. Deshalb wohl herrschte auch unter ihnen gerade keine verzweifelte Stimmung. Rbends, als die Gefangenen im Ejofe in einer Reihe antraten, um ihre Schuhe zu putzen, hörte ich einen von ihnen leise vor sich hinsingen: „Ich bin so kitzlig, ich bin so kitzlig, ich war noch niemals so kitzlig wie heute."
Wenig schön war der Rufenthalt in der Wachtstube. vielleicht alle vier Wochen wurde dort einmal ausgelüftet, der Gfen glühte und brachte Kohlendunst in den stickigen Raum. Rn der Wand hingen die schweren Wachtmäntel, die die Posten in der strengen Winterkälte anzogen, Mäntel, die bis zur Fußspitze reichten und ein ungeheures Gewicht hatten. Rn dem kleinen Tische saß beim Schein einer Petroleumlampe der wachhabende Vizefeldwebel und schrieb die für die Kommandantur bestimmten Meldungen. Ruf der Pritsche lagen schnarchend die Leute, die nicht gerade auf Posten waren. Das war ein schlechtes Schlafen auf dem harten Holze, man durfte das Seitengewehr nicht ablegen und die schweren Stiefel nicht ausziehen und mußte den Helm unmittelbar neben sich stehen haben. War man dann richtig eingeschlafen, um vielleicht von der Heimat zu träumen, so schrie auf einmal draußen der Posten vor Gewehr mit markerschütternder Stimme : „Raus!" Da richtete man sich mit einem Rucke in die höhe, schaute einen Moment mit verglasten Rügen um sich, dann sprang man von der Pritsche auf, stülpte den Helm über das kurz geschorene Haupt und stürzte hinaus an den Gewehrständer, vor dem in geringer Entfernung der Rondeoffizier stand, angetan mit der Schärpe. Der Wachhabende kommandierte: „Stillgestanden! Das Gewehr über! Rchtung! präsentiert das Gewehr!" und machte die vorgeschriebene Meldung. Dann wurde weggetreten, und abermals konnte man sich auf der Pritsche seinen Träumen überlassen, bis es Zeit war, wieder auf Posten zu ziehen oder einen Posten aufzuführen.
Die Posten draußen im Festungsgelände waren mir lieber als die im Innern der Stadt. Man hatte doch frische Luft, wenn man an den Pulvermagazinen und Munitionsschuppen stand oder die Rußenforts zu bewachen hatte. Nachts vertrieb ich mir damit die Zeit, daß ich auf das Schlagen der Turmuhren acht gab. Bei Tage hörte man ihren Schlag nicht, aber nachts war es interessant, die Hellen und dumpfen Töne der vielen Mainzer Kirchenglocken von Viertelstunde zu Viertelstunde zu vernehmen. Im Sommer hatte ich allerdings immer ein unbehagliches Gefühl, wenn ich an einem Pulvermagazin stand' denn auf der Wachtstube und in der Kaserne hieß es immer: „Wenn es ein Gewitter gibt und der Blitz einschlägt, dann fliegt nicht nur das Pulvermagazin, sondern auch der Wachtposten in die Luft, und es geht wie im Jahre 1857, da ein österreichischer Korporal aus Groll über Nichtbeförderung sich und den Pulverturm auf dem Kästrich in die Luft sprengte, so daß die Fensterscheiben der ganzen Stadt entzwei sprangen."
(Fortsetzung folgt.)


