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Griechische Reisen und Sommerfrischen.

von Geh. Gberkonsistorialrat E). w. petersen in varmstadt.

(Fortsetzung.)

Nun ging es wieder hoch zu Noß 5parta zu. Je tiefer wir kamen und je mehr wir dem Gebirge den Nucken kehrten, um so herrlicher stand der Taggetos in seiner ganzen maje­stätischen Größe da, mit gewaltigen, waldumrahmten Spitzen und weißen und rötlichen Rbhängen, die zum Teil wandsteil zur Ebene abfielen. Tiefe Schluchten zogen sich in diese Fels- massen hinein, wohl alle in der Rrt der Langada, zwischen je zwei Schluchten immer eine hohe Bergkuppe, wie als Ver­schluß. So zählte ich deren fünf nebeneinander, vor einer lag auf einem verg die vurg von Misträ und den Rbhang hinab die alte verlassene fränkische Stadt mit Kirchen und Häusern, alles scheinbar menschenleer. Linst baute diese Stadt lvilhelm villehardouin, sie ging aber schon nach fünfzig Jahren den Franken verloren, und die Byzantiner machten sie zum Stütz­punkt ihrer Herrschaft, bis sie 1460 türkisch wurde und mit geringen Unterbrechungen es bis 1687 blieb, wo die vene- tianer sich hier festsetzten, um hernach wieder den Türken zu weichen, die ihrerseits im Befreiungskrieg den Griechen die verwüstete Stadt überlassen mußten. Die neue Regierung ver­legte die Hauptstadt Lakoniens auf den alten voden von Sparta. Die 6Z4 Meter hochgelegene fränkische vurg, und die alten Kirchen leuchten in die Ebene hinein.

Zu einem Rbstecher nach Misträ reichte die Zeit nicht. Mir näherten uns durch den Delwald Sparta. Meiches Grün und welche Wasserfülle überall! Um Fuße des Gebirges ent­springen eine ganze Reihe nie versiegender Duellen, die die zahlreichen von Dleander umrahmten Räche speisen, die durch die Ebene dann Eurotas zustreben. Kein lvunder, daß hier eine üppige südliche Vegetation ist, üppige Haine mit allen Urten von Fruchtbäumen verhanden sind und Felder mit Saftfrüchten von zum Teil märchenhafter Größe.

Das moderne Sparta mit seinen etwa 4000 Einwohnern ist ein elendes Rest, das die durch den Iveltruhm Spartas hochgespannten Erwartungen enttäuscht. Die antiken Reste sind geringfügig. Thukydides hat Recht, wenn er in seiner Geschichte des peloponnesischen Krieges sagt: ,,lvenn die Stadt der Lakedaimonier verödet würde und nichts übrig bliebe als die Heiligtümer und die Plätze der Rauten, so würde man, meine ich, nach Verlauf einer langen Zeit den Ruhm der Stadt wegen ihrer Macht ganz unbegreiflich finden, obgleich s /5 des Peloponnes ihr gehören, und ihre Hegemonie über die ganze Halbinsel und weit über dieselbe hinaus ausgedehnt ist." Man darf nicht vergessen, daß Sparta durch lebendige Mauern geschützt sein wollte. Die hervorragendste unter den kleinen Ruinen ist das sogenannte Grabmal des Leonidas, unter den größeren antiken Resten das aus dem Felsen heraur- gearbeitete Theater.

Gegen 4 Uhr nachmittags ritten wir in die breiten, mit dem Lineal gezogenen Straßen Spartas ein. Ein telegraphisch benachrichtigter Kaufmann hätte für uns einen Magen bereit haben Jollen, hatte denselben aber in seiner Dummheit nach der Hafenstadt Gythaion geschickt, wohin wir ja gerade fahren wollten Das gab Rerger. Mir speisten in Eile und setzten uns dann in einen schnell gemieteten Magen, und fort ging es auf schnurgerader Straße nach Süden, immer rechts dem sich 2200 Meter über der Ebene erhebenden Taygetos, der in Form zweier hintereinander aufsteigender Ketten erscheint, ob­gleich es in der Tat nur eine einzige ist. Die 500 Meter hohe steile Randstufe aus Kalkstein stellt sich täuschenderweise als losgelöste vorkette dar, hinter der sich erst der gewaltige Hauptkamm erhebt. Gerade über dieser Randstusc sind ange­

baute Fluren und volkreiche Dörfer. Ris zu 2000 Fuß höhe gedeihen da noch Mein und Gbst, dann bis zu 5500 Fuß Lichen, Rußbäume, Kastanien, Zypressen, darüber hinaus Mat­ten und Tannen und endlich die höchsten Gipfel, auf denen 8 Monate im Jahre der Schnee liegt. Ris 7 Uhr, solange es noch Tag war, hielten wir uns wach. Da wurde eine Stunde halt gemacht,' die ganze Magenfahrt nach Gythaion erfordert fünf Stunden. Unsere Meiterfahrt ging ins Dunkel hinein und nach dem langen anstrengenden Tag verlangte die Natur ihr Recht. Man sah nichts mehr von der Gegend, die man durchfuhr. Die Köpfe der vier Schläfer gerieten öfters miteinander in unsanfte Berührung, und als wir einmal er­wachten, wurde entdeckt, daß mein Strohhut über die Kante gegangen war. Es blieb mir nichts übrig, als mir ein Taschen­tuch um den Kopf zu binden, und ich habe die folgende Dampfschiffahrt in der Reisemütze eines Reisegenossen gemacht. Endlich um 1 / 21 1 Uhr kamen wir nach Gythaion. Im Dunkel stritten sich allerhand Kerle um unser Gepäck, und der Polizei­direktor mußte sich ins Mittel legen. Endlich saßen wir im 600 t und kamen an Bord derhermupolis", wo wir bald im tiefsten Schlafe lagen, der nur durch den mit jeder Rb- fahrt verbundenen Lärm um Mitternacht kurz gestört wurde.

Rls wir am nächsten Morgen um 6 Uhr aufwachten, lagen wir im Hafen von Kythera (Eerigo). Der hafenort hagios Rikolaos mit seinen weißen Häusern, den Kirchen und Klöstern auf den Bergen, sah gar freundlich aus. Unseres Bleibens war übrigens nicht lange, es ging hinaus in die See gegen Kap Maläa zu. Ein steifer Nordwind wehte, und die See ging hohl. Da wurde es denn dreien von uns schlecht zu Mute. Der Sekretär wollte oben, der Baumeister unten sein ganzes Innere zeigen, und ich war den ganzen Tag wenn auch nicht seekrank, so doch seeunwohl. Doch sah ich oben auf Deck die Küste des Peloponnes. Gegen l l Uhr kamen wir nach Monemoasia, einer Festung mit mittelalterlichen Mauern und Türmen, an einem Berg hinaufgebaut. Einst gründete hier eine Schiffsmannschaft aus dem argolischen Epidauru; ein neues Epidauros und ein Rsklepiosheiligtum. Bis in die Rn- fänge des Mittelalters war der lvrt bewohnt, als aber die Einwohner von der Landseite her durch Rvaren und Slawen bedrängt wurden, gründeten sie auf der Insel Remöa, die vom Ufer vorspringt und durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, eine Felsenstadt. Megen ihrer Zugänglichkeit nur auf einem Mege hieß sie Monemoasia. Sie wurde Schutz­verwandte des byzantinischen Reichs, schlug 1147 die Nor­mannen zurück, fiel in villehardouinr Hände, widerstand aber im 17. Jahrhundert allen Rngriffen. Erst nach 1770, dem Jahr des verunglückten, von den Russen angezettelten Ruf- standes, wo die Einwohner sich auf die Inseln des Rrchipels zerstreuten, verlor die Stadt ihre Bedeutung, ihr Name aber hastet noch heute dem meist dort gebauten feinen MeinMal­vasier" an. - (Schluß folgt.)

Kleine Mitteilungen.

In der evangelischen Gemeinde Gießen ist eine Kriegs- betstunde eingerichtet worden, die abwechselnd in einer der bei­den Kirchen jeden Mittwoch abends um 8 Uhr stattfindet. Rus demGießener Rnzeiger" wolle man jeden Freitag ersehen, in welcher der beiden Kirchen die nächste Betstunde ist.

Rußerdem sollen für solche, die in dieser schweren und unruhigen Zeit nach innerer Sammlung verlangen, versuchs­weise jeden Samstag abends um 7 Uhr unsere beiden Kirchen geöffnet werden. Mährend dieser Zeit soll Grgelspiel statt­finden, am Schlüsse wird ein Bibelabschnitt verlesen werden. Jedermann kann kommen und gehen, wie es ihm gerade be­liebt. Um 7»8 Uhr soll das Ganze zu Ende sein.