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Gemeinöeblatt süröie evangelische Kirchengemeinüe

Gieszew

Nr. 32. Gießen, 11. Sonntag nach Trinitatis, 23. August 1914. 3. Jahrgang.

Zur Beachtung.

Da infolge der JMobilmacbung der grösste Ceil unseres Personals zur fabne einberufen ist, so ist es uns leider nicht möglich, denBonntags- gruss" in dem seitherigen Umfange herauszu­geben. Mir müssen uns darauf beschränken, bis wieder rubigereVerbältnisse eingetreten sind, das Blatt in einem um die Rälfte reduzierten Um­fange erscheinen zu lassen.

Verlag desSonntagsgrusses.

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An die Ausmarschierenden.

Ansprache, gehalten bei der Rbendmahlsfeier von Soldaten des 116. Önfanterie-Regimentes zu Gießen in der Johannes- Kirche am 6. Rugust 1914.

I. Kries des Apostels Paulus an die Korinther 16. 13. wachet, stehet im Llauben. seid männlich und seid stark!

Liebe deutsche Brüder im lvasfenkleide!

Line ernste Schicksalsstunde ist für unser geliebtes Vater­land gekommen. Feinde ringsum! das ist die Losung dieser erwartungsvollen Tage. Was wir seit Jahrzehnten voraus- gesehen haben, das ist nun eingetreten: wir müssen unseres Reiches Bestand, wir müssen unsere heiligsten Güter, Haus und Hof, Kultur und Sitte, Gottesfurcht und Glauben, alles, was uns lieb und teuer ist, verteidigen, verteidigen gegen die treulosen Halbbarbaren im Osten, gegen das haßerfüllte, gott­lose Volk im Westen und gegen die neidische, ränkesüchtige Nation jenseit; des Kanals. Lange hat unser Kaiser den Frie­den zu erhalten gesucht, als aber seine Bestrebungen fruchtlos waren, da hat er zum Schwerte gegriffen, zum guten, deutschen Schwerte. Unter seinem Befehle, in seinem Dienste wollt nun auch ihr ausziehen, um dar Vaterland zu schützen. Line schwere Zeit ist gekommen, aber auch eine herrliche Zeit. Das Volk steht auf, der Sturm bricht los. Deutschlands Männer und Jünglinge sind in diesen Tagen zu den Waffen geeilt:

unzählig, stromgleich, ja dem brausenden Meere gleich sind unsere Reservisten herbeigekommen, den Fjut mit Lichenlaub geschmückt, die Rügen blitzend von Mut und Lntschlossenheit, in festem Schritt und Tritt, patriotische Lieder singend, ohne Klage, daß sie von den Öhren haben Weggehen müssen. Män­ner mit grauen haaren und Jünglinge, die kaum der Schul­bank entwachsen sind, treten freiwillig in die Reihen unseres Heeres ein, und wir danken dem ewigen Gott, daß er uns diese herrliche Zeit hat erleben lassen.

Öhr alle, liebe Brüder, wisset, daß ihr einem schweren "ampfe entgegengeht, aber ihr wisset auch, daß ihr für eine gerechte und heilige Sache streitet. Darum wird auch der Herr Zebaoth, der große Schlachtenlenker, mit euch sein, darum wird es euch auch leicht sein, die Mahnung zu erfüllen, die das vorhin verlesene Gotteswort an euch richtet, die Mah­nung: Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark! Stärkung im Glauben begehrt ihr jetzt im heiligen Rbend- mahl. Ts ist dies ein Mahl, voll von Trost und Kraft, ein Mahl, in dem der Herr Jesus Thristus uns die Sündenver­gebung zusichert und den Frieden schenkt, der höher ist als alle Vernunft, den Frieden, der uns auch in der Unruhe der Zeit und im Getümmel des Kampfes nicht verloren gehen kann.

Wer in der Kraft des Herrn auszieht zum heiligen Kampfe, wer voll von Demut und im Bewußtsein, ein gutes Gewissen zu haben, die Heimat verläßt und dem Feinde ent­gegengeht, der zieht auch aus zum Siege, heute vor 44 Jahren Hai das deutsche Heer die ersten großen Siege gegen Frank­reich erfochten, die Siege von Wörth und Spichern, und heute, am 6. Rugust 1914, melden die Zeitungen die ersten Trfolge unserer tapferen, gegen Rußland vordringenden Gstarmee. Öhr, liebe Brüder, wollt der Taten eurer Väter und Kame­raden nicht unwert sein. Öch erinnere euch, die ihr zum größ­ten Teile Söhne des Hessenlandes seid, an das Wort der Schrift, das auf dem Denkmal der hessischen Division am Rande des Bois de la Tusse, auf dem Schlachtfelde von Gravelotte ge­schrieben steht, an das Wort: Öst unsere Stunde gekommen, so wollen wir ritterlich sterben um unserer Brüder willen und unsere Thre nicht lassen zu Schanden werden. Macht euch, wenn ihr auszicht, keine Sorgen um die Lieben, die ihr zurück­lasset. Deutschland sieht es als seine Threnpflicht an, für sie