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zu werden. Kußerhalb des Dorfes kamen wir in einen grünen Wald echter Kastanienbäume, riesiger dichtbelaubter Käume, dann durch die höher gelegenen Weingärten des Dorfes wieder in die freie, hohe Gebirgswelt, welche sich unermeßlich weit in Schluchten, Kergzügen, Kuppen vor uns auftat. Wir waren über 1000 Meter hoch, immer höher ging es durch prachtvollen Nadelwald, der einige der Gefährten an das Niesen- gebirge erinnerte. Unter dem Walddach rauschten reiche, frische Ouellen. Endlich hatten wir die höhe erreicht und blickten hinein in den Knfang der Langadaschlucht, des Glanzpunktes unserer Reife. Wir hielten an einen Ehani, wo eine alte hexe die Honneurs machte. Ich entledigte mich eines Kleidungsstückes, dessen unheilbar klaffender Niß meinen Neisegefährten schon seit mehreren Stunden billigen Lachstoff geboten hatte und zog eine Neservegarnitur an. Cs wurde dann gegessen und getrunken, was noch an Kesten da war und eine halbe Stunde geruht, worauf der Wirt erschien und Wein aurwarf, den wir mit Mastix erwiderten. Darauf begann die Wanderung durch die Langada, die Pferde trollten ledig voran. Die Schlucht ist nicht durch Erdbeben entstanden, sondern durch Erosion (Kuswaschung). Sie ist von dem mit gewaltigen Kläcken erfüllten Bett eines Trockenbachs durchzogen und senkt sich allmählich nach Osten von 900 auf 400 m. Um dasKachbett steht stellenweise schöner Kaumwuchs: Platanen, Schwarzkiefern, Tannen. Kn den Wänden, die zum Teil fast senkrecht erscheinen, haftete nur Gestrüpp und Schlingpflanzen. Der Weg ist so rauh, steinig und glitschig, daß selbst die Pferde sich nur vorsichtig hinunter tasten, er geht manchmal durch das Kachbett, meistens aber hoch an den Talwänden, bald auf dieser, bald auf jener Seite, die Schlucht spottet aller Keschreibung, im Grunde das wüste Kachbett, an den Wänden wahre Epheu- bäume, deren einen wir auf 50 Meter schätzten, steile Seiten- schluchtcn, tiefe höhlen, oben abenteuerliche spitze Hörner und Kuppen. Ts war ein stets wechselndes Kild. Kald war man unten, bald klomm man an einer Seite auf steilem Pfad über dem schwindelnden Kbgrund in die höhe, wo dann der höchste Punkt von unten wie ein Sprungbrett ins Derderben aussah, aber es ging immer noch weiter. Etwa drei Stunden klommen wir so und hörten in der Ferne das hufetrappeln unserer Pferde wie Froschquaken, dann kletterten wir an einer letzten Enge mühsam keuchend und schwitzend in die höhe. Wasser gab es alle die Stunden nicht. Der Kach klemmte sich durch eine Marmorenge, die schneeweiß zu uns heraufleuchtete, dann endlich öffnete sich uns der Klick in die Eurotasebene. Wie ein weißer Streifen zog sich der Eurotas an Sparta vorüber. Wir kamen zunächst an eine Ouelle mit herrlichem Wasser, wo Mensch und Tier sich satt trank. Tine Diertelstunde später erreichten wir das Dorf Trpgi, reizend auf der höhe gelegen zwischen Gel-, Feigen- und Granatenbäumen, umrauscht und durchströmt von frischen Wassern, mit herrlichem Klick in die Ebene, hier schien der ganze Koden zu quellen. Ueberall Oleander und festliche Menschen.
Erinnerungen eines alten Mannes.
Don Generalarzt a. D. Dr. Otto K a p e s s e r in Darmstadt. >8. Kürgertum und Keligion.
Die Gemeinde N.-5. in Kheinhessen ist in letzter Zeit mehr in der Oeffentlichkeit genannt worden, als manch größere ihrer Krt, und zwar geschieht das wohl weniger wegen gewisser, ungewöhnlicher Ereignisse, wie das jüngst dort stattgefundene Eisenbahnunglück oder wegen des Umstandes, daß der neuerdings vielgenannte amerikanische Milliardär Weperhäuser aus
einer dort eingeborenen Familie heroorging, oder auch, daß vor etlichen Jahren dort die ganze Familie eines Mühlenbesitzers von einer Krt epidemischen Wahnsinns befallen der Obrigkeit förmlich den Krieg erklärt hat, so daß die Kuf- bietung der bewaffneten Macht zur Kewältigung der zur Festung umgewandelten Mühle notwendig wurde, wobei sogar ein braver Krigadier der zu Wörrstadt stationierten Gendarmerie das Leben einbüßte, worauf man die ganze Familie in eine Irrenheilanstalt überführen mußte, vielmehr erregt die öffentliche Kufmerksamkeit der seit Jahren dort tobende Kampf um die Stelle des Kürgermeisters und des Kdjunkten oder Keigeordneten, der mit einer Leidenschaft geführt wird, der an den Kusspruch Julius Eaefars erinnern könnte, der auch einmal im Hinblick auf ein kleines Dorf in heloetien den Kusspruch getan haben soll, er möchte lieber erster in diesem Dörfchen, als zweiter Konsul in Kom sein. Schon einigemal haben dort die Wahlen stattgefunden unter gewaltigen Umtrieben, welche die Leidenschaften in der Gemeinde bis in die Tiefen aufwühlten, aber jedesmal wurde das mit knapper Mehrheit zustande gekommene Kesultat von der unterliegenden Partei oder gar von den unterliegenden Parteien auf dem Prozeßweg, der durch alle Instanzen geführt wurde, wieder umgestoßen, und so stehen bis jetzt noch dort die kurulischen Sessel leer.
Eine solche tiefgehende Zerklüftung und Kbwendung des Einzelnen von der Gesamtheit, der er angehört, kann nicht von heute auf morgen entstanden sein, und es lohnt sich daher, die frühere Geschichte dieser Gemeinde in das Kuge zu fassen. Diese Gemeinde ist so rechf ein redendes Keispiel für die allmähliche Zerfaserung des weiland römischen Kaiserreichs deutscher Nation. Seit dem tiefen Mittelalter wurde dieselbe von einem halben Dutzend reichsunmittelbaren Kdelsfamilien regiert, deren Wappen heute noch an dem Kufgang zum dortigen Kathaus zu sehen sein sollen. Das konnte aber nicht geschehen ohne Keibungen, welche auch auf die Negierten abfärbten. Die Sache wurde aber erst schlimm, als zur Zeit der Nefor- mation die eine Hälfte zur neuen Lehre sich bekannte, die andere aber an der alten festhielt.*)
Da begann nicht der dreißig-, vielmehr der hundertjährige Krieg in der Gemeinde selbst, und es besserte wenig, daß nach vielen Prozessen durch einen Keichsdeputationshauptschluß bestimmt wurde, daß beide Parteien in, ich glaube jährigem Wechsel, zu regieren hätten. Denn jede wollte nur auf der eigenen Geige spielen, und wenn die Katholischen am Negieren waren, errichteten sie auf Gemeindekosten Kreuze und Kltäre an den öffentlichen Wegen, welche dann die nachfolgenden Evangelischen wieder Umrissen; und oft kam es, besonders zur Kirchweihzeit, zu handgreiflichen Kuseinanderfehun- gcn, die sich selbst bis zu gegenseitigen Eigentumszerstörungen steigerten. Erst das Einbrechen der französischen Neoolu- tion machte diesem Hexensabbat ein Ende.
Wie mein Vater 1824, knapp 27 Jahre alt, als Pfarrer von Ingelheim gegen feinen Wunsch in die Pfarrei N.-S. versetzt wurde, hatten sich die Verhältnisse wesentlich gebessert, wozu nicht wenig der Umstand beitrug, daß ein Professor Neeb, ein Ueberlebender der ehemaligen Mainzer Universität, eins der dortigen adeligen Güter mit Haus erworben und
*) 3u den letzteren gehörte auch die einst hochangesehene Sippe der Hunte von Saulheim, von der ein Sprotz es bei dem Kurfürst- Erzbischof zu Mainz zu hohen Ehren gebracht hat als Domherr und ttegierungsmitglied und klnlaß zu der schönen Geschichte von den Mom- bacher Hasen und dem Hunt von Saulheim gab, die im Jahrgang 1913 des^„Sonntagsgrußes" zu lesen ist.


