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wollen arbeiten, daß es in unserem wirtschaftlichen Leben keine Stockung gibt.
Mag auch die Zeit voll von Unruhe sein, noch lebt der alte Gott, der Gott, der die Liebe ist. Tr wird uns nicht verlassen, er wird unseren Waffen den Sieg verleihen und uns nach der Not der Zeit wieder feine Barmherzigkeit zuwenden. Komme, was da will, der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schuh. t). B.
Zur gegenwärtigen tage.
Mahnungen und Bitten.
Schwere und bewegte Tage sind über uns gekommen. Unter solchen Umständen geziemt sich Uuhe und Besonnenheit. Ts hilft nichts, daß man jammert und klagt, hierdurch wird nichts gebessert. So ist es nicht recht, wenn man jetzt zu große Rngst um den Erwerb und um das Geldverdienen bekundet. Im Jahre 1870 hat das wirtschaftliche Leben in Deutschland keine nennenswerte Beeinträchtigung erfahren. Getreide und Feldfrüchte wurden zur gewöhnlichen Zeit nach Haufe gebracht, und Urbeitslofigkeit trat nicht ein. Gerade dadurch, daß jetzt so viele rüstige Urbeiter zum Fjcere einberufen find, haben die Zurückbleibenden ein großes Feld der Betätigung. Gibt Gott, wie es unsere feste Zuversicht ist, unseren Waffen den Sieg, so wird erst recht die Möglichkeit des Geldver- dienens nicht eingeschränkt werden. Im übrigen gilt auch hier: Ulle Sorge werfet auf ihn; denn er sorget für euch.
Tine Bitte an unsere ausmarschierenden Krieger: vergesset nicht, wenn einem eurer Kameraden etwas zustößt, die Seinen sofort durch eine Postkarte zu benachrichtigen! Die amtlichen Stellen sind oft nicht in der Lage, das gleich zu besorgen, wissen auch oft nichts über das Schicksal des Einzelnen. In der Heimat entsteht dann eine quälende Ungewißheit. Uls am 18. Uugust 1870 die Schlacht bei Gravelotte geschlagen war, gelangten Nachrichten über Tod und Verwundung erst nach verhältnismäßig langer Frist in die hessische Heimat. Um 20. Uugust strömten angstvolle Menschen in großer Zahl in Darmstadt zusammen, um über das Schicksal der Ihrigen etwas zu erfahren, hätten die Kameraden gleich Meldung in die Heimat gesandt, so wäre es besser gewesen. Im Kriege 1870/71 sind ungefähr 3000 deutsche Soldaten vermißt worden, vielleicht wäre ihr Schicksal den Ungehörigen bekannt geworden, wenn die Kameraden eine Nachricht gesandt hätten. Jeder Soldat tut gut, die genaue Udresse seiner Ungehörigen aufzuzeichnen, sie bei sich zu tragen und sie auch den Kameraden, denen er besonders nahe steht, mitzuteilen. Tut er das, so hat er für alle Fälle Vorkehrung getroffen.
Sollten im Laufe der nächsten Wochen verwundete nach Gießen gebracht werden, so ergeht an alle Bewohner unserer Stadt die Bitte, doch nicht neugierig zuzusehen, wenn die Opfer des Krieges durch Mitglieder der Sanitätskolonne von der Bahn nach den Lazaretten gebracht werden. Nur der, der etwas dabei zu tun hat, finde sich hierzu ein. Nichts ist für einen verwundeten peinlicher, als wenn er von einer Menge Neugieriger angestaunt wird, vor 44 Jahren haben die verwundeten oft über zudringliche Neugier zu klagen gehabt, wenn sie in die Lazarette gebracht wurden.
Als am Samstag die Spannung auf das höchste gestiegen war und jeder fieberhaft auf die Entscheidung wartete, marschierten zwei „Wandervögel" barhäuptig, wie es die Mode
und die Sucht, bemerkt zu werden, mit sich bringt, vom Bahnhof in die Stadt. Die unvermeidliche Zupfgeige — früher hieß man das unnütze Ding wohl Mandoline — war mit einer Nnzahl von bunten Bändern geziert, in den Rucksack war so viel gepackt, als ob es direkt nach Moskau gehen sollte. Stolz und selbstbewußt, ohne nach den gewöhnlichen Menschen zu schauen, so als ob sie allein da seien, schritten diese „Wandervögel" dahin. In einer so ernsten Zeit ein solcher Nufzug! Gott gebe, daß der Krieg uns von dem eitlen Gebaren junger Menschen, die noch nichts geleistet haben, erlöse! In Kriegszeiten, überhaupt in ernsten, schweren Zeiten, bleibt nur der Tüchtige und Bescheidene obenan, Gespreiztheit und Unnatur fallen in die Versenkung.
Gießen ist eine musikliebende Stadt. Ebenfalls am Samstag, gerade in den Stunden, da die Spannung auf den höchstem Grad gestiegen war, schlug ein junger Mensch in der Liebig- straße, wie er das seit langer Zeit tut, unbarmherzig auf die Tasten eines verstimmten, anscheinend alten Klaviers. Das war schon früher eine Rücksichtslosigkeit, zumal der Klavierspieler seine Kunst bei offenem Fenster auszullben scheint, an diesem Tage aber war das ein Unfug; denn lauter Tänze, vornehmlich Sachen aus der Operette „polnische Wirtschaft" wurden gespielt und das stundenlang, fast ohne Rufhören. Wie schrecklich ist dieses Klavierspiel für alle gewesen, die, erfüllt von großer Sorge, in der Nachbarschaft wohnen. Das Klavierspiel ist überhaupt in Gießen eine lästige Plage. Wer jetzt in dieser ernsten Zeit, da wir großen, für uns alle bedeutungsvollen Entscheidungen entgegensetzen und da wir um unsere Lieben bangen, auf dem Klavier leichte Musik spielt, der läuft Gefahr, bei allen Gutgesinnten Entrüstung heroorzurufen.
Griechische Reisen und 5ommersrischen.
von Geh. Gberkonsistorialrat D. W. petersen in Darmstadt.
(Fortsetzung.)
300 Fahre später lud der Thebaner Epaminondas bei seinem siegreichen Kampf mit den Spartanern die zerstreuten Messenier ein, sich wieder in ihrer alten Heimat anzusiedeln und für ihr neuerstandenes Staatswesen als Mittelpunkt eine feste Stadt zu erbauen. Sie bekam den Namen Messene, deren Ruinen die besterhaltenen Stadtruinen Griechenlands sind, hoch über ihr aus dem Ithome thronte die Rkropolis. Die Stadt selbst war ein unregelmäßiges Viereck von neun Kilometer Umfang und bot Platz in Kriegszeiten für die Rnwohner und für zu bestellende Felder. Ruf dem Gebiete der Stadt befinden sich jetzt ein Kloster und zwei Dörfer. Ruf dem Gipfel von Ithome war ein Heiligtum des Zeus Ithomatos. Der ganze Berg war ein Heiligtum des Zeus, wie der Lykaion, von Eichen beschattet, mit Ouellen gesegnet. Ruch soll er hier geboren und von Nymphen in dem Ouell gebadet worden sein, von dessen Wasser täglich in das Heiligtum getragen wurde. Ruch hier herrschte ein Kult, der Menschenblut forderte. Oestlich an den jetzt vorhandenen Klosterruinen war der Rltarplah, der noch heute von den Landleuten zu festlichen Tänzen benutzt wird.
Beherrschend ist der Blick von oben: Im Norden der Lykaion, im Osten der Taygetos, im Süden die Windungen des pamisos, Kalamata und der Golf von Koroni, im Westen Gebirge und nordwärts das ionische Meer oberhalb Kqpa- nitia. In den Stadtruinen selbst liegt heule das Dorf Mauro- mati Schwarzauge, wohl nach der kräftigen Dorfquelle


