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Gemeinüeblatt füröie evangelische Kirchengemeinüe

Giesrew

Nr. 31. Gießen, 9. Sonntag nach Trinitatis, 9. August 1914. 3. Jahrgang.

Lin feste Vurg ist unser Gott.

Psalm 46, 8. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Dott Jakobs ist unser Schutz

Nun ist der Krieg da, der für uns alle seither scheinbar in weiter Ferne stand und dessen Kommen wohl viele von uns für ganz unmöglich hielten. Gott hat es in seinem Natschlusse zugelassen, daß jetzt das wilde, eiserne Würfelspiel anhebt, daß wir Deutsche mit Aufbietung aller unserer Kraft gegen mächtige Gegner zu kämpfen haben, von der Ostsee bis zu den Rlpen, von Straßburg bis nach Memel sind in dieser Woche die deutschen Männer und Jünglinge zusammen­geströmt, um dem Kufe des Kaisers Folge zu leisten, um den heimischen Loden gegen fremde Eindringlinge zu verteidigen, andere sehen dem Tage entgegen, da sie zu den Fahnen eilen, und wenn diese Betrachtung, die wir am ersten Mobil- machungrtage schreiben, gelesen wird, so haben die ersten Gefechte wohl schon stattgefunden, herrlich ist die Begeiste­rung, die, gepaart mit tiefem Ernste, jetzt unser Volk erfüllt, groß ist der Opfermut, der durch alle Stände hindurchgeht. Daneben steht aber auch das tiefe, bittere Weh. Wer in diesen Tagen unsere Reservisten und Landwehrleute Rbschied von den Shrigen nehmen sah, der weiß, was für herzerschütternde Szenen sich dabei abgespielt haben und wieviel Tränen ge­weint worden sind.

Dennoch geht durch unser Volk der Geist der Festigkeit und Ruhe. Wer in der Stunde, da der Befehl zur Mobil­machung bekannt wurde, auf den Straßen unserer Stadt war, der sah manches tiefergriffene Rngesicht, aber er sah auch Ruhe, Festigkeit und Zuversicht. Rm Sonntag waren unsere Kirchen gedrängt voll von Menschen, die Gottes Rngesicht suchten, von ihm, dem Herrn, Trost begehrten und ihn um Schutz und Gnade anriefen. Zu dieser Festigkeit haben wir allen Grund; denn an dem, das über uns gekommen ist, tragen wir keine Schuld. Des Schicksals Woge ist über uns dahin­gerollt, ohne daß wir sie aufhalten konnten, oder richtiger gesagt, Gott hat es zugelassen, daß unser Volk in diesen Kampf um seine Existenz hineingezogen worden ist. Mit Paulus können wir sprechen: Unser Trost ist, daß wir ein gutes Ge­wissen haben. Das auch wissen wir, daß unser vielgeliebter Kaiser alles daran gesetzt hat, uns den Frieden zu erhalten.

Unsere Regierung ist sich in hohem Maße ihrer Verant­wortung bewußt gewesen. Über in dem Land der Unkultur und des Halbbarbarentums, in dem Lande, in dem man keine Gewissenhaftigkeit kennt, besteht seit langer Zeit die Rbsicht, das Deutsche Reich anzugreifen, unsere blühende Kultur zu vernichten und unsere Fluren durch die Hufe der Kosaken­pferde zerstampfen zu lassen. Die diesen Krieg aber im letzten Grunde auf dem Gewissen haben, das sind die Franzosen. Dieses eitle, selbstsüchtige, gehässige Volk wartet schon längst auf den Tag, an dem es an uns Rache nehmen kann. Ts ist ein Volk, gottlos bis in das Mark hinein, freidenkerisch vom Minister bis zum Rrbeiter, ein Feind jeder geoffenbarten Re­ligion. Diese beiden Völker, das im Osten und das im Westen, sie haben vor dem Richterstuhle Gottes die furchtbare Verant­wortung für diesen Weltkrieg zu tragen, und so wahr als ein Gott im Himmel lebt, er wird die Schuldigen vor sein Gericht ziehen und ihnen den Lohn geben, den sie verdienen. Wir aber kämpfen für den Bestand des Deutschen Reiches, wir ver­teidigen unser Volkstum, unsere Kultur, unsere Sprache und Gesittung, unser Haus und unsere liebe Heimat.

Und unsere ganze Zuversicht setzen wir auf Gott. Mit dem psalmisten reden wir: Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz, vom Gottvertrauen, von dem harren auf den Herrn haben wir in unseren Gottes­diensten oft gehört, oft haben wir die schönen Glaubenslieder gesungen, die von dem vertrauen auf den Herrn erfüllt sind, nun sollen wir praktisch zeigen, ob dieses vertrauen in uns lebt, ob wir stille sind gegenüber den Fügungen des Herrn. Dieser Krieg ist für unser Volk eine Glaubensprobe. Wir wollen beten, daß wir diese Probe bestehen. Die große Stunde soll kein kleingläubiges Volk finden.

Dunkel ist die nächste Zukunft. Was der Herr über uns beschlossen hat, das wissen wir nicht. Rber wir vertrauen auf den Sieg unserer gerechten Sache, wir hoffen zu Gott, daß er unser Fjccr zum Siege führt. Den Rusziehenden sei zuge­rufen: Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark! Streitet mutig, betet zu Gott, haltet in treuer Kamerad­schaft zusammen, seid milde gegen die friedlichen Bewohner der mit uns im Kampfe stehenden Länder. Wir, die wir zu Hause bleiben, wollen tun, was wir können, wir wollen die Traurigen trösten, die Kranken und verwundeten pflegen und