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mitbringen sollte. Der Kaffee war in Holland billiger als in Deutschland, und den Zollbeamten an der Grenze, so sagte mein Landsmann, würde er ein Schnippchen schlagen.

Ungefähr in der Zeit, daß Gottfried uns verließ, er­schien an der holländischen Küste eine zweite pfälzische Ka­pelle. Ls waren Musiker aus Kusel und aus den Dörfern, die um den potzberg herum liegen. Wir sahen bald ein, daß zwei Kapellen zu viel seien, und da wir auch unseren Lands­leuten etwas Verdienst gönnten, so zogen wir landeinwärts mit der Absicht, später über die Zuider Lee nach Friesland zu fahren. Wir berührten Delft, wo das berühmte Porzellan hergestellt wird, kamen nach Rotterdam und Dordrecht und wandten uns dann nordwärts nach Utrecht. Zn der Uähe dieser Stadt wurde mir ein schmaler Wasserstreifen gezeigt und gesagt, das sei der Uhein. Ich staunte gewaltig, daß der deutsche Fluß, der breitwogend an Bergen, Burgen und Städten vorüberfließt, dadurch so arm und klein wird, daß er sich bei seinem Eintritt in das holländische Gebiet in viele Arme teilt.

Zn Utrecht hatten wir an einem schönen Sommermorgen im Zentrum der Stadt, am Stadthause, am Dom und aus dem Fischmarkte Musik gemacht und kehrten mittags müde und hungrig in unsere Herberge zurück. Es waren Briefe aus der Heimat angekommen, die uns aus Amsterdam nachgesandt worden waren. Buch für mich war ein Brief dabei, den ich an den Schriftzügen als von meinem Bruder Fritz herrührend erkannte. Zch steckte den Brief in meine Joppe und zu­erst mit meinen Kameraden zu Mittag. Dann steckte ich ruhig meine kurze Pfeife an und öffnete meinen Brief. Fritz schrieb mir, daß die Mutter in der letzten Zeitunpaß" gewesen sei, sie habe Uheumatismus gehabt, so daß sie nicht recht gehen konnte, jetzt sei es wieder besser mit ihr. Dann berichtete er von dem Stand der Felder. Die Kornäcker stün­den gut, ebenso die Kartoffeläcker, aber Gbst werde es recht wenig geben, und auch mit dem Wiesenheu dürfte es besser sein. Zum Schluß aber hieß es:Und denke dir, Peter, in der vorigen Woche ist Gottfried Keiper nach Hause ge­kommen, um seinen Vater zu besuchen, der jetzt immer im Bett liegt und keine Luft kriegen kann, und am vorigen Sonntag hat sich Gottfried mit Marie Lippert verlobt. Sic sind tags zuvor miteinander in Kaiserslautern gewesen und haben sich dort die Ringe gekauft. Man erzählt auch im ©rt, daß sie in diesem Jahr miteinander die Fastnacht in Mainz mitgemacht haben. Kurz vor Weihnachten wollen sie heiraten, und der Gottfried läuft in Ruppertsecken herum und erzählt überall, jetzt werfe er die Klarinette an die Wand. Die Mutter sagt, es sei ein Glück, daß du von dem leicht­sinnigen Mädchen gelassen habest. Sonst weiß ich keine Neuigkeiten zu schreiben. Ts grüßt Dich Dein Bruder Fritz."

Ts war mir bei dieser Nachricht, als ob der Himmel eingefallen sei. vorher war ich recht vergnügt gewesen, nun brauste es mir im Kopfe. Zorn, Schmerz und Scham er­füllten mich. Zch hörte nicht mehr auf die Reden meiner Kameraden, ich sah gleichsam im Traume die Gäste in dem Wirtszimmer aus- und eingehen. Zn allen nfeinen Hoff­nungen war ich enttäuscht. Dahin der Traum von dem Leben des reichen Kaufmanns, vor mir sah ich nichts als Musi­kantenmühe, das Marschieren auf der staubigen oder kotigen Landstraße, bis ich einmal alt und grau geworden sei. Rm meisten empörte mich die Untreue des Mädchens. Sie war mir nachgegangen und nicht ich ihr, sie hatte mir Verspre­chungen gemacht und ich nicht ihr. Wir waren ja entzweit und völlig auseinandergekommen, warum hatte sie mir einen

Tag vor meiner Rbreise in Rockenhausen aufgelauert und mir Treue versprochen? Und die falsche Schlange treibt sich mit Gottfried Keiper in Mainz herum und bändelt hinterher doch wieder mit mir an.

Zch konnte nicht im Zimmer bleiben. Zch ließ meine Trompete hängen, die Mütze setzte ich auf und rannte fort, hinaus in das Freie. Nie mehr, so dachte ich, würde ich jetzt nach Ruppertsecken zurückkehren können. Man wußte im Dorf, daß ich mit Mariegegangen" sei, und nun hatte sie mir den Laufpaß gegeben und einen anderen genommen, ich war blamiert in meiner Heimat und weit darüber hinaus. Schon deshalb, so dachte ich, würde ich jetzt nicht mehr nach Hause gehen können, weil es mir dabei passieren könnte, Gottfried Keiper an der Ladentür stehen zu sehen und viel­leicht es noch erleben zu müssen, daß er mir eine höhnische Fratze machte. Zn meinem Zorn erwog ich allerhand un­sinnige Pläne. Zch wollte mich bei der holländischen Marine anwerben lassen oder nach Frankreich reisen, um in die Fremdenlegion einzutreten. Rdieu Ruppertsecken dachte ich, dich sehe ich niemals wieder.

Mit diesem Gedanken rannte ich die Straßen auf und die Straßen ab und stand schließlich auf einem großen, freien Platze, der mit Linden bepflanzt war. Dieser Platz war von dem breiten Kanäle begrenzt, der die ganze Stadt einschließt.

Zch setzte mich, das Gesicht dem Kanäle zugewandt, auf eine Bank und weinte, daß mir die Tränen über die Backen liefen.

Da hörte ich plötzlich eine mir im ersten Rugenblick un­bekannte Stimme rufen:Peter, was ist mit dir?"

Zch drehte mich um und sah einen jungen Mann, der ungefähr von meinem Alter war, vor mir stehen. (Er trug einen dunklen flnjug und hatte eine Mappe sowie einen pack Bücher unter dem linken Arme.

Sprachlos starrte ich den jungen Mann an,' ich kannte ihn nicht, ein Musikant war er nicht, das sah man an seiner Kleidung und an seiner ganzen Art. Da sagte der Unbe­kannte mir:Ti, Peter, kennst du mich denn nicht mehr, ich bin ja doch aus Marienthal, und wir sind zusammen in die Konfirmandenstunde gegangen."

(Fortsetzung folgt.)

Kleine Mitteilungen.

DieJungens". Jeder Deutsche weiß, daß jeder deutsche volksstamm seine besondere Mundart hat und daß oft Dörfer, die nur eine halbe Stunde voneinander entfernt sind, einen verschiedenen Dialekt sprechen, namentlich die vokale verschieden aussprechen. Ts ist sicher, daß der Würt- temberger, der sein Urschwäbisch spricht, sich mit einem platt­deutsch Redenden so gut wie gar nicht verständigen kann. Auch das Vogelsberger Deutsch, das der aus Schotten stam­mende Schriftsteller ©tto Müller als eine rauhpolternde Mundart bezeichnet, dürfte nicht von jedermann in deut­schen Landen verstanden werden. Indessen hat jeder deutsche Dialekt seine Berechtigung, und niemand braucht sich zu schämen, den Dialekt seiner Heimat zu sprechen. Uniformie­rung auf dem Gebiet der deutschen Sprechweise ist gar nicht zu wünschen. Aber wenig erfreulich ist es, wenn man sich Dialektformen aneignet, die mit dem heimatlichen Dialekte gar nichts zu tun haben. Ts klingt sehr schön und treu­herzig, wenn ein Bayer sagt, er wollea bissel" spazieren