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eine große Stube mit Holzbalken. Rn den Wänden standen Koffer mit dem Heiratsgut der Frau. Ls gab Eier und harten, bitteren Käse zum Rbendbrot. Mit Zagen legten wir uns auf die Teppiche, die uns zum Nachtlager hingebreitet wurden. Liner meinte, auf dem Balkon sicherer schlafen zu können, hatte dafür aber nur das Vergnügen, bei Mondschein die Wangen an der Hauswand zu reiben. Wir andern, die wir drinnen blieben, fühlten ja freilich anfangs auch, wie es an unsern Beinen krabbelte, aber der Müde schläft schließlich doch ein. Nun waren wir freilich sehr früh wach und saßen nach dem Morgenkaffee schnell im Sattel. Da sahen wir erst im Morgengrauen den schönen Winkel von Rndritsäna und den herrlichen Rusblick auf die Berge. Unsere Pferde krochen langsamen Schrittes die Rbhänge hinauf. Nachdem man eine erste Höhe erreicht hat, geht es bergab und dann wieder bergauf über den nächsten Berg und so auf und ab durch ein Waldgebiet mit mißhandeltem Lichenwald. Nach zwei Stunden war der letzte verzweifelt steinichte Bergabhang erklommen. Der Wald hatte uns verleitet, abzusteigen. Wir waren also zu Fuß, ich voran, da stürzten bei einer Tanne rasende Hunde auf mich los, es entspann sich ein heiteres Steingefecht, bei dem die letzte Müdigkeit verflog. Noch 5 Minuten weiter und-wir standen am Tempel von Bafsä oder phigaliä.
phigaliä war im Rltertum eine hohe Felsenburg, von schönen Gebirgen umringt, an einem Rbhang, der zu einem Flusse sich absenkt, der in engem Tal geraden Weges dem ionischen Meere zustrebt, innerhalb der Mauerreste phi- galias liegt heute ein kleines Dorf paulitza, von spärlichem Rckerland und Gelpslanzungen umgeben. Man ist überrascht, in dieser Höhe von über 1100 m, in dieser Wildnis mit starren Klippen und niedergestürzten Baumstämmen plötzlich die heitere Schönheit eines hellenischen Tempel; zu sehen, von seinen Säulen hat die ganze Berggegend den Namen „stus stilus", ,,zu den Säulen" bekommen. Wie kam dieser Tempel in diese Linsamkeit? Im Rnfang des peloponnesischen Krieges trat die Pest wie in Rthen so auch im Peloponnes auf. Die phigaleer wandten sich in ihrer Sorge an Rpollon, der hier ein bescheidenes Heiligtum hatte. Lr erwies sich als der Lpikurios, der Helfer in der Not, der Rbwehrer der Seuchen, und die dankbaren phigaleer bauten ihm in Bassä einen neuen Tempel und beriefen als dessen Baumeister den größten der damals lebenden Rrchitekten, den Lrbauer des athenischen Parthenons, Iktimus. Vas Material dazu brachen sie in der Nähe, einen bläulich-weißen Kalkstein von feinem Korn. Der Tempel in seinen noch jetzt erhaltenen Teilen steht also etwa 2300 Jahre. Rlle Säulen bis auf zwei bis drei stehen noch aufrecht. Heute wie damals stehen die Berge und schauen ihn an. Noch heute ragt wie damals das scharf geschnittene Haupt des Ithome in der Ferne. Wie haben die Riten ihre Tempel zu stellen gewußt, welch ein Blick von dort oben! Nach Westen das blaue ionische Meer, nach Südosten über hohen Bergen die noch höhere Kette des Taygetos. vor uns nach Osten die beiden Berge Ilias, d. h. Lchkaion, und Tetrosi, nach Süden der stolze Ithome und links von ihm die Lbene von Messenien, und in unendlicher Ferne die schimmernde Fläche des messeni- schen Meerbusens! Das alles im Morgenlicht, es war wirklich so, daß es einen ernst und feierlich stimmen mußte.
Line Merkwürdigkeit an dem Rpollotempel von Bassä ist, daß wegen der räumlichen Verhältnisse die Orientierung derselben nicht nach Osten, sondern nach Norden genommen wurde. Die Säulen draußen waren dorisch, jedoch im Innern der Halle standen zwei Neihen ionischer Dreiviertelsäulen. Rn der Grenze der alten und der neuen Tempeleella erhob sich
eine korinthische Säule mit dem bekannten Rkanthuslaub am Kapitell. Das Mittelschiff war gegen den Himmelsäther offen, und an dem Gebälk, das im Viereck auf den Säulen herumlies, waren 23 Marmorplatten befestigt, etwas ganz Ungewöhnliches, da sonst diese Rrt Figurenfriese außen am Tempelhaus angebracht sind. Vieser Fries behandelt die Kämpfe zwischen Rmazonen und Kentauren, deren Figurensprache an die Figuren am Parthenon und Theseion in Rthen erinnert. Dieser Fries ist im Britischen Museum in London geborgen.
In den Ruinen nahmen wir unser Frühstück, wobei ein' Stück Leipziger Zervelatwurst den Glanzpunkt bildete. Vas Wasser dazu mußten wir uns erst nachher durch einen längeren Marsch erobern. Nur zögernd nahmen wir von dem Tempel Rbschied und ritten nach dem Dorf Dragoi und von dort hinunter auf ziemlich ödem Terrain nach der Nedab- schlucht, die wie eine tiefe Furche sich gradlinig nach dem Meere zieht. Nach langem Ritt erreichten wir ihr steiniges Bett, in dem prächtige Platanen und Oleander standen, und dann ging das Klettern in der Linsattlung los, durch die der Weg nach Messenien führt. Dürftiger Lichwald tröstet das Rüge. Die Sonnenglut war brennend, die Zunge wurde schließlich hart wie ein Brett im Munde. Lndlich, mittags, erreichten wir ein elendes Dorf auf der Paßhöhe. Rm Brunnen wuschen die Weiber, aber zu essen gab es nichts im Dorf und wir zogen vor, noch weiter zu gehen.
vor uns lag wie ein Paradies die ganze messenische Lbene und in der Ferne eine neblige Masse, der Busen von Kala- mata. Rechts und links ragten Berge von 3—4000 Fuß Höhe auf. Dieses große und liebliche Bild hatten wir vor uns, während wir hinunterstiegen. Vieser Rbstieg war, was den Weg betrifft, abwechselnd angenehm und fürchterlich. Schon machte sich der Unterschied in der Vegetation geltend. Mehr südliche Pflanzen waren zu sehen; die Kräftigkeit und Ueppig- keit des Wuchses fiel einem auf. Ls dauerte immerhin noch mehr als eine Stunde, ehe wir in die Lbene hinunterkamen. Ls war bereits nach 2 Uhr nachmittags, als wir das Dorf Garanza erreichten. Rn einem Hause machten wir Halt. Ls gab Brot, Lier, Melonen. Man bot uns eine Wassermelone von 8 V 2 Oka = 21 Pfund an, die wir aber ablehnten. Dafür nahmen wir eine andere Melone, die auch über einen Fuß lang und von wunderbarem Saftreichtum war. Brot, Melone und Wasser, das schmeckt und ist nicht so ungesund, wie man argwöhnen möchte. Lin Mastixschnas wurde sicherheitshalber noch darauf gesetzt. Nach einstündiger Rast ging es weiter in dem trockenen Bette eines Bergbaches, dessen Lauf von einem mannshohen Blumendickicht eingesäumt war, das wir auch nachher durchritten. Bald kamen wir durch Felder; alle waren eingefaßt mit Kaktushecken. Rus jeder Pflanze ragt ein Blütenschaft von der Dicke und Höhe eines kleines Baumes hervor, jedes Blatt ist mit 20—40 Kaktusfeigen garniert. Letztere werden nicht verkauft, sie ruhen in einer Stachelhülle und werden mit langen Stangen, die am Lnde eine Lisenspitze haben, abgenommen, sie dienen auch den Schweinen zum Futter. In der Lbene war kein Fußbreit unbebaut. Für Wege scheint man nur den unumgänglich notwendigen Raum zu lassen. Mich interessierte sehr, die Sesamfelder zu sehen. Sesamkuchen sind ein beliebtes Gebäck der Kinder und schließlich werden die Sesamkörner oft gebraucht, um auch dem Brot einen besonderen Geschmack zu geben und Sesamöl für Fastenspeisen zu gewinnen. Die Sesampflanze sieht aus wie ein riesiger Waldmeister. Korinthenfelder gab es die schwere Menge und dann die unzähligen Feigenbäume. Hier ist wirklich das Paradies Griechenlands, das Land des


