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Gebirgsdorfe den letzten Seufzer aushauchen. Lin großer Unterschied aber ist es, ob ein Mensch sich rühmen kann, daß er, wie Jeremia sagt, Gott weiß und kennt, ob er den Gott gefunden hat, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden, oder ob er fern ist von Gott. Und ein großer Unterschied ist er, ob ein Mensch in seiner Lrdennot und Lrdenschuld Hilfe an Jesus gefunden hat oder ob ihm der Heiland völlig gleichgültig ist. Darum geziemt es sich für den Thristen, daß er sich über die Errungenschaften der Neuzeit freut und, so weit er dazu imstande ist, an ihrer Förderung arbeitet, daß er es aber sein höchstes Bestreben sein läßt, darnach zu trachten, wie er selig werde. h. 6.
Griechische Reisen und Sommerfrischen.
von Geh. Gberkonsistorialrat E>. u>. petersen in Darmstadt.
(Fortsetzung.)
Unser ll)eg geht westlich in die Berge. vor uns erheben sich die stolzen höhen der Upanochrepa 1559 m hoch. Ls ist ein kahles Gebirge. Der Morgen färbt den östlichen Himmel, die verge setzen ihre Nosenhauben auf, es ist wundervoll, viel Verkehr ist auf der Bergstraße. Uebernächtige Menschen, oft mit Gesichtern, denen man Entbehrung und Urbeit ansieht, Esel und Maultiere mit dem Gras, das morgen in den Ofen geworfen wird, und mit Holz kommen vorüber. EDir erreichen ein Dorf Selimno in einer Talmulde, steigen dann etwas abwärts zu einer zweiten Talmulde, der des Flusses D a v i ä s. Das ist der h e l i s s o n der Ulten, der von hier aus durch eine enge Schlucht zwischen steilen, mit Fichten bekleideten Bergen sich der Ebene von Megalopolis zuwendet, der Stadt, die einst nach der Schlacht bei Leuktra unter thebanischem Schutz von den Urkadiern gebaut wurde als Trutzburg gegen die spartanischen Erbfeinde, der Ltadt, in der der „letzte Grieche" Philogamon, der Führer des achäischen Bundes und der ausgezeichnete Geschichtsschreiber polqbios geboren wurden. Ein Dorf gleichen Namens Daviä bleibt uns zur Rechten. Nach vorn eröffnet sich der Blick auf ein stolzes Gebirge. Es ist das alte Mänalon. Ueber dem Dorfe Daviä erhebt sich eine alte Burg, ein paläokastro mit mittelalterlich verbauten antiken Besestigungswerken. Im Flußtal sind Maisfelder. Der weg geht wieder bergan, vor uns liegt der etwa 1400 m hohe Zygovisti. Ln halber höhe desselben sieht man in der Ferne ein großes Dorf rechts liegen, Pinna mit mittelalterlicher Burg. Das Uuge eilt schnell begierig, langsam folgt der Huf der geduldig bergansteigenden Pferde. Ruf den Bergen ist Tannenwald. Nach g'/Jtündigem Ritt erreichen wir in einer Talmulde, die von mit Tannen bewaldeten Bergen umgeben ist, das 1101m hoch gelegene Dorf Ehrysowitzi. Die Leute strömen gerade aus der Rirche, unendlich viele Rinder sind darunter. Eine Mutter trug ihr kleines Rind in einer Rrt Rlapp- stuhlsitz an einem Strick auf dem Rücken. Das sah man in Rrkadien öfter. IV 2 Stunden blieben wir im Dorf, lvir sahen uns nach Nahrungsmitteln um. Es gab nur Eier. Eine Rind- fleischkonseroe wurde geöffnet und gutes dunkles Brot gekauft. Die Ronserve wärmte ich am holzfeuer im Familienzimmer. Ruf dem Ramm stand ein Rochgeschirr, nebenan ein schmutziges Gefäß mit lvasser, das zum Rbspülen diente. Das lvasser wurde offenbar nicht gewechselt. Die Dürftigkeit eines griechischen Bauernhaushaltes trat einem hier gleich vor Rügen, wir brauchten einen Löffel, es schauderte einem doch, wie die Hausfrau ihn in da; Wasser von zweifelhafter Reinheit eintauchte und ihn harmlos an ihrer Schürze abtrocknete.
lins mundete trotzdem der Imbiß, und gestärkt begaben wir uns auf den weiterritt. Der schwierigere Teil des Weges begann. Bergauf, bergab ging es etwa drei Stunden durch herrlichen Tannenwald, wohlgemerkt, es handelt sich hier um Edeltannen, die in Griechenland erst bei über 1000 m höhe gedeihen. Ich wurde lebhaft an die Edeltannenlandschaft des parnas in Rttika erinnert, zu der ich in neun Sommern hinaufzusteigen Gelegenheit hatte. Eirve herrliche Gegend tat sich vor uns auf. Rite knorrige, wetterharte Bäume verbreiteten Schatten. Schließlich kamen wir aus dem Wald heraus und mußten wieder tief hinab und dann entsprechend hoch hinauf. Schließlich war es eine furchtbare Steineinöde, rattenkahle Berge und ein weg so unwegsam, daß wir notgedrungen von den Pferden absteigen mußten, wir tauchten nun in eine großartige, wilde Felsschlucht und kamen bei unserem Rbstieg um einen Berg herum, wo sich auf einmal überraschendes Grün unserem Rüge darbot. Es rührte her von wundervollen Bäumen, die bei einem steinernen Brunnenhaus standen. In letzterem war klares, eiskaltes Wasser, woran wir uns erquickten. In tiefer Felsschlucht stürzte das Wasser hinunter, der Ueberschuß benutzte unsere Straße als Rinnsal. In der Ferne wurden Häuser sichtbar. Nach einer Viertelstunde standen wir vor Stamnitza, einem höchst malerischen Felsennest, das an einen Regelberg hinangebaut ist, wie versteckt vor Türken und Räubern, wir ritten in den Grt und stiegen an einem Raffee- haus ab. Es war Vü 4 Uhr. Zu uns gesellte sich der Dimarch (Bürgermeister), ein Mann mit nicht gerade vertrauenerweckendem Reußern. Die liebe Jugend des gegen 3000 Einwohner zählenden Grtes umstand uns staunend, so wie man etwa bei uns die Fürstlichkeiten begafft. Unsere Begleiter halten nach einer halben Stunde ein passendes Nachtquartier gefunden, ein ganz neues Haus noch ohne Fenster. Darin konnten keine Wanzen sein. Rlle Bequemlichkeiten fehlten. Es gab dort nicht einmal ein Waschgefäß. Die Wäsche wurde auf dem Balkon ohne Brüstung vorgenommen. Der sich waschende wurde von einem andern sestgehalten, während ein Dritter ihm das Wasser über die Hände goß. Im Untergeschoß war ein Räse- lager, dessen nahrhafte Düfte durch den Lretterboden zu uns emporstiegen. Eine Flasche diente abends als Leuchter.
wir machten einen längeren Spaziergang, wie reizend das Nest liegt! Unterhalb des Dorfes zog sich zwischen steilen, hohen Felswänden die grüne Schlucht hinab. In der Ferne leuchteten andere Berge, nördlich die 1546 m hohe Rlinitza. wir nahmen unsere Mahlzeit, Eier, Ronservenfleisch und Brot, ein und schrieben Briefe, dann legten wir uns auf unsere eigenen Reisedecken auf den Boden, als Ropfkiffen dienten uns unsere Reisetaschen. (Es war die erste Nacht ohne Gasthof, und die Rnochen taten einem weh, aber es gab wenigstens kein Ungeziefer. Jede Stunde wachte man vor Schmerzen auf, um sich wieder auf eine andere Seite zu legen. So verstrich die Nacht, und mancher Seufzer wurde laut.
Mit schmerzenden Gliedern wachten wir am nächsten Morgen um 4 Uhr auf und weckten selbst unsere Begleiter. Herr N. braute einen Tee, der aber völlig mißlang und von uns als warmes Wasser getrunken wurde. 3um Glück hatte die Wirtin uns Ra'ffee gemacht, zu dem das trockene Brot vortrefflich schmeckte. Bald brachen wir auf, zunächst zu Fuß, dä der Pfad in der großartigen und stark bewachsenen Schlucht von Stamnitza stark bergab ging. Vas Bild vor uns war ein herrliches: Das Lykaiongebirge, jetzt viaphorti genannt, etwa 1300 m hoch, erglänzte in feierlichem Morgenlicht. Der Ly- kaion war der arkadische Glpmp. Der ganze Berg war den Rrkaden ein Heiligtum. Mit seinem die Wolken sammelnden


