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die halblange Pfeife und erzählte von seinen Musikanten­fahrten. Er log das Blaue vom Himmel herunter und schämte sich auch nicht, wenn ich dabei saß, der ich doch genau wußte, wie weit in seinen Reiseberichten Wahrheit und Dichtung gingen. Ruch die beiden Lehrer und sogar der alte Bürger­meister Rodenbecher waren häufig Gäste im Hause Lippert.

Da war denn von allem möglichen die Rede, vom Rriege gegen Frankreich, der ja erst um neun Jahre zurück­lag, von Rmerika, das man etwas aus den Berichten der ,Amerikaner" kannte, die aus Ruppertsecken gebürtig waren und hin und wieder, wenn sie es ermöglichen konnten, in die alte Heimat kamen, viel wurde auch erzählt vom ,,48er" und „49er" Jahre, da jeden Sonntag in der Nachbarschaft eine andere große Volksversammlung gewesen war und im Schloßgarten zu Rirchheimbolanden zwischen den Preußen und den rheinhessischen Freischaren ein Gefecht stattgefunden hatte, wobei 18 der letzteren den Tod gefunden hatten. Rm meisten wurde von dem Räuber Schinderhannes erzählt, der um das Jahr 1800 im Hunsrück, an der Nahe und in den an­grenzenden Teilen der Pfalz sein Wesen getrieben hatte. Wenn der Name des Zchinderhannes erwähnt wurde, wurde Bürger­meister Rodenbecher unruhig und lebhaft. Tr erzählte dann, wie der Räuber als Viehhändler verkleidet zu seinem auf dem Zchneeberger Hofe wohnenden Großvater gekommen sei, um eine Gelegenheit zum Einbruch auszukundschaften. Rber der Hofbesitzer hatte einen Rnecht gehabt, der den Räu­ber gekannt hatte. Da hat man nun nachts strenge Wache gehalten, und als der Räuber einige Tage später mit meh­reren Zpießgesellen um Mitternacht erschien und einsteigen wollte, hatte man die Eindringlinge durch Flintenschüsse ver­trieben. Rls der Räuber dann in Mainz hingerichtet worden war, hatte sich auch der Großvater des Bürgermeisters auf den Weg gemacht und war unter den vielen Tausenden ge­wesen, die das Ende des Bösewichtes und eines Teiles seiner Bande angesehen hatten.

Der alte Lippert war ein Prahlhans. Eines Rbends sah ich ihn über eins seiner Geschäftsbücher — er nannte es fein Hauptbuch gebückt sitzen. Lange schien er zu rechnen, wenigstens bewegten sich seine Lippen, dann sagte er: „Jetzt habe ich im letzten Jahre wieder einen Umsatz von 9000 MK. gehabt." Ich fiel vor Verwunderung fast von meinem Ltuhl. 9000 MK. beim verkauf von Kaffee, Rpfelsaft, Eichorie, (»elkuchen, Zchuhwichse und Reiter R. B., das schien mir doch ein gutes Geschäft zu sein. Ich gewann ordentlich Hochachtung vor dem Kaufmann und dachte: so ein Geschäft zu haben ist besser als in der weiten Welt die Trompete zu blasen.

(Fortsetzung folgt.)

'Uleine Mitteilungen.

Die 70. Jahresversammlung des hessischen Hauptvereins der Gustav-Rdolf-Ztiftung fand in diesem Jahre am 21. und 22. Juni in Wörrstadt in Rheinhessen statt, vor 31 Jahren (1883) hatte der Verein, damals unter dem Vorsitz des Prä­laten I). Habicht, dort auch freundliche Rufnahme gefunden, doch war dieses Mal die Tagung eine noch schönere und in ihren Veranstaltungen reicher ausgestattete.

vormittags um V 2 II Uhr war am Festsonntag schon ein Jugendfestgottesdienst, geleitet von pfarrassistent Reith von Zprendlingen (Starkenburg), vorausgegangen, viele auswär­tige Teilnehmer und Rbgeordnete fanden sich aber erst bei

dem um 3 Uhr abgehaltenen Festgottesdienst ein, in dem Pfarrer Nack von Pilsen über 1. Ioh. 3, 14 eine zu Herzen gehende predigt hielt. Der Vorsitzende des Hauptvereins, Pfarrer Dingeldey-Varmstadt, begrüßte darauf die das Gotteshaus bis auf den letzten Platz füllende Festversamm­lung, und nach ihm tat das Gleiche der Superintendent der Provinz, Gberkonsistorialrat Euler, beide mit trefflichen Worten.

Die öffentlichen Festoersammlungen in zwei Gasthöfen waren sehr zahlreich besucht. Sie wurden von Dekan Baper- Raunheim und Pfarrer Wagner-Bensheim geleitet. In ihnen sprachen abwechselnd Pfarrer Winkelmann-Pettau über „Der Kampf für Evangelium und Deutschtum in Süd-Desterreich" und Pfarrer Rehwald-heppenheim über „Der deutsche Ge­danke und der Gustav-Rdolf-Verein".

Nach einer kurzen Pause versammelte man sich wieder in der großen neuen Turnhalle, die bis auf den letzten Platz besetzt war. hier überreichten nach einer Eröffnungsansprache des Präsidenten des Hauptvereins der Vorsitzende des Wörr- stadter Zweigvereins, Pfarrer Uhl von Nieder-Saulheim und Pfarrer Goethe-Wörrstadt Liebesgaben für den Verein. Im Namen der Theologischen Fakultät zu Gießen begrüßte Geh. Kirchenrat Professor O. Krüger die Versammlung mit einer von lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede. Gerade das Er­scheinen des Vertreters der Theologischen Fakultät der Lan- desunioersität trug sehr zur Hebung der Festfeier bei, um so mehr, da der genannte Herr auch der Sitzung des Verwal­tungsrates beiwohnte.

Nach verschiedenen Begrüßungen durch Vertreter aus­wärtiger hauptvereine sprach Pfarrer Nack-Pilsen über „Deutsch-Evangelisch in Böhmen und auf dem Balkan Er­lebtes und Geschautes".

Zuletzt brachten Glieder der Wörrstadter evangelischen Gemeinde das Festspiel „Luther in Oppenheim" von Nithack- Stahn zur Rufführung. Die gelungene Darstellung bildete den Glanzpunkt der Rbendversammlung, die mit dem gemein­samen Gesang „Gold'ne RbendsoNne, wie bist du so schön" geschlossen wurde.

Rm folgenden Tag begann schon um Va9 Uhr die ver- waltungsratssitzung im Rathaus, die fast von allen Zweig­vereinen durch Rbgeordnete beschickt war. Der Vorsitzende des Hauptvereins eröffnete die Sitzung mit einer kurzen 6n- sprache und ernannte unter Zustimmung der Rnwesenden Dekan Knodt von Groß-Zimmern und Pfarrer hepding- hausen zu Revisoren der oorgeprüften Rechnung für 1913. Ruf Grund derselben konnte dem Rechner Entlastung erteilt werden.

Nach kurzer Besprechung des Jahresberichts, durch den Schriftführer Dekan Bayer erstattet, und nachdem die Ver­sammlung dem Vorschlag beigestimmt, daß der Ersatz im Vorstand durch diesen selbst erfolgen solle, die Viasporage­meinden Bodenheim-Nackenheim und hllttenfeld bei Lam­pertheim in den Unterstützungsplan ausgenommen waren, wurde derselbe für 1914 festgestellt, wonach der Zentralvor- stand 6000 Mk., die hessischen Diasporagemeinden 21 000 MK. und die Gemeinden außerhalb Hessens an Beihilfen 6400 Mk. empfangen. Die Konfirmandengabe in 1913 für Budenheim betrug 2296.23 Mk. (darunter 106.75 Mk. aus dem Dekanat Gießen). Die Zinsen des hubenschen Legats mit 105 Mk. erhält die Gemeinde Horchheim bei Worms.

Rls Rbgeordnete zur Hauptversammlung des Gesamt- oereins in Freiburg i. B. wurden außer dem Vorsitzenden, der Mitglied des Zentralvorstandes ist, der Präsident des